It’s not about A Game of Thrones anymore, it’s about A Game of Money!

George R. R. Martin 2017 auf dem SF-Worldcon 75 in Helsinki

Neulich las ich im Newsletter von Lovelybooks.de den Satz „Der Großmeister der Fantasy kehrt zurück.“ Damit gemeint war good old George Raymond Richard Martin (GRRM), geistiger Vater der Gelddruckmaschine A Game of Thrones. Man sollte ihn jedoch nicht verwechseln mit dem Großmeister der Fantasyliteratur schlechthin, John Ronald Reul Tolkien. Zwar haben beide die zwei „R“ in ihrem Namen gemeinsam, sonst aber eigentlich nichts. Oder doch? Während Martin nun seit August 1996 an seinem bekannten Fantasyepos herumdoktert, hat es Tolkiens Frodo innerhalb von nur zwei Jahren geschafft seinen Ring in den Vulkan zu werfen. Während sich die Kameraden der Nachtwache zusammen mit Stannis Baratheon seit Jahren an der Mauer tatenlos die Ärsche abfrieren (seit A Dance with Dragons (2011) ist ja quasi nichts mehr passiert), ist im Auenland mittlerweile schon sieben Mal der Frühling eingezogen. Tolkien hat es geschafft sein berühmtes Werk, Der Herr der Ringe, innerhalb von wenigen Jahren zu schreiben und Martin kommt vor lauter Geldzählen (und zig anderer Fürze im Kopf) nicht in die Pötte. Vor ein paar Jahren habe ich mir noch echte Sorgen darum gemacht, ob George das Ende seiner Schöpfung selbst noch miterleben wird (am 20. September 2018 wurde der Gute immerhin schon 70). Inzwischen glaube ich jedoch nicht mehr daran, dass ICH SELBST das Ende noch erleben werde (und ich bin immerhin 25 Jahre jünger als der umjubelte „Großmeister“).
Martin hat vermutlich kein Interesse mehr daran die letzten beiden Bücher der Reihe A Game of Thrones zu schreiben. Warum auch? Inzwischen hat die (wirklich gut gemachte) HBO-Fernsehserie die Handlung in den Büchern überholt, was der Grund ist, weshalb ich sie nicht weiterschaue, denn eine Verfilmung kann niemals so gut und detailgenau sein, wie ein Buch. Warum sollte also Martin die lesefaule Fangemeinde mit zwei weiteren 1.000-Seiten-Wälzern herausfordern, wenn man das Ende seiner Westeros-Soap inzwischen bequem mit einer Tüte Chips und einer Flasche Bier in der Hand vor der Flimmerkiste verfolgen kann? Für George R. R. Martin besteht auch schon lange keine finanzielle Notwendigkeit mehr hier tätig zu werden, denn er geht inzwischen den gleichen Weg, wie Joanne K. Rowling, der Erfinderin von Harry Potter. Er hat es geschafft, dass auch ohne sein Zutun ein nie enden wollender Geldstrom in seinen Geldspeicher fließt. Dabei machen die Erlöse aus dem Buchverkauf sicher noch den geringsten Anteil aus, denn er verdient an allem mit, wo A Game of Thrones drauf steht: T-Shirts und Strickpullover, Kaffeetassen und Bierkrüge, USB-Sticks und Mousepads, Puzzlespiele und Frühstücksbrettchen, Stofftaschen und Uhren,… die Liste lässt sich fast endlos fortsetzen (gebt bei Google nur mal „A Game of Thrones Merchandise“ ein). Wer muss da also noch Bücher zu schreiben, um Geld zu verdienen?

