Von Osten Ard nach Westeros – Tad Williams, George R. R. Martin und die Fantasyliteratur

Tad Williams und George R. R. Martin

Immer wieder hört man unter Fantasylesern und anderen, die es wissen müssen, es würde ohne Tad Williams‘ vortrefflicher Osten-Ard-Reihe keinen Eisernen Thron geben, keinen John Snow, nicht Daenerys, Tyrion Lannister oder gar den Kontinent Westeros.

George R. R. Martin, der Schöpfer der bekannten Reihe Das Lied von Eis und Feuer (aka A Game of Thrones), hält auch nicht hinter dem Berg mit seiner Begeisterung für Tad Williams großartiger Osten-Ard-Reihe, die im kommenden Jahr 2018 immerhin schon 30 Jahre alt wird.

The Dragonbone Chair is one of my favourite fantasy series. (George R. R. Martin)

Wäre es jedoch nach George R. R. Martin gegangen, hätte Tad Williams seine nun anstehende Fortsetzung der Trilogie ruhig bereits in den 90ern schreiben dürfen, anstatt drei Jahrzehnte zu warten.  Tad Williams hatte sich, nach jahrelangem Drängen seiner Fans, erst 2015 dazu entschieden, seine Osten-Ard-Reihe mit weiteren Büchern fort zu führen). Irgendwie schon komisch, denn Herr Martin ist ja jetzt auch nicht gerade als der schnellste Schreiber auf Gottes schöner Erde bekannt. In der Zeit, in der good old George ein millionenfach und sehnsüchtig erwartetes Buch schreibt zu schreiben versucht, veröffentlicht Meister Tad ganze Trilogien von Bestsellern, die bisher jedoch alle noch nicht verfilmt wurden. Doch obwohl sein Bekanntheitsgrad bei Weitem nicht so hoch ist, ist ihm nicht abzusprechen, dass er mit Osten Ard einen nachhaltigen und inspirierenden Einfluss auf George R. R. Martin und die Erschaffung von Westeros genommen hat. Blicken wir ein paar Jahre zurück…

J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe
Jubiläumsausgabe
Hobbit Presse/Klett-Cotta

In den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als das Twix noch Raider hieß (bis 1991), orientierte sich Fantasy in der Hauptsache am Werk des großen Meisters J. R. R. Tolkien, dem Schöpfer von Der Herr der Ringe und seinen weiteren Büchern, die ebenfalls in Mittelerde spielen. Natürlich gab es in den Büchern die typischen Elfen, Zwerge, Orks und viele andere Kreaturen, heldenhafte Helden mit hehren Zielen und gefährlichen Abenteuern, böse Drachen und vieles mehr. Jedoch kam nicht wirklich viel Inovatives auf den Markt, was das Fantasy-Genre verändern und seine Leser hätte aufhorchen lassen. Auch Tad Williams war (ebenso wie auch George R. R. Martin) unter diesen Lesern, immer auf der Suche nach neuen atemberaubenden Büchern (engl. mind-blowing), die seine Phantasie und das Genre um neue Aspekte bereichern. Er hatte als 11-jähriger vorher den Herr der Ringe mehrfach  verschlungen und benötigte niveauvollen Nachschub. Gefunden hatte er den damals wohl nicht.

 

I was looking for originality and what I was getting was warmed-over rehashes of Tolkien. (Tad Williams)

