5. Dezember 2020

Die Zeit der Schatten (Blut und Knochen) von John Gwynne

Die Zeit der Schatten (Blut und Knochen) von John Gwynne

Die Ben-Elim, eine Rasse von Krieger-Engeln, haben einst eine mächtige Dämonenhorde besiegt, die in die Verfemten Lande eingefallen war. Jetzt regieren die Ben-Elim das Land mit harter Hand und unterdrücken die Völker mit ihren ehernen Gesetzen. Doch ihre uralten Feinde, die dämonischen Kadoshim, sind offenbar doch nicht so vernichtend geschlagen, wie man glaubt und eine gefährliche Kluft gegenseitiger Abneigung brodelt unter der Oberfläche der Gemeinschaft der Krieger-Engel.

Im eiskalten Norden der Verfemten Lande verdienen der Fallensteller Olin und sein Sohn Drem mit der Jagd ihren Lebensunterhalt. Doch als sie in den Wäldern grausam verstümmelte Leichen finden, vermuten sie nicht zu Unrecht dämonische schwarze Magie. Währenddessen wird die junge Kriegerin Riv, die in der Gigantenfestung Drassil aufgewachsen ist, in einen Strudel von Ereignissen gezogen, als die Bruderschaft der Ben-Elim sich zu spalten droht.

Wohin werden die Ereignisse im Norden und in Drassil die Verfemten Lande führen und welche Rolle werden Drem und Riv im Schicksal des ganzen Kontinents spielen? Schwierige Entscheidungen müssen getroffen werden, denn in den Schatten versammeln sich die dämonischen Kadoshim, um sich erneut zu erheben und alles Gute zu vernichten…

Titel: Blut und Knochen – Die Zeit der Schatten (A Time Of Dread) Autor: John Gwynne Verlag: Blanvalet (Macmillan) Reihe: Blut und Knochen (Of Blood And Bones) #1 Seitenzahl: 576 (480) Genre: Fantasy Alter: 16+ Erste Aufl.: 20. Mai 2019 (11. Januar 2018) Ausgaben: Hardcover (ENG), Taschenbuch, E-Book, Hörbuch (ENG) ISBN: 978-1509812943 (ENG HC), 978-3734161940 (TB) Sonstiges: Karte, Personenregister Folgeband: Blut und Knochen – Die Zeit des Feuers (A Time Of Blood)

Über den Autor von Die Zeit der Schatten

John Gwynne, der Autor von Zeit der Schatten
John Gwynne in London, 2014

John Gwynne wurde in Singapur geboren und lebt heute mit seiner Frau, vier Kindern und drei Hunden in East Sussex (England). Er hatte viele verschiedene Jobs, u. a. unterrichtete er an der Brighton University, verpackte Seife in einer Seifenfabrik und kellnerte in einem französischen Restaurant. Er gab die Arbeit an der Universität auf, um sich daheim besser um seine behinderte Tochter kümmern zu können. Nebenbei begann er zu schreiben. A Time of Dread ist der erste Roman seiner Reihe Blut und Knochen (Of Blood And Bones), der 2018 unter dem Titel Die Zeit der Schatten ins Deutsche übersetzt wurde.

Wie auch schon bei John Gwynnes Tetralogie Die Getreuen und die Gefallenen, wurden die Buchtitel anders übersetzt. A Time of Dread bedeutet eigentlich Zeit der Furcht. Einen Überblick über die Cover der Reihe erhaltet ihr ganz unten.

Meine Meinung zu Die Zeit der Schatten

Mit seiner zweiten Fantasyreihe (Trilogie) Blut und Knochen (Of Blood And Bones) kehrt John Gwynne in die Verfemten Lande zurück und nimmt die Handlung 130 Jahre nach der Schlacht in und um die Gigantenfestung Drassil wieder auf. Damit setzt der Autor die Geschichte fort, die in seinem Buch Ungnade (Wrath) zu Ende ging. Mit Erfolg, wie ich meine.

