22. Oktober 2020

Jähzorn (Ruin) von John Gwynne

John Gwynne: Jähzorn (Ruin), Broschiert, Blanvalet, 2017.

Die Verfemten Lande sind vom Krieg überzogen. Königin Rhin von Cambren hat den gesamten Westen des Kontinents erobert und der Kessel, die mächtigste der sieben legendären Kostbarkeiten, ist im Besitz des Hochkönigs Nathair. Hinter ihnen stehen der durchtriebene Calidus und eine Kriegerhorde der Kadoshim, den gefürchteten Dämonen aus der Anderwelt. Calidus plant Asroth, den Gefallenen, und seine Legionen in die Welt der Lebenden zu bringen, doch dafür werden alle sieben Kostbarkeiten benötigt. Nun muss Hochkönig Nathair Entscheidungen treffen, die das Schicksal der Verfemten Lande entscheiden werden.

Der Krieg hat das Leben des jungen Corban völlig verändert. Er hat gelitten, geliebte Menschen verloren und versucht sich seiner Bestimmung zu widersetzen. Doch jetzt hat er aufgehört davonzulaufen, denn er hat dem Bösen ins Gesicht gesehen und sich vorgenommen es zu bekämpfen. Die Frage ist nur wie? Mit einer verzweifelten Gruppe, die sich um ihn schart, macht er sich auf den Weg nach Drassil, die legendäre Festung der Giganten tief im Herzen des Fornswaldes. Dort befindet sich der Speer von Skald, eines der sieben Kostbarkeiten. Die Prophezeiung besagt, dass sich an diesem vergessenen Ort der Leuchtende Stern der Schwarzen Sonne entgegenstellen und sich das Schicksal aller Länder entscheiden wird.

Titel: Jähzorn (Ruin) Autor: John Gwynne Verlag: Blanvalet (Tor Books) Reihe: Die Getreuen und die Gefallenen (The Faithful and the Fallen), #3 Seitenzahl: 928 (768) Genre: Fantasy Alter: 16+ Erste Aufl.: 18. Dezember 2017 (16.07.2015) Ausgaben: Hardcover (ENG), Taschenbuch, E-Book, Hörbuch (ENG) ISBN: 978-3734161216 (Dt. TB), 978-1447259640 (ENG TB) Sonstiges: Karte, Personenregister Vorgängerband: Bosheit (Valour) Folgeband: Ungnade (Wrath)

Über den Autor von Jähzorn

John Gwynne, Autor von Jähzorn und seine beiden Hunde Valour und Storm.
John Gwynne mit seinen beiden Hunden Valour und Storm.
(c) John Gwynne, 2018

John Gwynne wurde in Singapur geboren und lebt heute mit seiner Frau, vier Kindern und drei Hunden in East Sussex (England). Er hatte viele verschiedene Jobs, u. a. unterrichtete er an der Brighton University, verpackte Seife in einer Seifenfabrik und kellnerte in einem französischen Restaurant. Er gab die Arbeit an der Universität auf, um sich daheim besser um seine behinderte Tochter kümmern zu können. Nebenbei begann er zu schreiben. Ruin ist der dritte Roman seiner Reihe Die Getreuen und die Gefallenen, der 2017 unter dem Titel Jähzorn ins Deutsche übersetzt wurde.

Ruin, der englische Titel von Band 3 der Reihe, bedeutet eigentlich Zerstörung oder Untergang. Einen Überblick über die Cover der Reihe erhaltet ihr ganz unten.

Meine Meinung zu Jähzorn

Jähzorn (Ruin) ist der dritte Teil der Reihe Die Getreuen und die Gefallenen von John Gwynne und von allen vier Bänden mit über 900 Seiten der umfangreichste. John Gwynne meint dazu, das Buch wäre dick genug, um damit einen Giganten zu erschlagen. Da hat er wohl recht. Hat er es aber auch geschafft die Spannung über so viele Seiten aufrechtzuerhalten? Hier meine Meinung zum Buch.

Der Schreibstil: flüssig und mit sehr vielen Perspektivenwechseln

Wie schon im Vorgängerband Bosheit (Valour) wechselt John Gwynne mit jedem Kapitel die Perspektive auf die Handlung. Im Vorgängerband waren es 120 Kapitel, diesmal sind es „nur“ 93. Ich für meinen Teil bleibe lieber länger bei einer Person und mag es nicht, wenn alle paar Seiten die Perspektive gewechselt wird, meist gerade an der spannendsten Stelle. Cliffhanger sind gut, um die Spannung aufrechtzuerhalten, nerven allerdings gewaltig, wenn es ständig geschieht, so wie die ständigen Werbepausen bei einem Film im Fernsehen. Natürlich geht es gleich mit einer anderen Hauptperson weiter, aber dennoch will man gerade in diesem Moment wissen, wie es weitergeht. Ich hatte jedoch den Eindruck, dass es in Jähzorn nicht ganz so schlimm war, wie im Buch davor. John Gwynne bleibt auch häufig bei der gleichen Situation, zum Beispiel einer Schlacht, die dann nur aus anderen Augen erlebt wird und man hat dadurch nicht völlig das Gefühl, man würde etwas verpassen. Insgesamt bin ich mit dem Stil gut zurechtgekommen und es fiel mir leicht in die Handlung einzutauchen und dabeizubleiben. John Gwynne kann sehr bildhaft schreiben und man kann sich die Dinge recht gut vorstellen. Das führt dazu, dass man sich manchmal nicht allzu tief in manche Passagen hineindenken sollte, vor allem nicht, wenn man einen schwachen Magen hat. Bisweilen ist die Gewalt schon recht heftig, nicht unbedingt übertrieben, aber detailliert und manchmal auch etwas ekelerregend.

