Anthony Ryan: Die Königin der Flammen (Queen of Fire) – Rabenschatten 3

Anyone who claims they have a genius for war should be regarded as the greatest fools. (Anthony Ryan: Queen of Fire)

Anthony Ryan: Queen of Fire UK-Hardback Orbit Verlag (2015)

Anthony Ryan: Queen of Fire
UK-Hardback
Orbit Verlag (2015)

Inhalt

Königin Lyrna hat die blutige Belagerung von Alltor überlebt. Jetzt muss sie ihre Truppen vereinen und die Hauptstadt der Vereinten Königslande von den volarianischen Invasoren zurückerobern. Doch den verhassten Feind aus dem Königreich zu vertreiben genügt nicht, ihr Verlangen nach Vergeltung zu befriedigen – sie möchte den Volarianern über den Ozean hinweg folgen und ihr Kaiserreich niederbrennen. Um das zu erreichen, muss sie auf den Siebenten Orden vertrauen: Männer und Frauen mit fürchterlichen Kräften, die von der Dunkelheit selbst herrühren.
Vaelin Al Sorna würde sein Leben für die Königin opfern und villeicht muss er das auch, denn nur durch die Demaskierung des geheimnisvollen „Verbündeten“ der Volarianer kann den Verlauf des Krieges ändern. Zu diesem Zweck muss Vaelin tief in den eisigen Norden reisen und einen Mann finden, der nicht sterben kann – und er muss dies ohne die Hilfe seines Lieds des Blutes tun, das unheilverheißend still geworden ist…

Über das Buch und den Autor

Anthony Ryan wurde 1970 in Schottland geboren, lebt und arbeitet jedoch schon seit längerer Zeit in London. Er hat einen Abschluss in mittelalterlicher Geschichte. Bevor er sich, nach dem Erfolg seines ersten Buches Blood Song, entschloss mit dem Schreiben von Büchern seinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitete er als britischer Beamter. Neben Geschichte interessiert er sich zudem für Kunst und die Naturwissenschaften.

Anthony Ryan: Die Königin der Flammen Dt. Erstausgabe Hobbit Presse/Klett-Cotta (2016)

Anthony Ryan: Die Königin der Flammen
Deutsche Erstausgabe
Hobbit Presse/Klett-Cotta (2016)

Anthony Ryans Debütroman Blood Song ist der erste Band seiner Rabenschatten-Trilogie, wurde im Juli 2013 in England beim Orbit Verlag veröffentlicht und wurde schnell zum Erfolg. Im Juli 2014 folgte schließlich die Fortsetzung unter dem Titel Tower Lord, deren deutsche Fassung am 26. September 2015 in die Regale kam. Mit Queen of Fire beendet Anthony Ryan seine vielgelobte Rabenschatten-Trilogie. Das Buch hat 642 Seiten (Hardcover) und ist in fünf größere Abschnitte mit jeweils mehreren Kapiteln unterteilt. Die deutsche Fassung heißt Die Königin der Flammen heißen und ist am 27. August 2016 bei Klett-Cotta erschienen.

Meine Meinung

Der erste Band (Blood Song) war gut, der zweite Band (Tower Lord) war besser, der dritte Band (Queen of Fire) konnte meine Erwartungen leider nicht erfüllen. Woran lag’s?
Was sich schon in Der Herr des Turmes manchmal abzeichnete, zeigte sich im letzten Band der Trilogie leider zu deutlich: Lääääääängen. Das Buch hätte man wohl leicht um 100 bis 200 Seiten kürzen können und müssen. Viele langatmige Dialoge (auch Monologe) bremsten den Lesefluss und ließen die Spannungskurve leider immer wieder abfallen. Ich war seitenweise versucht den Text nur noch quer zu lesen, bis es endlich mit der Handlung weiter geht. Der Spannungsbogen war eine einzige Wellenlinie mit durchaus spannenden Abschnitten, die mich richtig fesseln konnten und wirklich bösen Cliffhangern an den Enden mancher Kapitel. Leider waren die folgenden Ausführungen dann wieder so langatmig, dass einem die Augen zufallen konnten. Schade, denn die Ideen, die Ryan in das Buch gepackt hat, sind durchaus nicht schlecht. Man erfährt viel über den geheimnisvollen „Verbündeten“, sowie seine Hinter- und Beweggründe. Vor allem im letzten Drittel spielen sich viele Abschnitte auf rein mentaler Ebene ab, zum Beispiel wenn die Protagonisten träumen und dadurch dem großen Geheimnis immer näher kommen. Auch kämpferisch geht es richtig zur Sache und es gibt eine ganze Reihe unerwarteter Wendungen und Ereignisse.

Anthony Ryan: The Raven's Shadow Book 1: Blood Song Book 2: Tower Lord

Anthony Ryan: The Raven’s Shadow
Book 1: Blood Song
Book 2: Tower Lord

Eine Weiterentwicklung der bekannten Protagonisten findet allerdings kaum statt. Alle schlagen mit Schwerter und Knüppeln um sich beziehungsweise lassen ihre Pfeile fliegen, dass sogar Legolas der Atem weg geblieben wäre. Entsprechend ist der letzte Band der Reihe im Prinzip eine Beschreibung von Friedhöfen, denn ich glaube in keinem Buch, das ich gelesen habe, gab es mehr geköpfte, zerhackte, verstümmelte, gepfählte, verbrannte, erhenkte Männer, Frauen und Kinder jeden Alters, als in Queen of Fire. Dazu die vielen detaillierten Beschreibungen von Kämpfen, die gefühlt drei Viertel des Buches ausmachen, aber für die Handlung eigentlich unbedeutend sind. Die Armeen, die in dem Buch gegeneinander aufmarschieren sind gigantisch. Blut, Blut, Blut! Alles, was laufen konnte, wurde eigentlich im Verlauf der Handlung getötet. Die Beschreibungen der Leichenberge am Wegrand waren irgendwann ermüdend und mir schon fast ein bisschen zu viel des Bösen. Wäre das Buch ein Film, dann wäre er aufgrund der exzessiven Darstellung von Gewalt definitiv nicht jugendfrei. Leider trugen aber die Schrecken des Krieges bei mir nicht allzu viel dazu bei, die Spannung anzuheben oder meine Emotionen anzuheizen. Vielleicht sollte dieser Schreibstil ja ursprünglich den Hass der Leser auf die Volarianer schüren, doch gelungen ist das meiner Meinung nach nicht. :nono:

Königin Lyrna und Reva sollen im Buch wohl die großen Racheengel sein, die für die ruchlosen Taten und die Sklaverei der Volarianer Vergeltung üben und den Lesern Genugtuung bringen sollen. Doch irgendwie kam das bei mir ebenfalls nicht überzeugend rüber. Eine eigentlich rechtschaffene Königin, die das volarianische Imperium bis auf die Grundmauern niederbrennen und alles töten möchte… nicht wirklich. Bisweilen muss man sich dabei aber fragen, wer nun eigentlich die Guten und wer die Bösen sind? Wer die Opfer und wer die Aggressoren? Ich war mir da zum Schluss hin gar nicht mehr so sicher. Nicht falsch verstehen: Ich habe nichts gegen Gewalt in Büchern, insbesondere wenn es um Darstellungen des Krieges geht, aber sie muss auch irgendwo einen schriftstellerischen Zweck erfüllen, den Leser mitreißen, erschrecken, berühren. Wer von Mark Lawrence Der Prinz der Dunkelheit gelesen hat oder bestimmte Bücher von Joe Abercrombie (z. B. Heldenklingen), weiß was ich meine. :)
Ok, zur Ehrenrettung kann man sagen, dass sich zumindest hin und wieder Gewissensbisse äußern.

Charakterbeziehungen. Wie schon in Der Herr des Turmes gibt es mehrere Handlungsstränge, jeweils für einen der Protagonisten. Lyrna, Reva, Frentis und Vaelin teilen sich die Seiten einigermaßen gleichmäßig. Die daraus resultierenden Sprünge bremsen jedoch den Handlungsfluss zusätzlich, zumal nicht jeder Handlungsabschnitt ein gleiches Maß an Spannung mitbringt. Reva und Frentis habe ich gerne verfolgt, Lyrna und Vaelin eher weniger. Vor allem Letzterer konnte nicht immer überzeugen, denn die Geschichte war mir irgendwann zu ausschweifend.

Was gibt’s noch Gutes zu berichten? Die Handlungsfäden sind alle abgeschlossen und es bleiben zum Ende des Buches keine großen Fragen offen. Anthony Ryan hat es verstanden die Geschichte zusammen zu führen und ihr ein passables Ende verabreicht, das sogar Fortsetzungen zulassen würde. Den Epilog hätte man zwar noch etwas straffen können (Dialoge), jedoch war das dann schon in Ordnung. Ich freue mich auf weitere Bücher des Autors.

3 von 5 Sternen "Blieb leider hinter meinen Erwartungen zurück."

3 von 5 Sternen
„Blieb leider hinter meinen Erwartungen zurück.“

Mein Fazit

Nach einem guten Start und einer besseren Fortsetzung konnte mich Queen of Fire leider nicht überzeugen. Zu viele Längen, ausschweifende Handlungsstränge und nichtige Dialoge bremsten den Lesefluss zu stark und sorgten für wenig Spannung. Ich war versucht Abschnitte quer zu lesen, weil sie einfach weder relevant noch interessant waren. Ein Übermaß an Kämpfen (ohne Notwendigkeit) und überzogene Darstellungen von Gewalt nur um der Gewalt willen, taten ihr übriges dazu. Schade. Manchen mag das Buch dennoch zusagen. Ich hatte jedoch mehr erwartet.

Eine Vielzahl wenig gängiger Wörter machen die Lektüre des englischen Originals nicht gerade einfach. Ein Wörterbuch wird auch Fortgeschrittenen Lesern empfohlen, um den Überblick zu bewahren.

Jay

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