10. Dezember 2022

Drachen für Trinitor – Kampf um Frieden von Ralf Lehmann

Ralf Lehmann: Drachen für Trinitor – Kampf um Frieden, Books on Demand

Eigentlich ist der nach seinem Absturz im Vulkankrater gefangene Drache ein Besuchermagnet und damit eine wahre Goldgrube für die mittelalterliche Stadt Feuerberg. Während viele Erwachsene das riesige Tier für ein gefährliches Monster halten, lernt Waisenjunge Arne auf der Suche nach Pilzen und Beeren den Drachen ganz anders kennen und freundet sich mit ihm an. Als Prinz Viktor beim Versuch, dem Drachen sein Ei zu rauben, stirbt, schwört der König Rache. Arne tut alles, seine Mitmenschen von der Friedfertigkeit seines geflügelten Freundes zu überzeugen. Er führt die Leute zur Drachenbeobachtung durch den geheimnisvollen Vulkankrater und hält Vorträge über das Tier. Doch dadurch gerät er selbst ins Visier der Drachenjäger.

Titel: Drachen für Trinitor – Kampf um Frieden Autor: Ralf Lehmann Verlag: Books on Demand Seitenzahl: 408 Genre: Fantasy Alter: 12+ Erste Aufl.: 20. August 2021 Reihe: Drachen für Trinitor, #2 Ausgaben: Taschenbuch, E-Book ISBN: 978-3753473154 (TB) Vorgängerband: Drachen für Trinitor – Arne & Mag Sonstiges:

Über den Autor von Drachen für Trinitor

Ralf Lehmann wurde 1965 in Lübeck geboren und wuchs in Neumünster und Umgebung auf, wo er auch zur Schule ging. Heute arbeitet als Verwaltungsangestellter und Betriebswirt bei der Handwerkskammer Hamburg und schreibt in seiner Freizeit spannende Bücher für Kinder und Jugendliche. Aus Gute-Nacht-Geschichten, die er sich über viele Jahre für seinen Sohn ausdachte, entstand auch seine beiden Bücher Drachen für Trinitor. Ralf Lehmann lebt mit seiner Familie in der Elbmarsch bei Hamburg.

Meine Meinung zu Drachen für Trinitor – Kampf um Frieden

Nachdem ich den ersten Band der Reihe mit dem Titel Drachen für Trinitor – Arne & Mag bereits vor einigen Monaten gelesen habe, war es mir eine Freude nun auch den zweiten Band zu lesen. Leider konnte mich die Fortsetzung nicht ganz so mitreißen, wie der erste Teil. Das lag wohl vor allem daran, dass ich mit höheren Erwartungen an das Buch herangegangen war, die nicht vollends erfüllt werden konnten. Hier meine Kritikpunkte.

Entwicklung der Charaktere

Schon der erste Teil konnte mich mit seinen liebenswerten und glaubwürdigen Charakteren überzeugen. Die Protagonisten und Antagonisten sind gut herausgearbeitet und es macht einfach Spaß, ihrem Lebenslauf zu folgen und mehr über ihre Beweggründe zu erfahren. Bedauerlicherweise habe ich jedoch die Weiterentwicklung der Charaktere und auch der Charakterbeziehungen vermisst. Arne, die Hauptperson der Geschichte, wird zwar älter, aber mir fehlten sehr die charakterlichen Veränderungen, die zum Beispiel mit der Pubertät einhergehen. Er ist ein liebenswerter und auch besonnener Junge, der sich sehr um seine Freunde und Bekannten sorgt und kümmert. Arne hätte aber ruhig auch einmal über die Stränge schlagen oder Mist bauen können. Er hat keine nennenswerten Ecken und Kanten, die seine Person interessanter und abwechslungsreicher hätte machen können. Wenigstens Arnes langjährige Freundin Vicki war hin und wieder eifersüchtig wegen seiner Freundschaft mit der hübschen Isabella. Doch Arne selbst war mir insgesamt zu brav und vom Verhalten her zu erwachsen. Hier hätte etwas mehr Rebellentum der Geschichte gutgetan.

Ähnlich verhält es sich mit dem Drachen Mag. In einem Krater gefangen und ohne große Aussicht auf eine Rückkehr in seine Heimat, war er doch ziemlich entspannt und verschwendete kaum einen Gedanken an seine missliche Lage. Vielmehr spielte er den gutmütigen, sanften Drachen für alle Besucher, die Arne in den Krater führte, so als wäre das schon immer seine Bestimmung gewesen. Dass ein Ritter von Trinitor sein Drachenei gestohlen hatte, was letztendlich zu seiner prekären Situation führte, spielte fast keine Rolle. Frieden und Freundschaft mit den Menschen von Trinitor zu schließen, war Mag wichtiger, als alles jeder Versuch seine Situation zum Positiven zu ändern. Hier sehe ich persönlich den größten Kritikpunkt an der Geschichte – sie ist zu positiv geschrieben. Etwas mehr Dramatik hätten ihr gutgetan.

