Tad Williams: Der Drachenbeinthron (The Dragonbone Chair)

Aber erinnere dich an diese Lektion, Simon, eine Lektion für Könige… oder ihre Söhne. Nichts ist umsonst! Jede Macht hat ihren Preis, und nicht immer erkennt man ihn sofort. Versprich mir, dass du das nie vergisst. (Tad Williams: Der Drachenbeinthron)

Tad Williams: Der Drachenbeinthron (c) Verlag Klett-Cotta

Tad Williams: Der Drachenbeinthron
(c) Verlag Klett-Cotta

Inhalt

Auf den Hochhorst, der altehrwürdigen Festung des Hochkönigs von Osten Ard, wächst zwischen den Bediensteten der Küchenjunge Simon auf. Er ist ein Junge, der von Ruhm und Abenteuern träumt, während er mehr schlecht als recht seinen Arbeiten in den Küchen und Gemächern der Burg nachgeht. Die Abenteuer scheinen für Simon unerreichbar zu sein, zumindest glaubt er das, doch als der alte und weise Hochkönig Johan nach langer Krankheit eines Tages stirbt, entbrennt zwischen seinen beiden Söhnen, Prinz Elias und Prinz Josua, ein Kampf um die Krone. Eh er sich versieht wird Simon in den Strudel der Ereignisse gezogen, denn hat Dinge erfahren, die nicht für die Augen und Ohren eines Küchenjungen bestimmt sind. Nur mit knapper Not entkommt er aus dem Hochhorst und sucht sein Heil auf der Flucht durch Osten Ard. Ein Bürgerkrieg droht das Königreich zu zerreißen, doch nicht der neue Hochkönig Elias ist der Feind der Menschen, sondern dunkle Macht aus alten Legenden, die sich nach hunderten von Jahren im hohen Norden zu erheben scheint…

Über das Buch und den Autor

Tad Williams ist am 14. März 1957 in San José in Kalifornien geboren, studierte in Berkeley und arbeitete anschließend in vielen verschiedenen Jobs – als Sänger, Schuhverkäufer, Zeitungsjunge, Radiomoderator, am Theater, beim Fernsehen, als Lehrer, in einer Computerfirma. Er schreibt neben Fantasy-Bestsellern Comics, Drehbücher und Hörspiele. Neben seiner Otherland-Reihe gehört der Mehrteiler um den Drachenbeinthron zu Tad Williams erfolgreichsten Werken.

Tad Williams: der Drachenbeinthron US-Erstausgabe (links) Dt. Erstausgabe, Fischer Verlag (mitte) Dt. Hardcover, Hobbit Presse (rechts)

Tad Williams: der Drachenbeinthron
Hardcover, Hobbit Presse (links)
US-Erstausgabe (mitte)
Hardcover, Krüger Verlag (rechts)

The Dragonbone Chair erschien erstmal 1988 in den USA als Hardcover bei DAW Books und ist der Auftakt zur dreiteiligen Reihe Memory, Sorrow and Thorn (Erinnerung, Leid und Dorn). Der zweite Teil trägt den Titel Stone of Farewell und der Teil drei heißt im englischen Original To Greenangel Tower. Da der dritte Band mit über 1.600 Seiten jedoch sehr umfangreich ist, hat man ihn in der deutschen Ausgabe geteilt. Auf Deutsch heißt die Reihe Das Geheimnis der großen Schwerter und umfasst demnach vier Bände.
Teil eins, Der Drachenbeinthron, erschien erstmalig 1988 beim Wolfgang Krüger Verlag (S. Fischer, Frankfurt/Main) und umfasst 955 Seiten (inkl. Anhang). 2010 erschien eine überarbeitete Neuauflage der Reihe bei Klett-Cotta/Hobbit Presse mit neuen Covern. Die alte (gelbe) Ausgabe gab es lange Zeit auch noch als Taschenbuch beim Fischer Verlag. Der „neue“ Drachenbeinthron hat 957 Seiten und ist in 3 Teile mit insgesamt 44 Kapiteln unterteilt. Hinzu kommt ein Anhang mit 18 Seiten.

