28. September 2020

Michael J. Sullivan: Der Turm von Avempartha

Der Turm von Avempartha

In einem Turm – ein uraltes Geheimnis. Das Problem – ein Ungeheuer. Die Rettung – zwei Diebe. Hadrian und Royce möchten eigentlich nur ein paar Bauern in einer armen Gegend helfen. Und auf einmal sind sie in die undurchsichtigen Pläne des Zauberers Esrahaddon verwickelt. Das mittellose Mädchen Thrace bittet Royce und Hadrian, ihr abgelegenes Dorf vor den nächtlichen Angriffen eines unbekannten Ungeheuers zu schützen. Dabei stoßen die beiden allerdings auf viel größere Schwierigkeiten als gedacht: Die Kreatur scheint unbesiegbar. Einer alten Prophezeiung nach kann nur das Geheimnis im alten Elben-Turm von Avempartha den mit allen Wassern gewaschenen Dieben weiterhelfen. Warum tauchen aber plötzlich Vertreter des Adels und der Kirche von Nyphron in der gottverlassenen Gegend auf? Und welche Ziele verfolgt Esrahaddon der Zauberer?

Titel: Der Turm von Avempartha Autor: Michael J. Sullivan Verlag: Hobbit Presse, Klett-Cotta Seitenzahl: 394 Alter: 14+ Jahre Erste Auflage/Erscheinungstermin: 21. Februar 2014 Ausgaben: Taschenbuch, E-Book, Hörbuch ISBN: 978-3608960136 (TB)
Reihe: Riyria, #2 Vorgängerband: Der Thron von Melengar Folgeband: Der Aufstieg Nyphrons

Über das Buch und den Autor

Michael J. Sullivan
Michael J. Sullivan

Michael J. Sullivan wurde am 17. September 1961 in Detroit (Michigan, USA) geboren und gilt als erfolgreichster selbstverlegender Fantasy- und Science-Fiction Autor. In Deutschland wurde er vor allem mit seiner Ryiria-Reihe bekannt, die ab 2014 von Hobbit Presse/Klett-Cotta veröffentlich werden. Das erste Buch heißt Der Thron von Melengar und erschien unter dem englischen Titel The Crown Conspiracy.

Mit Rebellion (Age of Myth) begann Sullivan 2016 eine neue Fantasy-Buchreihe, die insgesamt sechs Bände umfasst und den Reihentitel Zeit der Legenden (Legends of the First Empire) trägt. Außergewöhnlich ist wohl der Arbeitsstil des Autors, der zuerst alle Bücher einer Reihe vollendet, bevor der erste Teil seinen Weg in die Regale findet. Die Bücher sind also schon fertig und werden sukzessive in den kommenden Jahren veröffentlicht werden.

Meine Meinung

Nach dem gradiosen Start der Reihe mit Der Thron von Melengar, setzt sich die Geschichte von Hadrian und Royce nun fort. Hauptschauplatz der Handlung ist der Turm Avempartha, ein von Elben erbautes Meisterwerk der Architektur an der Grenze zum Elbenreich. Der Turm spielt auch im Buch Age of Legend (Heldenblut) aus der Reihe Zeit der Legenden eine wichtige Rolle. In diesem zweiten Teil der Riyria-Reihe erweitert Michael J. Sullivan nicht nur seine Welt um ein paar neue Königreiche und Personen, er strickt auch die Geschichte weiter und offenbart seinen Lesern noch mehr Hintergründe zu den Protagonisten. Hauptpersonen sind natürlich wieder das Diebesduo Royce und Hadrian, sowie die resolute Prinzessin Arista. Es kommen aber noch weitere Charaktere hinzu, wie zum Beispiel die Bauerntochter Thrace, die Royce und Hadrian um Hilfe gegen ein Ungeheuer bittet, das ihr Dorf heimsucht und auch Esrahaddon, der befreite Zauberer aus dem ersten Band, der ein geheimnisvolles Spiel zu spielen scheint. Esrahaddon, der viel weiß, aber wenig erzählt, zeigt immer mehr Rätsel auf und ist für mich Sullivans Äquivalent von Tolkiens Gandalf. Er ist ein Zauberer, der gerne alleine reist und seine eigenen großen Ziele zum Wohle oder Unwohle der ganzen bekannten Welt verfolgt. Einmal mehr begeistert mich die Entwicklung der Charaktere, die sukzessive etwas mehr von ihrem Hintergrund preisgeben. So erfährt manches über Hadrians Herkunft, aber auch über die Vorgeschichte von Royce. Ohne Sullivans Ideen zu den Pro- und Antagonisten und deren konsequente Weiterentwicklung wäre die ganze Handlung nur halb so interessant. Die Geschichte steht und fällt eben mit den Personen, die sie erleben und dem Autor gelingt es so zu komprimieren, dass man einerseits nicht den Eindruck hat, man würde durch die Handlung hetzen, andererseits gibt es aber auch keine Längen. Ich finde das Erzähltempo sehr angenehm.

