25. Juli 2021

Der Junge mit dem Feueramulett von Frank Pfeifer

Frank Pfeifer: Der Junge mit dem Feueramulett (

Mit Humor und Power gegen die Unterdrückung!

Verfolgt vom brutalsten Schergen des Reiches, hintergangen von den besten Freunden und bedroht von unheimlichen Kreaturen – wieso hat sich der sechzehnjährige Kard nur darauf eingelassen, ein magisches Schwert anzufertigen? Doch jetzt ist es zu spät! Nun ist er ins Visier des Tyrannen Flanakan geraten, der alles daran setzt, die mächtige Waffe in seine Hände zu bekommen. (Klappentext)

Titel: Der Junge mit dem Feueramulett – Das magische Schwert Autor: Frank Pfeifer Verlag: Selbstverlag Reihe: Der Junge mit dem Feueramulett, #1 Seitenzahl: 339 Genre: Jugendfantasy Alter: 12+ Erste Aufl.: 28. März 2021 Ausgaben: Taschenbuch, E-Book ISBN: 978-3982239767 (TB) Sonstiges: übersichtliche Karte

Über den Autor von Der Junge mit dem Feueramulett

Frank Pfeiffer wurde 1966 in Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) geboren und studierte in den 90er Jahren zunächst Deutsche Literatur und Filmwissenschaften in Berlin. Während dieser Zeit schrieb er bereits seinen ersten Roman, der schließlich 2020 unter dem Titel Wolf Five veröffentlicht wurde. Nach seinem Studium zog es ihn ins schöne München, wo er als Produzent von Trailern für Film und Fernsehen und als Werbetexter mit seiner eigenen Firma Karriere machte. Seit 2016 schreibt er an seiner 4-teiligen Fantasy-Reihe Der Junge mit dem Feueramulett, deren erster Teil (Das magische Schwert) im März 2021 bei Amazon erschien. Ein Vorbild für die Bücher ist der bereits verstorbene Autor Terry Pratchett mit seinen bekannten Scheibenwelt-Romanen. Frank Pfeifer ist Vater von zwei Kindern. Er schreibt, arbeitet und lebt in München.

Meine Meinung zu Der Junge mit dem Feueramulett

Als mich Frank Pfeifer bereits im April 2021 anschrieb und fragte, ob ich den ersten Teil seiner neuen Fantasy-Reihe lesen und rezensieren möchte, habe ich gleich zugesagt, weil ich gerne neue Autoren in meinem Lieblingsgenre unterstütze (und ganz gespannt auf Neuerscheinungen bin). Leider bin ich persönlich mit Frank Pfeifers Schreibstil nicht sonderlich gut zurechtgekommen. Hier meine Eindrücke vom Buch für euch.

Viele gute Ideen aber die Handlung leider zu oberflächlich

Frank Pfeifer erschafft in Der Junge mit dem Feueramulett eine neue, interessante Fantasywelt, die mir insgesamt recht gut gefallen hat. Es gibt verschiedene Rassen mit eigener Geschichte, eigener Kultur und Charaktereigenschaften. Die Toraks zum Beispiel sind mächtige, behäbige Wesen und doppelt so groß wie ein Mensch. Als Nomaden durchzogen sie in früheren Zeiten die Lande, doch inzwischen arbeiten sie oft, wegen ihrer großen Kraft und Ausdauer, für die Menschen oder betreiben eine Schmiede. Ein Cu ist ein sprechender Hund, dessen Abbildung auf dem Cover mich schon stark an Scoopy-Doo erinnert. Und natürlich gibt es auch noch weitere Rassen und Kreaturen, welche für Abwechslung in der Geschichte sorgen sollen. Hinzu kommt eine eigene Götterwelt mit ihrer Priesterschaft und ebenfalls einer Hintergrundgeschichte. Dem Autor mangelt es nicht an Ideen und betrachtet man die Karte am Anfang des Buches, erkennt man auch in ihr die Liebe zum Detail.

Leider empfand ich die Ideen jedoch vielfach zu oberflächlich umgesetzt, denn es fiel mir sehr schwer in diese Fantasywelt einzutauchen. Man könnte sie mit einem toten Körper vergleichen, der zwar gut beschrieben wird, der jedoch nicht atmet und lebt. Es wollte sich beim Lesen keine so rechte Atmosphäre entfalten, die mich als Leser mitreißen und überzeugen konnte. Als Folge konnte ich zwar immer ein paar Seiten lesen, aber mit der Zeit schweiften meine Gedanken dabei immer wieder zu anderen Dingen ab. Das geschah selbst bei Passagen, die vermutlich meinen Puls hätten nach oben treiben sollen, weil die Protagonisten in brenzlige Situationen gerieten. Vielfach lag es wohl daran, dass ich diese Abschnitte nicht als sonderlich bedrohlich empfand, weil die Monster nicht hinreichend gefährlich beschrieben wurden und, was eigentlich noch viel schlimmer ist, mich die Protagonisten nicht so recht interessierten. Doch zu den Charakteren will ich später noch ein paar Worte verlieren. Kam es zu Kämpfen, dann waren diese zu wenig detailliert, als dass ich in Gedanken verfolgen konnte, was da eigentlich genau passiert. Das ist sehr schade, weil ja, wie bereits erwähnt, die Rahmenbedingungen durchaus gut waren. Die Handlung schreitet auch recht schnell voran, wobei eine langsamere Entwicklung in manchen Passagen und eine stärkere Fokussierung auf die Gefühle der Charaktere der Spannung zuträglicher gewesen wäre. Die Charaktere hetzen von einem Ort zum nächsten, ohne dass der Leser eine Chance hat die schöne Fantasywelt zu genießen, Eindrücke zu sammeln und die Protagonisten näher kennenzulernen. Es entstand bei mir kaum Atmosphäre und keine Beziehung zu den Personen. Schade.

