28. April 2024

The Shadow of the Gods von John Gwynne

The Shadow of the Gods

Vor drei Jahrhunderten bekämpften sich die Götter des Nordens gegenseitig in einem blutigen Krieg, brachten sich selbst zu Fall und hinterließen ein verwüstetes und zerbrochenes Land. Viele Jahrzehnte dauerte es, bis sich die Menschen von diesem Krieg erholten und eine neue Welt entstand, in der machthungrige Jarls versuchen ihren Einfluss auf dem Kontinent Vigrið auszuweiten und das Land zu regieren. Schreckliche Kreaturen aus alten Sagen und Legenden durchstreifen die Wälder und Gebirge und sind für alle eine Bedrohung, die sich nicht mutig mit Axt und Schwert zur Wehr setzen können.

Kampfstarke Söldnertruppen lassen sich für den Schutz der Bevölkerung gut bezahlen, doch sie streben vor allem nach magischen Artefakten, Knochen und Schätzen der gefallenen Götter, die denen große Macht verleihen, welche verwegen oder verzweifelt genug sind sie aufzuspüren und sie zu benutzen.

Varg ist ein entflohener Sklave, der einen Schwur zu erfüllen hat und sich auf der Suche nach Vergeltung einer berüchtigten Kämpfertruppe anzuschließen versucht – den Blutgeschworenen. Die Jägerin Orka begibt sich auf eine gefahrvolle Suche, um diejenigen zu finden, die ihr Leben in einen Trümmerhaufen verwandelten. Und die ehrgeizige Kämpferin Elvar hat ihrer wohlhabenden Familie den Rücken gekehrt, um auf dem Schlachtfeld nach Ruhm und Ehre zu suchen. Drei Menschen auf der Suche und deren Taten das Schicksal aller Menschen beeinflussen könnten, als der Schatten der gefallenen Götter die Welt erneut in den Abgrund zu reißen droht.

Titel: Nordnacht (The Shadow of the Gods) Autor: John Gwynne Verlag: Blanvalet (Orbit) Reihe: Die Saga der Blutgeschworenen (The Bloodsworn), #1 Seitenzahl: 608 (496) Genre: Fantasy Alter: 16+ Erste Aufl.: 18. Oktober 2021 (04. Mai 2021) Ausgaben: Hardcover (ENG), Taschenbuch, E-Book, Hörbuch (ENG) ISBN: 978-3734163081 (Dt. TB) Folgeband: Frostnacht (The Hunger of the Gods) ab 2022

Über den Autor von The Shadow of the Gods

John Gwynne, Autor von "The Shadow of the Gods"
© Caroline Gwynne

John Gwynne wurde in Singapur geboren und lebt heute mit seiner Frau, vier Kindern und drei Hunden in East Sussex (England). Er hatte viele verschiedene Jobs, u. a. unterrichtete er an der Brighton University, verpackte Seife in einer Seifenfabrik und kellnerte in einem französischen Restaurant. Er gab die Arbeit an der Universität auf, um sich daheim intensiver um seine behinderte Tochter kümmern zu können und begann nebenbei Geschichten zu schreiben. Bekannt wurde John Gwynne vor allem durch seine vierteilige Reihe Die Getreuen und die Gefallenen und den Dreiteiler Blut und Knochen. Seine neue Trilogie trägt den Namen Die Saga der Blutgeschworenen (The Bloodsworn) und spielt zwischen den Bergen und Fjorden zur Zeit nordischer Mythen und Legenden. The Shadow of the Gods ist der erste Teil der Trilogie, der im Oktober unter dem deutschen Titel Nordnacht bei Blanvalet erscheinen wird.

John Gwynne über seine neue Trilogie The Bloodsworn

Es begeistert mich sehr, diese neue Reihe zu schreiben. Die Geschichte ist vor allem von der Beowulf-Legende inspiriert, einer Horde von Monster-jagenden, nordischen Söldnern. Allerdings sind die Kriegerhorden in meiner Geschichte weitaus weniger heldenhaft als Beowulf und seine Helden es waren, denn die größten Monster kämpfen nicht immer mit Zähnen und Klauen.

Ich bin tief in die nordische Mythologie und die skandinavische Folklore eingetaucht, um diese neue Welt zu erschaffen. Eine Welt mit eisblauen Fjorden, schneebedeckten Bergen und dunklen, nebeldurchzogenen Wäldern, in der Drachenschiffe die Meere durchpflügen und schreckliche Kreaturen durchs Land streifen.