Der Krieg gegen die Kadoshim geht weiter

Nachdem die dämonischen Kadoschim von Corbans Kriegerhorden und den Ben-Elim vernichtend geschlagen wurden, war zwar eine große Schlacht geschlagen, der Krieg gegen die den Dämonenführer Asroth jedoch nicht endgültig entschieden worden. Die Ben-Elim blieben in der Gigantenfestung Drassil, um in den folgenden Jahrzehnten auch den letzten Kadoshim aufzuspüren und zu töten. Auch nach 130 Jahren konnte diese große Aufgabe nicht vollendet werden, denn die Kadoshim hielten sich verborgen und planten aus ihren geheimen Verstecken die Befreiung ihres Anführers Asroth, dessen Körper während der Schlacht in Sternenstein-Eisen eingeschlossen wurde.

Karte der Verfemten Lande, in denen das Buch "Die Zeit der Schatten" spielt
Die Verfemten Lande während der Reihe „Blut und Knochen“
Quelle: https://john-gwynne.com/

An dieser Stelle schließt sie Handlung von Die Zeit der Schatten an die vorherigen Bücher an. Schnell findet man sich wieder in die bekannte Welt ein, die sich jedoch über die Jahre verändert hat. Viele der alten Königreiche existieren nicht mehr und auch die Herrschaftsverhältnisse sind anders. Langsam und stetig entwickelt sich die Geschichte, John Gwynne versucht mit neuen Ideen die Verfemten Lande abermals an den Rand des Abgrunds zu führen. Mystisch und magisch wird es in dem Buch wieder. Insgesamt erhalten dunkle Magie und Rituale einen weitaus höheren Stellenwert, als in den vorherigen Büchern. Schaurige Beschwörungen und entsetzliche, faszinierende Dinge heizen die Spannung an. Immer wieder hat man als Leser immer das Gefühl, dass sich etwas sehr Bedrohliches über den Köpfen der Charaktere zusammenbraut und so ist es schließlich auch. Wo Dämonen agieren, muss es eben auch düster und dämonisch zugehen. Doch auch die Ben-Elim, die Krieger-Engel und fanatischen Kämpfer gegen die Kadoshim, müssen im Buch etwas von ihrem Glanz lassen. Oft geraten sie in die Kritik und so verschwimmen für den Leser die Grenzen, denn es gibt kein Schwarz und Weiß, kein Gut und Böse. Eher ein böse, böser, sehr böse. Selbst innerhalb der Ben-Elim gibt es Spannungen, die der Geschichte einen zusätzlichen Kick geben und damit zur Spannung beitragen.

John Gwynne gelingt abermals ein guter Mix aus spannenden, mystischen und emotionalen Passagen, wobei die Spannungskurve vor allem auf den letzten 100 Seiten dramatisch ansteigt. Wer gerne detailliert geschilderte Kämpfe mag, wird ebenfalls auf seine Kosten kommen und die Schlachtenszenen lieben. Ach, ich liebe es, wenn vor lauter Blut die Buchseiten aneinanderkleben.

Auch wenn es nach Aussage von John Gwynne egal ist, ob man nun Die Getreuen und die Gefallenen zuerst liest oder die Reihe Blut und Knochen, ist es aus meiner Sicht dennoch sinnvoll zuerst die ersten Bücher zu lesen und die Reihe Blut und Knochen im Anschluss. Es gibt nämlich im Buch immer wieder Rückblicke auf die Ereignisse der Vergangenheit und auch was in den 130 Jahren dazwischen geschehen ist, in denen bekannte Namen fallen.

Überzeugende neue Hauptcharaktere und alte Bekannte

Natürlich sind viele menschliche Charaktere der ersten Reihe in Die Zeit der Schatten aufgrund der verstrichenen Zeitspanne nicht mehr vertreten. Einige der weitaus länger lebenden Giganten sind jedoch wieder mit in der Handlung und man freut sich als Leser über das Wiedersehen. So zum Beispiel Balur Einauge, Ethlinn und Alcyon. Die Gigantin Sig spielt im Buch sogar eine Hauptrolle, denn sie ist Waffenmeisterin von Dun Seren, dem Hauptsitz des von Corban gegründeten Krieger- und Heilerordens des Strahlenden Sterns. Sogar eine bekannte Krähe ist überraschenderweise noch am Leben. Es gibt aber auch einige interessante neu Personen, die mir durchweg gut gefallen haben.