Die Handlung: spannend, emotional und episch

Ruin
John Gwynne: Ruin, The Faithful and the Fallen #3, Englische Ausgabe, TOR Verlag, 2015.

Ein großes Problem bei mehrteiligen Reihen ist es vor allem die Spannung aufrechtzuerhalten und Wiederholungen zu vermeiden. Nach einem guten Buch haben die Leser große Erwartungen an die Fortsetzung und erwarten, dass sie zumindest genauso gut wird, wie das Buch davor. Ich finde, es ist John Gwynne gelungen. Jähzorn (Ruin) kann sich durchaus mit den ersten beiden Büchern messen. Der Autor strickt die Handlung weiter, die im Buch zeitlich etwa ein ganzes Jahr abdeckt, und setzt auch in Sachen Spannung noch eine Schippe obendrauf. Gerade wenn man denkt, es könnte jetzt eigentlich nicht mehr schlimmer kommen, findet John Gwynne noch eine Steigerung für die Miesere. Bisweilen geht das dann auch schon ziemlich gewaltsam zu und manche Passagen des Buches sind nichts für Leute mit schwachen Nerven (oder Magen). Je weiter man in dem Buch kommt, umso emotionaler wird es und es wühlt einen auf. Man will gelegentlich einfach nur schreien wegen der Ungerechtigkeit und den Qualen, die den Lieblingscharakteren widerfahren. Hierbei erinnert mich der Autor mitunter etwas an George R. R. Martin, der es vortrefflich schafft seine Leserinnen und Leser mitzureißen und auch auf die Palme zu bringen. Zwischendurch wird jedoch alles auch mal wieder gut und man freut sich diebisch, wenn die Antagonisten auch mal ihr Fett wegkriegen. Dies alles trägt immens zur Spannungskurve des Buches bei und erschafft beim Leser ein Wechselbad der Gefühle. Dass der Leser mehr weiß, als die Charaktere und man dadurch hilflos mit ansehen muss, wie die Protagonisten ins Messer laufen, trägt ebenfalls dazu bei. Gut gemacht!

Die Charaktere: tiefgründig, liebenswert und hassenswert

Was die Charaktere betrifft, setzt John Gwynne den einmal eingeschlagenen Weg fort. Viele Protagonisten wie Corban, Coraleen, Camlin, Edana, Veradis und Cywen entwickeln sich stetig weiter. Vermehrt kommen nun auch kleine Romanzen mit hinzu, die man vielleicht so nicht erwartet hätte, manchmal aber auch gut vorhersehen kann. Viele der Protagonisten sind dem Autor wirklich gut gelungen und man freut sich immer wieder, wenn ein neues Kapitel mit ihrem Namen beginnt. Ich will hier allerdings nicht zu viel von der Handlung verraten, um Spoiler zu vermeiden. Im letzten Viertel des Buches läuft die Handlung auf einige dramatische Höhepunkte zu und man muss sich als Leser dann auch vom einen oder anderen Charakter verabschieden, wenn John Gwynne ihn mehr oder weniger gewaltsam aus dem Spiel nimmt. Ich glaube jedoch, dass das „Heldensterben“ im letzten Buch Ungnade (Wrath) noch wesentlich schlimmer werden wird. Insgesamt ist es dem Autor gut gelungen, seine Personen weiter auszugestalten, was nicht zuletzt an der durchdachten Hintergrundgeschichte eines jeden Charakters liegt, die schrittweise aufgedeckt wird und auch immer wieder Überraschungen bereithält.

Der Schluss: böse und emotional

Wer den Schluss gelesen hat, darf sich glücklich schätzen, dass Ungnade (Wrath) bereits erhältlich ist, denn das Buch endet mit einem gewaltigen Cliffhanger. Die letzten Kapitel sind sehr emotional und man kann gar nicht so schnell lesen, wie man gerne wissen möchte, wie es weiter geht. Hinzu kommt, dass es in den letzten Kapiteln einige überraschende Enthüllungen gibt, die so manches auf den Kopf stellen, was man für unveränderlich gehalten hat. John Gwynne hält eben immer dann ein paar Überraschungen bereit, wenn man gerade am wenigsten mit ihnen rechnet.

Mein Fazit zu Jähzorn

5 von 5 Sterne „Ein tolles Buch!“

Insgesamt konnte mich Jähzorn (Ruin) absolut überzeugen. John Gwynne setzt nochmal einiges an Spannung obendrauf und machte das Buch zu einem wahren Pageturner, den man kaum beiseitelegen kann. Mir hat gut gefallen, dass diesmal der Schwerpunkt verstärkt auf Beziehungen zwischen den Charakteren gelegt wurde und das auch die eine oder andere Romanze mit dabei ist, ohne dass es allzu kitschig wird. Ich bin gespannt auf den letzten Band der Reihe und erwarte nichts weniger, als ein fulminantes Ende, das mir den Atem verschlägt. Meine Leseempfehlung gibt es daher auch für diesen Band der Reihe.

Jay

Covergalerie

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