George R. R. Martin geht sogar so weit, dass es dem ganzen Fantasy-Genre in der damaligen Zeit gar einen schlechten Ruf bescheinigt, denn es bewegte sich nicht allzu viel. Was folgte, war Tad Williams eigener Versuch die Dinge zu ändern und selbst Fantasybücher zu schreiben, wie er sie sich vorstellte. Was schließlich im Jahr 1988 dabei herauskam, war The Dragonbone Chair , das erste Buch seiner Reihe Memory, Sorrow and Thorn (dt.: Das Geheimnis der großen Schwerter). Mit Osten Ard erschuf Williams eine Welt, die so detailreich war, dass man als Leser sofort in ihr gefangen wurde. In das Genre kam  neuer Schwung. Schon 1990 erschien der zweite Teil Stone of Farewell und später 1993 das letztes Buch der Reihe To Green Angel Tower, welches so dick war, dass es in zwei Teile geteilt wurde. So entstand eine Trilogie aus vier Büchern, die mitunter auch George R. R. Martin hellauf begeisterte. Sicher finden sich auch in seinen Büchern Elfen und Trolle, doch was die Handlung nun ausmachte war das stärkere politische Bewusstsein und seine Verstrickungen, die mehr in den Fokus gerückt wurden und die Handlung auf eine neue Ebene hob, weg von der bis dahin allzu abgedroschenen Mainstream-Fantasy. Etwas, das sich zweifellos in sehr hohem Maße auch in A Game of Thrones widerspiegelt. Beeindruckt von Tad Williams‘ Werk setzte sich schließlich auch Meister Martin an seinen DOS-PC und begann seine eigene Welt Westeros zu entwerfen. Der erste Band seiner Reihe, A Game of Thrones, erschien 1996 und bis heute ist sie nicht fertig gestellt, sehr zum Unmut der Millionen Fans. Es kann also durchaus behauptet werden, dass ohne Tad Williams‘ kreativer Vorarbeit die epische Saga um den Eisernen Thron vielleicht gar nicht entstanden wäre. Doch wer ist dieser Williams eigentlich genau?

Tad Williams: Der Drachenbeinthron
(c) Verlag Klett-Cotta

Tad Williams, eigentlich Robert Paul Williams, wurde in Palo Alto, Kalifornien, geboren und behielt seinen Rufnamen Tad. Er studierte ein Semester an der Universität, entschied sich dann jedoch es wieder abzubrechen. Er wollte immer kreativ sein und etwas erschaffen, schlug sich jedoch mit verschiedenen Jobs durch, zum Beispiel als DJ beim Radio, in Rockbands und beim Theater. Irgendwann fing er schließlich auch an zu schreiben und veröffentlichte 1985 erfolgreich sein erstes Buch The Tailchaser’s Song (dt.: Traumjäger und Goldpfote), ein Fantasybuch mit Katzen als Protagonisten. Danach folgten Osten Ard und zum Beispiel die Otherland-Reihe, die in Deutschland erfolgreicher war, als in den Vereinigten Staaten. Sie verschaffte ihm auch den weltweiten Durchbruch als Autor. In Deutschland gab es zur Otherland-Reihe sogar ein Hörspiel im Radio und tatsächlich gehört Deutschland zu den wichtigsten Märkten für seine Bücher, wie er irgendwann überraschend herausgefunden hat. Wir Deutschen wissen eben gute Fantasyliteratur zu schätzen. :D

Heute lebt Tad Williams noch in Kalifornien. Seine Frau Deborah ist geborene Britin und er hat zwei Kinder, sowie eine Vielzahl von Tieren um sich. Dem Regierungswechsel in Washington beobachtet er zwar mit Besorgnis, jedoch ist er zuversichtlich, dass auch diese Zeit gut vorübergehen wird.

Tad Williams: The Heart of What Was Lost, UK-Hardcover
Hodder & Stoughton (2017)

Anfang Januar 2017 erschien nun endlich, in englischer Sprache, die lange erwartete Fortsetzung seiner inzwischen schon legendären Osten-Ard-Reihe. The Heart of What Was Lost knüpft direkt an die Geschichte an, wie sie vor 20 Jahren endete und wir dürfen gespannt sein, was Tad Williams für seine Fans noch so alles bereithält, denn im April soll die zweite Osten-Ard Trilogie erscheinen. Die Trilogie heißt Der letzte König von Osten Ard und startet mit dem Buch Die Hexenholzkrone (The Witchwood Crown).

Jay

Quelle: The Guardian, 2017 (adaptiert)

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