22. Juni 2024

Bücher mit Anspruch?

Die Arbeit hat mich wieder eingeholt. Nach einigen entspannenden Tagen im schönen Chiemgau (Oberbayern), einem Besuch in Salzburg, am Königssee und auf der Herreninsel im Chiemsee, bin ich nun wieder im schulischen Alltag angekommen. Dennoch noch ein kurzer Rückblick.

Salzburg ist ja, wie ihr sicher wisst, immer eine Reise Wert. Und wenn Ihr mal die Gelegenheit habt und Ihr seid zufällig im Chiemgau unterwegs, dann lohnt sich in jedem Fall auch immer ein Besuch des Königsschlosses Herrenchiemsee.

Die prächtig ausgestatteten Räume sind sehenswert. Umgerechnet über 350 Millionen Euro hat König Ludwig der II. von Bayern in das Anwesen gesteckt. Dabei ist es noch nicht mal fertig geworden, weil ihm irgendwann das Geld ausging.

Schloss Herrenchiemsee (Bayern)

Allerdings können die Bayern* sich ja schon glücklich schätzen, dass König Ludwig II. von Bayern (in Bayern auch einfach der „Kini“) ein bisschen verrückt war und das Geld der Staatskasse großzügig in seine Schlösser gesteckt hat. Hätte er es nicht getan, dann hätten wir diese tollen Sehenswürdigkeiten gar nicht. Hunderttausende Japaner und Chinesen würden fernbleiben. Eine wahre Tragödie für den Tourismus.

Heute steckt man Steuergelder ja nicht mehr im großen Stil in Schlösser und Burgen. Wir investieren lieber in Flughäfen („Willy Brandt“ in Berlin für günstige 5,9 Milliarden Euro (Stand: 2022)), in Konzerthäuser (Elbphilharmonie für über 800 Millionen Euro) oder in ein Bundeskanzleramt (Erweiterung für nur etwa 777 Millionen Euro). Dagegen sind die 17 Millionen Goldmark (bzw. umgerechnet 350 Millionen Euro) für König Ludwigs Hütte auf der Insel im Chiemsee ja quasi ein Schnäppchen. Auch wenn es nicht fertig geworden ist.

Das Schloss Herrenchiemsee sollte ja eigentlich noch zwei schicke Seitenflügel bekommen, damit es dem Schloss Versailles in Frankreich entspricht. Doch das Geld war aus und es ist eben so, wie es ist. Heute ist das egal, denn Steuergeld sind im „besten Deutschland aller Zeiten“ ja quasi unbegrenzt vorhanden.

Latona-Brunnen im Schlossgarten von Schloss Herrenchiemsee (Bayern)

Daher darf der Flughafen (oder auch das Bundeskanzleramt) ruhig ein paar Milliönchen mehr kosten. Schließlich werden Millionen Touristen in Zukunft auch dorthin pilgern (zumindest zum Flughafen) und das ist doch schon mal was.

Wie bekomme ich jetzt die Kurve vom bayerischen Kini zu Büchern mit Anspruch und Herausforderung? Nun, Ludwig II. von Bayern hatte ziemlich hohe Ansprüche, was seine Schlösser und deren Ausstattung betrifft. Wenn wir lesen, haben wir Ansprüche bezüglich unseres Lesestoffes? Lieben wir (bzw. ich) die Herausforderung eines anspruchsvollen Buches? Sophia vom Literaturblog Wordworld stellt diese Frage am heutigen Montag:

WIE WICHTIG IST ES FÜR EUCH, DASS EIN BUCH AUCH INHALTLICHE ODER SPRACHLICHE HERAUSFORDERUNGEN BIETET?

In erster Linie lese ich persönlich, um mich zu unterhalten. Ich will für ein paar Stunden der Welt entfliehen können, also dürfen auch die meisten Bücher ruhig etwas weniger sprachlichen oder inhaltlichen Anspruch haben. Hin und wieder möchte ich mich jedoch über ein Thema informieren, weil es mich gerade interessiert. Dann suche ich mir entsprechende Literatur zusammen, die meinen Wissensdurst befriedigen können. Zum Beispiel wären dies Bücher zu historischen Themen oder zu Ernährung. Ich habe in den letzten Monaten nebenbei so einige Bücher zur gesunden Ernährung gelesen, da mir das Thema wichtig ist. Das sind dann ganz oft Sachbücher mit jeder Menge Fachvokabular. Manchmal habe ich einfach wenig Lust auf Fiktion und bilde mich dann auf den Gebieten fort, die mich interessieren. Das müssen jedoch nicht nur Sach- und Fachbücher sein.

