3. August 2021

Stargazer: das letzte Artefakt von Ivan Ertlov

Ivan Ertlov: Stargazer: das letzte Artefakt, Belle Epoque Verlag, 2021

2000 Jahre sind vergangen, seit die vereinten raumfahrenden Völker unseres Spiralarmes ihre ultimative Nemesis in einem heldenhaften Abwehrkampf besiegen konnten. Eine aggressive, skrupellose Spezies breitete sich immer weiter aus, vernichtete ganze Zivilisationen. Erst ein aus Verzweiflung geborener Genozid, die totale Vernichtung ihres Heimatsystems und aller größeren Kolonien, konnte die verhassten Aggressoren stoppen. Frank Gazer ist einer ihrer Nachfahren – doch er hat kein Interesse, der Menschheit und der Erde nachzuweinen oder den Verlust einstiger Macht zu betrauern. Er ist ein Prospektor, mit Leib und Seele.

Während der Kalte Krieg zwischen zwei konkurrierenden Sternenreichen immer schneller eskaliert, macht er sich auf den Weg zu einem lukrativ erscheinenden Kometen. Doch der Irrläufer beherbergt ein Geheimnis, das nicht nur Franks Schicksal, sondern auch jenes von tausenden Welten besiegeln kann … (Klappentext)

Titel: Stargazer: das letzte Artefakt Autor: Ivan Ertlov Verlag: Belle Epoque Reihe: After Terra #1 Seitenzahl: 380 Genre: Science Fiction Alter: 16+ Erste Aufl.: 10. April 2021 Ausgaben: Taschenbuch, E-Book ISBN: 978-3963572500 (TB) Folgeband: Stargazer: Neue Heimat – Alte Feinde

Meine Meinung zu Stargazer: das letzte Artefakt

Es ist schon einige Zeit her, dass ich mich beim Lesen eines Science-Fiction-Romans so amüsiert habe, wie bei Stargazer: das letzte Artefakt von Ivan Ertlov. Doch guter Schreibstil allein macht noch keinen guten Roman, wenn Charaktere und Handlung den Leser nicht mitreißen können. Das alles ist dem Autor recht gut gelungen. Hier meine Rezension zum Buch.

Schneller Einstieg in eine facettenreiche Welt

Stargazer: das letzte Artefakt konnte mich schon mit seinen ersten Seiten in die Geschichte ziehen. Die Welt, die Ivan Ertlov beschreibt, ist sehr vielschichtig, voller komplizierter Namen und seltsamer nicht-menschlicher Rassen. Trotzdem kommt man ohne große Verwirrung schnell hinter die Zusammenhänge. Man lernt ganz nebenbei die Lebensformen kennen, sowie ihre Vorlieben und Gebräuche ohne erst groß in irgendwelchen Glossaren nachschlagen zu müssen. Trotz seiner Vielschichtigkeit ist Ertlovs Universum recht schnell zu verstehen, was nicht zuletzt an der klaren, unkomplizierten Sprache liegt. Man kann direkt erahnen, wie viel Spaß der Autor bei der Erschaffung der unterschiedlichen Spezies, deren Mentalität, Vorlieben und auch geschichtlichen Hintergründe hatte. Beim Lesen fällt es zudem überhaupt nicht schwer, sich die Charaktere (menschlich und nicht-menschlich) vorzustellen, ihre Wesenszüge und ihr Verhalten zu verstehen und zu mögen (oder immer wieder lachend den Kopf zu schütteln). Schon nach den ersten Kapiteln ist man mittendrin in einem spannenden Weltraum-Abenteuer, das immer wieder neue Überraschungen für die Leser bereithält. Gut fand ich auch, dass Ertlov nicht einfach einen Rahmen für die Geschehnisse vorsetzt, sondern dass er dazu auch eine vieltausendjährige Vorgeschichte erdacht hat, die so ganz nebenbei mit einfließt und zum Nachdenken anregt. Dabei findet sich auch immer wieder die eine oder andere Gesellschaftskritik, Verweise in die heutige Zeit, die meist humorvoll und fast immer auf den Punkt vorgebracht wird. Mir hat das gut gefallen.

Sympathischer waren da schon die Söhne Obamas, die vor allem Frieden durch Drohnenschläge predigten (…) und natürlich die Zeugen Merkels, die in roten Westen ihre Schellen aneinanderschlugen und „Wir schaffen das!“ brüllend durch die Viertel zogen.

