Noah Hawley: Vor dem Fall (Before the Fall)

Noah Hawley: Vor dem Fall
Deutsche Hardcoverausgabe
Goldmann Verlag, 2016

Inhalt

An einem nebligen Abend startet ein Privatjet zu einem Flug nach New York. Wenige Minuten später stürzt er in den Atlantik. Nur der Maler Scott Burroughs und ein vierjähriger Junge überleben inmitten der brennenden Trümmer. Und Scott gelingt das Unmögliche: Er schafft es, den Jungen und sich selbst an das weit entfernte Ufer zu retten. Während die Suchtrupps fieberhaft nach den Leichen und der Blackbox fahnden, greifen immer abstrusere Verschwörungstheorien um sich. Scott versucht verzweifelt, sich den Medien zu entziehen – und gerät dabei in eine Welt der Intrigen und Manipulationen, in der niemand vor dem brutalen Fall ins Nichts geschützt ist. (Quelle: Thalia.de)

Infos zum Buch

Titel: Vor dem Fall (Before the Fall) Autor: Noah Hawley Verlag: Goldmann Seitenzahl: 448 Alter: 16+ Erste Aufl.: 12. September 2016 Ausgaben: HC, TB, E-Book, Hörbuch ISBN: 978-3442487493

Infos zum Autor

Noah Hawley wurde 1967 in New York geboren. Er ist Autor, Drehbuchschreiber und Produzent, und wurde für seine Arbeit bereits mit dem Emmy und dem Golden Globe ausgezeichnet. Unter anderem schrieb und produzierte er die erfolgreiche Serie „Bones – Die Knochenjägerin“ und die TV-Adaption des Spielfilms „Fargo“ der Coen-Brüder. Hawley lebt mit seiner Familie in Los Angeles und Austin, Texas.
Sein Buch Before the Fall gewann 2017 den Edgar Award (Bester Roman) und den International Thriller Writers Award (Bester Roman). Die Sunday Times wählte des Buch zu einem der spannendsten Bücher des Sommers 2017.

Meine Meinung

Noah Hawley: Vor dem Fall
Taschenbuchausgabe
Goldmann, 2016

Eigentlich liegt mein Leseschwerpunkt hier im Blog auf Jugendbüchern, SciFi und Fantasy, doch hin und wieder gelüstet es mir nach einem fesselnden Thriller oder einen tiefgründigeren Roman, der gerade auf den Bestsellerlisten kursiert. Wann ich Vor dem Fall gekauft habe, kann ich heute nicht mehr sagen, denn das Buch lag schon ein paar Monate ungelesen auf meinem SuB. Es war wohl der Klappentext, der mich interessiert und zu einem spontanen Kauf bewogen hat. Jetzt habe ich das Buch endlich aus meinem Stapel gezogen und innerhalb von nur drei Tagen gelesen. Bereut habe ich den Kauf nicht und gefesselt war ich auf jeder Seite. Worum geht es?
Auf einem recht kurzen Flug nach New York stürzt ein Privatjet ins Meer und dabei finden die reichen Passagiere und die Crew den Tod. Nur ein Mann, der Maler Scott Burroughs, und der vierjährige Sohn des millionenschweren Geschäftsführers eines TV-Nachrichtensenders überleben den Absturz. Scott kann sich und den Jungen nach einem stundenlangen, kräftezehrenden Kampf im kalten Wasser des Atlantiks an Land retten. Alles scheint gut, doch für Scott und die Leser des Buches geht es nun erst richtig los, denn die Ursache des Flugzeugabsturzes muss noch geklärt werden.

