2. April 2020

DRY von Neal & Jarrod Shusterman

Dry von Neal Shusterman

In Kalifornien im Hochsommer macht die Hitze den Menschen schwer zu schaffen. Seit Wochen hat es nicht geregnet und nun wird plötzlich das Wasser knapp. So knapp, dass kein einziger Tropfen mehr aus den Wasserhähnen kommt. Die 16-jährige Alyssa lebt mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder Garrett in einer kalifornischen Kleinstadt und bekommt schnell zu spüren, was der Wassermangel für die Menschen bedeutet. Anfangs ist man noch zuversichtlich und hofft auf schnelle Hilfe, doch schon nach wenigen Tagen macht sich Verzweiflung breit und der Kampf um jeden Tropfen Flüssigkeit wird hart geführt. Als schließlich alle Geschäfte leergekauft sind und selbst der Inhalt der Schwimmbecken verteilt ist, macht sich im Land Panik breit. Im Kampf gegen den Durst werden die Menschen zu Wölfen, denn ohne Wasser kann niemand überleben. (Dry von Neal Shusterman)

Titel: Dry Autor: Jarrod und Neal Shusterman Verlag: Fischer Sauerländer (Simon & Schuster) Seitenzahl: 448 (400) Genre: Jugendthriller Alter: 14+ Erste Aufl.: 22. Mai 2019 (2. Oktober 2018) Ausgaben: Hardcover (ENG), Taschenbuch, E-Book, Hörbuch (ENG) ISBN: 978-3737356381 (Dt. TB)

Über Neal Shusterman, den Autor von DRY

Neal Shusterman wurde am 12. November 1962 in Brooklyn (New York) geboren und ist dort aufgewachsen. Schon in jungen Jahren war er ein begeisterter Leser. Mit 16 zog Neal Shusterman mit seiner Familie nach Mexico City. Später studierte er an der Universität von Kalifornien Psychologie und Theaterwissenschaften. Inzwischen gehört er zu den bekanntesten Jugendbuchautoren der USA, der mit seinen Büchern bereits viele Preise gewonnen und internationale Anerkennung gewonnen hat. Zu seinen erfolgreichsten Büchern gehören unter anderem die Vollendet-Reihe und das Jugendthriller Dry, der auch in Deutschland für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2020 nominiert wurde. Neal Shusterman lebt und schreibt derzeit in Florida.

Meine Meinung zu DRY von Neal & Jarrod Shusterman

Es gibt inzwischen wohl keinen Jugendbuch-Blogger mehr, der Neal Shustermans Jugendthriller DRY noch nicht gelesen und rezensiert hat. Da das Buch inzwischen noch für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2020 wurde, dürfte sich das Interesse noch steigern. Ich habe bereits 2014 die Vollendet-Reihe von Neal Shusterman auf Englisch gelesen und war wirklich begeistert vom Stil des Autors. Entsprechend hohe Erwartungen hatte ich an DRY, nicht zuletzt wegen der zahlreichen positiven Rezensionen zu dem Buch. Die Erwartungen wurden leider nur teilweise erfüllt.

