20. September 2020

Das Institut (The Institute) von Stephen King

It came to him, with the force of a revelation, that you had to have been imprisoned to fully understand what freedom was.

Stephen King: The Institute
Buchcover von Das Institut von Stephen King, Heyne Verlag

Es gibt nur einen Ausweg…
Tief in den Wäldern des US-Bundesstaats Maine existiert eine düstere Einrichtung in der Kinder gefangen gehalten werden, die aus allen Ecken der Vereinigten Staaten entführt und deren Eltern getötet wurden. Der junge Luke Ellis ist der neueste Rekrut der Einrichtung. Er ist ein einfacher 12-jähriger, aber er ist nicht nur intelligent, sondern super-intelligent. Luke hat noch eine weitere Begabung, die das Institut für sich nutzen möchte… und es gibt keine Hoffnung auf Entkommen. Aber kleine Dinge können Großes bewegen und Luke verbündet sich mit einem neuen, noch jüngeren Zugang des Instituts, Avery Dixon, dessen Fähigkeit Gedanken zu lesen alles bisher in den Schatten stellt.
Weit entfernt, in einer kleinen Stadt in South Carolina, hat der ehemalige Polizist Tim Jamieson eine Stelle im dortigen Büro des Sheriffs angenommen. Im Grunde läuft er dort nur Streife, aber er steht kurz davor den größten Fall seiner Karriere anzunehmen…

Titel: Das Institut (engl.: The Institute) Autor: Stephen King Genre: Roman Verlag: Heyne Seitenzahl: 768 Alter: 16+ Erste Aufl.: 10. September 2019 Ausgaben: Hardcover, E-Book, Hörbuch ISBN: 978-3453272378 (Dt. HC), 978-1529355390 (US-HC)

Über den Autor von Das Institut

Stephen King, Autor von "Das Institut"
Stephen King Artist: Mark Rain (www.azrainman.com)

Stephen Edwin King wurde am 21. September 1947 in Portland im US-Bundesstaat Maine geboren. Seinen Durchbruch als Autor hatte er 1973 mit seinem Buch Carrie, das zu einem großen Erfolg wurde und ihn schließlich dazu bewog, sich ganz dem Schreiben zu widmen. King begann schon mit 7 Jahren Kurzgeschichten zu schreiben. Er arbeitete auch als Englischlehrer, nachdem er von 1966 bis 1970 Englisch an der Universität in Maine Englisch studierte. King schrieb später auch unter den beiden Pseudonymen Richard Bachman und John Swithen.
Inzwischen hat Stephen King über 50 Romane und über 100 Kurzgeschichten veröffentlicht, die bis 2017 weltweit über 400 Millionen Mal verkauft und in 50 Sprachen übersetzt wurden. Einfluss auf sein Schreiben nahmen verschiedenen Ereignisse in seinem Leben, unter anderem der tödliche Unfall eines engen Freundes in seiner Kindheit, seine (inzwischen überwundene) Alkohol- und Drogensucht und ein Autounfall, den er im Juni 1999 als Fußgänger schwer verletzt überlebte.

Meine Meinung zu Das Institut von Stephen King

Der neue „Stephen King“ ist kein Leichtgewicht mit seinen 768 Seiten in der deutschen Hardcoverausgabe, allerdings ziemlich leicht, wenn man ihn zum Beispiel mit den 1712 Seiten von The Stand vergleicht. Das beruhigende bei Kings Romanen ist jedoch, dass sie ganz oft jeden Cent wert sind. Durchdacht und spannend bis zur letzten Seite, trotz einiger Kritik. Das kann ich in diesem Fall auch von seinem neuen Roman Das Institut sagen, den ich in gut zwei Tagen gelesen habe.