Noah Hawley gab dem Buch den Titel Before the Fall und meinte damit die Zeit vor dem Flugzeugabsturz. Er blickt zurück auf die Tage und wenigen Stunden vor dem Flug und begleitet dabei jeden einzelnen der Passagiere und der Crew. Schon bald stellt man als Leser fest, dass es bestimmt ein gutes Dutzend Theorien gibt, die als Ursachen für die Katastrophe herhalten könnten. Handelte es sich um technisches Versagen? Wurde ein Anschlag aus Rache verübt? Wollte man Mitwisser krimineller Machenschaften aus dem Weg räumen? Je weiter man in der Geschichte vordringt, um so vielfältiger werden die Spekulationen, die man als Leser anstellt, bis man irgendwann nicht mehr weiß, was nun eigentlich am wahrscheinlichsten ist. Es ist eben diese Spannung um die Hintergründe der Katastrophe, sowie der flüssige und zum Teil sehr bildhafte Schreibstil, die einem immer weiterlesen lassen. So, wie es eben bei einem gut aufgebauten Thriller sein soll. Lass die Leser selbst Theorien entwickeln und führe sie so oft es geht mit Andeutungen in die Irre. Haley ist das meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Gleichzeitig spart er nicht mit Ideen für seine Charaktere, beschreibt ihr Familienleben, ihre Gedanken und Gefühle und lässt dabei auch das eine oder andere bewegende Ereignis in der Vergangenheit der Protagonisten mit einfließen. Man hat dabei immer die Vermutung, etwas davon könnte für die Auflösung des Falls wichtig sein und man versucht deshalb immer wieder die Einzelheiten gedanklich miteinander in Verbindung zu bringen. Hat der gewaltsame Tod von Geschwistern in der Kindheit eventuell Einfluss auf die Ereignisse genommen oder vielleicht die traumatische Kriegsvergangenheit einer Person? Hawley stößt viele Türen auf, aber er überlässt es seinen Lesern selbst hindurchgehen und weitere Puzzleteile und Lösungsansätze zu finden.

Mir hat diese Form der Erzählung durch Rückblicke sehr gut gefallen, denn parallel dazu beschreibt der Autor auch die Ermittlungen der Luftfahrtbehörde und des FBI, sowie Scotts Versuche sich dem Medienrummel zu entziehen. Für viele ist er ein Held, für manche jedoch auch ein potentiell Verdächtiger, der in irgendeiner Weise am Absturz des Fluges beteiligt war. Was mir dabei besonders ins Auge fiel, war die Macht der Medien und die Art und Weise, wie man mit Andeutungen, geschickter Wortwahl und Falschinformation die Meinung von Massen in die eine oder andere Richtung lenken kann. Im Buch entwickelt sich schnell eine Medienhetze gegen Scott und auch gegen manche Opfer des Fluges, die stark an das erinnert, was man auch real auch in der heutigen Zeit immer wieder beobachten kann. Hierin sehe ich auch Hawleys Kritik an den manipulativen Massenmedien in ihrer Jagd nach Sensationen und Einschaltquoten. Man kann als Leser nur hilflos zusehen, wie die Wahrheiten in den Medien verdreht werden und Scott von der Rolle des heldenhaften Retters immer mehr in die Rolle des heimtückischen Profiteurs gedrängt wird. Ich will hier nicht zu viel verraten, aber dieser Aspekt der Geschichte sorgt nicht unerheblich für Spannung und Emotionalität beim Lesen. Zur Lösung des Falls sage ich natürlich nichts, nur, dass sie plausibel erscheint und einmal mehr beweist, dass man allzu oft auf dem Holzweg war. In einem Handlungsfaden hätte ich mir etwas mehr erwartet und auch das Ende der Geschichte ist relativ abrupt. Ein ausführlicher Epilog hätte dem Buch recht gutgetan, um die Handlung insgesamt abzurunden. So bleibt leider die eine oder andere Frage im Raum stehen. Noah Hawley überlässt es dem Leser also auch am Schluss seines Buches, die Geschichte gedanklich fortzuspinnen, nachdem man den letzten Satz gelesen hat.

4.5 von 5 Sternen
„Spannend zu lesen und voller Wendungen.“

Mein Fazit

Vor dem Fall ist ein gut gelungener Roman, der von Anfang bis Ende den Leser in den Bann ziehen kann. Einmal begonnen muss man darauf achten, dass man die Zeit nicht vergisst (oder vielleicht muss man das auch nicht). Die Zeit vergessen kann man beim Lesen sicherlich ohne Probleme. Viele gute Ideen und eine ausgeklügelte Story machen Vor dem Fall zu einem durchaus lesenswerten Roman mit interessanten Charakteren und dem nötigen Maß an Emotionen. Kann ich empfehlen.

Jay

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