1. Oktober 2020

Ungnade (Wrath) von John Gwynne

Ungnade von John Gwynne (Buchcover)

Die Ereignisse in den Verfemten Landen steuern auf einen Höhepunkt zu, nachdem der Krieg sich weiter ausbreitet. Hochkönig Nathair hat die Festung Drassil erobert und damit bereits drei der sieben Kostbarkeiten in seinen Besitz gebracht. Zusammen mit seinem Berater Calidus und seiner Verbündeten Königin Rhin, versucht Nathair alles nur Mögliche, um die noch verbleibenden Kostbarkeiten zu bekommen. Mit allen sieben Kostbarkeiten in seiner Gewalt kann er dann ein Portal in die Anderwelt öffnen, damit Asroth der Gefallene und seine Dämonenhorden von dort in die Verfemten Lande kommen und eine fleischliche Gestalt annehmen können.

Unterdessen ist Corban zu einem Gefangenen der Jortun geworden, dem Gigantenclan, der auf riesigen Bären in die Schlacht reitet. Nachdem Corbans Kriegerhorde in alle Winde verstreut wurde, muss er nun neue Verbündete finden, wenn er weiterhin überleben möchte. Doch kann er sich mit unterschiedlichen Gigantenclans verbünden, die einander hart bekämpfen? Irgendwie muss er es schaffen, wenn er der Bedrohung durch Nathair widerstehen möchte. Corbans Leben hängt an einem seidenen Faden und mit ihm das Schicksal der ganzen Verfemten Lande.

Titel: Ungnade (Wrath) Autor: John Gwynne Verlag: Blanvalet (Tor Books) Reihe: Die Getreuen und die Gefallenen (The Faithful and the Fallen), #4 Seitenzahl: 832 (768) Genre: Fantasy Alter: 16+ Erste Aufl.: 19. März 2018 (17.11.2016) Ausgaben: Hardcover (ENG), Taschenbuch, E-Book, Hörbuch (ENG) ISBN: 978-3734161223 (Dt. TB), 978-1447259701 (ENG TB) Sonstiges: Karte, Personenregister Vorgängerband: Jähzorn (Ruin) Folgeband:

Über den Autor von Ungnade

John Gwynne, der Autor von Ungnade (Wrath)
John Gwynne mit seinen beiden Hunden Valour und Storm. (c) John Gwynne, 2018

John Gwynne wurde in Singapur geboren und lebt heute mit seiner Frau, vier Kindern und drei Hunden in East Sussex (England). Er hatte viele verschiedene Jobs, u. a. unterrichtete er an der Brighton University, verpackte Seife in einer Seifenfabrik und kellnerte in einem französischen Restaurant. Er gab die Arbeit an der Universität auf, um sich daheim besser um seine behinderte Tochter kümmern zu können. Nebenbei begann er zu schreiben. Wrath ist der vierte und letzte Roman seiner Reihe Die Getreuen und die Gefallenen, der 2018 unter dem Titel Ungnade ins Deutsche übersetzt wurde.

Wrath, der englische Titel von Band 4 der Reihe, bedeutet eigentlich Wut oder Zorn. Einen Überblick über die Cover der Reihe erhaltet ihr ganz unten.

Meine Meinung zu Ungnade

Mit Ungnade schließt John Gwynne seine fantastische Reihe Die Getreuen und die Gefallenen ab. Ein Buch kann noch so gut geschrieben sein, es steht und fällt nicht zuletzt mit dem Abschluss der Geschichte. Ob dem Autor das meiner Meinung nach gelungen ist, erfahrt ihr hier im Detail.

Der Schreibstil: flüssig und fesselnd

Wie auch schon bei den drei Vorgängerbänden, hat mir der Schreibstil von John Gwynne sehr gut gefallen. Auch wenn es gelegentlich zu Wortwiederholungen kommt, gelingt es ihm mit seiner klaren Sprache und seinen detaillierten Beschreibungen Spannung aufzubauen und bis zum Schluss zu halten. Man kann als Leser richtig mitfiebern und nicht selten wird es gerade in diesem letzten Buch der vierteiligen Reihe ziemlich emotional. Wie auch schon in den anderen Büchern gibt es eine Vielzahl von relativ kurzen Kapiteln, insgesamt 127, und jedes Kapitel führt zu einem Wechsel der Hauptperson, die der Autor auf ihrem Weg begleitet. Die große Zahl der Kapitel führt dazu, dass manche relativ kurz ausfallen, was jedoch nicht allzu schlimm ist, denn oft findet sich der Leser in der gleichen Situation wieder, wenn zum Beispiel in einem Zweikampf erst der eine Kämpfer und dann der andere zu Wort kommt. Gut fand ich auch, dass Gedanken und Gefühle der Personen kursiv gedruckt wurden.

