Jussi Adler-Olsen: Verheißung

Jussi Adler-Olsen: Verheissung Dt. Hardcoverausgabe Deutscher Taschenbuchverlag (2015)

Jussi Adler-Olsen: Verheissung
Dt. Hardcoverausgabe
Deutscher Taschenbuchverlag (2015)

Inhalt

Carl Mørck hat gerade seine Beine auf dem Schreibtisch im Keller des Polizeipräsidiums zum Nickerchen platziert, da klingelt das Telefon. Christian Habersaat, ein Kollege von der dänischen Insel Bornholm, bittet ihn dringend um Unterstützung. Carl ist nicht allzu erfreut darüber, dass ihm ein uralter Fall aufs Auge gedrückt werden soll. Doch nur wenige Stunden später kommt Habersaat auf schockierende Weise ums Leben – und kurz darauf dessen Sohn.
Unter größtem Druck stürzt sich das Sonderdezernat Q in den siebzehn Jahre alten Fall um den tragischen Unfalltod einer fröhlichen jungen Frau auf Bornholm, die kopfüber in einem Baum hängend gefunden wurde.
Habersaat, der sie damals fand, glaubte nicht an fahrlässige Tötung mit Fahrerflucht – doch seine Ermittlungen waren siebzehn Jahre lang ergebnislos geblieben.
Das Sonderdezernat Q steht vor einem seiner rätselhaftesten Fälle, der die Zusammenarbeit auf eine harte Probe stellt. Denn es werden immer mehr dunkle Geheimnisse – auch aus dem Leben der Ermittler – an die Oberfläche gespült. Die Spuren führen bald nach Öland, zu einem obskuren »Zentrum zur Transzendentalen Vereinigung von Mensch und Natur«. Während Carl, Assad und Rose immer tiefer in die Abgründe neoreligiöser Heilsversprecher und die Geheimnisse eines mysteriösen Sonnenkults eintauchen, hat ein höchst intelligenter Manipulator Wege gefunden, mit den bizarrsten Mitteln alles aus dem Weg zu räumen, was ihm in die Quere kommt …
(Klappentext)

Jussi Adler-Olsen auf der Leipziger Buchmesse 2015

Jussi Adler-Olsen auf der Leipziger Buchmesse 2015

Über das Buch und den Autor

Jussi Adler-Olsen wurde am 2. August 1950 in Kopenhagen geboren. Neben Filmwirtschaft studierte er Medizin, Soziologie und Politische Geschichte und war in verschiedenen Berufen tätig, bevor er 1997 seinen Debütroman Alfabethuset (dt.: Das Alphabet-Haus) veröffentlichte. Mit Kvinden i buret (Dt. Titel: Erbarmen) gelang ihm schließlich 10 Jahre später der Durchbruch als Autor. Die fesselnden Thriller um den exzentrischen Kommissar Carl Mørck und seinem Sonderdezernat Q fanden international große Anerkennung. Seit 2007 wurden inzwischen sechs Titel der Reihe veröffentlicht und Erbarmen inzwischen auch verfilmt. Jussi Adler-Olsen ist verheiratet, hat einen erwachsenen Sohn und lebt in der Nähe von Kopenhagen.

Der letzte Titel der Carl-Mørck-Reihe, Den grænseløse (Übers.: Der Grenzenlose; Dt. Titel: Verheißung) erschien am 16. März 2015 auf dem deutschen Markt. Die Hardcoverausgabe umfasst 608 Seiten und ist in 53 Kapitel, einem Prolog und einem Epilog unterteilt. Die Handlung wird aus verschiedenen Blickwinkeln der Hauptpersonen erzählt. Zudem gibt es zwei Handlungsstränge. Zum einen die aktuelle Handlung mit der Ermittlungsarbeit des Sonderdezernat Q ab April 2014, zum anderen geschichtliche Rückblicke auf die Ereignisse ab September 2013. Die beiden Handlungsstränge laufen gegen Ende des Buches zeitlich zusammen und verknüpfen sich zu einem großen Finale. Übersezt wurde Verheißung, wie die anderen Romane des Autors, von Hannes Thiess.

