4. Dezember 2020

Die Gabe der Könige von Robin Hobb

Robin Hobb: Die Gabe der Könige, Penhaligon, 2017

Fitz ist der uneheliche Sohn von Prinz Chivalric und erst sechs Jahre, als er von seinem Großvater verstoßen und an königlichen Hof gebracht wird. Der Stallmeister Burrich kümmert sich um den Jungen und trotz einiger Anfeindungen, die ihm als Bastard eines Prinzen entgegenschlagen, findet er zunächst seinen Platz am Hof. Schon bald zeigt sich in Fitz die Gabe der Könige, eine mentale Fähigkeit, die große Macht verleihen kann, wenn man sie meisterhaft beherrscht. Als Fitz älter wird, entdeckt der weise König Listenreich als Potenzial als uneheliches Mitglied der Familie und lässt ihn heimlich zum Attentäter ausbilden, seinem Werkzeug des Todes, wenn alle Diplomatie fehlschlägt.

Noch ahnt Fitz nicht, was er für seine Treue aufgeben muss – seine Ehre, seine Liebe, sogar sein Leben! Denn die Intrigen bei Hofe sind mannigfaltig, und Fitz kann seine Augen nicht vor dem drohenden Unheil verschließen, das dem Reich droht. Doch da befiehlt ihm der König, genau das zu tun. Fitz muss sich entscheiden: Wird er gehorchen oder seinem eigenen Gewissen folgen?

Titel: Die Gabe der Könige/Der Weitseher/Der Adept des Assassinen (Assassin’s Apprentice) Autorin: Robin Hobb Verlag: Penhaligon (Spectra) Reihe: Die Chronik der Weitseher (The Farseer), #1 Seitenzahl: 608 (448) Genre: Fantasy Alter: 14+ Erste Aufl.: 01. Januar 1996 (1995) Ausgaben: Hardcover (ENG), Taschenbuch, E-Book, Hörbuch ISBN: 978-1984817853 (ENG HC), 978-3764531836 (Dt. TB) Folgeband: Der Bruder des Wolfs

Über das Buch Die Gabe der Könige

Der Adept des Assassinen
(Die Gabe der Könige)
Dt. Taschenbuchausgabe von 1995 (Bastei-Lübbe)

Die englische Originalausgabe des Buches erschien bereits 1995 unter dem Titel Assassin’s Apprentice und ist der Debütroman der amerikanischen Fantasyautorin Robin Hobb (*1952). Das vielfach gefeierte Buch wurde frühzeitig ins Deutsche übersetzt und erschien zunächst unter dem Titel Der Adept des Assassinen bei Bastei-Lübbe (Bild rechts). 2009 erschien eine Neuauflage bei Heyne unter dem Titel Der Weitseher. Seit 2017 wird das Buch bei Penhaligon unter dem Titel Die Gabe der Könige verlegt.
Das Buch ist der erste Teil der inzwischen schon fast legendären ersten Weitseher-Trilogie (engl. Farseer Trilogy). Zwei weitere Trilogien um Fitz sollten im Laufe der Jahre folgen. Weitere Informationen zu den Trilogien/Büchern im Autorenporträt von Robin Hobb.

Das erste deutsche Taschenbuchcover (rechts) unterscheidet, abgesehen vom Titel, kaum vom Cover der amerikanischen Taschenbuchausgabe. Es zeigt Fitz, seinen Mentor Chade und seinen Hund Naseweis (Nosy).

Meine Meinung zu Die Gabe der Könige

Eine Handlung zum Eintauchen

Das Buch beschreibt die Kinder und Jugendjahre von Fitz Chivalric (Weitseher), dem Bastardsohn des leider schon jung verstorbenen Thronfolgers Prinz Chivalric, der mit 6 Jahren an den Königshof kommt und dort aufwächst. Schon von Beginn an baut Robin Hobb kontinuerlich an der Fantasywelt von Fitz, was sich in den folgenden Büchern noch fortsetzen wird. Sehr detailliert beschreibt sie Sitten und Gebräuche der Menschen, erklärt die das Königreich der Sechs Provinzen, seine uralte Geschichte und die Gabe der Könige. Die Autorin verwebt viele sehr gute Ideen zu einem stimmigen Ganzen und einer Welt, in die man ab den ersten Seiten des Buches sehr gerne eintaucht. Man möchte einfach wissen, was Fitz als Nächstes widerfährt und wie er aus einigen vertrackten Situationen wieder herauskommt.

