31. März 2020

Macht (Malice) von John Gwynne

John Gwynne: Macht (Die Getreuen und die Gefallenen, Teil 1), Broschierte Ausgabe, Blanvalet, 2017

Der 14-jährige Corban beneidet die Jungen, die unter der Herrschaft von König Bernin zu Kriegern ausgebildet werden und dabei die Kampfkunst erlernen. Er sehnt sich danach endlich zum Schutz des Reiches sein Schwert und seinen Speer führen zu dürfen, aber dieser Tag soll schon viel zu bald für ihn kommen, als er den wahren Preis für seinen Mut erfährt. Als er die Menschen verliert, die er über alles liebt…
Die Königreiche haben eine stürmische Geschichte hinter sich, in der Heerscharen von Menschen und Riesen in unerbittlichen Kämpfen um Macht aufeinander trafen bis dir Erde durchtränkt war vom Herzblut der Gefallenen. Obwohl die Klans der Riesen schon vor langer Zeit zerschlagen wurden, entstellen die Ruinen ihrer Festungen noch immer die Königreiche.

Doch die Riesen regen sich wieder, rauben und töten. Die Riesensteine weinen Blut und schreckliche Bestien machen die Flüsse und Wälder wieder unsicher. Diejenigen jedoch, welche die Zeichen zu deuten wissen, erkennen eine weitaus größere Bedrohung, als es die vorzeitlichen Kriege zwischen Riesen und Menschen jemals waren. Unerträgliches Leid wird die Welt verdunkeln, wenn Engel und Dämonen sie zu ihrem Schlachtfeld erklären und der Krieg, der dann über Menschen und Riesen hereinbricht, wird alle Kriege für immer beenden.

Hochkönig Aquilus ruft seine Mitkönige zu einem Konzil zusammen, um in den Zeiten der Not eine Allianz zu formen. Mancher Herrscher ist skeptisch und nur selbstsüchtig darauf bedacht seine eigenen Grenzen vor Piraten, Räuberbanden und Riesen zu schützen. Doch eine Prophezeiung sagt voraus, dass für den großen Krieg der Seite des Lichts und der Seite der Dunkelheit jeweils ein Kämpfer voranstehen wird, genannt die Schwarze Sonne und der Strahlende Stern. Für die Menschen wäre es weise sie beide schon bald zu erkennen, denn sollte die Schwarze Sonne jemals die Oberhand gewinnen, werden alle Hoffnungen und Träume der Menschen zu Staub zerfallen… (Klappentext-Übersetzung)

Titel: Macht (Malice) Autor: John Gwynne Verlag: Blanvalet (Tor Books) Reihe: Die Getreuen und die Gefallenen (The Faithful and the Fallen), #1 Seitenzahl: 832 (640) Genre: Fantasy Alter: 16+ Erste Aufl.: 19. Juni 2017 (06.12.2012) Ausgaben: Hardcover (ENG), Taschenbuch, E-Book, Hörbuch (ENG) ISBN: 978-3734161193 (Dt. TB), 978-0330545754 (ENG TB) Sonstiges: Karte, Personenregister Folgeband: Bosheit (Valour)

Über den Autor von Macht

John Gwynne, Autor von Macht, mit seinen beiden Hunden Valour und Storm
John Gwyyne mit zweien seiner Hunde: Storm und Valour

John Gwynne wurde in Singapur geboren und lebt heute mit seiner Frau, vier Kindern und drei Hunden in East Sussex (England). Er hatte viele verschiedene Jobs, u. a. unterrichtete er an der Brighton University, verpackte Seife in einer Seifenfabrik und kellnerte in einem französischen Restaurant. Er gab die Arbeit an der Universität auf, um sich daheim besser um seine behinderte Tochter kümmern zu können. Nebenbei begann er zu schreiben und Malice ist sein Debütroman, der 2017 mit dem Titel Macht ins Deutsche übersetzt wurde.

Die Titel werden in der Übersetzung übrigens unterschiedlich übersetzt. Malice bedeutet eigentlich Arglist oder Bosheit, was aber erst der deutsche Titel von Band 2 der Reihe ist. Valour hingegen, der englische Titel von Band 2 der Reihe ist eigentlich Tapferkeit oder Heldenmut und zudem der Name eines Hundes von John Gwynne. Einen Überblick über die Cover der Reihe erhaltet ihr ganz unten.

Meine Meinung zu Macht

Ich habe Malice bereits 2014 auf Englisch gelesen. Damals war nur das erste Buch erschienen. Inzwischen ist die vierteilige Reihe abgeschlossen, weshalb ich nun alle Teile hintereinander auf Deutsch lese. Dies ist meine überarbeitete Rezension für euch.

