Tad Williams: Die Hexenholzkrone (The Witchwood Crown)

Tad Williams: Die Hexenholzkrone (Band 1)
Hardcover, Klett-Cotta, 2017

Inhalt

Dreißig Jahre sind vergangen, seitdem die Nornen besiegt, der mächtige Sturmkönig Ineluki vernichtet und seine Armeen in alle Winde zerstreut wurden. Seither erlebte  der Kontinent Osten Ard einen dauerhaften Frieden unter ihrem Hochkönig Simon Schneelocke, dem ehemaligen Küchenjungen, und seiner Gemahlin Hochkönigin Miriamel, dem einzigen Kind des gefallenen Königs Elias. Doch das Alter zehrt sehr an ihrer Regentschaft. Simons Träume, die für ihn immer ein Wegweiser waren, haben ihn verlassen. Langjährige Verbündete sterben und überall drohen Verrat und Meuchelmörder. John Josua, Simons und Miriamels einziger Sohn und Erbe des Hohen Throns von Osten Ard, ist vor Jahren gestorben und hat dadurch tiefe Wunden in Simon und Miriamel hinterlassen, über die sie beide nur schwer hinwegkommen. Leider ist ihr Enkel Morgan, der jetzige Thronerbe ein Taugenichts und Verschwender, der lieber mit seinen Freunden zechen geht, als sich für die Belange des Throns zu interessieren.

Zur gleichen Zeit erwacht im hohen Norden des Kontinents, dort wo sich unter Schnee und Eis in ihrer Bergfestung die letzten der Nornen nach dem Krieg zurückgezogen haben, ihre grausame Königin aus einem jahrzehntelangen Schlaf. Sie war die Verbündete des Sturmkönigs und sinnt erneut auf Rache, um die Menschen endgültig zu vernichten und Osten Ard für ihr Volk zurückzugewinnen. Zauberkundige Nornen werden einen alten, lange getöteten Dämon wieder aufleben lassen und ihre Krieger begeben sich auf die Suche nach dem Blut eines lebendigen Drachens, um schließlich das mächtigste aller Artefakte, die Hexenholzkrone für sich zu gewinnen.

In diesen dunklen Zeiten liegt das Schicksal der Menschen in Osten Ard erneut in den Händen weniger, allen voran Prinz Morgan.

Zum Buch Die Hexenholzkrone gibt es eine Vorgeschichte unter dem Titel Das Herz der verlorenen Dinge (The Heart of What Was Lost), die ich bereits gelesen und rezensiert habe.

Tad Williams in Stuttgart
Oktober 2017

Über den Autor

Tad Williams ist am 14. März 1957 in San José in Kalifornien geboren, studierte in Berkeley und arbeitete anschließend in vielen verschiedenen Jobs – als Sänger, Schuhverkäufer, Zeitungsjunge, Radiomoderator, am Theater, beim Fernsehen, als Lehrer, in einer Computerfirma. Er schreibt neben Fantasy-Bestsellern Comics, Drehbücher und Hörspiele. Neben seiner Otherland-Reihe gehört der Mehrteiler um den Drachenbeinthron (Memory, Sorrow and Thorn) zu seinen erfolgreichsten Werken. Seine Trilogie Der letzte König von Osten Ard beginnt mit den Buch Die Hexenholzkrone (The Witchwood Crown) setzt die Geschichte um den Drachenbeinthron fort. In der deutschen Übersetzung erscheint das Buch in zwei Bänden mit unterschiedlichen Covern. Hier die Daten zu den Büchern

Titel: Die Hexenholzkrone (Band 1) (eng.: The Witchwood Crown) Autor: Tad Williams Verlag: Klett-Cotta (eng.: Hodder & Stoughton) Reihe: Der letzte König von Osten Ard (eng.: The Last King of Osten Ard) Seitenzahl: 745 Genre: High Fantasy Alter: 14+ Erste Aufl.: 20.12.2017 (eng.: 29.06.2017) Ausgaben: Hardcover, E-Book, Hörbuch (eng.: Hardcover, Taschenbuch, E-Book, Audiobook)
ISBN: 978-3608949537 (Dt. HC) Sonstiges: Karte, umfangreiches Personen- und Orteverzeichnis