Natürlich ist es ein Fantasy-Roman. Allerdings gibt es kaum diese Vielzahl von Magie, wie man sie aus dem High-Fantasy-Bereich kennt. Die Magie beschränkt sich auf spezielle angeborene mentale Gaben, die jedoch keineswegs die ausführende Person allzu mächtig werden lassen. Die jeweilige Gabe muss geistig beherrscht und gezähmt werden und birgt für ihren Anwender erhebliche psychische und physische Riskien. Auch dadurch baut Robin Hobb erfolgreich Spannung auf und zeigt, dass mächtige Magie durchaus ihre Kehrseiten haben kann. Elfen und Zwerge, wird man in dem Buch ebenfalls nicht finden, dafür eine Vielzahl von interessanten Personen, die von Robin Hobb liebevoll erschaffen und sehr vielschichtig weiterentwickelt werden.

Alles dreht sich um Fitz Chivalric, seine Freunde und Feinde

Das ganze Buch ist in der Ich-Perspektive geschrieben und man hat als Leser eigentlich nur die begrenzte Perspektive durch die Augen von Fitz, um die Geschichte zu verfolgen. Robin Hobb hat es jedoch geschafft das volle Potenzial auszuschöpfen und eine unglaublich spannende Geschichte zu schreiben. Gerade die eingeschränkte Sicht des jungen Fitz lässt dem Leser keine andere Wahl, als immer wieder Vermutungen anzustellen. Nicht selten kommt es dabei zu ganz überraschenden Wendungen in der Handlung. Die Geschichte ist eine Autobiografie, die Fitz selbst schreibt. Der Vorteil ist hierbei, dass der Leser selbst die tiefsten Gedankengänge der Hauptfigur mit verfolgen kann. Man bekommt die Gefühlswelt von Fitz sehr detailliert mit und kann sich gut in seine Lebenswelt, seine Sorgen und Probleme hineinversetzen, quasi seine Entwicklung über den kompletten Handlungsverlauf verfolgen. Nicht zuletzt deshalb ist dieses Buch so unglaublich mitreißend geschrieben, weil es an vielen Stellen sehr emotional wird. Man liest nicht über Fitz, sondern man wird selbst zu Fitz.

Assassin's Apprentice (Die Gabe der Könige)
Illustrierte Jubiläumsausgabe von „Assassin’s Apprentice“ von Del Rey

Es ist jedoch nicht nur die Erzählperspektive, die das Buch absolut lesenswert macht. Fitz Chivalric ist, obwohl er die Hauptfigur ist, kein Held im klassischen Sinne. Er ist nicht unglaublich klug oder stark. Er ist auch kein Glückspilz und muss viele Rückschläge einstecken. Fitz wird als Hauptperson schon so einiges abverlangt und man fragt sich als Leser manchmal, ob Robin Hobb ihn eigentlich selbst gerne mag (natürlich tut sie das über alle Maßen!). Es ist nur so, dass Fitz durch seine Stärken und auch einige Schwächen sehr glaubwürdig ist. Hinzu kommen viele Probleme, die von seiner unehelichen aber königlichen Abstammung herrühren. Zum einen ist er ein königlicher Bastard mit bestimmten Privilegien, zum anderen jedoch in Adelskreisen am Hof nicht immer erwünscht und wird für seine Herkunft verachtet. Er liebt seine Freundin Molly über alles, weiß jedoch, dass er sie in ernsthafte Gefahr bringen würde, sollten seine Feinde davon erfahren. Gerade dies macht ihn zu einem äußerst sympathischen und durchaus glaubwürdigen Charakter mit viel Gefühl, aber auch Ecken, Kanten und mit dunklen Seiten. Seine Bezugspersonen sind vor allem der Stallmeister Burrich, sein Onkel Prinz Veritas und der geheimnisvolle Chade. Doch auch der Hofnarr wird eine wichtige Rolle im Leben von Fitz spielen. Die Beziehungen von Fitz zu den anderen Charakteren im Buch machen einen großen Teil der Handlung aus und werden von Robin Hobb meisterlich beschrieben.

Der Schluss macht Lust auf die Fortsetzung

Wer das erste Buch der Trilogie gelesen hat, wird nicht umhinkommen auch das nächste zu lesen. Es knüpft an die Handlung an und erweitert sei um weitere Aspekte. Das Ende des Buches ist rund, allerdings bleiben einige Dinge ungeklärt, zum Beispiel der weitere Kampf gegen die Roten Korsaren und die Gefahren am Königshof, die immer noch drohen.