Avempartha
Michael J. Sullivan: Avempartha, US-Ausgabe, Selbstverlag, 2009

Sullivan schreibt flüssig und entwickelt seine Spannungskurve langsam bis zum Finale am Schluss des Buches. Wie auch schon Der Thron von Melengar ist das Buch in sich abgeschlossen. Es gibt also keinen großen Cliffhanger am Ende, die allzu große Fragen offen lassen. Gleichzeitig weiß der Leser aber auch, dass es im nächsten Band weitergehen wird. Verglichen mit Der Thron von Melengar kann ich nicht sagen, welches der beiden Bücher mir besser gefallen hat. Der Autor konnte in meinen Augen sein Niveau halten und die Geschichte um einige Details erweitern. An manchen Stellen konnte ich jedoch seine Andeutungen durchschauen und meine richtigen Schlüsse zu Überraschungen ziehen, die Sullivan sich bis zum Schluss aufsparte. Es ist aber nicht so, dass dies zu offenkundig war. Vieles erschließt sich den Lesern erst, wenn der Autor die Zusammenhänge deutlich macht. Ich denke, das macht auch ein gutes Buch aus, dass die Leser selbst rätseln können, worauf die Geschichte hinausläuft. Wer die Reihe Zeit der Legenden liest oder gelesen hat, darf sich zudem über einige geschichtliche Verknüpfungen freuen, welche die beiden Reihen verbinden und auch beim Lesen auch hin und wieder für ein Aha-Erlebnis sorgen.
Im Buch kommen wieder einige gut beschriebene Kämpfe vor und ich fand es nicht schlecht, dass auch einmal ein B-Charakter für die Dramatik über die Klinge springen muss. Gerade zum Schluss hin wird es dann auch emotionaler und auch das trägt zur Spannung des Buches bei. Insgesamt ist es, wie ich finde, wieder eine runde Sache geworden.

Das Cover der englischen Buchausgabe rechts oben zeigt den Turm Avempartha auf seiner Insel am großen Wasserfall des Flusses Nidwalden, wie er im Buch beschrieben wird.

Mein Fazit

4.5 von 5 Sternen
„Gut und ansprechend geschrieben.“

Mit Der Turm von Avempartha hat Michael J. Sullivan seine Riyria-Reihe würdig fortgesetzt. Das Buch hält das Niveau des Vorgängers und erweitert sowohl die Welt als auch die Geschichte der Charaktere, die mir schon im ersten Teil ans Herz gewachsen sind. Der Schreibstil ist gut und das Erzähltempo passt für mich genau. Mit vielen guten Ideen und einer konsequenten Weiterentwicklung der Haupt- und Nebencharaktere ist Der Turm von Avempartha ein Buch, das man gerne liest und nur schwer zur Seite legt.

Jay

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