John Lanchester: Die Mauer (The Wall)

John Lanchester: Die Mauer
Gebundene Ausgabe,
Klett-Cotta, Januar 2019

Inhalt

Die Welt hat sich gewandelt. Durch Klimaveränderungen wurden Teile des Festlands vom Meer überschwemmt und zwingen die Menschen sich auf die Suche nach neuem Lebensraum zu machen. Tausende von Wirtschafts- und Klimamigranten der betroffenen Länder machen sich auf, um in wohlhabenden Ländern, wie England, ihr Glück zu suchen.
Um sich gegen den Ansturm der „Anderen“, wie man die Migranten bezeichnet, zu schützen, hat man rund um Großbritannien eine Mauer errichtet, an der man mit harter Hand gegen alle vorgeht, die sich auf den gefährlichen Weg über das Meer wagen, um auf der Insel ihr Glück zu suchen. Für die Anderen ist die Mauer ein nahezu unüberwindbares Hindernis, doch auch die Verteidiger des Bollwerks führen darauf ihren ganz privaten Kampf gegen die Elemente und verändert das Leben aller, die auf ihr ihren Dienst tun.

Titel: Die Mauer (The Wall) Autor: John Lanchester Verlag: Klett-Cotta Reihe: Seitenzahl: 348 Alter: 16+ Erste Aufl.: 31. Januar 2019 (17. Januar 2019) Ausgaben: Gebunden, Taschenbuch, E-Book, Hörbuch ISBN: 978-3608963915 (HC)

Über den Autor

John Lanchester geboren 1962 in Hamburg, wuchs im Fernen Osten auf und arbeitete in England als Lektor beim Verlag Penguin Books, ehe er Redakteur der »London Review of Books« wurde. Daneben war er für Zeitungen und Zeitschriften wie »Granta« und »The New Yorker« tätig sowie als Restaurantkritiker für »The Observer« und Kolumnist für »The Daily Telegraph«. Er gehört zu den bedeutendsten Schriftstellern und führenden Intellektuellen Englands. (Klappentext)

Meine Meinung

John Lanchesters neuer Roman Die Mauer (engl.: The Wall) entbehrt nicht einer gewissen Aktualität. Wir befinden uns in Großbritannien in einer Zeit, in der düstere Zukunftsvisionen der Politiker und Wissenschaftler Wirklichkeit wurden. In welchem Ausmaß die Veränderungen stattfanden, wird in Lanchesters Roman jedoch nur angedeutet, da sich der Handlungsort fast ausschließlich auf Britannien konzentriert. Wie es im Rest der Welt aussieht, dass kann der Leser leider nur vermuten. Diese stark eingeschränkte Sichtweise wäre dann auch mein erster Kritikpunkt an dem Buch, da es den Fokus zu sehr auf einen relativ kleinen Teil der Welt legt. Wie sieht es in Europa aus und wie in Amerika? Diese Fragen bleiben offen. Migration und Klimawandel sind aber zweifelsohne der zentrale Rahmen des Buches und überaus aktuell. Inwieweit der Brexit in die Handlung des Buches spielt, wie auf dem Schutzumschlag erwähnt, kann ich jedoch nicht erkennen. England schottet sich ab durch den Bau einer Mauer um die ganze große Insel. Würde man die politische Lage auf das Buch übertragen, dann wäre der Rest Europas jedoch ein Teil der Welt, der Migranten mit offenen Armen empfängt. Diese Information enthält uns der Autor jedoch vor und deutet nur an, dass es auf der ganzen Welt keine begehbaren Strände mehr gibt, sondern nur noch Mauern entlang der Küsten. Ich finde diesen Aspekt ehrlich gesagt nicht sonderlich realistisch. Ein weiterer Kritikpunkt von mir umfasst die Gesellschaft, insbesondere die Regeln, die für die Verteidiger auf der Mauer gelten. Versagen im gnadenlosen Kampf gegen die „Anderen“ zieht nicht nur für die Verantwortlichen schlimme Strafen nach sich, was ich nicht nachvollziehen kann, zumal der Autor auch tiefgreifende Erklärungen zu diesen Regeln schuldig bleibt. Das Buch will den Anspruch erheben tiefgründig und realitätsnah zu sein, ein dystopischer Roman, der uns eine düstere Zukunft voraussagt, sollten wir die drängenden Probleme der Menschheit nicht lösen. Gleichzeitig lassen einige Aspekte der Handlung für mich die Glaubwürdigkeit missen, die jedoch zwingend vonnöten wäre mich als Leser zum Nachdenken zu bewegen. Trotz aktueller Themen ist mir das Buch in manchen Punkten daher zu oberflächlich, die Handlung für einen Ausblick in die mögliche Zukunft zu wenig glaubwürdig. Der Fokus des Romans liegt sehr stark auf der Mauer und auf dem Überlebensaspekt, aber für mich leider zu wenig auf den gesellschaftlichen Gegebenheiten im ummauerten Britannien.

Positiv lässt sich erwähnen, dass Die Mauer durchaus spannend zu lesen ist. Immer wieder geschehen Dinge, welche die Handlung abwechslungsreich machen und einem zum Weiterlesen animieren. Viele der Charaktere bleiben jedoch oft zu unnahbar und farblos, selbst Joseph Kavanagh, die Hauptperson des Buches, aus dessen Sicht die Geschichte geschrieben ist. Zwar gibt es zwischen den Protagonisten schon Beziehungen, allerdings bleibt der Autor genauere Beschreibungen der Personen und ihrer Gefühle schuldig. Das sei auch der eingeschränkten Sicht durch die Augen des Hauptperson geschuldet. Vieles läuft einfach nur so nebenher und bleibt auch für spätere Seiten im Buch wenig relevant. Dadurch verlieren auch dramatische Todesfälle von Charakteren sehr stark an Bedeutung für die Spannung. Oft sind einem die Personen schlichtweg egal, da man als Leser kaum eine Beziehung zu ihnen aufbauen konnte, zumindest mir ging es so. Der Schluss des Buches war in Ordnung, lässt jedoch auch die eine oder andere Frage offen. Meiner Meinung nach kam er fast zu schnell und rundet die Geschichte nicht zufriedenstellend ab, aber vielleicht muss das so sein, um den Lesern mehr Raum zum Nachdenken zu geben.

3.5 von 5 Sternen
„Gute Ideen.“

Mein Fazit

Trotz einiger Kritikpunkte war ich mit dem Roman Die Mauer insgesamt zufrieden. Auch wenn das Potential der Handlung nicht immer voll ausgeschöpft wurde, so musste ich mich zu keiner Zeit zwingen weiterzulesen. Einige interessante Aspekt regen nach der Lektüre zum Nachdenken an, dennoch würde ich Die Mauer jetzt nicht unbedingt als „Roman der Stunde“ bezeichnen, da er nur einen kleinen Teil der Gesellschaft betrachtet. An die Atmosphäre typischer Dystopien wie The Road oder auch 1984 kommt Die Mauer nicht heran, will der Roman vielleicht auch nicht. Insgesamt ist er lesenswert.

Ich danke dem Verlag Klett-Cotta für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar von Die Mauer.

Jay

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