Darkviktory – One Exit: Verloren im Untergrund (Jugend-Dystopie)

Darkviktory – One Exit
Gebundene Ausgabe
Loewe Verlag, 2019

Inhalt

Ein entgleister, brennender Zug. Irgendwo im Untergrund des Londoner U-Bahn-Systems. Zusammen mit acht anderen Jungen kommt der 15-jährige Fabiu verwirrt zu Bewusstsein. Die Jungen kennen sich nicht und haben keinerlei Gemeinsamkeiten, bis auf eine Information: Sie alle sind Teil der Evakuierungsmaßnahme SEED, in der die britische Regierung Kinder und Jugendliche im Untergrund vor dem großen Krieg in Sicherheit bringt, um sie dort vor den atomaren Folgen des Dritten Weltkrieges zu schützen.

Umso mehr verwundert es Fabiu, einen verwaisten rumänischen Jungen, sich selbst inmitten dieser Operation wiederzufinden. Als sich der Tunnel immer mehr mit Rauch füllt, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Verzweifelt suchen die dort gefangenen Jungen nach Antworten. Warum und von wem wurden sie wirklich hergebracht – und wie kommen sie hier wieder lebend raus? (Quelle: Loewe Verlag)

Titel: One Exit – Verloren im Untergrund Autor: Marik Roeder (Darkviktory) Verlag: Loewe, Bindlach Reihe: ??? Seitenzahl: 400 Genre: Jugendbuch, Dystopie Alter: 14+ Erste Aufl.: 11. März 2019 Ausgaben: Hardcover, E-Book ISBN: 978-3-7432-0335-8 (Hardcover) Sonstiges: Farbige Illustrationen

Über den Autor und Illustrator

Marik Roeder wurde am 14. August 1989 in Berlin geboren. Seit 2009 betreibt er den erfolgreichen YouTube-Kanal darkviktory. Bekannt geworden ist er vor allem durch die Animationsserie TubeClash, die mehrfach mit dem Deutschen Webvideopreis ausgezeichnet wurde. Sein animiertes Newsmagazin BrainFed – Fütter dein Hirn! erhielt 2016 den Grimme Online Award. Er wohnt mit seinem Freund und seinem Hund in Potsdam, wo er an neuen Buch-, Film- und Animationsprojekten arbeitet.
(Quelle: Loewe Verlag)

Meine Meinung

Wieder ein interessantes Buch vom Loewe Verlag. Als ich das Cover sah und den Klappentext gelesen hatte, musste ich sofort zugreifen, denn Jugendbuch-Dystopien fallen eindeutig in mein Beuteschema. In kaum einem anderen Genre kann man in meinen Augen die Charakterentwicklung  jugendlicher Protagonisten besser ausarbeiten, als hier. Kinder und Jugendliche, die auf sich selbst gestellt sind, Entscheidungen treffen und Probleme lösen müssen, faszinierten die Lesermassen nicht erst seit Die Tribute von Panem und diverser Nachfolger mit ähnlichem Ansatz. Ich könnte sie immer wieder lesen.
Ein gutes und spannendes Buch lebt jedoch nicht nur von der Handlung, sondern von der stilistischen Umsetzung und da gibt es für mich bei One Exit ein paar wesentliche Kritikpunkte, aber der Reihe nach.

Die Handlung von One Exit fand ich allgemein sehr interessant und durchdacht. Viele gute Ideen wurden zu einer insgesamt abwechslungsreichen Geschichte verknüpft, die auch die eine oder andere überraschende Wendung nimmt und die Leser an das Buch fesselt. Es bleibt wirklich spannend von der ersten bis zur letzten Seite und das ist gerade bei dieser Zielgruppe (Jugendliche ab 14 Jahren) sehr wichtig. Schon die ersten Sätze im Buch bringen Action und Abwechslung. Im Verlauf der Handlung wechseln sich aktionsgeladene Abschnitte auch immer wieder mit emotionalen Passagen ab, zum Beispiel, wenn die Jungen aus sich herauskommen und unter vier Augen über ihre Gefühle und die Vergangenheit sprechen. Die Charaktere bekommen so mit der Zeit mehr Tiefe und man kann sich besser in sie hineinversetzen.

Die Charaktere im Buch sind recht überschaubar. Im Prinzip dreht sich fast alles um die acht Jungen, die im Londoner U-Bahn-System um ihr Überleben kämpfen. Was ich an dieser Stelle jedoch kritisch anmerken muss, ist die recht schnelle und zum Teil verwirrende Einführung der Protagonisten auf den geschätzt ersten zwanzig Seiten. Acht, zum Teil recht unterschiedliche, Charaktere mit natürlich verschiedenen Namen und jeweils unterschiedlichem ethnischen Hintergrund, da kann man als Leser schon einmal durcheinander kommen, wenn die Informationen zu schnell gegeben werden. Bei mir hat es jedenfalls ein ganzes Stück gedauert, bis ich die Jungen einigermaßen einordnen konnte. Wenn man allerdings das erste Kapitel im Buch zweimal lesen muss, um zu raffen, wer nun wieder wer ist, dann ist das nicht motivierend. Später wurde es dann besser. Schade ist es, wenn dadurch einfach Informationen verloren gehen, die im weiteren Verlauf der Geschichte wichtig werden könnten.