Das Problem mit den Charakteren

Der zentrale Charakter der Geschichte ist der 16-jährige Kard, der bei einem Torak eine Lehre als Schmied absolviert und als Gesellenstück ein ganz besonderes Schwert schmiedet. Ein Junge aus einfachen Verhältnissen (er ist in einem Waisenhaus aufgewachsen bevor ihn sein Meister dort wegholte) der zu Größerem bestimmt ist. Eigentlich ist das nichts Neues und inzwischen schon ein gängiger Einstieg in eine Fantasygeschichte, was mich nicht stört. Dabei kommt es aber immer darauf an, was der Autor oder die Autorin letztendlich aus diesem Grundmuster macht, wie sich der Charakter entwickelt und wie die Charakterbeziehungen untereinander ausgestaltet werden.

Leider konnte ich keinen so richtigen Draht zu Kard finden. Er war mir in weiten Teilen zu oberflächlich und farblos, als dass ich mir in gefährlichen Situationen Sorgen um seine Gesundheit hätte machen können. Wäre Kard gestorben, es hätte mich wohl kaum berührt. Madad, sein sprechender Hund und guter Freund, konnte mich ebenfalls nicht von den Socken reißen. Er versuchte zwar mit markigen Sprüchen den Ereignissen eine ungezwungene und sicherlich auch witzige Note zu geben, allerdings empfand ich ihn mit der Zeit eher als nervig. Odysseus der Dieb und Rosie die Amazone konnten mich ebenfalls nicht überzeugen. Auch sie waren mir charakterlich viel zu oberflächlich und blass, als dass ich mit ihnen etwas hätte anfangen können. Als Folge entstand für mich kaum Spannung in der Geschichte.

Bleiben noch die Bösen, die der Heldengruppe ans Leder wollen. Zwar wurde versucht sie als unberechenbar und kaltblütig darzustellen, allerdings machten sie auf mich eher den Eindruck einer Schar unerzogener Kinder, die versuchen böse Erwachsene zu spielen. Sie tun böse Dinge, aber man nimmt ihnen nicht wirklich ab, dass sie böse sind, weil sie eher den Eindruck vermitteln, sie wissen es nicht besser. Aber vielleicht soll das ja so sein.

Mich konnte keine(r) so recht überzeugen und da half es auch nicht, dass die hohe Priesterin der dunklen Göttin Goiba eben mal zehn Jungfrauen hat ausbluten lassen, um ihre Gunst zu erhalten. Das wird eben einmal in einem Nebensatz erwähnt und damit ist auch das erledigt. Kaum ein Einblick in die Gedankengänge und Gefühle der Antagonisten und gerade diese Einblicke hätte ich mir immer wieder gewünscht, damit deren Handlungen glaubwürdiger werden und ihre Taten einem das Herz brechen. Ich weiß nicht, ob das vielleicht unter dem Begriff Humor einzuordnen ist, dass sich auch die Antagonisten so wenig überzeugend verhalten? Lustig fand ich es jedenfalls nicht.

Eine Fantasy-Reihe für junge Leserinnen und Leser?

Das Buch soll für junge Leserinnen und Leser ab 12 Jahren geeignet sein. Allerdings habe ich da bei manchen Passagen so meine Zweifel, wenn Gefangenen Schädel gespaltet und ihnen auf der Streckbank Arme und Beine ausgerissen werden, damit Blutfontänen aus allen Wunden auf die Folterer spritzen können. Ich finde, ein Buch für diese Altersgruppe sollte ohne allzu blutige und eklige Beschreibungen auskommen. Da gibt es sicherlich weitaus subtilere Möglichkeiten Spannung zu erzeugen beziehungsweise den Lesern die Boshaftigkeit bestimmter Antagonisten zu verdeutlichen. Mich hat es zwar als Erwachsener nicht gestört, denn ich habe schon schlimmeres gelesen, ich denke aber, es könnte weitaus jüngere Leser verstören.

Somit bin ich wieder bei einem schwierigen Problem, das ich schon in Könige der Finsternis angesprochen habe. Wie viel Humor verträgt eine Geschichte, die gleichzeitig den Anspruch auf eine gewisse Ernsthaftigkeit erheben will? Oder soll es ausschließlich eine humorvolle Geschichte sein? Dann würden blutige Gemetzel nicht so recht dazu passen, wie ich finde. Aber vielleicht seht Ihr das ja ganz anders, dann schreibt mir bitte in den Kommentaren.

Mein Fazit zu Der Junge mit dem Feueramulett (Das magische Schwert)

2.5 von 5 Sternen „Gute Ideen, jedoch für mich nicht überzeugend.“

Trotz vieler guter Ideen und einer durchdachten Fantasywelt, konnte mich der erste Teil der Reihe Der Junge mit dem Feueramulett (Das magische Schwert) nicht überzeugen. Ich fand die Handlung zu schnellschrittig und dadurch oft zu oberflächlich. Eine rechte Stimmung, in der ich mich völlig auf Frank Pfeifers Welt einlassen konnte, wollte bei mir nicht aufkommen. Die Charaktere fand ich durchweg zu farblos und wenig interessant, als dass ich mit ihnen hätte mitfühlen oder mir gar Sorgen um sie hätte machen können. Dies ist natürlich meine persönliche Meinung. Wer Fantasy im Stil von Terry Pratchett mag, könnte mit dieser Serie zufrieden sein und sie gerne lesen. Der Schreibstil ist flüssig und auch die Welt ist, wie bereits erwähnt, gut durchdacht mit einigen interessanten Ideen.

Jay

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