29. Oktober 2020

Der Name des Windes von Patrick Rothfuss

Patrick Rothfuss: Der Name des Windes, Hardcover, Hobbit Presse/Klett-Cotta, 2018

Vielleicht habt ihr von mir gehört“ … von Kvothe, dem für die Magie begabten Sohn fahrender Spielleute. Das Lager seiner Truppe findet er verwüstet, die Mutter und den Vater tot – „sie haben einfach die falschen Lieder gesungen“. Wer aber sind diese Chandrian, die weißglänzenden, schleichenden Mörder seiner Familie? Um ihnen auf die Spur zu kommen, riskiert Kvothe alles. Er lebt als Straßenjunge in der Hafenstadt Tarbean, bis er auf das Arkanum, die Universität für hohe Magie aufgenommen wird. Vom Namenszauber, der ihn als Kind fast das Leben gekostet hätte, erhofft sich Kvothe die Macht, das Geheimnis der sagenumwobenen Dämonen aufzudecken.

Im Mittelpunkt dieses Leseabenteuers steht ein großer Magier und leidenschaftlicher Wissenschaftler, ein Musiker, dessen Lieder die Sänger zum Weinen bringen … und ein schüchterner Liebhaber. (Quelle: Thalia)

Titel: Der Name des Windes (The Name Of The Wind) Autor: Patrick Rothfuss Verlag: Hobbit Presse/Klett-Cotta (DAW Books) Reihe: Königsmörder-Chroniken #1 Seitenzahl: 864 (672) Genre: Fantasy Alter: 16+ Erste Aufl.: 2008 (27. März 2007) Ausgaben: Hardcover, Taschenbuch, E-Book, Hörbuch ISBN: 978-3608938159 (HC) Sonstiges:Folgeband: Die Furcht des Weisen (The Wise Man’s Fear)

Über den Autor von Der Name des Windes

Patrick Rothfuss, Autor von Der Name des Windes, auf der Buchmesse in Leipzig 2015
Patrick Rothfuss auf der Leipziger Buchmesse 2015

Patrick Rothfuss wurde am 06. Juni 1973 in Madison, Wisconsin (USA) geboren. Ab 1991 studierte er an der Universität Wisconsin-Stevens Point und später an der Washington State University, die er mit einem Master of Arts abschloss. Seit seiner Rückkehr nach Wisconsin lehrt er dort an der Universität als Dozent das Fach Englisch. Im Jahr 2007 veröffentlichte er seinen Debütroman Der Name des Windes, der schnell zum internationalen Bestseller wurde und für den er inzwischen auch mehrfach ausgezeichnet wurde. Das Buch ist der erste Teil der dreiteiligen Königsmörder-Chroniken, die bis Sommer 2020 noch nicht fertiggestellt wurde.

Von Der Name des Windes erschien am 19. September 2020 eine illustrierte Sonderausgabe bei der Hobbit Presse/Klett-Cotta, die ich in einem separaten Beitrag ausführlich vorstelle.

Meine Meinung zu Der Name des Windes

Ich weiß nicht, wie lange Der Name des Windes schon auf meinem SuB darauf wartete gelesen zu werden. Für dieses Jahr habe ich mir einige Buchreihen vorgenommen, die endlich einmal lesen wollte und dazu gehören auch die Bücher von Patrick Rothfuss. Ich habe den Autor auf dem Loncon 3 in London (2014) persönlich kennenlernen dürfen und freue mich, dass ich nun auch die Bücher gelesen habe.

Einfache Sprache, überzeugende Handlung

Patrick Rothfuss: Der Name des Windes, illustrierte deutsche Luxusausgabe, Hobbit Presse/Klett-Cotta, September 2020

Ich habe vor Der Name des Windes eine ganze Reihe Bücher von Robin Hobb gelesen. Wer die Autorin kennt, weiß um ihre detailreiche Sprache, die ausschweifenden Ausführungen, die tiefgängigen Charakterbeziehungen und die facettenreichen Charaktere ihrer Bücher. Bücher von Robin Hobb zu lesen, bedeutet tief in eine Fantasywelt einzutauchen und alles um sich herum zu vergessen. Liest man direkt im Anschluss Der Name des Windes von Patrick Rothfuss, dann sieht man die Unterschiede mehr als deutlich und ist vielleicht sogar ein wenig enttäuscht…

Auch Rothfuss vermag seine Leserinnen und Leser in den Bann zu ziehen, jedoch ist die Sprache einfacher gehalten, die Charaktere sind weniger detailreich und die Charakterbeziehungen weitaus oberflächlicher beschrieben, als es bei Robin Hobb der Fall ist. Das muss nicht automatisch schlecht sein. Die Geschichte liest sich flüssig und auch die Charaktere sind durchaus liebenswert und überzeugend skizziert. Wofür Robin Hobb bestimmt zwei Bücher bräuchte, schafft Patrick Rothfuss in einem und ich komme mit beiden gut klar. Sowohl mit einem detailreichen, ausschweifenden Schreibstil, als auch mit Pats eher minimalistisch ausgelegter Erzählweise, in der ein Ereignis quasi das andere jagt, ohne dass dazwischen große Längen zu finden wären – meistens. Pats Handlung schreitet munter voran und man merkt vor allem an Kvothes Zeit an der Universität, dass der Autor sehr eng mit dieser Institution verbunden ist. Das hat mir gefallen.