Die Glaubwürdigkeit der Charaktere hängt auch ab von ihrer Entwicklung während der Handlung. Charakterentwicklung konnte ich in einem Großteil des Buches jedoch nicht finden. Erst zum Schluss hin wird es durch die Dramatik der Ereignisse sichtbar, dass die Jugendlichen dazulernen und ihr Verhalten überdenken. In den ersten drei Vierteln des Buches geht es quasi fast ausschließlich jeder gegen jeden. Anstatt sich zusammenzuraufen und gemeinsam an einer Lösung der Probleme zu arbeiten, misstraut und bekriegt man sich lieber. Mich hat das zum Teil genervt und ich fand es auch nicht sonderlich nachvollziehbar. Dass es immer einmal wieder Reibereien gibt, ist aufgrund der besonderen Situation nachvollziehbar, jedoch nicht die dauerhaften Beleidigungen und das ewige Herumgehacke auf anderen. Ich hätte mir hier mehr Entwicklung und mit der Zeit auch Empathie gewünscht, aber die kam erst ziemlich am Schluss (wie bereits angemerkt).
Hier ein Beispiel: Als einer der (unbeliebteren) Jungen ernsthaft verletzt wird und man seine Wunde mit destilliertem Wasser oder Alkohol reinigen muss, kommt es zu folgender Aussage:

„Ich hoffe, ich finde Alkohol“, grinste Zakir gehässig und blickte dabei genüsslich in Lucas‘ schmerzverzerrte blaugraue Augen. (Darkviktory – One Exit, Seite 130)

Überhaupt schien ein Großteil der Gruppe aus Egomanen zu bestehen, die gerne ihre eigenen Ziele verfolgen, als sich einzuordnen und zusammenzuarbeiten, von wenigen Ausnahmen abgesehen.

Das Verhalten der Gruppenmitglieder könnte ich akzeptieren, wenn der Autor nicht immer wieder indirekt politische Stellungnahmen abgeben würde. Die kommende Präsidentschaftswahl in den USA wird am 3. November 2020 stattfinden. Im Buch wird ein Zeitungsausschnitt vom 4. November 2020 abgebildet, in dem die Wiederwahl des Präsidenten „nach vier beschämenden Jahren inkompetenter Führung der USA“ als „Scheitern der Demokratie“ bezeichnet wird. Der Name des Präsidenten wird nicht genannt, allerdings ist ziemlich klar, wer gemeint ist. Man kann nun zur US-Politik stehen, wie man will und ich bin sicher niemand, der in diesem Zusammenhang alles gut heißt, was geschieht. Allerdings haben solche Aussagen in einem Jugendbuch nichts verloren, zumal in dem Buch so einige politische Themen verwurstet werden: Rassismus, Rechtsextremismus, Genderstudien, Umweltverschmutzung und Klimawandel. Nichts gegen aktuelle politische Themen in Büchern, allerdings sollte nicht der Eindruck entstehen, der Autor möchte durch den Anstrich einer erdachten Geschichte die Meinung der Leser in seinem Sinne beeinflussen. Schon gar nicht in einem Jugendroman. Diesen Eindruck hatte ich leider. Haltet mich nun für konservativ, aber das ist meine Meinung (Diskussion darüber gerne im Kommentarbereich).

Gut fand ich wiederum den Schluss des Buches. Er lässt einige Fragen offen und macht den Eindruck, dass es wohl irgendwann eine Fortsetzung geben könnte. Was ich außerdem richtig gut fand, waren die vielen farbigen, ganzseitigen Illustrationen durch den Autor Darkviktory selbst. Sie sind stimmungsvoll und wirklich gut gelungen. Eine wirkliche Bereicherung der Geschichte und unbedingt ein Hingucker für alle, die das Buch in der Printversion kaufen wollen. Allein wegen der Illustrationen verbietet sich eigentlich das E-Book. Gut gemacht und überaus ansprechend.

3.5 von 5 Sternen
„Gute Ideen, spannend geschrieben.“

Mein Fazit…

… fällt gemischt aus. Einerseits störten mich so manche Dinge sehr, andererseits ist One Exit nun kein Buch, das man ungern beiseitelegt, was in meinen Augen ein gewichtiger Faktor ist. Es trifft den Nerv der Leser und zieht sie in den Bann. Die Story ist abwechslungsreich und überrascht mit einigen Wendungen. Gut gelungen sind auch die Illustrationen im Buch, welche hervorragend zur Handlung passen und vom Autor selbst stammen. Insgesamt ist One Exit noch ein Buch, das ich empfehlen kann, allerdings wäre aufgrund offener Fragen zum Schluss, eine Fortsetzung wünschenswert.

An dieser Stelle bedanke ich mich nochmals beim Loewe Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

Jay

 

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