Eigentlich hatte ich mir schon seit Jahren vorgenommen, wenigstens einen Klassiker im Jahr zu lesen und zu rezensieren. Ich finde es wichtig, dass man bei bekannten Werken der Weltliteratur zumindest ein bisschen mitreden kann. Leider sind die Klassiker in der Vergangenheit immer ein bisschen untergegangen. Diese Bücher dürfen durchaus inhaltlich und sprachlich eine Herausforderung sein. Klassiker zu lesen finde ich deshalb spannend, weil mich nicht nur die Handlung in eine andere Zeit versetzt, sondern auch weil der Autor oder die Autorin selbst aus einer anderen Zeit stammen. Man sollte sie immer vor dem Hintergrund der Gesellschaft sehen, in der Zeit, wo sie entstanden sind. Deswegen finde ich es auch so schlimm, wenn Verlage meinen Textpassagen umschreiben zu müssen, weil sie dem aktuellen Zeitgeist nicht (mehr) entsprechen.

Was durchaus auch eine Herausforderung sein kann, ist das Lesen eines Buches in der Sprache, in dem es ursprünglich geschrieben wurde. Ich lese relativ viel Fantasy und da auch von recht vielen Autorinnen und Autoren aus dem englischen Sprachraum. Mir ist das wichtig, weil ich der Meinung bin, dass durch eine Übersetzung immer etwas vom ursprünglichen Sinn des Textes verloren geht. Obwohl manche Übersetzer richtig gut sind, können sie oft manche Wortspielereien nicht in eine andere Sprache übertragen. Das Lesen in einer Fremdsprache kann deshalb durchaus eine Herausforderung sein. Manche Autorinnen und Autoren lassen sich hierbei flüssiger lesen, als andere. Das kommt natürlich sehr auf den verwendeten Wortschatz an.

Ob ich eher Bücher mit Anspruch lese, die mich gedanklich mehr fordern, oder ob es eher „leichte Unterhaltung ist“, hängt sehr von meiner Stimmung ab. Ich habe da keinen festen Plan. Bei der Auswahl meiner Bücher bin ich eigentlich sehr spontan und ich lese, was mir gerade zusagt. Allerdings darf das Lesen eines Buches durchaus auch mal eine Herausforderung sein.

Wie ist das bei Euch? Sucht Ihr die Herausforderung beim Lesen? Sind Euch Bücher mit Anspruch wichtig oder eher nicht? Ich freue mich wie immer über Eure Kommentare.

Jay

2 Gedanken zu “Bücher mit Anspruch?

  1. Guten Morgen Jay 🙂

    Mir geht es da wie dir, ich möchte ein Buch lesen und unterhalten werde. Da braucht es für mich keine großen inhaltlichen oder sprachlichen Herausforderungen. Wenn mal welche dabei sind, ist das okay, aber es muss eben nicht den Hauptanteil ausmachen. Momentan ist es eher selten, dass ich solche Herausforderungen direkt suche.

    Lieben Gruß
    Andrea
    Meine Antwort auf die Montagsfrage

  2. Hey Jay,

    ich war auch einige Male am Chiemsee im Urlaub und kenne die Umgebung, die du beschreibst sehr gut. Im Königsschlosses Herrenchiemsee war ich zuletzt als Kind, ich habe aber noch sehr eindrückliche Erinnerungen an diesen Ausflug, da mich besonders die Parkanlage auf der Insel sehr beeindruckt hat 😉
    Zu deiner Antwort auf die heutige Frage… da kann ich dir eigentlich nur zustimmen. Ich lese auch in erster Linie zur Unterhaltung und Entspannung und passe meine aktuelle Lektüre demnach immer meinem Alltag an. Wenn ich viel Zeit und Lust dazu habe, suche ich mir dann schon gerne mal eine kleine Herausforderung, ansonsten bleibe ich aber auch gerne in meiner buchigen Komfortzone!

    Liebe Grüße
    Sophia

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