Die Handlung: spannend, aber zum Teil unlogisch

Neal Shusterman: Dry
Artist: Tumisu

Eine Sache kann man Neal Shusterman (wer ist eigentlich Jarrod Shusterman?) wirklich nicht absprechen, er schafft es seine Leser wirklich von Beginn an zu fesseln und an die Geschichte zu binden. Selbst Stephen King konnte es wohl nicht aus der Hand legen, bis es gelesen war. Die Thematik ist aktuell und weckt Interesse. Große Konzerne wie Nestlé versuchen schon seit Jahren in manchen Ländern den Menschen das Wasser abzugraben, mit großen Auswirkungen auf die Flora und Fauna. Wasser ist ein Lebensmittel, auf das weder Mensch noch Tier verzichten kann und gehört zu den kostbarsten freien Gütern, die wir haben. Wie schnell sich eine Gesellschaft wandeln kann und wie die Zivilisation buchstäblich den Bach runtergeht, wenn plötzlich das Wasser fehlt, beschreibt Shusterman in DRY wirklich beeindruckend. Die Handlung zeigt zum Teil schon post-apokalyptische Züge, denn die verzweifelte Gesellschaft wandelt sich innerhalb kürzester Zeit. Der dauerhafte Wassermangel macht aus eigentlich friedfertigen Menschen schon bald gefährliche Bestien, die im Wahn und vor Durst für einen Schluck Wasser alles tun würden, sogar töten. Verzweifelt versucht die Regierung die prekäre Lage unter Kontrolle zu bringen, ist jedoch aufgrund der Millionen Betroffenen schnell überfordert. Das Kriegsrecht und der damit verbundene Einsatz des Militärs heizt die Lage noch zusätzlich an. Shusterman hat es verstanden die Auswirkungen beeindruckend aufzuzeigen und zeichnet in DRY ein Bild, das gerade wegen seiner Realitätsnähe und Glaubwürdigkeit umso erschreckender ist. Gut gemacht. Leider sind mir beim Lesen trotzdem immer wieder Handlungsweisen und Ereignisse aufgefallen, die einfach unlogisch sind, was mich ziemlich störte. Hinzu kommen die schrecklichen Protagonisten.

Die Charaktere: unsympathisch und ziemlich nervig

Das beste Thema für einen Thriller steht und fällt mit den Protagonisten und Antagonisten. Mit seinen Hauptpersonen hat sich Neal Shusterman, meiner Meinung nach, keinen Gefallen getan.
Alyssa ist eine 16-Jährige, die es schaffte mich innerhalb nur weniger Kapitel auf die Palme zu bringen. Das Weib (tut mir leid) ist nicht nur in höchstem Maße selbstgerecht, sie ist noch dazu dermaßen dämlich, dass es für alle Beteiligten besser gewesen wäre, sie hätte sich gleich am Anfang selbst erschossen. Sie ist zu keinerlei Selbstkritik fähig und von ihrem Tun so überzeugt, dass sie dabei nicht bemerkt, wie sie andere damit in größte Gefahr bringt. Shustermans Intention war dabei sicherlich, sie als fürsorglich, uneigennützig und „menschlich“ darzustellen, was jedoch für meine Begriffe schwer nach hinten losging. Natürlich ist es ein toller Charakterzug mit anderen zu teilen, wenn man jedoch, bildlich gesprochen, einem hungrigen Rudel Wölfe ein saftiges Steak vor die Nase hält, darf man sich nicht wundern, wenn einem danach vielleicht der ganze Arm fehlt. Umso schlimmer ist das, weil Alyssa-Dumpfbacke gleichzeitig auch noch die Verantwortung für ihren 10-jährigen Bruder Garrett trägt, der bei ihren Aktionen ebenfalls in große Gefahr gerät. Alyssa ist ein wirklich unerträglicher Hauptcharakter, der nicht von Zwölf bis Mittag denkt und sich dabei auch noch gut fühlt. Solche Leute hab ich gefressen. Ihr Bruder Garrett wiederum ist der typische 10-Jährige, der vor allem aus dramaturgischen Gründen ganz zum Schluss eine größere Rolle spielen darf, sonst jedoch nur ein Mitläufer ist und Alyssas Grund, den Lesern des Buches immer mal wieder ihr großes Verantwortungsbewusstsein vor Augen zu führen. Schrecklich.