Mein Fazit zu Die Gabe der Könige

5 von 5 Sternen "Spannend, mit hoher atmosphärischer Dichte."
5 von 5 Sternen
„Spannend, mit hoher atmosphärischer Dichte.“

Ich habe in meinem Leben schon viel Fantasy gelesen und Robin Hobbs Trilogien über Fitz den Weitseher gehören für mich zweifellos zu den besten Büchern des Genres. Ich habe die erste Trilogie bereits mehrmals auf Deutsch gelesen und ich konnte die Bücher kaum aus der Hand legen, so facettenreich beschreibt Hobb Fitz‘ Charakter und so abwechslungsreich ist die Handlung. Die Autorin lässt keine Emotion aus und schafft es vortrefflich diese dem Leser näherzubringen. Die Geschichte ist anspruchsvoll und sehr vielschichtig geschrieben, zugleich spannend, überaus eindrucksvoll in manchen Darstellungen und dennoch klar verständlich. Langweilige Passagen wird man kaum finden. Robin Hobb versteht es zudem meisterlich eine wundervolle Geschichte mit vielen unterschiedlichen, interessanten Charakteren zu weben und den Leser damit zu fesseln. Solche Bücher sollte es öfter geben und der zweite Teil der Reihe steht dem ersten kaum nach…

Jay

Covergalerie zu Die Gabe der Könige

6 Gedanken zu “Die Gabe der Könige von Robin Hobb

  1. Ein Re-Read nur in der Neuübersetzung? 🙂 Wie hat Dir die neue Übersetzung gefallen? Als sehr goßer Fan der Autorin stimme ich in jedem Satz zu. Die neue Trilogie (kennst Du die schon?) habe ich erst kürzlich beendet. Und ich hoffe sehr, dass sie noch lange weiter machen wird. Kürzlich las ich auf ihrem Blog, dass sie dabei war, etwas mit einer schweren Krankheit zu schreiben, dann aber aufgehört hätte, weil es in diesen Zeiten zu realistisch ist und niemand das lesen wollen würde. Schade. Ich würde in jedem Fall alles und jederzeit von ihr lesen. 🙂

    1. Hallo Soleil,

      ich komme mit der neuen Übersetzung sehr gut zurecht. Ich habe das Buch vor so langer Zeit gelesen, dass es mir gar nicht aufgefallen wäre, hätte die Übersetzerin nicht den Hundenamen „Nosy“ mit „Naseweis“ übersetzt. Ich bin gerade beim zweiten Buch der ersten Trilogie. Die zweite Reihe habe ich vor 17 Jahren einmal gelesen und dir dritte Reihe noch gar nicht. Das kommt jetzt alles nach und nach. Ich bin aber immer wieder sehr begeistert von den Büchern, von Robin Hobbs klaren und packenden Stil und natürlich auch von ihren vielschichtigen Charakteren, die man schnell ins Herz schließt. Ich denke, ich werde in diesem Jahr sehr viele Bücher von ihr noch lesen und rezensieren.
      Schau mal ins Autorenporträt, dort gibt es auch sehr viele Cover zu den einzelnen Büchern.

      Liebe Grüße
      Jay

      1. Dann hast Du ja noch sehr viel Lesespaß vor Dir – und den brauche ich Dir nicht einmal zu wünschen, weil Du ihn so oder so haben wirst. 😉 Selbst bin ich auch vor knapp zwanzig Jahren mit Hobbs Werken gestartet und weiß noch wie erfreut ich war, als ich erfuhr, dass eine weibliche Autorin ist (damals sehr selten im Genre). Seither begleitet sie mich und ich habe so ungefähr alles von ihr gelesen, was auf Deutsch zu kriegen war. Selbstredend besitze ich auch signierte Bücher.
        Mit der Neuübersetzung bin ich allerdings nicht glücklich geworden.
        Und ja, weiß, lese nicht erst seit gestern mit 🙂

        1. Danke für deinen Beitrag. Ich bin im Moment dabei einige Bücher von Robin Hobb zu lesen, auch wenn ich mit den Rezensionen etwas im Rückstand bin. Ich bin fast mit der zweiten Weitseher-Trilogie durch und freue mich bereits auf die dritte.

          LG
          Jay

  2. Hallo Jay,

    was soll ich noch dazu sagen, ich habe die Bände um Fitz bestimmt vor 20 Jahren gelesen und war begeistert. Charaktere, Handlung, Spannung, alles passte…

    1. Hallo Wolfram,

      ja, das sehe ich auch so. Ich habe mir schon seit einigen Jahren vorgenommen die ganze Reihe mit allen neun Büchern zu lesen. Jetzt ist es so weit und ich freue mich drauf. Ich weiß von der zweiten Trilogie gar nichts mehr und die dritte habe ich noch gar nicht gelesen. Bin gespannt wie alles am Ende aus geht.

      VG
      Jay

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