Meine Meinung

Tad Williams Foto: Deborah Beale

Tad Williams
Foto: Deborah Beale

So, Leute. Viele Jahre hat es bis zu meinem Re-Read vom Drachenbeinthron gedauert. Zu meiner Bundeswehrzeit habe ich den deutschen Vierteiler mit seinen knapp 3.800 Seiten in nur drei Wochen verschlungen. Das war im Sommer 1995, also vor 21 Jahren. Viel wusste ich nicht mehr von der Handlung. Nur, dass sie episch und abwechslungsreich war, dass interessante Charaktere mitspielten und den Namen des Bösewichts, den habe ich auch behalten. Ansonsten durfte ich mich auf einen spannenden Re-Read freuen, denn mir war klar, es würde gut wieder werden. Kurz zur neuen Ausgabe: Klett-Cotta hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet, denn die Cover sind ein Traum. Natürlich habe ich auch noch die 1990er Ausgabe im Regal stehen, aber die neuen Bücher werden über kurz oder lang auch ein Plätzchen dort finden. Die Bücher kosteten damals noch 50,00 DM pro Stück, jetzt sind es eben knapp 25,00 €. Das ist OK. Nun zum Buch. Oft wird in Rezensionen beklagt, dass sich der Einstieg in die Handlung recht zäh ist. Fast 250 Seiten muss man lesen, bis es so richtig zur Sache geht. Zu lange, meinen viele – absolut richtig, meine ich. Tad Williams lässt sich Zeit, um dem Leser den Einstieg in seine komplexe Welt zu erleichtern. Man lernt dabei nicht nur die ersten wichtigen Hauptpersonen kennen, sondern auch viele geschichtliche Hintergründe zu Osten Ard, seine Provinzen und die Machtverhältnisse. Dabei verwebt er die Informationen geschickt mit der Handlung, sodass man als Leser die sie ganz nebenbei mit auf den Weg bekommt. Diese sind auch wichtig für die folgende Handlung, daher lohnt es sich schon, die Zeit zu investieren. Die zentrale Figur der Geschichte ist der 14-jährige Küchenjunge Seoman, genannt Simon, und eines lässt sich jetzt schon sagen: die ganze Reihe ist auch eine Coming-of-Age-Geschichte, denn wir verfolgen Simons Entwicklung vom verträumten „Mondkalb“, der seinen Gedanken an ruhmreiche Abenteuer nachhängt, bis hin zu seinen ersten Heldentaten. Er, der den Hochhorst kaum verlassen hat und fast nichts von der weiten Welt kennt, stolpert (im wahrsten Sinne des Wortes) in Ereignisse und eine Welt, die sein Verstand erst mit der Zeit wirklich erfassen kann. Ein bisschen erinnert das natürlich an Tolkiens Der Hobbit bzw. Der Herr der Ringe, die ähnliche Ideen beinhalten. Auch Bilbo, Frodo und seine Freunde haben das Auenland nie verlassen, dennoch machen sie sich auf gefährliche Reisen ins Ungewisse. Simon geht es ähnlich. Doch obgleich es scheinbar Parallelen zu Tolkien gibt, erschafft Tad Williams doch etwas eigenes, fantastisches und unglaublich spannendes. Spätestens ab Seite 250 steckt man mittendrin im Geschehen und von da an lässt einen das Buch bis zur letzten Seite nicht mehr los. Dass es episch werden wird, erkennt man schon am Anhang, denn bereits nach dem ersten Buch gibt es ein umfassendes Verzeichnis von Namen, verschiedenen Völkern, ja sogar ein Wörterbuch mit Aussagen in fremden Sprachen, was wieder ein wenig an Tolkien und seine Sprache der Elben erinnert. Lasst euch jedoch nicht blenden, denn Williams geht seinen eigenen Weg und auf diesem trifft man als Leser viele facettenreiche Charaktere. Da wäre zum Beispiel Binabik vom Volk der Trolle, der einer von Simons besten Freunden werden soll. Oder Marya, ein Mädchen mit Geheimnissen, zu dem Simon mit der Zeit eine ganz eigene Beziehung entwickelt. Einige mehr kommen noch hinzu, aber ich möchte nicht zu viel verraten. Der Drachenbeinthron kommt übrigens ohne große Cliffhanger aus, denn obwohl die Geschichte im zweiten Band (Der Abschiedsstein) natürlich weitergeht, ist die Handlung des ersten Bandes relativ rund und abgeschlossen. Wer George R. R. Martins Das Lied von Eis und Feuer (A Game of Thrones) liest oder gelesen hat weiß, dass es auch anders geht. George hat sich übrigens von Tad Williams epischer Erzählweise im Drachenbeinthron inspirieren lassen. Er sagt, die Reihe hätte ihn geprägt. Na dann. :)

5 von 5 Sterne "Fantasy vom Feinsten."

5 von 5 Sterne
„Fantasy vom Feinsten.“

Mein Fazit

Wer epische Fantasy mag, sollte Tad Williams Reihe Das Geheimnis der großen Schwerter nicht außer Acht lassen und bei Gelegenheit lesen. Sie gehört mit zum Besten, was Fantasy zu bieten hat, und mit dieser Meinung stehe ich sicher nicht alleine da. Zwar ist die Reihe schon fast 30 Jahre alt, jedoch tut das der Handlung keinen Abbruch. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang auch die wunderbare deutsche Übersetzung, die einen nicht unerheblichen Beitrag zur Atmosphäre des Buches leistet.
Wer die Bücher nun schon gelesen hat und mit echter Überzeugung behauptet, sie wären schlecht, dem spreche ich an dieser Stelle jegliche Ahnung ab, was epische Fantasy betrifft. Über Geschmack lässt sich zwar bekanntlich nicht streiten, hier jedoch ausnahmsweise schon. Sorry Folks, so ist das eben diesmal. Wer aber will, kann das gerne mit mir diskutieren. :-P
Freue mich über eure Kommentare.

Jay

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