5. Dezember 2020

Diener der alten Macht von Robin Hobb

Robin Hobb: Diener der alten Macht, Penhaligon, 2018

Fünfzehn Jahre sind seit dem schrecklichen Krieg der sechs Provinzen mit den Roten Korsaren vergangen, seitdem herrscht ein unsicherer Friede. Da verschwindet Prinz Pflichtgetreu kurz vor seiner Hochzeit mit einer Prinzessin der Roten Korsaren. Will er der Vermählung ausweichen, wie einige behaupten? Oder ist ihm etwas zugestoßen? Es gibt nur einen, der sich auf die gefahrvolle Suche nach ihm machen kann: Fitz der Bastard mit seinem Wolf Nachtauge. Doch der hat sich geschworen, nie wieder in die Intrigen des Königshofs verstrickt zu werden…

Titel: Diener der alten Macht (Fool’s Errand) Autorin: Robin Hobb Verlag: Penhaligon (Voyager) Reihe: Das Erbe der Weitseher, #1 (The Tawny Man, #1) Seitenzahl: 896 (672) Genre: Fantasy Alter: 14+ Erste Aufl.: 27. August 2018 (15.10.2001) Ausgaben: Taschenbuch, E-Book, Hörbuch ISBN: 978-3764532031 (TB) Sonstiges: Karte der sechs Provinzen Vorgängerband: Der Erbe der Schatten (Die Chronik der Weitseher, #3) Folgeband: Prophet der sechs Provinzen

Über das Buch Diener der alten Macht

Robin Hobb: Der Lohfarbene Mann (Diener der alten Macht), Bastei Lübbe, 2003

Die englische Originalausgabe des Buches erschien bereits am 15. Oktober 2001 unter dem Titel Fool’s Errand und ist der erste Band der zweiten Trilogie um Fitz Chivalric Weitseher mit dem Reihentitel Das Erbe der Weitseher (engl.: Tawny Man Trilogy). Das Buch wurde daraufhin ins Deutsche übersetzt und erschien im April 2003 als „grüne Ausgabe“ zunächst unter dem Titel Der lohfarbene Mann bei Bastei-Lübbe (Bild rechts) zunächst als Hardcover, ab Juni 2006 auch als Taschenbuchausgabe. Über viele Jahre hinweg erhielten die deutschen Bücher allerdings keine Neuauflage von Bastei Lübbe und waren daher nur antiquarisch erhältlich. Erst seit August 2018 wird das Buch wieder bei Penhaligon unter dem neuen Titel Diener der alten Macht verlegt. Übersetzerin ist Eva Bauche-Eppers. Weitere ausführliche Informationen zu den Trilogien/Büchern und der Autorin im Autorenporträt von Robin Hobb.

Meine Meinung zu Diener der alten Macht

Zurück in der Welt von Fitz Chivalric Weitseher

Die Handlung des Buches knüpft, mit einem größeren Zeitsprung von etwa 15 Jahren, direkt an das Ende der ersten Weitseher-Trilogie an. Fitz ist älter geworden und auch sein Wolf Nachtauge ist inzwischen in die Jahre gekommen. Beide leben zurückgezogen in einem einsamen Gehöft fernab der Intrigen am Hof von Bocksburg. Fitz hat sich aus seinem Leben als königlicher Assassine zurückgezogen und genießt mehr oder weniger sein ruhiges Leben. Sein Ziehsohn Harm hat jedoch inzwischen ein Alter erreicht, um eine Berufsausbildung zu beginnen und nicht nur das ist für Fitz und Nachtauge ein Grund, nach Bocksburg zurückzukehren. Prinz Pflichtgetreu, der Thronfolger der sechs Provinzen, ist verschwunden und Fitz scheint der einzige zu sein, der mittels seiner Gabe und der alten Macht den Aufenthaltsort des Jungen finden und ihn zurückbringen kann. Bald schon findet sich Fitz erneut im Zwiespalt zwischen seinem Bedürfnis nach Ruhe und seiner Loyalität gegenüber dem Königshof. Er und Nachtauge machen sich auf eine gefährliche Expedition den Prinzen zu finden und begeben sich dabei erneut in große Gefahr.

Robin Hobb: Fool's Errand, Voyager, 2001 (Diener der alten Macht)
Fool’s Errand, US-Erstausgabe

Mit Prinz Pflichtgetreu führt Robin Hobb die nächste Generation der Weitseher in die Reihe ein. Auch der Zeitsprung über 15 Jahre lässt die Leser einen anderen Fitz kennenlernen, dessen Persönlichkeit introvertierter wirkt und der noch sehr an den Folgen der Entbehrungen und Verletzungen aus den vorherigen Büchern zu leiden hat. Fitz ist einsam, selbst mit seinem Freund Nachtauge an der Seite, dennoch scheint er sein Leben in Abgeschiedenheit zu genießen. Dass er nach dem Verschwinden des Thronfolgers Prinz Pflichtgetreu erneut in den Strudel der Ereignisse gerissen wird, ist dem Betreiben von Chade und dem Narren anzurechnen. Beide nehmen im Buch erneut eine Rolle ein, wobei der Narr in meinen Augen ein weitaus größeres Gewicht in der Handlung erhält, als in den Büchern davor. Ich liebe den Charakter des Narren und empfinde ihn, neben der Person von Fitz, als einen der besten und vielschichtigsten, den Robin Hobb erschaffen hat. Seine oft undurchsichtigen Prophezeiungen, im Buch tritt er als der reiche und extravagante Fürst Leuenfarb auf, sind in dieser Trilogie abermals von zentraler Bedeutung, weshalb die Trilogie im Englischen auch seinen Namen trägt (The Tawny Man Trilogy).