Die Idee hinter Der Name des Windes finde ich gut, auch wenn sie letztendlich nicht gänzlich neu ist. Der junge Protagonist (Kvothe) findet seine Familie von mächtigen Feinden (Chandrian) ermordet und schwört Rache. Um sein Ziel zu erreichen, macht er sich nicht nur auf die Suche, sondern eignet sich im Laufe der Handlung auch einige überaus nützliche Fähigkeiten an. Er erlernt Magie an der Universität und spielt unbeschreiblich gut auf seiner Laute, was er sich im Selbststudium aneignet. Patrick Rothfuss gibt sich Mühe seiner Handlung eine überzeugende Hintergrundgeschichte zu geben. Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat, ist die Art und Weise, wie in den Büchern Magie gewirkt wird.

Größtenteils oberflächliche Charaktere und Charakterbeziehungen

So schön und flüssig sich die Handlung lesen lässt, so unscheinbar sind auch viele der Charaktere und hier liegt auch mein großer Kritikpunkt an Der Name des Windes. Viele Personen werden allenfalls oberflächlich beschrieben, von Kvothe mal abgesehen. Ich hätte gerne mehr über sie gewusst, zumal einige Personen durchaus wichtig für die Handlung sind. Da wären die einzelnen Meister an der Universität zu nennen, Kvothes Freunde, allen voran Denna und auch Auri (der Patrick Rothfuss eine eigene Kurzgeschichte mit dem Titel Die Musik der Stille gewidmet hat).

Patrick Rothfuss ist bemüht, doch ihm fehlen schlichtweg die Worte seinen Charakteren das Leben einzuhauchen, das sie zu mehr als nur Nebendarstellern macht. Hier hat der Autor in meinen Augen viele Chancen vertan, aber es sei ihm verziehen, da es sein Debütroman ist und schließlich wächst man mit den Aufgaben.

Was mir jedoch überhaupt nicht in den Kopf will, sind manche irrationalen Handlungen von Kvothe. Einerseits wird er als überaus gewitzt und intelligent dargestellt, andererseits verhält er sich aber leider nicht immer sonderlich klug. Er macht Schulden bei einer Geldverleiherin, die ihm pro Monat (!) 50 % Zinsen abverlangt. Kvothe, der eigentlich ständig knapp bei Kasse ist, zahlt die Schulden aber nicht komplett zurück, als er es könnte, sondern beschränkt sich auf die Begleichung der Zinsen. Kann ich nicht nachvollziehen. Weiterhin spielt er sehr gut Laute und sagt selbst, dass man damit gutes Geld verdienen könnte, dennoch nutzt er sein musikalisches Können kaum, um seine Finanzen aufzubessern. Ich kann das beim besten Willen nicht verstehen, warum er dann sein Können nicht stärker nutzt, um Geld zu verdienen.

Kvothe blickt auf die Universität, Künstler: Marc Simonetti
Druck auf den Vorsatzpapieren der illustrierten Ausgabe

Der Spannungsbogen fällt in dem Moment ab, als etwa bei der Hälfte des Buches die liebreizende Denna kennenlernt. Ein geheimnisvolles Mädchen, das ihn mag, aber immer wieder zurücklässt. Für meinen Geschmack nimmt die etwas seltsame Beziehung zwischen Kvothe und Denna ziemlich viel Schwung aus der Geschichte. Kvothes ständige Gedanken an Denna interessierten nach einigen Kapiteln einfach nicht mehr. War die erste Hälfte des Buches noch sehr gut, fand ich die zweite Hälfte eher durchschnittlich. Patrick Rothfuss konnte den Spannungsbogen in meinen Augen nicht bis zum Schluss hochhalten. Es war nun nicht so, dass mich die zweite Hälfte gelangweilt hätte, aber sie konnte mich nicht mehr so fesseln, wie der Anfang.

Und was sagen die Kritiker zu Der Name des Windes?

