19. Juli 2024

No Heart For A Thief von James Lloyd Dulin

James Lloyd Dulin: No Heart For A Thief, Taschenbuch, G & D Publishing, 2023.

Seit Jahrtausende lebten die Völker im Einklang mit den sechs großen Naturgeistern des Landes. Wenige Auserkorene wurden sogar von den Geistern selbst berührt und haben dadurch deren magische Fähigkeiten erhalten. Alle jedoch verachten den Dieb, einen siebten Geist, denn die von ihm Berührten erlangten die Fähigkeit, die Magie der anderen Naturgeister von den Menschen zu stehlen und für sich zu verwenden. Dies verleiht ihnen große Macht und wurde in der Vergangenheit nur allzu gerne von ihnen missbraucht wird. Aus diesem Grund werden sie von der Gesellschaft verachtet, verfolgt und getötet und müssen sich und ihre Fähigkeiten vor ihren Mitmenschen verstecken, um zu überleben.

Als die eroberungswütigen Gousht an den Ufern landeten, gelang es ihnen mithilfe magischer Kristalle ebenfalls die Magie der Naturgeister zu stehlen und damit das Land zu unterjochen. Sie zerstörten Städte und Dörfer und zwangen die Menschen mit Gewalt den Naturgeistern zu entsagen oder versklavten sie.

Kylo wurde vom Dieb berührt und muss sich deswegen nicht nur vor den Gousht verstecken, sondern auch vor den Mitgliedern seines eigenen Volkes. Zurückgezogen in den Wäldern lebend, trifft Kylo eines Tages auf das Mädchen Tayen, die auf der Flucht vor zwei Soldaten des Gousht Imperiums seinen Weg kreuzt. Entgegen aller Vorsicht hilft ihr Kylo. Tayen sucht Rache für ihre Familie, die von den Gousht getötet wurde und bringt damit nicht nur sich, sondern auch Kylo in Gefahr. Was bleibt ihm daher anderes übrig, als sich den Dämonen seiner Vergangenheit zu stellen, Tayen zu trainieren, und sie in ihrem Kampf gegen das Gousht Imperium zu unterstützen…?

Titel: No Heart For A Thief Autor: James Lloyd Dulin Verlag: G & D Publishing Seitenzahl: 428 Genre: Fantasy Alter: 16+ Erste Auflage: 24. Januar 2023 Reihe: Malitu (Book #1) Ausgaben: Taschenbuch, Hardcover, E-Book ISBN: 979-8987173602 (TB) Folgeband: No Save Haven (geplant für Herbst 2023) Sonstiges: Glossar, Karte

Über den Autor von No Heart For A Thief

James Lloyd Dulin ist in Grand Rapids in US-Bundesstaat Michigan (einer Stadt mit knapp 200.000 Einwohnern) aufgewachsen. In seiner Jugend verbrachte er sehr viel Zeit am örtlichen Theater, wo er seine Affinität fürs Geschichtenerzählen entwickelte.

Diese Affinität wuchs zu einer tiefen Bewunderung für Sprache und die Poesie des gesprochenen Wortes, während er Mathematik und Pädagogik an der Universität in Michigan studierte.

Nach einigen hundert mittelmäßigen Gedichten und langweiligen Gedichtvorträgen, entschied er, dass sein Traum ein Buch zu schreiben nicht ganz so irrwitzig sein könnte, als er gedacht hatte. James Lloyd Dulin ist fest davon überzeugt, dass Kunst — sogar törichte Bücher über Magie, oder möglicherweise insbesondere törichte Bücher über Magie — die Fähigkeit besitzt, tief gängige Geschichten zu erzählen.
James Lloyd Dulin liebt das Kochen und hat mit seiner Frau zusammen zwei Söhne, Gladson und Dominic.

Meine Meinung zu No Heart For A Thief

Als der junge Autor James Lloyd Dulin vor einigen Wochen auf Twitter Leserinnen und Leser für seinen Debütroman No Heart For A Thief suchte, konnte ich nicht widerstehen mich bei ihm zu melden. Selbst mit großen Erwartungen ahnte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass mir das Buch so gut gefallen würde. James Lloyd Dulin hat einen ganz wunderbaren Schreibstil und er versteht es seine Leserinnen und Leser von der ersten Seite an in die Geschichte zu ziehen.

Gute Fantasy mit einiger Gesellschaftskritik

Zugegeben, der Rahmen für Dulins Geschichte ist nicht allzu neu. Ein fremdes Volk, die Gousht, fallen in die Welt Ennea ein und unterwirft mich Gewalt die dort lebenden Völker. Doch nicht nur das, die Gousht bringen auch ihre eigene Religion und Lebensweise mit, um sie den Besiegten aufzuzwingen. Die Völker Enneas verlieren dadurch nicht nur Familienmitglieder im Kampf, sondern auch ihre Identität als Gesellschaft, ihre Traditionen und Bräuche. Die Gousht zerstörten Städte und Dörfer und erbauten aus den Trümmern ihr eigenes Reich, ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten der von ihnen unterdrückten Völker. Sie entführen Kinder, um sie in speziellen Lagern in den Riten und Gebräuchen der Gousht zu unterweisen. Durch die Kirche des Einen-Gottes unterzieht man sie einer perfiden Gehirnwäsche, um jeden Widerstand in der Zukunft zu unterbinden.

