28. November 2021

Später von Stephen King (Thriller)

Schließlich gewöhnt man sich an wundersame Dinge. Man hält sie für selbstverständlich. Man kann zwar versuchen, das nicht zu tun, aber man tut es trotzdem. Es gibt einfach zu viele Wunder. Die sind überall.

Stephen King: Später, Seite 102
Später von Stephen King, Hardcover, Heyne Verlag, 2021.

Jamie Conklin wächst in Manhattan auf und wirkt wie ein normaler neunjähriger Junge. Seinen Vater hat er nie kennengelernt, aber er steht seiner Mutter Tia, einer Literaturagentin, sehr nahe. Die beiden haben ein Geheimnis: Jamie kann von klein auf die Geister kürzlich Verstorbener sehen und sogar mit ihnen reden. Und sie müssen alle seine Fragen wahrheitsgemäß beantworten. Tia hat sich gerade aus großer finanzieller Not gekämpft, da stirbt ihr lukrativster Autor. Der langersehnte Abschlussband seiner großen Bestseller-Saga bleibt leider unvollendet – wäre da nicht Jamies Gabe. Das Befragen der Toten ruft allerdings auch ungewollte Dämonen herbei. (Klappentext)

Titel: Später (Later) Autor: Stephen King Verlag: Heyne Seitenzahl: 304 (264) Genre: Thriller Alter: 16+ Erste Aufl.: 15. März 2021 (02. März 2021) Ausgaben: Hardcover, Taschenbuch, E-Book, Hörbuch ISBN: 978-3453273351 (HC) Sonstiges:

Über den Autor von Später

Stephen King
Artist: Mark Rain (www.azrainman.com)

Stephen Edwin King wurde am 21. September 1947 in Portland im US-Bundesstaat Maine geboren. Seinen Durchbruch als Autor hatte er 1973 mit seinem Buch Carrie, das zu einem großen Erfolg wurde und ihn schließlich dazu bewog, sich ganz dem Schreiben zu widmen. King begann schon im Alter von sieben Jahren Kurzgeschichten zu schreiben. Er arbeitete später auch als Englischlehrer, nachdem er von 1966 bis 1970 Englisch an der Universität in Maine Englisch studiert hatte, wo er auch seine Frau Tabitha kennenlernte. King schrieb auch unter den beiden Pseudonymen Richard Bachman und John Swithen. Inzwischen hat der Autor über 50 Romane und über 100 Kurzgeschichten veröffentlicht, die bis 2017 weltweit über 400 Millionen Mal verkauft und in 50 Sprachen übersetzt wurden. Einfluss auf sein Schreiben nahmen verschiedenen Ereignisse in seinem Leben, unter anderem der tödliche Unfall eines engen Freundes in seiner Kindheit, seine (inzwischen überwundene) Alkohol- und Drogensucht und ein Autounfall, den er im Juni 1999 als Fußgänger schwer verletzt überlebte.
Stephen King lebt bis heute mit seiner Frau in Bangor (Maine). Er hat drei Kinder von denen seine Söhne Owen King und Joseph Hillström King ebenfalls erfolgreiche Autoren sind. Letzterer schreibt Bestseller unter dem Pseudonym Joe Hill. Stephen Kings Vermögen wird auf 368 Millionen USD geschätzt (2021) und sein jährliches Einkommen auf 18 Millionen USD. Er ist damit der drittreichste Autor der Welt.

Meine Meinung zu Später von Stephen King

Stephen King ist einer der Autoren, die mit einiger Regelmäßigkeit nahezu in jedem Jahr ein neues Buch veröffentlichen. Man sollte meinen, er könnte sich mit seinen fast 74 Jahren und seinem großen Vermögen doch endlich zur Ruhe setzen, aber er lässt seine Millionen Fans nicht im Stich und schreibt und schreibt… Ich habe mir gleich nach seinem Erscheinen im März 2021 Kings Roman Später gekauft und will euch nun gerne meine Eindrücke schildern.