Der Schreibstil: Lebendig und mitreißend

Ich habe das Buch spontan aufgrund der Inhaltsbeschreibung gekauft, ohne vorher irgendeine Rezension darüber zu lesen. Das Cover-Design hat mich damals sehr angesprochen. Bei Goldsboro Books in London konnte ich im Rahmen einer Aktion ein signiertes und limitiertes Exemplar (198/500) erwerben und muss sagen, ich bin heilfroh darüber. Malice konnte mich wirklich überzeugen, denn was John Gwynne hier abliefert ist für einen Debütroman in meinen Augen erste Sahne. Der Schreibstil ist äußerst lebendig und aussagekräftig und hat bisweilen eine Spur Humor. Erzählt wird aus der Perspektive des allwissenden Erzählers, allerdings bestimmt die Überschrift jedes der 88 Kapitel den Namen des jeweiligen Hauptcharakters, der im Fokus der Handlung steht.

Die Handlung: Spannung steigt langsam aber stetig

Die Handlung beginnt spannend und man lernt zunächst eine ganze Reihe interessanter Haupt- und Nebencharaktere kennen. Sechs verschiedene Handlungsstränge bringen Abwechslung in die Erzählung und bauen eine recht umfangreiche und detaillierte Welt auf, die von Kapitel zu Kapitel weiter wächst.

The Banished Lands (Die verfemten Lande)
Quelle: https://john-gwynne.com/

Auch wenn sich John Gwynne viel Zeit lässt, passiert in der ersten Hälfte des Buches schon so einiges, was einen zu fesseln vermag. Ihm gelingt eine, für meine Begriffe, sehr gut gelungene schriftstellerische Hinführung, denn ab Kapitel 64 geht dann so richtig die Post ab, die Handlung erfährt mehrere dramatische Wendungen und die Ereignisse überschlagen sich regelrecht bis zur letzten Seite, sodass man Macht (Malice) absolut nicht mehr beiseitelegen kann. Hin und wieder stellt sich jedoch die Frage nach der Durchführbarkeit mancher Dinge, zum Beispiel wie man eine Armee mit immerhin 800 Kriegern samt ihrer Pferde (!) auf einer mehrtägigen Schiffsreise transportiert und versorgt?

Gut fand ich auch die schön ausgearbeitete Hintergrundgeschichte zum Roman, die in alten Überlieferungen und Prophezeiungen aus grauer Vorzeit immer wieder anklingt und der Handlung einen roten Faden gibt, an dem man sich als Leser orientiert. Die uralte Feindschaft zwischen Menschen und Riesen und wie es dazu kam, beeinflusst die aktuelle Handlung immer wieder und macht sie nachvollziehbar und interessanter.

Die Charaktere: Liebenswert, emotional, vielschichtig

John Gwynne nimmt sich viel Zeit seine Personen einzuführen und ihre Leben zu beschreiben. Dadurch fiel es mir leicht zu fast allen einen Draht zu finden und mich in sie hineinzuversetzen. Sie alle haben Sorgen, Ängste, Selbstzweifel und Hoffnungen, die sie begleiten und fast jede Hauptperson hat einen Intimfeind, gegen den sie sich behaupten muss. Eine ganze Reihe von Zwistigkeiten und Intrigen geben der Handlung zusätzliche Würze und man ist gespannt, wie diese sich weiterhin auf die Handlung auswirken. John Gwynn bringt damit erfolgreich das Blut in Wallung, aber er beschreibt auch schöne Momente, in denen die Gerechtigkeit siegt und die „Bösen“ ihre verdiente Abreibung bekommen. Man freut sich dann innerlich und klatscht entzückt in die Hände.
Wer allerdings glaubt, dass Protagonisten im Buch immer ganz ungeschoren davon kommen, der irrt sich gewaltig. Im Gegensatz zu den starken Gefühlen, die G. R. R. Martins Heldenopfer regelmäßig hervorrufen, fühlt man sich jedoch bei Macht nicht zwingend genötigt, das Buch gelegentlich gegen die Wand zu werfen…

John Gwynne: Malice, Englischer Hardcover (Macht)
John Gwynne: Malice
Englischer Hardcover, TOR

Im Buch gibt es auch eine gute Mischung der Geschlechter. Neben den üblichen starken und geschundenen Jungen und Männern gibt es auch manchen interessanten weiblichen Charakter, wie zum Beispiel Corbans Schwester Cywen, die nicht nur viel von Pferden versteht, sondern auch im Umgang mit Waffen recht geübt ist. Oder die geheimnisvolle Heilerin Brina, die mit ihrer direkten, manchmal etwas derben Art schnell mein Herz gewinnen konnte. Mehr davon, bitte.