Titel: Die Hexenholzkrone (Band 2) (eng.: The Witchwood Crown) Autor: Tad Williams Verlag: Klett-Cotta (eng.: Hodder & Stoughton) Reihe: Der letzte König von Osten Ard (eng.: The Last King of Osten Ard) Seitenzahl: 550 Genre: High Fantasy Alter: 14+ Erste Aufl.: 17.11.2017 (eng.: 29.06.2017) Ausgaben: Hardcover, E-Book, Hörbuch (eng.: Hardcover, Taschenbuch, E-Book, Audiobook)
ISBN: 978-3608961966 (Dt. HC) Sonstiges: Karte, umfangreiches Personen- und Orteverzeichnis

Tad Williams: Die Hexenholzkrone (Band 2)
Hardcover, Klett-Cotta, 2017

Meine Meinung

Über zwanzig Jahre hat es gedauert, bis Tad Williams schließlich doch beschloss seine erfolgreiche Reihe Das Geheimnis der großen Schwerter (engl.: Memory, Sorrow and Thorn), die Geschichte um den Drachenbeinthron, fortzusetzen. Die Reihe, die Mitte der 90er Jahre erschien, gehört für mich zum Besten, was epische High Fantasy zu bieten hat und hat zurecht viele Fantasy-Autoren und ihr Schreiben beeinflusst. Selbst George R. R. Martin gibt zu, dass in Tad Williams Dreiteiler im großen Maße inspiriert hat, Das Lied von Eis und Feuer (aka: A Game of Thrones) zu schreiben, und er ist bis heute ein großer Fan der Geschichte im Simon Schneelocke, dem Helden der Bücher.
Dass Tad Williams nun die Geschichte um Simon und Miriamel fortsetzt, sorgte weltweit für große Freude bei den Fans der Bücher. The Witchwood Crown ist das erste der Bücher und ich habe es natürlich, wenn auch etwas verspätet, gelesen. Im englischen Original natürlich.

Williams Schreibstil hat mich auch gleich von den ersten Seiten an wieder in den Bann gezogen. Er schreibt sehr ausführlich und beschreibt sehr detailliert sowohl die Orte des Geschehens, als auch die Ereignisse und Emotionen der Charaktere selbst. Ein wenig erinnert mich der Stil an Tolkien. Manche Passagen lesen sich ziemlich zügig, weil einfach viel passiert und man die Seiten dadurch verschlingt. Andere Passagen ziehen sich leider etwas. Zwar fallen einem dabei nicht die Augen zu, aber man hofft schon auf einen baldigen neuen Paukenschlag, der die Ereignisse wieder voranbringt. Dass die Spannungskurve immer mal wieder nach unten geht, muss man mögen, ebenso wie bei Tolkien, der sich schon mal über ein paar Seiten über die Farbschattierungen von Grashalmen auslassen kann (ganz übertrieben gesagt). Zwar ist es bei Tad Williams Schreibstil nicht allzu extrem ausgeprägt, aber es nimmt doch der Geschichte einigen Schwung, wie ich finde.
Nach Aussage des Autors soll man diese neue Reihe lesen können, ohne die Geschichte der ersten Reihe aus den 90ern zu kennen. Das mag möglich sein, allerdings wird immer wieder auf die Ereignisse der Vergangenheit Bezug genommen. Sehr oft findet man im Text Rückblicke und Geschichten, welche die aktuellen Bücher mit den alten verknüpfen sollen. Die Lektüre der ersten Reihe ist daher zu empfehlen (zumal sie sehr gut ist). Für Kenner der ersten Bücher könnten die Rückblicke jedoch mit der Zeit etwas nervig sein.