James Lloyd Dulin schreibt selbst über sein Buch, dass er dieses Szenario bewusst so gewählt hat, um seinen Lesern die Zeit des Kolonialismus ins Gedächtnis zu bringen. Nicht anders haben europäische Völker in den vergangenen Jahrhunderten zum Beispiel den Naturvölkern in Afrika ihre Lebensweise aufgezwungen. Natürlich war man sich sicher, den „Wilden“ nur Gutes zu tun, indem man ihnen die westliche Zivilisation brachte, eine andere Religion und westliche Werte zu vermitteln versuchte. Ziel war jedoch die Ausbeutung der „unterworfenen“ Völker, die sich oft nicht wehren konnten, und deren Länder. Dulins Buch entbehrt dadurch nicht einem guten Maß an Gesellschaftskritik und verurteilt damit diese Vorgehensweise. Wenn man No Heart For A Thief liest, dann kommt man nicht umhin, die Gousht und ihr Handeln gegenüber den Völkern Enneas zu verachten.

Das von James Lloyd Dulin entwickelte Magiesystem finde ich sehr interessant. Es bringt die Magie irdischer Naturgeister glaubhaft in die Handlung ein. Dass einige Mitglieder der Völker Enneas von den großen Geistern „berührt“ wurden und deshalb aktiv Magie wirken können, ist schließlich die Brücke zur Fantasy im Roman. Wie das Magiesystem genau funktioniert? Findet es beim Lesen heraus. Es ist gut durchdacht.

Tolle, facettenreiche Charaktere

Die beiden zentralen Charaktere des Buches sind Kylo und das junge Mädchen Tayen. Beiden ist gemeinsam, dass sie gegen die Gräueltaten der Gousht anzukämpfen versuchen. Beide haben ihre Gründe, die Gousht und das von ihnen errichtete Imperium zu hassen. James Lloyd Dulin gestaltet seine Charaktere vielschichtig und interessant. Schon in den ersten Kapiteln hatte ich Kylo und Tayen ins Herz geschlossen. Ich habe mit ihnen mitgefiebert, wenn sie in Gefahr gerieten und habe mir an der einen oder anderen Stelle auch ein Lächeln bisweilen nicht verkneifen können.

Ehrlicherweise bietet die Geschichte nicht allzu viele Gelegenheiten für lustige Momente. Es war dann wohl eher ein Anfall von Schadenfreude, der mich zum Lächeln brachte (insbesondere auf Kosten der überheblichen Gousht). Erkennt man das Leid, das die Invasoren über die Völker Enneas gebracht haben und bringen, dann fällt es einem leicht Partei zu ergreifen und die indigenen Völker zu unterstützen.

Kylo ist ein Charakter mit einer schlimmen Vergangenheit, die von großen Verlusten geprägt ist. Er macht sich große Vorwürfe wegen schrecklichen Ereignissen, an denen er Anteil hatte und in denen er, seiner Meinung nach, anders hätte handeln sollen. Im Gegensatz zu Kylo, der eher zurückhaltend und vorsichtig ist, handelt Tayen eher unbesonnen und spontan, was letztendlich beide in Gefahr bringt. Die ungleichen Wesen der beiden Charaktere macht einen guten Teil des Reizes der Geschichte aus und machte die beiden für mich glaubhaft. Beide, Kylo und Tayen, sind lange nicht perfekt, aber sie haben, wie man sagen würde, das Herz am rechten Fleck.

Eine detaillierte Welt, glaubhaft beschrieben

An der Art, wie ich hier meine Eindrücke beschreibe, könnt Ihr erkennen, wie sehr mich die Geschichte vereinnahmen konnte. Der Autor hat hier gute Arbeit geleistet. Man kann die Handlung dieses ersten Bands der Malitu-Trilogie prinzipiell in zwei große Handlungsstränge unterteilen. Der eine beschreibt die Erlebnisse von Kylo und Tayen in der Gegenwart. Der zweite Handlungsstrang allerdings ist ein Rückblick in Kylos Vergangenheit. Darin erzählt er Tayen während ihrer gemeinsamen Reise seine Geschichte. In seinem heldenhaften Kampf gegen die Gousht erlangte Kylo einstmals Berühmtheit und ist deshalb ein gesuchter Mann. Er versteckt sich nicht nur vor den Gousht, sondern auch (wegen seiner Fähigkeit Magie zu stehlen) vor seinem eigenen Volk. Ich bin gespannt, wie die Geschichte für Kylo enden wird.

Mein Fazit zu No Heart For A Thief

James Lloyd Dulins Debütroman hat mich durchweg positiv überrascht. Die Charaktere entwickeln sich im Laufe der Handlung toll und sind glaubhaft beschrieben. Durch die beiden Handlungsstränge kommt zudem genug Abwechslung in die Geschichte. Insbesondere Kylos Hintergrundgeschichte trägt zur Spannung bei, denn ich will einfach wissen, wie er zu der Person wurde, die er zu Beginn des Buches ist.

Die Handlung fand ich abwechslungsreich und spannend. Bereits von der ersten Seite an war ich mittendrin, denn Dulin hält sich nicht lange mit Einleitungen auf. Schon nach wenigen Seiten geht es zur Sache und die Spannung wächst mit jedem Kapitel. Nach und nach erweitert der Autor das Bild seiner Fantasywelt Ennea für seine Leser und erschafft eine schlüssige Welt, in die man gerne eintaucht. Gleichzeitig bleibt jedoch noch genug Potenzial für die beiden geplanten Folgebände. Leider ist No Heart For A Thief bisher nur in englischer Sprache erhältlich. Es bleibt zu hoffen, dass es bald eine Übersetzung dafür geben wird. Leseempfehlung für alle Fans guter Fantasy.

Ich habe das Buch auf Englisch gelesen. Das Sprachniveau ist für fortgeschrittene Nutzer der englischen Sprache angemessen. Für manche Wörter ist ein Wörterbuch empfehlenswert, jedoch lassen sich viele neue Begriffe gut aus dem Zusammenhang erschließen.

Jay

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