Neal Shusterman: Dry, Hardcover, Simon & Schuster, 2018
Neal Shusterman: Dry, Hardcover, Simon & Schuster, 2018

Jacqui ist im Gegensatz zu Alyssa die typische Rebellin. Denkt ständig nur an sich, lebt freiwillig auf der Straße und zeigt sich als taffe Frau, der im Prinzip alles am A**** vorbeigeht, solange sie selbst keinen Vorteil daraus ziehen kann. Sie fühlt sich der ganzen Welt überlegen und zeigt es auch. Jacqui entwickelt sich im Buch zwar ein Stück weiter, bleibt aber ein oberflächlicher, meist unsympathischer Charakter, der mehr nervt, als irgendetwas beizutragen. Henry ist ein Egoist und Snob, der ebenfalls wenig glaubwürdig herüberkommt und schließlich als Sündenbock für Alyssas und Jacquis Unfähigkeit herhalten muss. Meine Güte, was für ein Haufen Loser.
Der einzige Protagonist, der für mich irgendwie interessant war, ist Alyssas Nachbarjunge Kelton. Er ist in ihrem Alter und Teil einer Familie von „Preppern“, die sich seit Jahren auf eine mögliche Katastrophe vorbereiten. Kelton ist nicht nur einigermaßen vernünftig, sondern hat auch hilfreiche Ideen, wie man möglichst heil aus der Sache herauskommen könnte und ist bereit alles für die Gruppe zu tun, ohne Alyssas angeborene Selbstgerechtigkeit zu teilen. Leider wird er im Buch immer wieder als „seltsamer Typ“ dargestellt, dabei ist es er, der am meisten zur Rettung der Gruppe beitragen kann, was irgendwie alle anderen aus der Gruppe als selbstverständlich betrachten und sogar von ihm erwarten. Tut mir leid, aber mich konnte die Gruppe in weiten Teilen nicht überzeugen. Drei der fünf Protagonisten waren mir ziemlich egal

Der Schreibstil: mitreißend, aber für mich zu oberflächlich

Neal Shustermans Schreibstil ist flüssig und hat erfrischend wenige Längen. Wie bereits gesagt: Es ist ein spannende und unterhaltsam geschriebenes Buch, das in beeindruckenden Bildern aufzeigt, wie sich eine Gesellschaft in großer Not drastisch verändern kann und die Menschlichkeit dabei auf der Strecke bleibt. In dieser Hinsicht lässt Shusterman nichts anbrennen. Leider ist mir DRY aber zu oberflächlich und geht für mich zu wenig in die Tiefe. Es bleibt zu oft auf dem Niveau von reiner Effekthascherei, so als würde man die BILD-Zeitung lesen, die zwar auch sehr emotional schreiben kann, jedoch bei fast jeder Thematik nur an der Oberfläche kratzt. Ich denke das liegt vor allem daran, dass DRY es von Anfang an als Jugendthriller konzipiert war, der wohl eher unterhalten soll, als tiefgründigere Erkenntnisse zu vermitteln.

Mein Fazit zu DRY von Neal & Jarrod Shusterman

3 von 5 Sternen „Blieb leider hinter meinen Erwartungen zurück.“

Ich denke, dass DRY vor allem vor dem Hintergrund der Klimahysterie gehypt wird, allerdings wird es der aktuellen Thematik nicht gerecht. Das Buch behandelt tatsächlich ein brisantes Thema, dass allerdings für meine Begriffe nicht sehr überzeugend umgesetzt wurde. Das Buch ist spannend und unterhaltsam, mehr aber auch nicht. Der Tiefgang fehlt mir ebenso, wie Protagonisten, die diese Bezeichnung auch verdienen. Schade, denn Neal Shusterman hätte zu diesem Thema ein wirklich großes Buch erschaffen können. So ist es jedoch eher durchschnittlich und ein Buch für alle, die sich von fragwürdigen Ängsten leiten lassen, denn der Klimawandel liegt eigentlich ständig im Trend. Oh, das Cover der deutschen Ausgabe finde ich sehr gelungen.

Wer das Buch im englischen Original liest, sollte in jedem Fall ein Wörterbuch bereithalten, denn Neal Shusterman verwendet eine Vielzahl wenig bekannter Wörter und Phrasen aus der US-amerikanischen Jugendsprache, die nicht immer leicht zu übersetzen sind. Wer damit eher Probleme hat, dem empfehle ich das Buch auf Deutsch.

Jay

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