Meine Meinung

Im April 2013 habe ich begonnen die Carl-Mørck-Reihe von Adler-Olsen zu lesen und war von den Büchern sehr angetan. Die Reihe lebt vor allem von seinen schrägen Charakteren, die alle irgendwie ihre „Macken“ haben und vom Autor wunderbar ausgearbeitet wurden. Allen voran ist da natürlich Kommissar Carl Mørck zu nennen, der es am liebsten hat, wenn er zwischen Zigaretten- und Kaffeepausen im Büro ein Nickerchen machen kann und dabei neuen, ungelösten Fällen elegant aus dem Weg gehen kann. Warum sich auch groß Stress machen, wenn es doch viel einfacher geht und man es auch ruhig angehen kann? :tee:
Seine Assistentin Rose hingegen ist das genaue Gegenteil von Carl. Diensteifrig, ideenreich und resolut, was Carl manchmal ziemlich auf die Nerven geht. Doch leider schafft er es kaum, sich gegen Roses Temperament durchzusetzen, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat. Der Araber Assad ist ebenfalls Carls Mitarbeiter im Sonderdezernat Q und sein Freund. Assad umgibt ein Geheimnis, von dem in den einzelnen Büchern immer mal etwas angedeutet wird. Er kann und weiß mehr, als er vorzugeben scheint. Seine Kamelwitze und sprachlichen Ausdrucksfehler sind immer wieder für einen Lacher gut. Damit gehört er zweifellos zu meinen Lieblingscharakteren in der Reihe und ich bin gespannt, was man im Laufe der Zeit noch alles über ihn und seine Hintergründe erfährt. :)
In Verheißung wendet sich Jussi Adler-Olsen stark dem Thema alternative Religionen und Sekten zu, was mir als Rahmen für den Fall gut gefallen hat. Er beschreibt, was Menschen auf der ständigen Suche nach Glück und Zufriedenheit zu tun bereit sind. In Verheißung geben sie ihr altes Leben auf, weil sie sich als Mitglieder einer Sekte die Erfüllung ihrer Sehnsüchte versprechen und sie sind auch bereit zu töten, sobald ihr harmonisches Leben von Außenstehenden bedroht scheint. Adler-Olsen gelingt es sehr gut dem Leser die Gefühlswelt seiner Antagonisten zu beschreiben und obwohl man ihr Handeln natürlich nicht immer gutheißen wird, so kann man sie doch irgendwo verstehen. Gut fand ich, dass der Autor in seinem Roman diese neureligiösen Glaubensgemeinschaften nicht grundsätzlich in ein schlechtes Licht rückt, sondern aufzeigt, dass Unrecht und Gewalt oft von einzelnen Personen ausgeht und deren Motive nicht zwingend mit denen der Gemeinschaft übereinstimmen müssen.
Verheißung lässt sich sehr gut und flüssig lesen. Es gibt keine störenden Längen und auch die Zahl der Personen bleibt überschaubar, ohne dass man ständig überlegen muss, wer jetzt wer war. Leider jedoch, und das ist mir auch schon bei anderen Romanen von Jussi Adler-Olsen aufgefallen, sind immer wieder Handlungsschritte ziemlich vorhersehbar. Die wirklichen Überraschungen kommen dann meist am Schluss, wenn der Täter ermittelt wird. So ist es auch hier. Das Buch ist zwar spannend, lebt jedoch vor allem von seinen originellen Charakteren. Es gab kaum Abschnitte, die mich den Atem anhalten ließen und der richtige Nervenkitzel blieb aus, weshalb ich hier nicht unbedingt von einem Thriller sprechen möchte. Lediglich zum Schluss konnte mich das Buch so richtig fesseln, sodass die letzten Seiten wie im Flug gelesen waren. :-|
Auch fand ich die Ermittlungsarbeit manchmal etwas umständlich. Rose hat zwar einerseits wichtige Details zum Fall erfolgreich im Internet recherchiert, andererseits wurde bei grundlegenden Fragen diese Recherche nicht gemacht. Warum? Sicher wäre das Buch dann um einige Seiten kürzer ausgefallen. Was manche Nebencharaktere angeht, fand ich sie auch ein bisschen zu naiv. Wenn nämlich jemand versucht mich umzubringen (und ich das durchschaue!), dann wende ich dieser Person bestimmt nicht mehr den Rücken zu, oder?

3.5 von 5 Sternen "Insgesamt ok, jedoch mit manchen Schwächen."

3.5 von 5 Sternen
„Insgesamt ok, jedoch mit manchen Schwächen.“

Fazit

Ein guter sechster Teil, jedoch nicht der beste der Reihe. Die Ideen waren zwar gut und auch die Hauptcharaktere aus dem Sonderdezernat Q hatten einen echten Unterhaltungswert, jedoch gab es dann doch einige Unstimmigkeiten in der Handlung, die ich als Leser nicht ganz nachvollziehen konnte. Der Spannungsbogen war da, denn man will natürlich bis zum Schluss wissen, wer nun eigentlich wen umgebracht hat, jedoch waren mir die fesselnden Passagen, die für mich einen guten Thriller ausmachen, zu dünn gesät. Insgesamt ein gutes und lesenswertes, jedoch leider nur durchschnittliches Buch. Ich bin gespannt, was als nächstes kommt. :)

Jay

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