28. Mai 2024

Der Junge, der mit den Wölfen spricht von Sam Thompson

Sam Thompson: Der Junge, der mit den Wölfen spricht

Silas wird in der Schule gemobbt, weil er nicht spricht. Eines Tages hilft er einem verletzten Wolf – und darf zum Dank eine verborgene Welt sprechender Tiere betreten, eine Welt, in der Sprache Macht bedeutet. Denn tief im Wald leben Füchse in einer unterirdischen Stadt. Sie manipulieren die Wölfe und unterdrücken sie. Silas möchte seinen Wolfsfreunden helfen, sich von den schlauen Füchsen zu befreien. Aber das geht nur, wenn es ihm gelingt, seine Stimme zu finden. (Covertext)

Titel: Der Junge, der mit den Wölfen spricht (Wolfstongue) Autor: Sam Thompson Verlag: Thienemann-Esslinger (Little Island Books, Dublin) Seitenzahl: 208 (224) Genre: Kinderbuch Alter: ab 10 Erste Auflage: 24. Februar 2022 (2021) Reihe: Wolfstongue-Saga #1 (Wolfstongue #1) Ausgaben: Hardcover, E-Book ISBN: 978-3522185899 (HC) Folgeband: Der Turm der Füchse (The Fox’s Tower) Sonstiges: —

Über den Autor Sam Thompson

Sam Thompson wurde 1978 in London geboren und er veröffentlichte sein erstes Buch Communion Town im Jahr 2012. Das Buch wurde für den Man Booker Prize nominiert. Sam Thompson schrieb für mehrere Zeitschriften und unterrichtete in Belfast Englische Literatur und Kreatives Schreiben an der Queens University.

Der Junge, der mit den Wölfen spricht ist sein insgesamt drittes Buch und auch sein erstes Kinderbuch. Dazu inspiriert wurde der Autor durch die Sprachprobleme seines Sohnes. Der Protagonist der Geschichte wird in der Schule gemobbt, weil er nicht spricht. Als er in die verborgene Welt der sprechenden Tiere gelangt, stellt er fest, dass auch dort Worte Macht bedeuten. Sam Thompson ist in Südengland aufgewachsen und lebt heute in Belfast (Irland). (Bildquelle: https://samthompsonwriter.com/about/)

Meine Meinung zu Der Junge, der mit den Wölfen spricht

Ich weiß nicht mehr, wie ich darauf kam, mir dieses Buch zu besorgen. Ich hatte es diesen Februar bei Ebay ersteigert und es dann auf meinen SuB gelegt. Jetzt habe ich es gelesen, um Euch meine Eindrücke zu schildern.

Ein bisschen wie Animal Farm

Ein Junge, der mit Tieren spricht. Tiere, die sich unterhalten und sich manchmal auch wie Menschen benehmen. Schon nach den ersten paar Kapiteln drängen sich Parallelen zu Animal Farm (Farm der Tiere) auf. Die Antagonisten im Buch sind die schlauen Füchse und nicht die Schweine, wie in George Orwells bekannter Fabel. Wortgewandt erheben sie sich über die anderen Tiere im Wald und unterdrücken und versklaven sie sogar. Die starken Wölfe können sich ihnen kaum erwehren, da ihnen selbst die Worte fehlen sich durchzusetzen. Doch Silas, ein Junge, der selbst mit so einigen Problemen zu kämpfen hat, ist für die unterdrückten Wölfe das Sprachrohr, das sie gegen die Füchse benötigen. Wolftongue, Wolfszunge, wird er am Ende von den Wölfen genannt.

Silas spricht zwar für die Wölfe und hilft ihnen gegen die Unterdrückung durch die Füchse, aber er selbst hat seine Stimme noch nicht gefunden. In der Schule wird er gemobbt, weil er nicht spricht. Wie kann er also anderen mit seiner Nicht-Stimme zur Seite stehen? Lesern wird bald klar, dass es in dem Buch nicht nur um eine schöne Tiergeschichte mit einem Jungen geht, der Wölfe mag. Es geht auch nicht in erster Linie um die Probleme der Wölfe, sondern um Silas‘ eigenen Weg zu mehr Mut und Selbstvertrauen. Vor diesem Hintergrund ist Der Junge, der mit den Wölfen spricht ein Buch mit einer wirklich tiefgreifenden Handlung. Es geht um Familie und Freundschaft. Um Mut und Selbstvertrauen und um die Freiheit seinen eigenen Weg gehen zu dürfen, ohne von anderen beeinflusst oder gar beherrscht zu werden.

Bisweilen etwas irritierend

Für mich als erwachsener Leser war die unterirdische Stadt der Füchse im Wald (siehe auch Covertext) ein Konzept, mit dem ich zunächst nicht so recht warm werden konnte. Füchse bauen keine unterirdischen Städte im Stil der Menschen. Ich fand das sehr befremdlich. Da es jedoch ein Kinderbuch ist und es letztendlich mehr um die Botschaft im Buch geht, kann und muss man wohl damit leben. Das Buch war für einen Kinderbuch-Preis nominiert und als solches sollte es wohl auch gelesen werden.

Mit Silas entwickelt der Autor zudem einen liebenswerten Protagonisten, der zwar mit seinen eigenen Problemen zu tun hat, sich aber dennoch und gerne für andere einsetzt.

Sam Thompson: Wolfstongue

Seine Freundschaft zu den Wölfen und auch zu anderen Tieren des Waldes gibt der Geschichte ein gehöriges Maß an Emotion mit. Mir hat das recht gut gefallen. Es ist eine Geschichte, die spannend und fantasievoll geschrieben ist und in die man eintauchen kann. Es gibt wohl auch eine Fortsetzung dazu.

Mein Fazit zu Der Junge, der mit den Wölfen spricht

Unmittelbar nach Beendigung des Buches wusste ich noch nicht so recht, wie ich es bewerten soll. Einerseits waren schon einige interessante Ansätze zu erkennen, gerade was Silas‘ Weg zu seiner eigenen Stimme betrifft.

Andererseits fand ich aber die Stadt der Füchse etwas seltsam. Vor dem Hintergrund, dass es sich bei der Erzählung um eine Fabel handelt und noch dazu um ein Kinderbuch, ist die Handlung schon akzeptiert. Für Kinder ab einem Alter von 10 Jahren ist es durchaus ein spannend geschriebenes Buch. Sehr schön gestaltet finde ich auch das deutsche Cover-Design.

Wer Geschichten in dieser Form mag, dem sei auch das toll geschriebene Buch Lena Eichhorn und die Frostkriege von Tom C. Winter empfohlen.

Jay

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