George R. R. Martin: Feuer und Blut, Broschierte Ausgabe
Blanvalet, 2018

Ich würde es ja echt verstehen, wenn Multimillionär Martin von der Bildfläche verschwinden würde und er sagen würde „Das war’s, Leute. Sorry, keine Lust mehr.“ Von seinem Einkommen können Generation leben, ohne jemals wieder arbeiten zu müssen, aber das tut er nicht. Er schreibt ein Buch nach dem anderen, als hätte er es nötig. Nur leider nicht die Bücher, auf die die meisten seiner Fans warten. Natürlich sagen jetzt einige, „Moment, das Schreiben ist halt seine Leidenschaft und sein Lebensinhalt,“ aber wenn das so ist, warum setzt er sich dann nicht auf seinen dicken Hintern und bringt endlich The Winds of Winter in die Buchläden? DAS sollte er mal seinen Fans erklären. Vor wenigen Tagen erschien mit Feuer und Blut (rechts) der erste Band der „epischen Vorgeschichte“ zu A Game of Thrones (Das Lied von Eis und Feuer). Es wird also mal wieder episch. Inhalt ist die Geschichte des Hauses Targaryen, die 300 Jahre vor A Game of Thrones spielt. Man kann beruhigt davon ausgehen, dass es wieder mehrere Bücher werden und sich in der Zwischenzeit die wackeren Kameraden der Nachtwache an der Mauer noch weitere Jahre ihre schwarzen Zipfel abfrieren, bevor endlich alle sterben werden und es Frühling werden kann. Vermutlich ist die Mauer bis dahin auch geschmolzen und Cersei Lannister eine verschrumpelte Greisin. Es besteht jedoch noch Hoffnung, dass alles gut wird. Sollte es doch nichts mehr damit werden, dann bleibt immer noch als letzte Rettung der Held aller verzweifelten Fantasy-Fans: Brandon Sanderson. Er wird nach Robert Jordans Das Rad der Zeit bestimmt auch diese Reihe beenden, sollte George vorher wegen einem übergroßen Big Mac oder dem sperrigen Knochen eines T-Bone-Steaks im Hals das Zeitliche segnen.

George R. R. Martin: The Winds of Winter (ET: unbekannt)
Mögliches Cover

Ganz ehrlich, mir geht das inzwischen echt auf den Senkel, dieses Getue um den „Großmeister George Martin“, der bei seiner eigenen Buchreiche entweder den Faden völlig verloren hat (was ich vermute) oder schlichtweg keinen Bock mehr hat sie zu beenden (was ich befürchte).
Manche Leute werden jetzt sagen, es wäre ja schließlich seine Sache, ob er die Reihe fertig schreibt oder nicht, und wir dürften nichts dergleichen von ihm erwarten oder gar fordern. Ich hingegen sage aber, dass es inzwischen Martins verdammte und unverhandelbare Pflicht ist genau das zu tun. Nämlich Verantwortung für das Wohl seiner Fans zu übernehmen, die seit Jahren seine Bücher in den Himmel loben, jede einzelne Folge der HBO-Serie mehrmals gesehen haben, stundenlang in den Signierschlangen anstehen und die ihm zum Teil seit über 20 Jahren die Treue halten. Millionen Fans warten auf die Bücher, doch George R. R. Martin hält sie seit Jahren hin. Schlimmer noch, er greift der Handlung in der HBO-Serie vor und spoilert damit seine eigenen Bücher. Erbärmlich. Durch HBO wurden seine Charaktere einem Millionenpublikum bekannt was ihn stinkreich machte, doch die Filme sind kein guter Ersatz für die geschriebenen Werke und können es auch nicht werden.
Ich weiß nicht, ob und wann ich wieder ein Buch von ihm lesen werde. Am liebsten wäre es mir, das nächste würde The Winds of Winter heißen und nicht wieder irgendeine neu ausgedachte Westeros-Geschichte sein, die aktuell niemand wirklich braucht. Ich bin es inzwischen leid zu warten und zu hoffen. Ganz offensichtlich geht es schon lange nicht mehr um die Buchreihe A Game of Thrones oder die zahlreichen Fans, sondern nur noch um Gewinnmaximierung und die Vermarktung des Titels. Schön für Martin, traurig für die Leser. Was mich betrifft, ich wende mich anderen Autorinnen und Autoren zu, schließlich gibt es da noch so einige mehr, die es wert sind gelesen zu werden.

For god’s sake George, stop counting money and do your work!

Jay

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