Die Handlung entfaltet sich nur langsam

Robin Hobb lässt sich Zeit beim Aufbau der Geschichte. Wer schnelle Action sucht und sich überschlagende Ereignisse in den ersten Kapiteln erwartet, der wird vom Buch zunächst ausgebremst. Fitz grübelt lange und intensiv über seine Vergangenheit und seine Situation. Noch immer versucht er einige Dinge aufzuarbeiten, die ihn bedrücken und das zieht sich über mehrere Kapitel. Zwar bekommt er zwischendurch in seiner abgelegenen Hütte Besuch von alten Bekannten, allerdings soll es zumindest bis zur Hälfte des Buches dauern, bis er sich selbst wieder auf Wanderschaft begibt und sich langsam Spannung entfaltet. Überstehen kann man diese Durststrecke nur, indem man sich als Leser auf Fitz und seine Gedanken einlässt, wohl wissend, dass es irgendwann schon besser werden wird. Trotz der langen Hinführung zur eigentlichen Handlung gelingt es Robin Hobb dennoch irgendwie die Leser bei der Stange zu halten. Spätestens am Hof von Bocksburg und mit dem Auftritt von Fürst Leuenfarb findet man auch eine gute Prise Humor in der Handlung. Charakterbeziehungen auszuleben und in den Fokus zu rücken, war schon immer Robin Hobbs Stärke gewesen und die Beziehung zwischen Fitz und dem Narren ist eine der tiefgründigsten in der ganzen Reihe.

Fitz Chivalric und der Narr — ein traumhaftes Paar

Robin Hobb spinnt die Charakterbeziehung zwischen Fitz und seinem Freund den Narren weiter und hebt ihr Verhältnis auf eine neue Ebene. Der Narr wird zu Fürst Leuenfarb und bleibt der Weiße Prophet, der mit Fitz‘ Hilfe die Welt aus den Angeln heben möchte. In den folgenden beiden Büchern der Trilogie wird dies noch deutlicher werden. Doch auch viele alte Bekannte und neue Charaktere finden ihren Weg in die Handlung. Fürst Chade, Königin Kettricken, Prinz Pflichtgetreu und nicht zuletzt Burrich, Molly und Fitz‘ leibliche Tochter Nessel werden eine immer wichtigere Rolle spielen. Insbesondere die alte Macht, von den Menschen kritisch beäugt, ist im Buch ein zentraler Handlungsfaden. In diesem Zusammenhang entfaltet das Buch sogar eine gesellschaftskritische Komponente, die schnell an die Hexenverfolgungen des Mittelalters erinnern. Wer die alte Macht in sich trägt und eine gedankliche Verbindung zu Tieren aufnehmen kann, wird in den sechs Provinzen nicht selten verfolgt und grausam getötet. Dieser „Makel“ den die Betroffenen von Geburt an in sich tragen, wird schnell zu einer großen Gefahr für deren Leib und Leben, insbesondere wenn man von anderen denunziert wird und Vorurteile den Menschen die Sinne vernebeln.

Altbekannte Ideen weiterentwickelt

Robin Hobb setzt in ihrem Buch auf Aspekte der vorherigen Trilogie, die sie konsequent weiterentwickelt. Dennoch wirkt die Handlung nicht überholt und einfallslos. Dazu tragen nicht zuletzt die gut ausgearbeiteten Charaktere und ihr einnehmender Schreibstil bei, den man bereits aus anderen Büchern von ihr kennt. Mir hat die Mischung sehr gut gefallen und ich bin gerne wieder in die Welt von Fitz eingetaucht, um mit ihm, Nachtauge und Fürst Leuenfarb Abenteuer zu erleben. Auch wenn sich die Handlung nur sehr langsam entfaltet, spätestens ab der Mitte beginnt sie einen zu fesseln.

Mein Fazit zu Diener der alten Macht

4.5 von 5 Sternen „Gut und ansprechend geschrieben.“

Mit diesem ersten Buch der zweiten Trilogie um Fitz gelang es Robin Hobb erneut mich in den Bann zu ziehen. Die Handlung ist vor allem in der zweiten Hälfte des Buches abwechslungsreich, spannend und gut entwickelt. Die Charaktere sind vielschichtig, insbesondere der Narr und Prinz Pflichtgetreu fallen dabei ins Auge, und konnten mich überzeugen. Wer schon die erste Trilogie mochte, sollte auf die Fortsetzung in jedem Fall einen Blick riskieren, zumal die Bücher inzwischen in neuer Auflage bei Penhaligon erhältlich sind.

Jay

Covergalerie zu Diener der alten Macht

2 Gedanken zu “Diener der alten Macht von Robin Hobb

  1. Hallo Jay,
    ich habe das Buch vor langer Zeit gelesen, kann mich aber nicht erinnern, dass es da irgendwelche „Längen“ gab. Ich empfand es durchgehend spannend.
    Aber vielleicht sollte ich es noch einmal in der aktuellen Version lesen, die Zeit verändert ja den Geschmack…

    1. Hallo Wolfram,
      ich würde jetzt auch nicht sagen, dass es Längen gab. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass die Geschichte nur sehr langsam in Fahrt kommt und man nicht schon in den ersten Kapiteln turbulente Entwicklungen erwarten sollte. Langweilig war es sicherlich nicht. Robin Hobb baut die Geschichte eben sehr sorgfältig auf und Freunde der Charaktere werden sicher auch das recht interessant finden. Ich bin mit dem kompletten Dreiteiler eigentlich recht zufrieden gewesen. Aktuell lese ich den dritten Dreiteiler und auch der kommt inzwischen ziemlich in Fahrt.

      LG
      Jay

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: