25. Oktober 2020

The Girl And The Stars von Mark Lawrence

Mark Lawrence: The Girl and the Stars, ACE Verlag, 2020

Östlich des Schwarzen Felsens, weit draußen im Eis, gibt es ein Loch, in das die missgebildeten Kinder geworfen werden. In den Weiten der Eiswüste gibt es keinen Platz für Einzelgänger, denn niemand kann auf sich allein gestellt überleben. Um der Kälte zu trotzen und die monatelangen Nächte zu ertragen, wenn selbst die Luft zu gefrieren beginnt, benötigt es eine besondere Auslese. Körperliche Abweichungen sind gefährlich, Andersartigkeit ist tödlich. Und Yaz ist anders, als die anderen.

Aus ihrer Familie gerissen und von dem Jungen, von dem sie dachte, sie würde ihr Leben mit ihm verbringen, muss sie nun ihren eigenen Weg in einer unerwartet grausamen Welt finden. Es ist eine Welt voller Gefahren. Unter dem Eis lernt Yaz, dass Abeth älter und fremdartiger ist, als sie gedacht hat. Sie lernt, dass ihre Schwäche nur eine andere Art von Stärke ist. Und sie wird lernen die grausamen Bräuche des Überlebens, die ihr Volk seit jeher regieren, zu hinterfragen. Nur wenn es am dunkelsten ist, kannst du die Sterne sehen. (Quelle: Amazon, Übersetzung)

Titel: The Girl And The Stars Autor: Mark Lawrence Verlag: ACE/Harper Collins Reihe: The Book Of Ice, #1 Seitenzahl: 384/480 Genre: Fantasy Alter: 14+ Erste Aufl.: 21. April 2020 Ausgaben: Hardcover, E-Book, Hörbuch ISBN: 978-1984805997 (HC) Sonstiges:

Über den Autor von The Girl And The Stars

Mark Lawrence wurde international bekannt mit seiner Broken-Empire-Trilogie, die in vielen Ländern ein Bestseller wurde und mit Prince of Thorns (dt.: Prinz der Dunkelheit) ihren Anfang nahm. The Girl And The Stars ist der erste Band seiner Reihe The Book of Ice. Die Handlung spielt in der Welt seiner Ahnen-Trilogie.

Große Erwartungen, nicht erfüllt

Ich habe mich wirklich gefreut, als Mark Lawrence sein neues Buch ankündigte. Allein die Buchbeschreibung bei Amazon konnte mich vom ersten Moment an begeistern, ebenso das wunderschöne Cover der US-Ausgabe (oben). Ich habe schon ein paar Bücher von Mark gelesen und ihn auch schon persönlich kennenlernen dürfen. Jedoch konnte mich The Girl And The Stars letztendlich nicht überzeugen. Es gehört zu den wenigen Büchern, die ich schließlich abgebrochen habe. Eine andere Leserin hat es auf den Punkt gebracht und auch ich könnte mein Leseerlebnis so zusammenfassen:

Das ist ein echt cooler Start. Mark steigt mal wieder voll ein.
Ich bin gespannt, was als Nächstes geschieht.
Klasse, das war wirklich völlig unerwartet.
Eine faszinierende Unterwelt, ist das.
Häh… was geht hier eigentlich vor?
Ich raff‘ gerade gar nichts mehr…
Mir wird’s langsam zu viel Input.
Passiert eigentlich noch was?
Wo führt die Handlung hin?
Ich hab keine Lust mehr.

Viele Ideen in der Handlung haben mich regelrecht erschlagen

Eigentlich gehöre ich zu den Leuten, die Bücher immer bis zum Ende lesen, selbst wenn sie mich nicht ansprechen. Ich habe dann immer die Hoffnung, dass es mit der Zeit vielleicht besser werden könnte. Bei The Girl And The Stars hat mich die Handlung am Anfang auch noch fesseln können. Die Idee mit dem Krater im Eis und der gnadenlosen Auswahl der Kinder, die in dieses Loch geworfen werden, weil sie „anders“ sind, ließ mich erschaudern. Ich war gefesselt und wollte mehr über diese Welt und das Schicksal der Kinder erfahren.

Leider ging der Handlung danach immer mehr die Luft aus. Das lag jedoch nicht am schlechten Schreibstil des Autors, denn Mark Lawrence schreibt wirklich wundervoll bildhaft. Man verliert sich gerne in seinen Büchern, weil er es versteht eine situationsgerechte Atmosphäre aufzubauen. Vielmehr waren es mir zu viele (seltsame) Ideen und Wendungen gegen Mitte des Buches, die mich völlig aus der Bahn geworfen haben. Ja, ihr lest richtig. Die Handlung hat mich regelrecht erschlagen, um dann immer mehr in Belanglosigkeit abzudriften. Ich habe dann sogar nebenbei angefangen ein anderes Buch zu lesen, was ich eigentlich nie tue.

Mark Lawrence: The Girl and the Stars; Harper Collins, 2020

Mark Lawrence ist ein Meister des Worldbuilding und er versteht es wirklich tolle, detaillierte Welten zu entwickeln. Allerdings passiert so viel Mystisches und Unerklärliches im zweiten Viertel des Buches (ab Kapitel 14), dass ich irgendwann einfach abgeschaltet habe, weil ich den Faden verloren hatte. Ich konnte Mark Lawrence‘ Gedankengängen und Ideen beim besten Willen nicht mehr folgen. Vieles war mir plötzlich zu philosophisch, surreal-abgedreht und zu wenig greifbar. Diese Eindrücke hatte ich damals schon bei seiner Trilogie The Red Queen’s War. Das erste Buch war noch richtig gut, danach wurde es immer… seltsamer und ich musste mich durch den letzten Band regelrecht durchquälen.

Ich hatte mich, wie auch Yaz, in Marks Welt verlaufen und wusste schließlich überhaupt nicht mehr, wo nun eigentlich der rote Faden der Handlung verläuft und was vor sich geht. Was war jetzt wichtig, was nicht? Wie sollte ich Yaz‘ Erlebnisse in den Kontext einordnen? Als Leser muss man die Dinge erst einmal verarbeiten, die einem vom Autor vorgesetzt werden, und das benötigt etwas Zeit. Ich war, so komisch es klingen mag, von der Entwicklung der Handlung schlichtweg überfahren worden. So sehr, dass ich schließlich kurz vor der Hälfte des Buches resigniert habe, weil ich nichts mehr verstand.

Inzwischen zweifle ich an mir selbst, denn auf Goodreads wird das Buch mit 5-Sternen-Rezensionen regelrecht überhäuft. Irgendwie scheint nahezu jeder von dem Buch begeistert zu sein, nur ich nicht. Da das Buch in der gleichen Fantasywelt spielt wie Die Ahnen, hätte ich den anderen Dreiteiler vielleicht zuerst lesen sollen, um etwas mehr Hintergrundwissen zu bekommen.

Die meisten Charaktere bleiben leider farblos

Die Hauptrolle im Buch spielt die 16-jährige Yaz. Sie ist etwas Besonderes, denn sie hat wundersame Fähigkeiten, die sich dem Leser erst im Laufe der Handlung erschließen. Quasi die gesamte Handlung dreht sich um sie und ihren Weg. Zwar gibt es auch noch eine ganze Reihe weiterer Protagonisten, allerdings bleiben sie alle sehr flach und farblos. Ich denke, hier hätte der Autor ruhig etwas mehr Zeit und Mühe investieren können, um ihnen mehr Leben einzuhauchen und ihnen einen höheren Stellenwert im Buch zu geben, damit sie neben Yaz bestehen können und die Handlung bereichern. Ich finde es oftmals kritisch, wenn sich eine Geschichte allzu sehr auf eine Person fokussiert und alle anderen nur Nebendarsteller sind.

Ein Buch steht und fällt bei mir mit den Charakteren. Wenn ich keinen Draht zu ihnen finde, dann ist es vorbei. Warum sollte ich einer Geschichte folgen, wenn mich die Charaktere nicht interessieren? Wie kann Spannung entstehen, wenn es mir egal ist, ob eine Person gerade ihr Leben riskiert oder mit dem Tode kämpft? Yaz konnte mich nur zu Beginn der Geschichte wirklich für sich einnehmen. Zwar entwickelt Mark Lawrence sie im Buch stetig weiter, doch da sind wir dann wieder beim Übermaß an Ideen. Irgendwann wusste ich zwar einiges mehr über Yaz, aber eigentlich wieder so gut wie gar nichts, da ich mit dem, was der Autor sich für sie ausgedacht hat, absolut nichts anfangen konnte. Die gute Yaz hat mich dann mit der Zeit einfach nur noch gelangweilt. Ich weiß zwar, dass sie wohl irgendwelche mystischen Fähigkeiten hat, die sie selbst erst begreifen muss, allerdings konnten diese Fähigkeiten bei mir überhaupt kein Interesse wecken. Das ist wohl auch einer der Hauptgründe, weshalb ich das Buch schließlich auf Seite 170 abgebrochen habe. Schade eigentlich.

Der wunderbare Schreibstil von Mark Lawrence

Ganz klar ist Mark Lawrence ein Meister seines Fachs. Er kann wirklich gut schreiben und versteht es seine Gedanken zu Papier zu bringen. Leider reichte das in diesem Fall nicht, um mein Interesse hochzuhalten. Handlung und Charaktere konnten mich nach dem ersten Drittel einfach nicht mehr überzeugen. Wenn es mich interessiert, lese ich ein Buch mit knapp 400 Seiten locker innerhalb von 2 bis 3 Tagen. Oftmals schaffe ich es auch an einem Tag. Diesmal musste ich mich regelrecht aufraffen Kapitel für Kapitel weiterzulesen und das kann es eigentlich nicht sein. Vielleicht werde ich dem Buch irgendwann auf Deutsch nochmal eine Chance geben, falls ich es als E-Book in die Finger bekomme.

Ich kann den Fantasywelten von Mark Lawrence immer weniger abgewinnen. Mir fällt kein besseres Wort ein es zu beschreiben, aber vieles ist mir einfach zu abgedreht, unwirklich und philosophisch, selbst für einen Fantasyroman. Habe ich Der Prinz der Dunkelheit noch verschlungen, bin ich inzwischen immer weniger von den Fantasy-Welten überzeugt, die Mark Lawrence in seinen Büchern so mühsam ausgestaltet. Leider.

Mein Fazit zu The Girl And The Stars

2.5 von 5 Sternen „Gute Ideen, aber mitunter sehr verwirrend.“

Eingefleischte Fans des Autors, die bereits seine anderen Bücher verschlungen haben, werden mit The Girl And The Stars wahrscheinlich ihre Freude haben. Das Buch beinhaltet einige Elemente aus dem Young-Adult Genre, wie zum Beispiel eine jugendliche Protagonistin und viele weitere junge Charaktere, eine Liebesbeziehung und recht wenig Gewalt und Blutvergießen. Das Buch bekommt auch sehr viele positive Kritiken in Bücherforen, also gibt es wohl auch ein Heer von Menschen, denen gefällt, was Mark Lawrence geschrieben hat. Dass es mir persönlich gerade nicht zusagt, muss daher nicht zwingend bedeuten, dass das Buch schlecht ist.

Mark Lawrence schreibt sehr bildhaft (mitunter sogar poetisch) und versteht es Welten aufzubauen. Der Anfang war auch durchaus spannend und konnte mich begeistern. Es lag eher an der Vielzahl von Ideen, die später hinzukamen und die mir zu sehr ins Surreale abgeglitten, was mich gestört hat. Ich konnte damit nur wenig anfangen, weshalb ich The Girl And The Stars nicht bis zum Ende gelesen habe. Das ist schade, denn ich hatte mich wirklich darauf gefreut.

Ich bin gespannt, ob es das Buch irgendwann auf Deutsch geben wird. Vielleicht gebe ich ihm dann erneut eine Chance. Unbestritten wundervoll ist das Cover der US-Ausgabe. Hier hat der Verlag wirklich ganze Arbeit geleistet.

Sprachniveau: 4 von 4 (Sehr hoch)

Ich habe das Buch auf Englisch gelesen und mir fiel es passagenweise relativ schwer alles 100-prozentig zu verstehen. Ein Wörterbuch kann daher von Nutzen sein oder man wartet einfach auf die deutsche Übersetzung, die es vielleicht irgendwann geben wird.

Jay

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