Aber vor allen Dingen wird diese Welt von ihren Charakteren getragen werden. Ich hoffe, dass sie das Herz der Geschichte werden und dass sie die Leser in eine gefahrvolle Welt geleiten, in eine Welt von Versprechen und Verrat, von Liebe und Freundschaft — in die Welt der Blutschwüre.

John Gwynne über seine neue Trilogie „The Bloodsworn“ (Übersetzung), https://www.orbitbooks.de (24. Juli 2019)

Meine Meinung zu Shadow of the Gods

Endlich ist es angekommen, John Gwynnes neues Buch und der Beginn seiner neuen, faszinierenden Trilogie. Mit seinem lebendigen Schreibstil hat er sich bereits im vergangenen Jahr zu einem meiner liebsten Fantasy-Autoren entwickelt und ich erwarte inzwischen jedes neue Buch mit Spannung und großer Vorfreude. Dass ich dabei nicht der Einzige bin, erkennt man an der Tatsache, dass die erste Auflage von The Shadow of the Gods bereits nach wenigen Tagen in allen Londoner Buchläden vergriffen war und es sofort ein Bestseller wurde. Hier nun mein Eindruck für euch.

Ein Land voller Mythen und Legenden

Der komplette Schutzumschlag (Cover) der Hardcover-Ausgabe – einfach nur atemberaubend cool

In The Shadow of the Gods entführt John Gwynne seine Leserinnen und Leser in den kalten Norden eines skandinavisch geprägten Kontinents. Es ist ein Land der blauen Fjorde, rauschender Wasserfälle, schneebedeckter Berge und finsterer Nadelwälder. Ein Land, in denen schreckliche Kreaturen das Land und das Wasser durchstreifen und in dem am Lagerfeuer Sagen und Legenden von ruhmreichen Taten der Menschen und der Götter erzählt werden. Man merkt schnell, dass die nordische Sagen- und Götterwelt ein Steckenpferd des Autors ist und er sich seit Jahren damit befasst. Er tauchte tief in diese mystische Welt ein, um sie schließlich für die Leser in vielen Details lebendig werden zu lassen. So entspringen die gefährlichen Kreaturen in The Shadow of the Gods nicht etwa seiner Feder, sondern basieren zum großen Teil auf den Wesen aus der nordischen Folklore. Doch nicht nur inhaltlich hat das Buch so einiges für die Freunde des Nordens zu bieten, auch die stilistische Umsetzung konnte mich durchweg überzeugen. Nur wenige Autorinnen und Autoren schaffen es mich so sehr mit ihrem Schreibstil in den Bann zu ziehen, wie John Gwynne es kann. Es gibt Passagen, in denen er die Welt so stimmungsvoll beschreibt, dass wahrscheinlich auch die Skalden der damaligen Zeit ihre Fellmütze vor ihm ziehen würden. Manche Sätze haben in meinen Augen schon etwas Poetisches. Wenn John Gwynne das Land mit vielen Adjektiven beschreibt und es lebendig werden lässt, hat man bisweilen den Eindruck, man steht selbst auf dem Bergkamm und blickt über die nebelumschleierten, düsteren Wälder und Fjorde. Besser kann man eine Geschichte in meinen Augen eigentlich nicht erzählen.

Hinzu kommt eine Vielzahl skandinavischer Begriffe für Gegenstände und Wesen im Text. Damit ihr beim Lesen der Bloodsworn-Trilogie den Überblick behaltet, habe ich euch eine Liste der wichtigsten Begriffe mit kurzen Erklärungen übersetzt, die ich bereits im Netz gefunden habe.

Kampf und Magie sind ein wesentlicher Teil der Handlung

Nordnacht (The Shadow of the Gods)

Wer, so wie ich, auch die anderen Bücher von John Gwynne gelesen hat, weiß um die detaillierten Kämpfe, die darin ausgefochten werden. Gwynne Beschreibungen sind hart, blutig und fesselnd. Er selbst nimmt mit seinen Söhnen regelmäßig an nachgestellten, historischen Wikinger-Schlachten teil und war dabei selbst schon des Öfteren Teil einer Schildmauer gegen angreifende Horden. Wenn er blutige Schlachten im Buch beschreibt, dann schreibt er aus eigener Erfahrung und das merkt man auch am Detailreichtum seiner Texte. Ich hatte dabei jedoch nicht den Eindruck, dass Gewalt übermäßig gewichtet wird. Die Szenen spielen sich zum größten Teil in den Köpfen der Leser ab, denn der Autor hat es nicht nötig allzu blutige Details in den Vordergrund zu rücken, um den Lesern den Magen umzudrehen.

