25. September 2021

Nevernight – Das Spiel von Jay Kristoff (Fantasy)

Jay Kristoff: Nevernight – Das Spiel, Dt. Hardcover, TOR Verlag, 2018.

Die „Rote Kirche“ der Assassinen ist in große Bedrängnis geraten und nur mit Mühe konnte die junge Assassinin Mia das Schlimmste verhindern und einen ihrer drei größten Erzfeinde zur Strecke bringen, um ihre zerstörte Familie zu rächen. Doch Kardinal Duomo, das religiöse Oberhaupt des Landes, und der skrupellose Konsul Scaeva sind nach wie vor fast unerreichbar für einen Anschlag. Um den beiden nahezukommen, ersinnt Mia einen gewagten Plan. Sie verkauft sich selbst als Sklavin an eine Gladiatorenschule, um in den großen Spielen gegen die besten Kämpferinnen und Kämpfer des Reiches anzutreten. Dem Sieger winken nicht nur Ruhm und Freiheit, sondern auch ein Treffen mit Duomo und Scaeva… (Nevernight – Das Spiel)

Titel: Nevernight – Das Spiel (Godsgrave) Autor: Jay Kristoff Verlag: Fischer TOR (Thomas Dunne Books) Reihe: Nevernight, #2 Seitenzahl: 704 (448) Genre: (Dark) Fantasy Alter: 16+ Erste Aufl.: 25. April 2018 (05.09.2017) Ausgaben: Hardcover, Taschenbuch, E-Book, Hörbuch ISBN: 978-3596297597 (Dt. HC) Sonstiges: Karten auf den Vorsatzseiten Vorgängerband: Nevernight – Die Prüfung Folgeband: Nevernight – Die Rache

Über den Autor von Nevernight – Das Spiel

Jay Kristoff wurde am 11. November 1973 in Perth, Australien, geboren. Wie viele andere Fantasy-Autoren war er schon in seiner Kindheit und Jugend ein begeisterter Leser und spielte gerne Brettspiele, sowie das bekannte Pen-and-Paper Fantasy-Rollenspiel Dungeons and Dragons, das vor allem in englischsprachigen Ländern weit verbreitet ist. Er hat einen College-Abschluss in Kunst und arbeitete elf Jahre bei einem Fernsehsender in der Werbeabteilung, bevor er seine Kariere als Schriftsteller begann. Er schreibt Science-Fiction-Romane und Fantasy und wer mit seinen Werken international in den Bestsellerlisten der New York Times und von USA Today.

Zudem gewann er mehrere Buchpreise und seine Bücher wurden in einer Auflage von über einer halben Million Exemplaren in über 35 Ländern veröffentlicht. Jay Kristoff lebt in Melbourne, Australien, mit seiner Frau und einem Jack Russel Terrier, der auf den Namen „Samwise“ hört.

Meine Meinung zu Nevernight – Das Spiel

Nach dem schon gut gelungenen Start in die Trilogie mit Nevernight – Die Prüfung, legt Jay Kristoff in der Fortsetzung nochmal einen drauf und führt mit dem zweiten Band eine ganze Reihe neuer Charaktere ein, welche die Geschichte um einige Details bereichern.

Gladiatii und Sklaven lassen das alte Rom lebendig werden

Um ihren größten Feinden, dem ruchlosen Konsul Scaeva und dem Kardinal Duomo, nahezukommen, verkauft sich Mia selbst in die Sklaverei und wird in einer Gladiatorenschule für den Kampf in der Arena ausgebildet. Hatte man im ersten Buch noch Zweifel, so ist es nun offensichtlich, dass Jay Kristoff für seine Nevernight-Trilogie die antiken Verhältnisse im römischen Kaiserreich als Rahmen gewählt hat, wo ebenfalls Sklaven in den Arenen um ihr Leben kämpfen mussten. Die Chancen dabei Ruhm und Ehre zu erlangen (und vielleicht auch irgendwann die Freiheit), waren durchaus gegeben. Jay Kristoff geht in seinem Buch auf die verschiedensten Aspekte des Lebens der Gladiatoren ein. Als gut versorgte Sklaven hatten sie ein einigermaßen erträgliches Leben unter ihren Herren, mussten jedoch in den täglichen Übungskämpfen harte Arbeit leisten, immer wieder mit der Gefahr von Verletzungen und in der Arena natürlich auch den Tod vor Augen. Die Männer und Frauen waren aus hartem Holz geschnitzt und Jay Kristoff versteht es gut, dies in seiner Geschichte auch aufzuzeigen. Obwohl auch Mia sicherlich nicht zartbesaitet ist und selbst ganz gerne mal austeilt, muss sie sich dennoch ihren Platz unter den Gladiatii zunächst erkämpfen. Dem Autor gelingt es gut diese Beziehungen unter den Charakteren zu beschreiben. Da sich der Großteil der Handlung auf dem begrenzten Raum der Gladiatorenschule abspielt, bleibt der Fokus des Erzählers beständig auf ebendiesen Charakterbeziehungen und man erlebt, wie sich aus ungleichen Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Zielen so langsam eine feste Gruppe zusammenfindet, Rivalitäten immer mehr in den Hintergrund treten und sich schließlich eine eingeschworene Gemeinschaft entwickelt, die Mia sogar zur Seite steht. Das hat mir gut gefallen. Ebenso fand ich es sehr gut, dass der Autor im Buch Stück für Stück seine Welt weiterentwickelt und dabei immer wieder neue Aspekte aufzeigt. Die Idee, vor dem Hintergrund des antiken Rom eine Geschichte zu schreiben und mit Leben zu füllen, war für mich ausschlaggebend für die Spannungskurve. Es gab immer wieder etwas Neues zu entdecken. Kleine Geheimnisse und große Intrigen. Vielschichtige Charaktere und blutige Kämpfe.

