29. Oktober 2020

Buchmesse online – ein Konzept für die Zukunft?

Ein Blick aus dem Fenster zeigt es deutlich: Der Herbst hält langsam Einzug ins Land. Für mich ist er mit die schönste Jahreszeit. Ich liebe es, wenn die Blätter der Bäume so schön bunt werden. Für einen passionierten Hobbyfotografen wie mich gibt es die schönsten Landschaftsmotive.

Doch man sollte schnell sein und darf nicht zu lange warten, denn oft fallen die Blätter über eine kalte Nacht zu Boden, ein Windstoß und von der farbigen Pracht an den Ästen ist nicht mehr viel übrig, bevor der erste Schnee sie schließlich zudeckt. Ja, der Herbst hat seine Reize, wenn nach einem warmen, lebhaften Sommer das Land so langsam zur Ruhe kommt und sich alle Menschen und Tiere langsam auf den nahen Winter einstellen. Kastanien und Eicheln sammeln für die Wildtiere gehört ebenso zum Herbst, wie eine heiße Tasse Tee auf dem Sofa, während es draußen nieselt und nebelt. Die Katzen bekommen ihr dickes Winterfell und die Igel machen sich auf die Suche nach einem guten, trockenen Platz zum Überwintern. Nur noch wenige Wochen bis Weihnachten, so schnell kann’s gehen und danach geht es auch schon bald wieder auf den Frühling zu…

Buchmesse online - ein Konzept für die Zukunft?

Das Jahr 2020 wird wohl vielen Menschen in Erinnerung bleiben. Der Corona-Virus hat unseren Alltag und das Leben nicht nur in Deutschland erheblich beeinflusst und zum Teil komplett verändert. Insbesondere die Wirtschaft ist davon betroffen und darunter auch die Konsumermessen.

Die beiden großen Buchmessen in Leipzig und in Frankfurt am Main halten ihre Tore geschlossen und recht spontan werden Buchmessen plötzlich nicht mehr in großen Hallen abgehalten, sondern über das Internet. Man muss nun nicht mehr in Züge steigen oder am Messegelände Parkplätze suchen. Man muss sich die Hacken nicht mehr ablaufen und sich durch das Gedränge übervoller Messehallen von einem Stand zum anderen vorarbeiten. Alles läuft jetzt gechillt vom heimatlichen Sofa ab, ohne teures Messeessen oder kilometerlange Schlangen vor Signier-Tischen und vor den Damentoiletten. Ist die Buchmesse online also ein Konzept, das man auch in Zukunft so beibehalten könnte? Diese Frage stellt sich Antonia vom Literaturblog Lauter & Leise in dieser Woche.

Super kostümierte Cosplayer auf der Leipziger Buchmesse 2018.
Buchmesse online - ein Konzept für die Zukunft?

Ich bin ein Messegänger. Seit nunmehr acht Jahren war ich immer samstags auf der Leipziger Buchmesse, um dort Autoren zu treffen und mich umzusehen, was es für neue, interessante Bücher auf dem Markt gibt. Dabei ist der Besuch meiner Lieblingsverlage genauso Pflicht, wie das Stöbern durch das Angebot der Kleinverlage, die man nicht immer alle auf dem Schirm hat. Ich freue mich auch auf die Messe, weil ich dort immer wieder Leute treffe, die ich sonst nur online über diverse Bücherforen oder über ihre Bücherblogs kenne.

(Bild rechts: Super kostümierte Cosplayer auf der Leipziger Buchmesse 2018)

Ich finde, es ist doch etwas anderes, wenn man sich auf der Messe mal persönlich zu einem Kaffee trifft, als wenn man Kommentare zu Blogbeiträgen schreibt, sich E-Mails schickt oder die Buchrezensionen nur als Film auf YouTube. Die Atmosphäre in den Messehallen kann eine Online-Messe niemals vermitteln. Gerne sitze ich auf einer Leseinsel und höre den Autoren bei Lesungen aus ihren Büchern zu. Natürlich könnte man das auch per Videostreaming über das Internet verfolgen, aber es ist eben nicht das Gleiche, als wenn man live vor Ort ist und vielleicht im Anschluss mit einem Autor noch ein paar Worte wechseln kann. Folgt man dem Argument der Bequemlichkeit, warum gibt es dann Fußballstadien? Jeder weiß, dass man vom heimatlichen Sofa den besten Blick auf ein Fußballspiel hat. Dennoch sind die Stadien regelmäßig voll (insbesondere vor Corona), weil das Wohnzimmer daheim die Atmosphäre vor Ort niemals bieten kann. Mittendrin statt nur dabei.

Für die Autoren ist es, denke ich, wichtig Kontakt zu den Leserinnen und Lesern zu halten, um ein direktes Feedback zu ihren Büchern zu bekommen, zu signieren und einfach auch die Aufmerksamkeit der Fans zu genießen. Das kann keine Online-Messe leisten.

(Bild links: Sebastian Fitzek und ich in Leipzig 2018)

Ich denke, es gibt noch viele Punkte mehr, die für und gegen eine reale Messe oder eine Buchmesse online sprechen. Das eine schließt das andere aber auch nicht aus. Wer den Trubel der Messehallen lieber meiden möchte, darf gerne das Internet nutzen. Wer jedoch lieber live vor Ort ist und den Messebesuch nicht als Stressevent betrachten, sondern als Möglichkeit der persönlichen Gespräche und des Austauschs, sollte auch in Zukunft nicht darauf verzichten müssen. Ich hoffe, dass es auch weiterhin gefüllte Messehallen geben wird, mit tausenden Büchern und netten Autoren.

Jay

4 Gedanken zu “Buchmesse online – ein Konzept für die Zukunft?

  1. Hi Jay,

    wir gehen beide überein. Du hast bei mir ja bereits gelesen, dass für mich online nie das reale Erlebnis ersetzen kann und ich weiß, dass einige lieb gewonnene Menschen gerade ziemlich traurig sind, nicht in Frankfurt sein zu können und sozusagen einen Messeblues haben ohne, dass die Messe richtig stattfindet.

    Ich verstehe, dass die Maßnahmen aktuell wichtig sind, aber ich hoffe, gneau wie du, dass wir nächstes Jahr wieder richtig zur Messe gehen können.

  2. Hallo Jay,

    nächstes Jahr sind ja Bundestagswahlen, ca. 3 Monate davor wird es Lockerungen der übertriebenen Restriktionen geben (Stimmenfang), vielleicht gibt es dann ja wieder Buchmessen. Ich war zwar noch auf keiner, glaube aber nicht, dass der persönliche Kontakt durch irgendetwas Virtuelles ersetzt werden kann, auch nicht wenn es als neue „Normalität“ bezeichnet (eingetrichtert) wird.

    Viele Grüße

    Wolfram

    1. Hallo Wolfram,

      ja, da hast Du wohl recht. Erst nimmt man den Menschen Stück für Stück die Freiheiten, dann gibt man sie ihnen häppchenweise zurück und erfreut sich dann an deren Dankbarkeit dafür. Passt irgendwie alles nicht. Ich hoffe sehr, dass die Leipziger Buchmesse im kommenden Jahr wieder stattfinden wird.

      Viele Grüße
      Jay

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