Klopf-klopf-klopf.
Nein, das ist nicht unheimlich. Es ist absolut normal, zwölf Lichtjahre von der Erde entfernt in einem Raumschiff zu sitzen und zu hören, wie jemand an die Tür klopft. (Andy Weir: Der Astronaut)

Ryland Grace erwacht allein in einem Raumschiff – Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Er weiß nicht, wer er ist. Nicht, woher er kommt. Nur, dass er der Letzte seiner Crew ist. Während die Systeme des Schiffes unaufhaltsam weiterlaufen, kämpft er gegen seine eigene Erinnerung – und gegen die Erkenntnis, dass ein Scheitern keine Option ist.
Nach und nach kehren die Fragmente zurück: eine Mission von unvorstellbarer Tragweite. Eine unsichtbare Bedrohung bringt die gesamte Menschheit an den Rand der Auslöschung und irgendwo im kalten, endlosen All liegt die einzige Chance auf Rettung.
Doch mit jeder neuen Erkenntnis wächst die Gewissheit: Diese Mission verlangt mehr, als ein einzelner Mensch leisten kann.
Über den Autor Andy Weir
Andy Weir wurde am 16. Juni 1972 in Davis (Kalifornien) geboren, studierte Informatik und arbeitet seit einigen Jahren als Softwareentwickler, unter anderem bei Blizzard für das Onlinespiel Warcraft 2. Seit seinem 20. Lebensjahr schreibt er zudem Kurzgeschichten. The Martian (Der Marsianer) war sein erster großer Bucherfolg und gleich ein Bestseller geworden. Ursprünglich veröffentlichte er den Roman kapitelweise auf seiner privaten Homepage. Es folgte 2017 sein zweiter Roman Artemis und schließlich 2021 Der Astronaut, der zudem im März 2026 als Film in die Kinos kam.

Weirs Bücher wurden vielfach ausgezeichnet. Er lebt mit seiner Frau und seinem Sohn in Kalifornien (USA).
(Photo von Gage Skidmore, 2025)
Nicht auf dem Mars, sondern 12 Lichtjahre von der Erde entfernt…
Mit Der Astronaut konnte Andy Weir nicht nur in meinen Augen an den Erfolg seines Debütromans Der Marsianer anknüpfen. Ich war von seinem ersten Buch (und auch von der hervorragenden Verfilmung) schon sehr begeistert. Andy Weir versteht es wie kein anderer Autor Wissenschaft mit einer Portion Humor zu verbinden, und daraus eine spannende Geschichte zu erschaffen. Der Astronaut, Ryland Grace, ist mir ebenso ans Herz gewachsen, wie schon vor über 10 Jahren der „Marsianer“ Mark Watney. Ich hatte vor der Lektüre von Der Astronaut zunächst Bedenken, es könnten sich zu viele Ideen aus Der Marsianer dort wiederfinden. In beiden Büchern befinden sich die Protagonisten in einer schwierigen Lage, der sie mit der Hilfe von Kreativität und Wissenschaft zu entkommen versuchen. Allerdings stellte sich zum Glück heraus, dass sich Der Astronaut in weiten Teilen gänzlich von Andy Weirs Debütroman unterscheidet.
Große Rätsel und die Wissenschaft
Der Einstieg in den Roman ist bewusst fragmentarisch gehalten. Die Hauptfigur tastet sich Schritt für Schritt an ihre eigene Identität und den Sinn der Mission heran. Dadurch schafft der Autor Spannung von der ersten Seite an, denn auch der Leser weiß zu Beginn des Buches nicht mehr als der Protagonist. Gemeinsam entdeckt man Schritt für Schritt die Zusammenhänge, als die Erinnerung nach und nach zu Ryland Grace zurückkommt. Ich fand das gut gelöst, denn es ermöglicht dem Leser schon von Anfang an über die Zusammenhänge zu spekulieren. Ich war von der ersten Seite an das Buch gefesselt. Mit jedem zurückkehrenden Erinnerungsfetzen erweitert sich das Bild – und die Dimension der Aufgabe wird immer deutlicher. Dabei gelingt es Weir, komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge verständlich und oft sogar unterhaltsam zu vermitteln.
Wie schon in Der Marsianer steht auch hier die Wissenschaft im Mittelpunkt. Probleme werden analysiert, zerlegt und mit kreativen Lösungen angegangen. Weir setzt dabei stark auf naturwissenschaftliche Plausibilität, ohne den Roman in trockene Theorie abgleiten zu lassen. Vielmehr entsteht Spannung gerade aus dem Prozess des Denkens und Tüftelns. Jede neue Erkenntnis kann Leben retten – oder alles zunichtemachen. Wer sich für naturwissenschaftliche Zusammenhänge interessiert, kann in diesem Buch noch so manches dazulernen, denn der Autor erklärt nachvollziehbar die Gedankengänge des Protagonisten, ohne dabei zu ausführlich zu werden und in allzu komplexe wissenschaftliche Abhandlungen abzuschweifen. Ich bin zwar schon seit vielen Jahren aus der Schule raus (zumindest als Schüler), konnte aber dennoch das eine oder andere chemische oder physikalische Wissen auffrischen.
Eine ungewöhnliche Form von Isolation
Auf den ersten Blick erzählt der Roman eine klassische „Mensch-allein-im-All“-Geschichte. Doch schnell wird deutlich, dass Isolation hier mehr ist als nur räumliche Einsamkeit. Der Protagonist ist nicht nur von der Erde getrennt, sondern auch von seiner eigenen Vergangenheit. Erinnerungen werden zu einem entscheidenden Element – und zugleich zu einer Belastung. Diese doppelte Isolation verleiht der Geschichte eine zusätzliche emotionale Ebene. Gut fand ich, wie Andy Weir durch häufige Rückblicke die Hintergründe der Reise nach Tau-Ceti (ja, genau da ging es hin) nach und nach aufdeckt. Ryland Graces Erinnerungen kommen nach dem langen Koma erst nach und nach zu ihm zurück. Das gibt der Geschichte immer wieder einen neuen Schub und bereichert sie um zusätzliche Aspekte, die man vorher nicht kannte. Dadurch bekommt auch der Protagonist immer wieder neue Gedankenimpulse. Das Erzähltempo wird wesentlich gesteigert und die Spannung konstant aufrechterhalten. Es passiert eigentlich immer etwas.
Ryland geht die Probleme, die vor ihm liegen, sowohl rational als auch emotional an. Man merkt seine Freude, bei jedem kleinen Erfolg, aber auch Verzweiflung und Resignation nach bisweilen herben Rückschlägen. Mich hat das schon in Der Marsianer begeistern können. Ryland Grace ist Mensch und er verhält sich auch absolut menschlich. Trauer, Wut, Resignation und Freude sind Gefühle, die sich bei ihm abwechseln.
Oft begegnet er Rückschlägen oder offenbar ausweglosen Situationen mit einer guten Portion trockenen Sarkasmus, der auch den Leser immer wieder zum Lachen bringen kann. Das erinnert stark an Weirs Buch Der Marsianer, wirkt jedoch sehr realistisch und eben auch wieder menschlich, ohne kitschig oder gar fehl am Platze zu wirken.