Tad Williams: The Witchwood Crown
US-Hardcover,
Tor Verlag, 2017

Über die Charaktere und deren Entwicklung scheiden sich anscheinend die Geister der Leserinnen und Leser. Nach Lektüre einiger Rezensionen kann ich zum Teil zustimmen, dass sich in dieser Hinsicht bei Simon und Miriamel innerhalb von 30 Jahren anscheinend wenig getan hat. Simon war mir bisweilen zu charakterschwach im Vergleich zu seiner Frau Miriamel, die in der Beziehung offenbar die Hosen anhat. Mich hat das Getue von Miriamel zum Teil etwas genervt, muss ich sagen und ich hoffe, dass Simon in den kommenden Büchern noch mehr aus sich herauswächst und sich gegenüber seiner Frau stärker behauptet. Schön ist das Wiedersehen mit alten Freunden und Lieblingscharakteren aus der ersten Reihe, allen Voran Sisqi und Binabik, die auch in der neuen Reihe eine Rolle spielen. Dass alle Charaktere ein wenig in die Jahre gekommen sind, hebt natürlich die Geschichte von der alten Reihe ab, denn der Fokus verlagert sich dadurch mehr auf die neuen Protagonisten, wie zum Beispiel Prinz Morgan, dem geheimnisvollen Jarnulf und den jungen Troll Little Snenneq, Binabiks Schwiegersohn.

Die Handlungsschauplätze wechseln ziemlich häufig, da Tad Williams schon im ersten Buch eine Vielzahl von Handlungssträngen beginnt. Er springt von den Ereignissen um Simon und Miriamel im Hochhorst kreuz und quer durch Osten Ard. Neu ist, dass die geheimnisvollen Nornen im hohen Norden des Kontinents mehr in den Fokus geraten. Man bekommt einen guten Einblick in die Kultur des verhassten Elfenvolkes, die in den Büchern der ersten Reihe noch sehr zurückhaltend gegeben wurden. Dadurch entzaubert Williams die Nornen ein ganzes Stück und schafft sogar interessante Protagonisten und Antagonisten, die dem Klischee des bösen, kaltherzigen Nornen in seiner dunklen Bergfestung so gar nicht entsprechen. Die eindeutige Trennung zwischen Gut und Böse, die vor 25 Jahren noch offenkundig war, gibt es nun nicht mehr, was der Geschichte einige interessante Impulse gibt. Für mich die vielversprechendste Charakterin ist in diesem Zusammenhang die Nornin Nezeru, die im Verlauf der Geschichte eine interessante Charakterentwicklung durchmacht und sich langsam zu einer meiner Lieblingscharaktere entwickelt.
Weitere Schauplätze der Handlung sind die Reiche Rimmersgard, Hernystir und Nabban, sowie die weiten Grasebenen des Thrithing mit seinen wilden Reiterclans und natürlich das Reich der Elfen im dunklen Wald Aldheorte (Altherz). Natürlich gibt es mit den Elfen der ersten Bücher ebenfalls ein Wiedersehen.
Der häufige Wechsel der Schauplätze erinnert sehr an Goerge R. R. Martins Bücher. Zum einen unterstreicht Williams damit den epischen Charakter seiner Bücher, zum anderen ist es für die Leser aber auch eine Geduldsprobe wenn ein Handlungsstrang mit einem Cliffhanger endet und erst nach vielen Seiten wieder aufgegriffen wird.

Der Schluss des Buches ist natürlich weitgehend offen, was bei einer Trilogie zu erwarten war. Vor wenigen Tagen erschien der zweite Band Empire of Grass, sodass ich gleich nahtlos das nächste Buch anschließen kann.

4 von 5 Sternen
„Ein guter Start.“

Mein Fazit

Trotz einiger Kritikpunkte an The Witchwood Crown, hat mir das erste Buch der neuen Reihe recht gut gefallen. Im Vergleich zum ersten Buch der ersten Trilogie Der Drachenbeinthron beginnt die Handlung jedoch relativ schleppend und steigert sich langsam zu einem hoffentlich großen Finale im letzten Band der Reihe. Der Schreibstil ist ausführlich, die Handlung episch mit vielen Handlungssträngen, und die Charaktere in jedem Fall ausbaufähig. Ich bin gespannt, was der zweite Teil der Reihe bringt.

Ich habe das Buch im englischen Original gelesen. Das Niveau ist angemessen hoch, ein Wörterbuch wird bisweilen empfohlen. Insgesamt lässt sich The Witchwood Crown jedoch recht gut lesen.

Jay

 

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