Für mich ist Der Name des Windes die überzeugendste Fantasy seit Tolkiens Der Herr der Ringe

Denis Scheck in seiner ARD-Sendung druckfrisch am 08. Oktober 2008

Da lässt sich sicherlich drüber streiten. Auch wenn mich Patrick Rothfusses Debütroman insgesamt überzeugen konnte, gibt es durchaus eine ganze Reihe anderer Fantasywerke, die in meinen Augen eher an HDR heranreichen als Der Name des Windes. Doch ganz unabhängig davon (denn über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten), kann ich Denis Scheck nicht ausstehen und aus diesem Grund gebe ich auch auf seine Meinung keinen Fliegenschiss. Irgendwie wollte ich das schon immer einmal loswerden und dies ist gerade die beste Gelegenheit dazu. Ich wage sogar zu behaupten, dass Herr Scheck weder Der Herr der Ringe noch eine Vielzahl bekannter Fantasybücher jemals gelesen hat, um überhaupt solche gewagten Vergleiche anstellen zu können.

Viele weitere Kritiker loben Patrick Rothfusses Erstlingswerk zu Recht, denn es ist wirklich nicht schlecht geworden. Dennoch konnte mich das Buch nicht durchweg in allen Punkten überzeugen. Ich setze jedoch große Hoffnungen in die Fortsetzung und dass sie mich ebenso mitreißen kann wie Der Name des Windes es anfangs konnte.

Mein Fazit zu Der Name des Windes

4 von 5 Sternen „Ein solider Fantasyroman.“

Schon lange wollte ich dieses Buch lesen und es hat sich gelohnt. Patrick Rothfuss erschafft eine glaubwürdige Welt mit einem interessanten Magiesystem und guten Charakteren. Die Charaktertiefe und die Handlung leidet leider etwas unter dem allzu flüssigen Erzählstil, der oftmals etwas oberflächlich wirkt. Die Sprache ist einfach gehalten und erinnerte mich vom Anspruch eher an ein Jugendbuch, als an ein Werk für Erwachsene. Dennoch konnte der Autor mich überzeugen und ich habe das Buch gerne gelesen. Es ist ein solider Fantasyroman und ich bin gespannt auf den nächsten Teil Die Furcht des Weisen.

Jay

4 Gedanken zu “Der Name des Windes von Patrick Rothfuss

  1. Hallo Jay,
    den Kollegen Scheck magst Du ja überhaupt nicht, was ist denn da vorgefallen?

    „Der Name des Windes“ habe ich 2012 gelesen und war recht angetan von seinem ruhigen aber nicht langweiligen Schreibstil. Die Fortsetzungen liegen noch im Regal und warten auf mich, wie so viele andere auch…

    Viele Grüße

    Wolfram

    1. Hallo Wolfram,

      ich kann seine arrogante Art nicht ab und ich mag keine Leute, die Bücher demonstrativ in den Müll werfen, wenn sie einem nicht gefallen. Mit welcher Berechtigung nimmt sich Herr Scheck heraus zu urteilen, was in den Müll gehört und was nicht? Hinter jedem Buch steckt viel Schweiß und Arbeit eines Autors oder einer Autorin. Selbst ich würde ein Buch nie dermaßen abwerten, denn es wird auch immer Menschen geben, denen gefällt, was mir persönlich überhaupt nicht zusagt. Ich versuche das in meinen Rezensionen auch immer wieder klarzustellen.

      Der Schreibstil von Patrick Rothfuss ist tatsächlich sehr poetisch und nicht langweilig. Vor allem die erste Hälfte des Buchs fand ich richtig super, als sich Kvothe als Bettler in der großen Stadt durchschlagen musste und seine ersten Wochen an der Universität.
      Mir hat nur ein bisschen gestört, dass manche Dinge in der zweiten Hälfte etwas zu schnell abgehandelt wurden oder auch zu „glatt“ verlaufen sind. Das wirkte manchmal etwas konstruiert. Dennoch freue ich mich auf die Fortsetzung und auch auf die Auri-Geschichte „Die Musik der Stille“.

      Viele Grüße
      Jay

  2. Hallo Jay
    Interessant zu lesen, wie „Der Name des Windes“ auf dich gewirkt hat. Ich war von Beginn an von der Poetik in Rothfuss‘ Sprache und der cleveren Story gepackt. Nun ist meine Lektüre einige Jahre her, aber ich werde meine Erinnerung bald auffrischen. Denn letzte Woche ist die neue illustrierte Luxus-Sonderausgabe bei mir eingetroffen. Was für ein bibliophiler Schatz!

    Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß mit Kvothe und drücke uns allen die Daumen, dass der Autor die Story bald fortsetzt.

    Liebe Grüße
    Sandra

    1. Hallo Sandra,

      die illustrierte Luxusausgabe habe ich auch bereits hier im Regal stehen. Dazu kommt demnächst noch ein separater Beitrag, wo ich die ausführlich vorstelle. Und ich gebe Dir recht: Die Ausgabe ist wirklich gut geworden mit den tollen Illustrationen von Marc Simonetti.

      Viele Grüße
      Jay

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