Buchcover von "The Institute" von Stephen King
Stephen King: The Institute, UK-Hardcover, Scribner Verlag, 2019

Der Roman spielt an zwei Schauplätzen, deren Protagonisten schließlich im letzten Drittel zusammengeführt werden. Eine Hauptperson ist der ehemalige Polizist Tim Jamieson, den es in den kleinen (aber fiktiven) Ort DuPray im US-Bundesstaat South Carolina verschlägt. Dort verdingt er sich als „Nachklopfer“, eine Art Streifenpolizist ohne Waffe, der nachts im Ort für Ruhe sorgen soll. Mit Tims Geschichte beginnt das Buch, fokusiert sich dann jedoch schon bald auf den Jungen Luke Ellis, dessen Eltern im Schlaf getötet und der von einem Einsatzteam des geheimnisvollen Instituts entführt und nach Maine gebracht wird. Dort, in den dichten Kiefernwäldern des östlichsten US-Bundesstaats, befindet sich die abgelegene Einrichtung, zu dem entführte, parabegabte Kinder aus dem ganzen Land gebracht werden. Maine ist nicht nur der Schauplatz der Haupthandlung, sondern auch der Bundesstaat, in dem Stephen King (in Portland) geboren wurde. Eine abgelegene Klinik im Wald, entführte Kinder mit parapsychologischen Fähigkeiten und skrupellose Ärzte und Pfleger, daraus macht Stephen King eine Geschichte, die versucht unter die Haut zu gehen, es aber nicht immer schafft. Die Atmosphäre im Institut ist bedrückend, denn die Kinder (und Leser) wissen nicht konkret, was mit ihnen geschieht und ob sie das Institut jemals wieder lebend verlassen werden. Insbesondere die Experimente, die von den Ärzten mit den Kindern durchgeführt werden, und die zum Teil sadistischen Pflegerinnen und Pfleger können einem beim Lesen den Puls in die Höhe treiben. Zwischendurch flacht die Spannungskurve jedoch immer wieder ab. Ich hätte mir daher gewünscht, dass die Handlung etwas stringenter ist, doch Lukes Aufenthalt gestaltet sich zum großen Teil als eine Abfolge von Tagen mit und ohne Untersuchungen, ohne dass das Ganze irgendwie zielgerichtet und informativ für den Leser wäre. Leider kommt bei Lukes Fluchtversuch seine als weit überdurchschnittlich beschriebene Intelligenz nur wenig zum Tragen. Ich hatte mir von King einen genial durchdachten Fluchtplan erwartet, der Lukes Intellekt gerecht wird. Leider war die Art der Flucht dann doch recht unspektakulär, was ich ein bisschen schade fand.

Buchcover von "The Institute" von Stephen King
Stephen King: The Institute, US-Hardcover, Hodder & Stoughton, 2019

Noch ein paar Worte zu den anderen Charakteren. Hauptperson der Geschichte ist natürlich Luke Ellis, aber auch seine neuen Freunde werden von Stephen King sehr gut gezeichnet und entwickeln sich mit der Zeit auch weiter. Da ist zum einen der unbeugsame Nicky, der gerne gegen die Pfleger und Ärzte aufbegehrt, das Mädchen Kalisha, die Luke nicht nur einmal tröstet, und natürlich Avery Dixon, der „Avester“, dessen hohe telepathische Begabung der Handlung etwas Dynamik verleiht, denn er durchschaut die Lügen des Personals der Anstalt. Als Leser hat man die Kindergruppe schnell ins Herz geschlossen, was jedoch nicht über gelegentliche Längen in der Handlung hinwegtrösten kann. Die Beziehungen der Kinder untereinander nehmen allerdings einen großen Raum im Buch ein, wodurch die Charaktere für den Leser vielschichtiger und greifbarer werden. Das hat mir gut gefallen.

Nicht so gut gefallen hat mir hingegen, dass King hin und wieder auch seine politische Position in das Buch mit einfließen lässt. Wie er zu Donald Trump steht, hat dort eigentlich nichts zu suchen. Ebenso finde ich es ziemlich anmaßend, wenn er als US-Amerikaner im Roman seine Sicht auf die Missstände im Dritten Reich zum besten gibt und schließlich die Greultaten seiner Bösen im Buch mit ihrem  Ursprung in der deutschen Geschichte begründet und vergleicht.