Ich glaube, dass dieser Schreibstil wesentlich zum großen Erfolg der Bücher beigetragen hat. Dieser Humor wirkt nie aufgesetzt, sondern entsteht organisch aus der Figur heraus. Gerade in besonders angespannten Momenten sorgt er für kurze Entlastung – ohne die Dramatik zu mindern.
Die größeren Fragen hinter der Handlung
Neben der eigentlichen Handlung behandelt der Roman auch größere Fragen. Zum einen die Frage, welche Verantwortung wir als Menschen gegenüber unserem Planeten und den Fortbestand unserer Spezies haben. In Weirs Roman steht die Menschheit kurz vor einer globalen Katastrophe und damit verbunden, ihrer Auslöschung.
Der Roman zeigt auch, wie schnell einzelne Menschen an die Grenzen ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit kommen können, wenn man ihnen gigantische Aufgaben überträgt. Ryland Grace hat die Mission, die gesamte Menschheit vor dem Untergang zu retten (zum Glück nimmt er diesen Druck öfter mit Humor).
Und als letzter Punkt: Wie sehr können wir auf die Wissenschaft vertrauen? Was könnte die Menschheit alles leisten, würde sie nicht gegeneinander sondern miteinander an der Lösung von Problemen arbeiten? Vor diesen Fragestellungen ist Der Astronaut also auch ein Buch, das zum Nachdenken anregen kann.
Mein Fazit zu Der Astronaut

„Unbedingt lesenswert.“
Der Astronaut ist ein Science-Fiction-Roman, der Spannung, wissenschaftliche Neugier und emotionale Momente überzeugend miteinander verbindet. Andy Weir bleibt seinem Stil treu und zeigt erneut, wie gut sich komplexe naturwissenschaftliche Themen in eine packende und zugleich zugängliche Geschichte einbetten lassen. Besonders die Mischung aus Rätselstruktur, wissenschaftlicher Herangehensweise und der persönlichen Entwicklung des Protagonisten macht den Reiz des Romans aus. Dabei gelingt es Weir, den Leser nicht nur zu unterhalten, sondern ihn auch zum Mitdenken anzuregen.
Für mich war Der Astronaut eine durchweg spannende und erfrischende Lektüre, die ich innerhalb weniger Tage verschlungen habe. Ein Roman, der eindrucksvoll zeigt, wie fesselnd Science-Fiction sein kann, wenn sie klug erzählt und mit Leben gefüllt ist. Ich bin gespannt, wohin Andy Weirs nächste Reise führen wird.
Jay
Entdecke mehr von Bücher wie Sterne
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.