Vor dem Hintergrund bestehender Sagen und Legenden fällt es John Gwynne auch nicht schwer ein gehöriges Maß an Magie in seine Geschichte einzuflechten. Rituale, Runenmagie und Beschwörungen geben der Handlung noch einen zusätzlichen mystischen Akzent, der gut in seine Welt passt. Das wirkte auf mich zu keiner Zeit aufgesetzt, sondern fügt sich passend in die Erzählung und das Gesamtkonzept der Handlung.

Charakterentwicklung wie ich sie mir wünsche

Auch in The Shadow of the Gods finden sich wieder eine ganze Reihe von Charakteren, die man mit der Zeit einfach nur in Herz schließen kann – mehr oder weniger. Das Buch beinhaltet drei Handlungsstränge mit jeweils einer Hauptperson im Fokus, die mit jedem Kapitel wechseln. Insgesamt gibt es 53 Kapitel, womit die Kapitel mit durchschnittlich neu Seiten relativ kurz sind. John Gwynne erzählt nicht nur eine Geschichte, er erzählt gleich drei nebeneinander. Das hat sich bewährt, hält die Spannung hoch und sorgt für genügend Abwechslung ohne die Chance auf Längen.
Da ist zum einen die Jägerin Orka, deren Familie im Buch schreckliches widerfährt. Kein Wunder, dass sie sich also auf den Weg macht, um einige Übeltäter mit Odin bekannt zu machen. Sie ist sehr zielstrebig und auch ziemlich erfahren mit Waffen (und ich spreche hier bestimmt nicht von einem Messer zum Pilze schneiden). Ihre Vergangenheit bleibt im Dunkeln und klärt sich erst gegen Ende des Buches, was wohl für einige Leser eine kleine Überraschung sein dürfte.
Ebenfalls gut gefallen hat mir der junge Varg. Als ehemaliger Sklave möchte er dem Tod seiner Schwester auf den Grund gehen, worauf er einen Blutschwur ablegte. Leider benötigt er dabei die Hilfe einer Seiðr-Hexe und die warten nicht gerade an jeder Ecke, um ihre mächtigen Rituale durchzuführen… Mir hat gefallen, wie Varg sich mit der Zeit immer mehr aus seinem Schneckenhaus traut. Er befindet sich in einem ständigen Zwiespalt, da zum einen sein eigener Schwur schwer auf ihm lastet, den er unbedingt erfüllen muss. Andererseits lernt er als ehemaliger Sklave ohne Freunde immer mehr die Freiheit und die eingeschworene Gemeinschaft seiner Söldnertruppe kennen, die ihm immer mehr bedeutet. Varg ist zudem ein mutiger Kämpfer und er hat das Herz am rechten Fleck.
Die Kriegerin Elvar ist ehrgeizig und immer auf der Suche nach Ruhm und Ehre. Sie möchte sich in vielen gefährlichen Kämpfen beweisen und aller Welt zeigen, dass sie nicht die verweichlichte Tochter einer wohlhabenden Familie ist. Sie ist, wie Orka, eine starke Frau, die sich sicherlich in den folgenden Bänden noch weiter entwickeln wird. Daneben gibt es noch eine Vielzahl weiterer Charaktere, die die Handlung bereichern und für Abwechslung sorgen.

Ein runder aber offener Schluss

Das Ende des Buches kommt ohne große Cliffhanger aus. Zwar gibt es einen Showdown mit genügend Blut und Kampfeslärm (alles andere hätte nach seinen vorherigen Büchern auch nicht zum Autor gepasst), jedoch bleiben zum Schluss genügend lose Enden, um die Geschichte in Dead Gods Rising fortführen zu können. Ich freue mich auf den zweiten Teil, der im Frühjahr 2022 erscheinen soll.

Mein Fazit zu The Shadow of the Gods

5 von 5 Sterne „Überzeugend gut, atmosphärisch stark.“

Das Warten auf The Shadow of the Gods hat sich gelohnt. Handlung, Schreibstil und Charaktere, für mich passt alles zusammen und nach 480 Seiten hätte ich nur allzu gerne weitergelesen (oder vielleicht das Buch noch einmal von vorne begonnen). Besonders gut gefallen hat mir die vielschichtige, sehr detailreiche Welt, die John Gwynne entwickelte und ihr mit einer sehr bildhaften Sprache Leben einhauchte. Die Charaktere haben ihre Ecken und Kanten und die Charakterbeziehungen sind emotional und tiefgründig, sodass man auch mit ihnen mitfühlen kann. Ich habe das Buch sehr genossen und kann es jedem empfehlen, der einen Hang zur nordischen Mythologie hat und gute Fantasy zu schätzen weiß. Wer kann, liest das Buch im Original, andere warten auf die deutsche Übersetzung die im Oktober 2021 erscheinen wird.