Keine Horrorgeschichte im klassischen Sinn

Ich war doch recht erstaunt, als Kings neuer Roman bei mir eintraf. Ich hatte bei der Bestellung nicht auf die Seitenzahl geachtet und nun lag da ein Buch mit gerade einmal 300 Seiten vor mir – für stolze 22,00 Euro. Ok, dachte ich mir, aber zumindest das Cover ist dem Heyne Verlag wirklich gut gelungen. Ich mag es total. Letztendlich kommt es ja nicht auf die Länge der Geschichte an, sondern auf den Inhalt und der versprach spannend zu werden. Ein Junge, der Tote sehen und auch mit ihnen sprechen kann, das ist doch mal was, wenn auch nichts absolut Neues. Viele von Euch werden vermutlich den Film The Sixth Sense mit Bruce Willis kennen. Die Handlung in Später wird auch aus der Sicht des Protagonisten Jamie Conklin erzählt und dieser verspricht dem Leser bereits auf Seite 10 eine „Horrorstory“. Abwarten.

Die erste Hälfte des Buches fand ich zunächst recht spannend geschrieben. Jamie berichtet aus seiner Kindheit und von seinen Erlebnissen. Er steht seiner Mutter sehr nahe, der Vater ist verschwunden und irgendwie scheint es um diesen ein Geheimnis zu geben, das sich wohl erst im Laufe der Geschichte lüften wird. Dass Jamie Geister sehen kann und er auch mit ihnen spricht, fand ich schon irgendwie interessant, aber so richtig gruselig war es für mich jetzt nicht, was wohl vor allem an der Alltäglichkeit dieser Gabe für Jamie lag. Er selbst empfand es als völlig normal („Wunder sind überall“) und die Geister selbst als wenig bedrohlich, die Mutter wusste auch Bescheid und irgendwie waren die Geister auch vergleichsweise harmlos, als dass für mich dadurch hätte recht viel Spannung entstehen können. Hätte ich nur einmal ein bisschen Gänsehaut bekommen, aber die blieb völlig aus. Atmosphärisch hatte Später von Stephen King für mich also wenig zu bieten, wenngleich ich auch Jamies Geschichte und die Ereignisse einigermaßen interessant fand. Ich hatte mir einfach mehr erwartet

Zu viel des Guten – weniger wäre mehr gewesen

In und um New York treibt ein geheimnisvoller Bombenleger unter dem Namen „Thumber“ seit Jahren sein Unwesen und spielt mit dem NYPD ein Katz-und-Maus-Spiel. Thumber ist eine interessante Figur, die Stephen King in seinem Thriller durchaus noch besser hätte ausbauen können. Dies zusammen mit Jamies Gabe und eine gehörige Portion düstere Stimmung hätten für einen erfahrenen Autor wie Stephen King durchaus genügen können, um eine wirklich gute Horrorstory zu entwickeln, die Jamie versprochen hatte. Leider hat Thumber nicht sonderlich viel Tiefe bekommen und bleibt ein oberflächlicher, farbloser Charakter, der in meinen Augen viel zu wenig Einfluss auf die Geschichte nimmt, und damit ist es mit der Gänsehaut nicht weit her. Stattdessen packt Stephen King das Buch voll mit klischeehaften Charakteren ohne Sinn und Verstand in meinen Augen. Da gibt es die öfter alkoholisierte, lesbische Mutter, die mit der ebenfalls lesbischen Polizistin vom NYPD ins Bett steigt, welche (natürlich) jede Menge Dreck am Stecken hat und eher zu den Bösen, als den Guten zu zählen ist. Dann, nicht zu vergessen, der demenzkranke Onkel, der von einem Pflegeheim ins nächste wechseln muss, nur um ganz zum Schluss schließlich ein überaus schlüpfriges Geheimnis zu enthüllen, für das er wohl hauptsächlich Teil der Geschichte war. Dann natürlich der fette Drogenbaron in seiner Villa in den Bergen, der ebenfalls kaum eine Rolle spielen durfte. Es war mir alles ein bisschen zu dick aufgetragen, um irgendwie halbwegs glaubwürdig zu wirken. Natürlich versucht Stephen King durch außergewöhnliche Charaktere die Handlung interessanter zu machen, aber zu viel des Guten ist eben auch nicht zielführend. Stattdessen entstand bei mir der Eindruck von einem 08/15-Rezept für einen Thriller. Man nehme ein paar außergewöhnliche Charaktere, dazu ein paar Geister und ein parapsychologisch begabter Junge, mische das alles mit einer Idee (die nicht neu ist), dazu noch ein paar schwierige Charakterbeziehungen und fertig ist die Geschichte. Mal ehrlich, umwerfend war das für mich nicht. Wenn man einige von Kings älteren Bücher gelesen hat, dann weiß man, dass er es eigentlich nicht nötig hat so zu schreiben und dass spannende Geschichten vor allem durch unerwartete Wendungen und den richtigen Worten in den Köpfen der Leser entstehen. Selbst die sexuellen Neigungen der Charaktere spielen für die Handlung in Später absolut keine Rolle und wirkten auf mich zu konstruiert. King konnte das schon einmal besser, wie ich finde.