John Gwynne hat seinen eigenen Stil und seine Charaktere sind ebenso liebenswert, bösartig, durchtrieben und undurchschaubar, wie man sie sich als Leser nur wünschen kann. Die Hauptcharaktere, ihre Gedankengänge, Beziehungen und Emotionen, sind gut beschrieben. Manchmal wünschte ich mir zwar noch etwas mehr zum Hintergrund, aber der Autor wird sich sicher noch einige Überraschungen und Geheimnisse für die Folgebände aufgehoben haben.

Parallelen zu anderen Büchern

John Gwynne schreibt, dass u. a. Autoren wie George R. R. Martin einen Einfluss auf ihn hatten und man merkt das auch ein wenig. Es lassen sich innerhalb des Romans manchmal Parallelen zu anderen Fantasy-Romanen finden, jedoch nie so sehr, dass man dem Autor seine Eigenleistung absprechen müsste.

Spoiler
Der Junge Corban rettet ein Woelven-Baby (große Wolfsart) vor dem sicheren Tod und zieht es, trotz mancher Widerstände aus seinem Umfeld, auf. Das Tier wird sehr groß, erhält den Namen Storm (so heißt übrigens auch einer der großen Hunde von John Gwynne) und wird Corbans treueste Gefährtin. Das erinnerte mich schon sehr an die großen Schattenwölfe im Norden von Westeros (Das Lied von Eis und Feuer), an Sommer (Bran Stark), Geist (Jon Schnee) und die anderen. Allerdings gab es Wölfe als Gefährten auch schon in einigen anderen Romanen (zum Beispiel Fitz Chivalrics Wolf Nachtauge in Robin Hobbs Weitseher-Reihe), als dass man dem Autor von Macht Ideenklau vorwerfen könnte.

Mein Fazit zu Macht

4,5 von 5 Sternen "Ein tolles Debüt. Sehr gut!" (Macht)
4,5 von 5 Sternen
„Ein tolles Debüt. Sehr gut!“

Ich wusste vorher nichts über Malice, denn es war ein Spontankauf. Umso mehr hat mich das Buch dann positiv überrascht. Dass es ein Debütroman ist, der sich durchaus mit bekannten Werken anderer Fantasyautoren messen kann, macht das Ganze nur nach besser. John Gwynne hat eine sehr gute Arbeit abgeliefert und ich freue mich schon jetzt auf seine kommenden Romane, weil ich natürlich wissen will, wie es mit der Handlung weiter geht. Ich bin mir sicher, dass ich nicht enttäuscht sein werde. Daher eine unbedingte Leseempfehlung von meiner Seite.

Das Englisch ist prinzipiell sehr gut verständlich, allerdings verwendet der Autor öfter einmal weniger geläufige Wörter, die man dann nachschlagen muss. Dem Lesefluss tut dies jedoch kaum einen Abbruch, wenn man erst einmal in die Handlung hineingefunden hat.

Jay

5 Gedanken zu “Macht (Malice) von John Gwynne

  1. 7 von 10 Sternen habe ich persönlich für dieses Buch vergeben, leider kann ich mich nicht erinnern, worum es da überhaupt ging, muss aber erträglich gewesen sein.
    Beim kurzen Blick ins Buch fiel mir dann doch etwas Negatives auf: Es wurde für Vater die Koseform „Pa“ benutzt, für ein Fantasy Roman scheint mir das nicht sehr glücklich gewählt zu sein. Ob es noch weitere solcher Fauxpas gibt, kann ich nicht sagen.

    1. Pa ist eine gängige Koseform im Englischen, die ich noch akzeptabel finde. Habe da schon schlimmere Sachen gelesen. Mir ist es lieber solche Sachen werden nicht übersetzt, als irgendwelche zwanghaften Eindeutschungen, die dann total daneben gehen. Was mir eher aufgefallen ist, sind Phrasen wie „schalten und walten“, die irgendwie nicht so passen, sowie andere Kleinigkeiten, die mich jedoch nicht gestört haben.

      1. Ich habe das Gefühl, die Fantasy-Autoren machen sich überhaupt keine Gedanken über Formulierungen, Fauna und Flora, da galoppieren Pferde, laufen Hunde, schleichen Katzen usw., wo ist der gute, alte Gromok geblieben, ein Wesen mit 6 Beinen und 3 Fühlern über der kreuzförmigen, pulsierenden Nasenöffnung?
        Leider meinen viele neue Autoren, eine Abenteuergeschichte nach Art von Indiana Jones, mit ein wenig Magie, reiche für einen guten Roman, weit gefehlt, bei mir kommt das nicht gut an…

        1. Ja, da kann ich zustimmen. Oft fehlen Fantasyelemente und die entworfene Welt gleicht eher unserem Mittelalter ohne besondere Unterschiede (vom gelegentlichen Drachen einmal abgesehen).

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