Ivan Erlov – Stargazer: das letzte Artefakt, Kapitel 2

Von Menschen und weitaus besseren Spezies

Wer glaubt, die menschliche Rasse spielt in Erlovs Universum eine tragende Rolle, der irrt gewaltig. Menschen kommen schon vor, sind jedoch eher die Außenseiter in der Handlung. Tatsächlich schauen die überlegenen Spezies eher verächtlich und misstrauisch auf die Abkömmlinge der Erde (die zu aller Freude nicht mehr existiert). Die menschliche Rasse ist also eher von geringer Bedeutung für das galaktische Leben und eignet sich bestenfalls für die Drecksarbeit in irgendwelchen Minen oder als Hauptgang für ein Festessen. Mit diesem zunächst etwas ungewöhnlichen Konzept muss man erst einmal klarkommen.

Frank Gazer ist der menschliche Protagonist der Geschichte. Er ist kein Superheld und auch nicht sonderlich mutig, aber er hat Ziele, ist anständig und ehrlich und steht hinter seiner Crew (die manchmal auch darüber nachdenkt ihn zu verspeisen). Nach und nach entwickelt sich die Gruppe (bestehend aus vier verschiedenen Spezies) zu einer echten Mannschaft, die zusammen durch dick und dünn geht. Das hat mir gefallen.

Wie schwer es die noch verbliebenen Abkömmlinge Terras in der Gesellschaft habe, zeigen die Auszüge aus der „Lex Humanitas“ in jedem Kapitel, einem Gesetzeswerk, das den Umgang mit und die Rechte von Menschen eindeutig regelt. Die Auswirkungen auf die Handlung ist bisweilen ziemlich witzig. Aber lest selbst, was unseren Nachfahren in einigen tausend Jahren blühen wird, sollte Ertlovs Geschichte einmal wahr werden.

Interessant fand ich auch, dass zwar ständig auf den Verfehlungen der menschlichen Rasse mit dem Finger gezeigt wird, jedoch bei genauerer Betrachtung die anderen Spezies in der Geschichte eigentlich keinen Deut besser sind und mindestens ebenso viel Dreck am Stecken haben. Ich will an dieser Stelle allerdings nicht zu viel verraten.

Gesellschaftskritik amüsant verpackt

Die Handlung von Stargazer: das letzte Artefakt strotzt nur so von mehr oder weniger offenen Anspielungen auf Politik und Zeitgeschehen unserer Zeit. Selbst Filme, Bücher und eine ganze Reihe Prominenter fanden ihren Einzug in den Text. Auf manchmal mehr und manchmal weniger subtile Art und Weise legt der Autor einen Standpunkt dar (siehe obiges Zitat) und trifft dabei auch immer den Nagel auf den Kopf. Dazu kommen Wortneuschöpfungen wie zum Beispiel das Element „Chucknorrisium“, welches tatsächlich härter sein soll, als ein Diamant. Warum sich ein männliches Wesen jedoch eine sogenannte „Fellatioforelle“ im Aquarium hält, darüber darf jeder selbst Vermutungen anstellen… auch der Autor überlässt das ganz der Fantasie seiner Leserinnen und Leser.
Es sind die vielen kleinen Anspielungen, die einen beim Lesen immer wieder schmunzeln lassen. Andererseits muss Ivan Ertlov auch aufpassen, den Bogen dabei nicht zu überspannen, damit es nicht zu sehr ins Kitschige abdriftet.

Mir hat gefallen wie Ivan Ertlov nicht nur Witz und Humor in seine Handlung einfließen lässt, sondern auch immer wieder starke Emotionen und ernste Passagen, die einen zum Nachdenken anregen. Auch wenn ich manche Dinge etwas seltsam fand und mir auch nur schwer vorstellen konnte, vor allem sexuelle geprägte Beziehungen zwischen gänzlich unterschiedlichen Spezies, so fühlte ich mich dennoch bis zur letzten Seite des E-Books gut unterhalten. Der Schluss lässt zudem Raum für weitere Bücher, die hoffentlich irgendwann noch nachfolgen werden.

Mein Fazit zu Stargazer: das letzte Artefakt von Ivan Ertlov

4.5 von 5 Sternen „Spannend, humorvoll und aktionsgeladen.“

Die vielen guten Ideen des Autors und die fesselnde Umsetzung machen Stargazer: das letzte Artefakt zu einem spannenden und lesenswerten Roman, der sich mit einigem Humor und Gesellschaftskritik köstlich von der großen Masse anderer Science-Fiction-Romane abhebt. Es ist sicherlich kein Buch, dass man in dieser Form häufig in den Regalen finden wird und dessen Schreibstil man oft begegnen wird. Aber gerade dies ist eine positive Abwechslung im oftmals sehr ernstem und Technik-beladenem SciFi-Genre. In diesem Buch stehen die Charaktere mehr als alles andere im Mittelpunkt und ich bin gespannt, wie es mit der Geschichte weitergehen wird. Für alle SciFi-Fans gibt es daher an dieser Stelle eine klare Leseempfehlung.

An dieser Stelle möchte ich mich bei Skoutz für das Rezensionsexemplar (E-Book) bedanken.

Jay

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