"A Time of Dread" ist der englische Originaltitel von "Die Zeit der Schatten"
Of Blood and Bone #1, A Time of Dread (US-Ausgabe, 2018)

Neu in der Handlung ist Drem, ein junger Fallensteller mit seinem Vater und einer geheimnisvollen Vergangenheit, die sich dem Leser erst im Laufe des Buches erschließt. Drem ist ein interessanter Charakter mit Ecken und Kanten, von dem John Gwynne selbst sagt, dass er auf seinem jüngsten Sohn William basiert. Drem ist mutig und denkt viel über seine Herkunft nach, die ihm nicht völlig bekannt ist. Mit seinem Vater Olin zieht er seit Jahren durch die Verfemten Lande, immer auf der Flucht von etwas, das er selbst nicht kennt und sein erzählt ihm erst recht spät die ganze Geschichte. Olin nimmt für mich so ein bisschen die Stelle von Ghar ein. Geheimnisvoll und unnahbar. Man weiß, dass er eine interessante Geschichte hat, die auch Drem betrifft, und rätselt um die Zusammenhänge. Drem liebt seinen Vater über alles und muss im Laufe der Geschichte einige schwere Rückschläge einstecken. Ich bin gespannt, wie er sich weiterentwickeln wird.

Riv ist eine junge Kriegerin, die in der Gigantenfestung Drassil unter der Herrschaft der Ben-Elim aufwächst. Sie will unbedingt eine Weißschwinge werden, eine elitäre menschliche Kriegerhorde, die den Ben-Elim im Kampf gegen die Kadoshim unterstellt ist. Die Weißschwingen sind die Nachfolger von Veritas‘ Adlerwachen und beherrschen den Kampf im Schildwall. Riv ist sehr jähzornig und steht sich damit selbst im Weg. Erst recht spät im Buch erfährt sie ihre wahre Bestimmung, die für mich ziemlich überraschend war. Riv erinnerte mich ein wenig an Coraleen.

Bleda ist ein Sirak, ein Prinz des Reitervolkes aus der Grasebene von Arcona. Er mag die Ben-Elim nicht sonderlich, denn er wird von Krieger-Engeln gezwungen in Drassil zu leben, als Unterpfand für die Loyalität seines Volkes. Bleda ist ebenfalls ein intessanter und liebenswerter Charakter, dessen Bedeutung sicherlich noch wachsen wird. Zwischen ihm und Riv entwickelt sich im Laufe der Handlung eine Freundschaft, die mir sehr gut gefallen hat. Ich bin gespannt, wie es mit ihm weitergehen wird.

John Gwynnes Schreibstil

John Gwynnes Schreibstil bietet für mich nur wenig Gründe zur Beanstandung. Natürlich liegt das auch immer am Können des Übersetzers, wie er das Original letztendlich sprachlich umsetzt. Ich finde, dass der Übersetzer Wolfgang Thon, der auch schon die anderen Bücher übersetzt hat, wieder gute Arbeit geleistet hat. Gerade für Wortneuschöpfungen des Autors ein passendes deutsches Äquivalent zu finden, ist sicherlich nicht immer ganz einfach. Der Sprachstil ist flüssig und einnehmen, wodurch schnell eine situationsgerechte Atmosphäre beim Lesen entsteht.

Mein Fazit zu Die Zeit der Schatten

5 von 5 Sterne „Ein toller Start der neuen Trilogie!“

Mit Freuden bin ich in die Verfemten Lande zurückgekehrt und bin vom ersten Teil der Reihe Blut und Knochen sehr angetan. John Gwynne knüpft hervorragend an die Handlung seiner ersten Reihe an und spinnt die Geschichte mit neuen Ideen gekonnt weiter. Im Gegensatz zur Reihe Die Getreuen und die Gefallenen geht es jetzt ein ganzes Stück düsterer und magischer zu, denn die Kadoshim sind gleich von Beginn an die Hauptgegner in dieser Reihe. Interessante, neue Charaktere und auch bereits bekannte Gesichter tragen positiv zum Gelingen dieses ersten Buches bei. Mir hat es sehr gut gefallen und ich werde umgehend die Fortsetzung Die Zeit des Feuers in die Hand nehmen. Ich kann nicht anders.

Covergalerie der Trilogie Blut und Knochen

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