Friede, Freude, Eierkuchen

Die Geschichte endet in vielen Dingen zu unspektakulär. Insbesondere zum Schluss hin löst sich wirklich alles in Wohlgefallen auf. Fast jeder zufrieden und glücklich und es gibt ein nahezu universales Happy End. Die Guten werden geehrt, die Bösen entgehen alle ihrer gerechten Strafe. Und es kommt noch schlimmer: Arne ist so freundlich und liebenswürdig, dass er sogar noch seinem Widersacher, dem arroganten Ritter Magnus von Ehren, großzügig für seine schlimmen Taten entlohnt. Von der intriganten, egoistischen und unerträglichen Rima von Wolfshagen ganz zu schweigen. Wie sehr hatte ich mir gewünscht, sie würde für ihr schändliches Treiben den gerechten Lohn erhalten, aber nichts dergleichen passiert. Lediglich Mags Schicksal fällt hier etwas aus dem Rahmen, aber das hat er auch selbst so gewählt. Mag der Drache ist so altruistisch eingestellt, dass es schon fast weh tut. Immerhin hat man ihn seines Kindes (sein Drachenei) beraubt, mehrfach angegriffen und verletzt und versucht zu töten.

Die durchweg positive Grundstimmung in der Geschichte ist zwar halbwegs glaubwürdig, jedoch stellte sich mich als Leser nicht zufrieden. Klar, die Bücher sind vor allem für jüngere Leserinnen und Leser gedacht, doch auch Kinder haben ein großes Gerechtigkeitsempfinden und diese Geschichte ist in weiten Teilen nicht gerecht. Nicht umsonst wird die Hexe in Hänsel und Gretel in den Ofen gesteckt und verbrannt, oder?

Spannungskurve niedrig

Während ich den ersten Teil von Drachen für Trinitor noch zügig in zwei Tagen lesen konnte, musste ich mich bei der Fortsetzung schon mehr motivieren weiterzulesen. Mir fehlte die Spannungskurve, was daran lag, dass ich zu keiner Zeit eine Bedrohung für die Charaktere wahrnehmen konnte. Irgendwie war mir beim Lesen immer klar, die Handlung wird letztendlich gut ausgehen. Ralf Lehmann hat es leider diesmal nicht geschafft, mich an das Buch zu fesseln und die Spannungskurve genügend anzuheben. Dazu trug nicht zuletzt der eher berichtende Erzählstil bei. Der Autor beschreibt als allwissender Erzähler, was hier und dort passiert und wie sich die Dinge verhalten. Allerdings kam bei mir als Leser dadurch nicht das Gefühl auf, mitten in der Handlung zu stehen. Der Erzählstil konnte mich somit kaum mitreißen. Ich nahm die Ereignisse zur Kenntnis, aber sie bewegten mich nicht emotional. Zusammen mit dem weitgehend vorhersehbaren Ende war dann auch von der Spannungskurve nicht mehr viel übrig.

Ein weiterer Punkt, der mir aufgefallen ist und der mich ein bisschen gestört hat, war die Vermischung von Fantasy und Realität. Zum einen findet die Handlung in einer fiktiven Welt statt. Es gibt Drachen, Magie, Königreiche und vieles mehr, was einen Fantasyroman ausmacht. Andererseits nimmt Ralf Lehmann immer wieder Bezug auf Aspekte des wirklichen Lebens. Die Menschen feiern im Buch Weihnachten, man ist mit 18 Jahren volljährig und bekommt die Rechte eines Erwachsenen, und so weiter. Mich hat das irritiert. Wenn man sich schon die Mühe macht, eine facettenreiche Fantasywelt zu erschaffen, dann sollte man auch Sitten und Gebräuche dieser Welt nicht an reale Gegebenheiten anlehnen. Das passt in meinen Augen nicht so recht zusammen.

Mein Fazit zu Drachen für Trinitor – Kampf um Frieden

3 von 5 Sternen „Blieb leider hinter meinen Erwartungen zurück.“

Eigentlich schreibt Ralf Lehmann eine schöne Geschichte mit tollen Charakteren und vielen guten Ideen. Ich bin auch überzeugt, dass jüngere Leserinnen und Leser damit durchaus gut zurechtkommen und dass ihnen die Bücher gefallen werden. Insbesondere zum Vorlesen finde ich den Zweiteiler Drachen für Trinitor gut geeignet. Für mich als erwachsener Leser war die Handlung im zweiten Teil der Reihe jedoch zu seicht und vorhersehbar. Spannung wollte im zweiten Teil der Reihe nicht so recht aufkommen und auch sonst war das Ende viel zu positiv ausgelegt. Ein wenig mehr Dramatik hätte der Handlung oftmals gutgetan. Der große Showdown am Ende fehlte und auch die Taten der Bösen bleiben ungesühnt. Insgesamt konnte der mich der Drachen für Trinitor – Kampf um Frieden nicht so recht überzeugen, was aber nicht heißt, dass es anderen nicht gefallen könnte.

Ich habe Drachen für Trinitor – Kampf um Frieden vom Autor als kostenloses Rezensionsexemplar erhalten. Dafür vielen Dank. Meine Bewertung des Buches hat dies jedoch nicht beeinflusst.

Jay

Ein Gedanke zu “Drachen für Trinitor – Kampf um Frieden von Ralf Lehmann

  1. Hallo Jay,

    diese Vermischung von Fantasy und „Realität“ ist leider üblich geworden.
    Fantasy Romane bei denen mehr als 10 reale Begriffe genannt werden landen bei mir in der Kiste der zu verschenkenden Artikel…, meistens. Es gibt auch Bücher, bei denen dieser Fauxpas nicht auffällt, die behalte ich.

    Viele Grüße

    Wolfram

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