Die Handlung: auf direktem Weg zum großen Finale der Reihe

Wrath (Ungnade) von John Gwynne (Buchcover)
The Faithful and the Fallen #4 Wrath (Englische Ausgabe, 2016)

Was sich vor allem in den beiden Büchern vor Ungnade (Wrath) so langsam entwickelte, erfährt in diesem Buch sein dramatisches Ende. Die großen Reisen der Protagonisten und Antagonisten durch die Verfemten Lande sind zu Ende und die Handlung konzentriert sich in weiten Teilen auf die Geschehnisse um und in der legendären Giganten-Festung Drassil tief im Fornswald. Hier wird auch die entscheidende Schlacht im epischen Kampf Gut gegen Böse geschlagen, die für sich einen relativ großen Teil des Buches ausmacht und sich, schließt man alle vorherigen Scharmützel mit ein, über fast zweihundert Seiten zieht. Nicht nur die Kriegerhorden von Nathair, Jael und Rhin kämpfen gegen Corban und seine Getreuen, auch die Kadoshim, Dämonen aus der Anderwelt, und die engelhaften Ben-Elim sind mit beteiligt und machen die Schlacht zu einem Gemetzel in dem tausende Kriegerinnen und Krieger den Tod finden. Dabei lässt John Gwynne auch die strategischen Aspekte nicht außer Acht und liefert seitenweise blutige und detailliert beschriebene Kämpfe, in der mal die eine und mal die andere Seite die Oberhand gewinnt.
Da die Kämpfe aus verschiedenen Perspektiven erlebt werden, kommt auch die emotionale Ebene nicht zu kurz. Jede Hauptperson erlebt die Schlacht auf ihre Weise und trägt ihren Teil dazu bei. Denn obwohl eigentlich Asroth und seine Schergen bekämpft werden sollen, kämpfen eigentlich alle Protagonisten für sich und ihre eigenen Ideale und Ziele. Sei es, um einen persönlichen Feind aus dem Weg zu räumen, eine geliebte Person (oder mehrere) zu schützen, Rache zu nehmen oder nur aus purer Verzweiflung und dem eisernen Willen selbst zu überleben. Die Gründe sind vielfältig und John Gwynne gibt ihnen allen genug Raum und den Lesern Zeit sie zu erleben. Viele Protagonisten haben in diesem Buch endlich die Chance ihre alten Rechnungen zu begleichen, auf die auch die Leserinnen und Leser lange warten mussten. Das hat mir gut Gefallen, denn endlich konnte für die vielen Untaten der ersten drei Bände Rache geübt werden. Entsprechend hoch ist auch die Spannung, denn nicht immer läuft alles glatt im Kampf der „Guten“ gegen die „Bösen“.

Die Charaktere: das große, blutige Sterben

John Gwynne erwähnte, dass beim Schreiben dieses Buches oftmals Wehmut sein Begleiter war, denn er trennte sich nur ungern von seinen liebgewonnenen Charakteren, die er über drei Bücher hinweg mühsam aufgebaut hatte. Viele Protagonisten finden in Ungnade (Wrath) den Tod im Kampf. Ich schreibe hier natürlich nicht, wer alles sterben wird, aber es sind so einige, darunter auch welche, bei denen man wirklich vermutet hätte, sie würden ganz am Ende in den Sonnenuntergang reiten. Dass auch viele der Bösen ins Gras beißen würden, war vorher schon irgendwie klar. Der Autor hat es jedoch gut verstanden, dem Sterben einen Sinn zu geben, soweit man das so sagen kann. Oft sind es dramatische Momente voller Emotionen, manchmal kommt der Tod aber auch recht schnell und überraschend um die Ecke, wie es eben in einer Schlacht oft der Fall ist. Der Ausgang ist nie vorhersehbar und es heißt immer wieder Abschied zu nehmen. Was zum Schluss bleibt, ist die Erkenntnis, dass es in einem Krieg nur selten wirkliche Sieger gibt, denn auf allen Seiten sind schwere Verluste zu beklagen.
Was mir gefallen hat, sind die Veränderungen, die manche der Personen auch zum Schluss noch durchmachen. Manche kommen mit sich selbst und der Welt ins Reine, manche halten jedoch auch unbeirrt an ihrem Weg fest und kämpfen für ihr gestecktes Ziel. John Gwynne hält also auch im letzten Teil seiner Reihe einige Überraschungen für den Leser parat.

Der Schluss: rund und passend

Eine Buchreihe steht und fällt nicht zuletzt mit dem Schluss. Ich finde, dass es dem Autor gut gelungen ist einen für alle befriedigenden Schluss zu gestalten, in dem auch die wesentlichen Fragen hinreichend geklärt werden, ohne dass man als Leser das Gefühl hat, es müsste noch ein weiteres Buch geben, um Antworten zu erhalten. Für mich war es nach insgesamt fast 3.600 Seiten schon ein bisschen seltsam, von den Protagonisten Abschied nehmen zu müssen. Irgendwie hat man zu viel mit den Personen erlebt, als dass man sie jetzt so ohne weiteres loslassen möchte. Ich denke, damit hat John Gwynne sein Ziel erreicht und ich freue mich auf eine Rückkehr in die Verfemten Lande — irgendwann in Zukunft.

Mein Fazit

5 von 5 Sterne „Ein würdiger Abschluss!“

Auch der letzte Band der Reihe Die Getreuen und die Gefallenen konnte mich überzeugen. Und wer die Reihe bis hierhin mochte, wird sicherlich von ihrem Ende nicht enttäuscht sein. Mit Ungnade (Wrath) erreicht die Reihe ihren dramatischen Höhepunkt und für mich zählen die Bücher schon jetzt zu meinen Highlights des Jahres 2020. Demnächst lese ich dann den Dreiteiler Blut und Knochen (Blood and Bones).

Jay

Covergalerie

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