Der Schluss ist ebenfalls wenig spektakulär

Der Schluss konnte mich ebenfalls nicht vom Hocker reißen. Später von Stephen King ist eine Mischung aus halbwegs spannendem Geister-Thriller, Coming-of-Age und Familientragödie, die auch noch recht vorhersehbar endet. Kein Aha-Erlebnis und auch keine Überraschung findet sich am Ende des Buches und macht Kings Buch im letzten Moment noch zu einem herausragenden Leseerlebnis. Später ist für mich ein Thriller, den man einmal liest und dann wohl nicht mehr. Schade.

Mein Fazit: Erwartungen nicht erfüllt

3.5 von 5 Sternen „Gute Ideen, aber Potenzial nicht genutzt“

Später von Stephen King konnte meine Erwartungen leider nicht erfüllen. Die Idee zur Geschichte hätte durchaus großes Potenzial für eine echt gute Horrorstory gehabt, das leider nicht genutzt wurde. War die Geschichte anfangs noch einigermaßen interessant, plätscherte sie ab der Hälfte des Buches nur noch dahin und konnte auch die Spannungskurve nicht mehr nach oben bringen. Ich habe schon bessere Romane von Stephen King gelesen und insgesamt bringt Später auch nicht sonderlich viel Neues mit, dass ihn von durchschnittlichen Romanen anderer Autoren abhebt. Hinzu kommt, dass der Preis für die 300 Seiten schon recht gehoben ist, wobei hier offenbar der Name des Autors mitbezahlt wird. Das Beste an dem Buch ist noch das schön gestaltete Cover, das mir wirklich gut gefällt.

Habt Ihr Später von Stephen King auch gelesen? Was war Euer Eindruck? Ich freue mich wie immer über Eure Kommentare.

Jay

4 Gedanken zu “Später von Stephen King (Thriller)

  1. Hallo Jay!
    Das ist echt schade das dir das Buch nicht so gut gefallen hat. Aber bei der Menge an Bücher bei King ist immer mal ein Ausreißer dabei, aber natürlich ist dann der Preis auch etwas ärgerlich.
    Ich kann mich nicht beschweren, denn ich mochte das Buch sehr gerne. Mir gefällt das King hier sein können zeigt ohne offensichtlich viele Horrorfiguren einzubauen und toll die Entwicklung von Jamie wieder meiner Meinung nach gelungen darstellt. Ich mag seine Romane wo Kinder einer große Rolle spielen. 🙂
    Für mich war das Buch gut und ich würde mich freuen wenn King noch mehr über Jamie erzählen würde.
    Ich verlinke dich aber sehr gerne bei mir, denn eine andere Meinung ist immer gern gesehen finde ich. 🙂
    Liebe Grüße
    Diana

    1. Hallo Diana,
      vielen Dank für den Link und Deinen Kommentar. Ich plane ebenfalls zukünftig zu anderen Blogs zu verlinken, weil ich es eine gute Sache finde, wenn wir uns alle noch mehr vernetzen.
      Ich mag es ebenfalls, wenn Kinder in den Romanen Protagonisten sind und King macht das recht häufig (z. B. auch in ES oder Das Institut), aber ich wusste mit dem Buch nicht so recht etwas anzufangen. Hab ich ja alles geschrieben in meiner Rezension. Ich weiß natürlich, dass es da verschiedene Meinungen gibt. Ich denke, dass man allzu oft die Bücher eines Autors untereinander vergleicht und in diesem Fall finde ich, dass es von King bessere gibt, wobei ich noch lange nicht alle gelesen habe. Ich arbeite dran… 🙂

      Liebe Grüße

      Jay

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