Nevernight – Das Spiel: Ansprechender Schreibstil, fesselnd bis zur letzten Seite

Jay Kristoff: Godsgrave, Taschenbuchausgabe, Harper Collins, 2018. (Nevernight – Das Spiel)

Geschrieben ist die Geschichte aus der personalen Erzählperspektive der Protagonistin Mia Corvere, das heißt ein unbekannter Erzähler schwebt über ihrer Figur und berichtet, wie sie die Dinge erlebt, was sie tut und sagt. Ich finde diese Perspektive für das Buch sehr gut gewählt, schränkt sie doch die Sicht für den Leser ziemlich ein, der dadurch immer wieder überraschende Wendungen erleben darf (ebenso wie Mia), auf der anderen Seite jedoch immer ganz nahe an den Geschehnissen im junge Assassine bleibt.


Nachdem ich schon den ersten Band regelrecht verschlungen hatte, fiel es mir leicht wieder in die Geschichte zu kommen, denn Jay Kristoff hat einen ganz wunderbaren Schreibstil, mit einer Portion schwarzen Humor, die der Geschichte guttut. Er lässt sich außerdem Zeit die Dinge zu entwickeln, lässt dabei aber nie den Schluss aus den Augen. Die Handlung wechselt dabei immer wieder von der Gegenwart in die Vergangenheit, was der Geschichte zusätzliche Dynamik und etwas mehr Spannung verleiht. Man erfährt, was Mia gerade erlebt und bekommt erst durch die Rückblicke nach und nach mit, wie sie in diese Lage kam.

Dass sich Nevernight – Das Spiel so gut und spannend liest, liegt nicht zuletzt an der erfahrenen Übersetzerin Kirsten Borchardt, die unter anderem auch die Klingenromane von Joe Abercrombie ins Deutsche übersetzt hat.

Jay Kristoff: Godsgrave, Hardcover, ST MARTINS PR, 2017. (Nevernight – Das Spiel)

Zu Beginn des Buches gibt es eine kleine Übersicht über die Personen des ersten Bandes mit einigen Hintergründen und Erklärungen. Dadurch bekommt man einen guten Überblick über die vergangenen Ereignisse, was einem auch nach längerer Lesepause einfacher in die Handlung finden lässt. Gut gemacht!
Auf den Vorsatzblättern des Buches findet man zudem zwei wunderschön gestaltete Karten. Einmal von Krähennest, wo sich die Gladiatorenschule befindet, in der Mia ausgebildet wird, und zum Zweiten eine detaillierte Übersichtskarte von der Republik Itreya. Sehr schön!

Zahlreiche humorvolle Fußnoten im Text sind zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, allerdings finden sich darin so einige interessante und mitunter humorvolle Episoden, welche Mias Welt noch ein Stück lebendiger und interessanter werden lassen. Unbedingt mitlesen!

Mia die Heldin oder Anti-Heldin?

Mia muss hart kämpfen, um ihre hochgesteckten Ziele zu erreichen. Dadurch durchläuft ihr Charakter eine durchaus starke Entwicklung. Sie ist kein braves Mädchen, das sich mit dem Flechten von Blumenkränzen und dem Kämmen ihrer Haarpracht aufhält. Sie ist eine Assassine, die tötet, wenn es ihren Zielen genügt und sie dadurch näher an ihre Rache kommt. Andererseits hat Mia aber auch eine brave, nachdenkliche und rücksichtsvolle Seite, die sich sehr um ihre Freunde sorgt, für die sie auch bereit ist Opfer zu bringen. Mia ist eine Protagonistin, die nicht schwarz oder weiß ist, sondern die vielmehr ständig zwischen hellgrau, dunkelgrau und blutrot wechselt. Man glaubt sie als Leser einschätzen zu können und ist dann doch immer wieder überrascht, wenn sie dennoch anders handelt, als man erwartet. Was mir gut gefallen hat, ist ihre sich verändernde Beziehung zu ihrer Assassinen-Kollegin Ashlinn, die schließlich auch im dritten Band noch eine wichtige Rolle spielen wird. Doch auch die sich schrittweise wandelnde Einstellung und Beziehung zu den anderen Gladiatii, die langsam ihre Freunde werden, hat mich überzeugt. Mia ist eine liebenswerte, skrupellose kleine Mörderin, der man nur allzu gerne in die Arena folgt, wo sie das Blut und viele Tränen in Strömen fließen lässt. Vielschichtiger kann ein Charakter fast nicht mehr sein. Und ja, für mich ist sie eine Heldin, denn manche Charaktere im Buch verdienen einfach ein schreckliches Ende. Wie sehr sie auch Gefühle zum Ausdruck bringt, zeigt sich nicht nur an ihrer Freundschaft zu ihren Mitstreitern, sondern auch an ihrer Beziehung zu den beiden Mitreisenden Herr Freundlich und die Schattenkatze Eclipse, die ihr die Angst nehmen.

Nevernight – Das Spiel endet mit einem gehörigen Cliffhanger, was jedoch nichts ausmacht, denn es gibt ja bereits den dritten Teil, sodass man sofort wieder in die Handlung einsteigen kann.

Mein Fazit

Nevernight – Das Spiel ist die überzeugende Fortsetzung des ersten Bands der Trilogie. Neue Schauplätze, neue Charaktere und eine abwechslungsreiche, spannende Story ließen mich von der ersten bis zur letzten Seite nicht mehr los. Jay Kristoff konnte die Messlatte des ersten Teils nochmal ein gutes Stück anheben und man darf sich wirklich auf den finalen Abschluss in Nevernight – Die Rache freuen. Lesenswerte Fantasy für alle Freunde der dunklen Seite!

Jay

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