„Das erste Institut (…) befand sich in Nazideutschland.“
„Wieso überrascht mich das nicht?“, sagte Tim.

Stephen King, Das Institut

Ja, warum überrascht das den Tim wohl nicht?
Weil selbstverständlich alles Böse auf der Welt in (Nazi-)Deutschland seinen Ursprung hat und somit zweifelsohne auch die Idee für ein geheimes medizinisches Institut in den USA, in dem entführte Kinder psychisch und physisch gefoltert werden. Natürlich wären die Amerikaner da von selbst nie im Leben draufgekommen und haben es nur den Nazis nachgemacht (Vorsicht Ironie!). King mag in bestimmten Dingen zwar recht haben, denn es gab im Dritten Reich tatsächlich grausame medizinische Experimente an Kindern und Gefangenen, die sich durch nichts entschuldigen lassen, dennoch ärgern mich solche moralischen Schuldzuweisungen und Vergleiche maßlos, denn die Geschichte der USA ist auch nicht gerade geprägt vom Pazifismus und Blumenkränzen aus Gänseblümchen. Da wundert es mich schon fast ein wenig, dass die Handlung des Buchs in Maine spielt und nicht gleich bei den bösen Deutschen im tiefen Bayerischen Wald. Seinen moralischen Zeigefinger darf King daher gerne auf die mannigfaltigen Verfehlungen seiner eigenen Nation richten oder es besser ganz bleiben lassen. Das ist meine Meinung.
Zu den Buchcovern will ich noch sagen, dass mir das deutsche sehr gut gefällt und auch das der amerikanischen Ausgabe mit den verschiedenen Blautönen spricht mich an.

Mein Fazit

Sterne-Bewertung
4 von 5 Sternen
„Gut schrieben, aber zum Teil mit Längen.“

Das Institut ist ein Roman, der spannend geschrieben und durchaus lesenswert ist. Zwischendurch lässt die Handlung jedoch etwas nach. Gut gefallen haben mir die verschiedenen Charaktere und deren Beziehungen untereinander, was Kings Handlung sehr lebendig macht. Manche Rezensionen beschreiben das Buch als eines der schlechteren des Autors. Ich fand es hingegen nicht so schlecht und kann mich über einen Mangel an Unterhaltung nicht beklagen.

Jay

4 Gedanken zu “Das Institut (The Institute) von Stephen King

  1. Hallo lieber Jay!

    Durch deinen lieben Kommentar bin ich auf deine Seite gestoßen und hier auch etwas rumgestöbert! Und es gibt hier bei dir einiges zu sehen 🙂 Freut mich, dass du auf meiner Seite vorbeigeschaut hast, denn nur so konnte ich auf deine Seite gelangen!

    Viele liebe Grüße,
    Alju von „Aljus Bookblog“

    1. Hallo Alju,

      vielen Dank für deinen Besuch. Es freut mich, dass dir mein Blog gefällt und du einiges gefunden hast, was dich interessiert. Ich werde sicherlich öfter bei dir vorbeikommen.

      Viele Grüße
      Jay

  2. Bis zu dem Moment, an dem die Geschichte anfängt mit ihren „mystischen“ Sachen – also ziemlich weit hinten – fühlte ich mich klasse unterhalten. Eine tolle Geschichte in bestem Schreibstil. Das Übernatürliche war mir persönlich zu viel, alleine die Geschichte drumherum hat mich bei der Stange gehalten. Gerne mehr davon 🙂 Super Rezension!

    1. Vielen Dank, Marco, für das nette Feedback zur Rezension. Freut mich, dass dir das Buch gefallen hat. Nicht schlecht ist auch „Das Institut“, der neue Roman von Stephen King.

      Viele Grüße
      Jay

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