Ich habe das Buch auf Englisch gelesen. Wer regelmäßig englische Fantasy liest, sollte mit dem Buch keine Probleme haben. Für manche Begriffe ist eventuell ein Wörterbuch notwendig.

Jay


Skandinavische Begriffe in der Bloodsworn-Trilogie

Die drei Bücher der Saga der Blutgeschworenen beinhalten eine ganze Reihe von Begriffen aus dem skandinavischen Kulturkreis, die bisweilen etwas verwirrend sein können. Bei Recherchen im Internet stieß ich auf eine recht umfassende Liste von Begriffen mit Beschreibungen, die ich euch gerne ins Deutsche übersetzt habe. (Quelle: The Fantasy Review)

Bitte beachtet das viele der folgenden Begriffe zwar aus der nordischen Mythologie und Geschichte entlehnt sind, John Gwynnes Trilogie jedoch ein fiktionales Werk ist. Die Bedeutung im Buch kann daher etwas von der realen/ursprünglichen Bedeutung abweichen.

  • Akáll – eine Anrufung oder Beschwörung zum Beispiel eines Geistes
  • Althing – eine Zusammenkunft aller freien Mitglieder einer Gemeinde (ohne Sklaven), bei der Entscheidungen getroffen werden
  • Brynja – eine Rüstung bestehend aus Kettengliedern oder Metallschuppen
  • Byrding – ein Schiff zum Transport von Gütern entlang der Küste
  • Drakkar – ein Langboot der Wikinger, typischerweise ein Drachenboot mit einem Drachenkopf am Bug
  • Drengr – Krieger oder Soldat
  • Galdurman – Galdur bedeutet Magie, ein Galdurman ist demnach ein Mann, der die magischen Künste beherrscht
  • Hird – Bedienstete in einem Haushalt, insbesondere bewaffnete Wächter
  • Holmganga – ein allgemein anerkanntes Duell mit festen Regeln, um Streitigkeiten zu schlichten; gekämpft wird bis zum ersten Blut, bis einer aufgibt oder bis zum Tod
  • Jarl – Anführer einer Gemeinde und ihrer Krieger
  • Knarrs – ein hochseetüchtiges Handelsschiff
  • Maður-boy – maður bedeutet „Mensch“, somit ist ein maður-boy ein junger Mensch/ein Kind
  • Nålbinding – eine Technik zur Herstellung von Kleidung, ähnlich dem Stricken oder dem Häkeln
  • Niðing – abwertende Bezeichnung für jemanden ohne Ehre, ein Feigling
  • Seax – eine Klingenwaffe, etwa ein Kurzschwert oder ein langes Messer
  • Sieðr – (ausgesprochen: say-der) eine Form der Magie, die auf Vorhersage und Beeinflussung der Zukunft ausgerichtet ist, ähnlich dem Schamanismus
  • Sieðr-Hexe – eine magiebegabte Frau, die Sieðr beherrscht
  • Skálds – Poeten und Sänger, die oft die ruhmreichen Taten ihrer Herren erzählen; das skandinavische Äquivalent zu den Barden
  • Snekke – eine Art Langschiff, jedoch kleiner als ein Drachenboot
  • Tafl – ein Stratregiespiel, das auf einem Spielbrett gespielt wird, manchmal auch Wikinger-Schach genannt
  • Vaesen – Geister und Monster aus der skandinavischen Folklore; verschiedene Arten kommen im Buch vor, darunter Spertus, Tennúr und Näcken
  • Winnigas – Bekleidung für die Unterschenkel zwischen Fußgelenk und Knie, bestehend aus Stoffstreifen, die um das Bein gewickelt werden

Mit diesen Erklärungen der Begriffe in The Shadow of the Gods (Nordnacht) und den beiden Folgebänden bist du für die Lektüre gerüstet. Solltest du weitere skandinavische Begriffe finden, dann hinterlasse diese bitte in einen Kommentar.

2 Gedanken zu “The Shadow of the Gods von John Gwynne

  1. Hallo
    Ich habe noch nie ein Buch von John Gwynne gelesen, aber dieses hört sich sehr interessant an. Steht diese Reihe für sich? Oder gehört das zu den anderen beiden Reihen (die soweit ich weis ja auch zusammen gehören bzw. die 2te Reihe 100 Jahre nach der ersten spielt?)

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