2. Juni 2020

Kryonium von Matthias A. K. Zimmermann

Matthias A. K. Zimmermann: Kryonium, Hardcover, Kulturverlag Kadmos Berlin, 2019

Gefangen an einem unbekannten Ort, schmiedet der Erzähler heimlich Fluchtpläne. Die Tatsache, ohne Erinnerungen zu sein, erschwert das Vorhaben. Doch der Drang, endlich auszubrechen aus diesem furchteinflößenden, schneeverwobenen Schloss, lässt ihn jedes Risiko eingehen. Und so gerät der Erzähler immer tiefer hinein in einen wirren Strudel aus rätselhaften Begegnungen und magischer Paranoia, die er spielerisch zu entschlüsseln hofft, was ihn letztlich zum Ursprung seiner Erinnerungen führt.

Der All-Age-Roman ist ein technoides Märchen, das sich mit Virtualität auseinandersetzt und die Frage aufwirft, was Erinnerungen sind und was sie bedeuten. Nichts ist so, wie es scheint in der Geschichte und die Frage, was Realität ist, muss immer wieder neu überdacht werden.
(Quelle: Kulturverlag Kadmos, Berlin)

Titel: Kryonium. Die Experimente der Erinnerung Autor: Matthias A. K. Zimmermann Verlag: Kulturverlag Kadmos, Berlin Seitenzahl: 324 Genre: Roman Alter: 16+ Erste Aufl.: 28. Oktober 2019 Ausgaben: Hardcover ISBN: 978-3865994448 (HC) Sonstiges: Mit einem Nachwort von Stephan Günzel

Über den Autor von Kryonium

Matthias Alexander Kristian Zimmermann wurde am 06. Mai 1981 in Basel (Schweiz) geboren und ist ein Schriftsteller, Maler und Medienkünstler. Er studierte musikalische Komposition, Kunst & Vermittlung, Game Design, Art Education und Pädagogik. Kryonium ist sein Debütroman, der im Oktober 2019 beim Kulturverlag Kadmos, Berlin erschien.

Meine Meinung zu Kryonium

Der Kulturverlag Kadmos aus Berlin hat mir Kryonium zur Rezension angeboten und ich habe gerne angenommen. Eigentlich sollte der Titel auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt werden, doch der Corona-Virus machte dem Verlag (wie so vielen anderen) einen Strich durch die Rechnung. Umso wichtiger ist es, dass die Buchblogger jetzt einspringen und verstärkt interessante Titel der Allgemeinheit bekannt machen. Kryonium ist es sicherlich wert gelesen zu werden, denn der Roman dreht sich um ein zeitloses Thema.

In Zimmermanns Debütroman dreht sich alles um Realität und Virtualität, Träume und Erinnerungen. Vieles verschwimmt über die 60 Kapitel hinweg und man fragt sich als Leser des Öfteren, was nun eigentlich Traum ist und was Realität.

Was erwartet die Leser bei Kryonium?
Das erste Drittel des Buches spielt in einer Fantasiewelt. Eine anonyme Hauptperson (man weiß zu diesem Zeitpunkt weder einen Namen, noch ob sie männlich oder weiblich ist) lebt und arbeitet als Untertan in einem Schloss voller Verbote, das sich in einer düsteren Winterlandschaft befindet. Es finden sich viele Elemente der Fantasy in dieser Welt. Eine böse Hexe, ein gefährlicher Drachen, ein Zauberer, Gnome, Einhörner und vieles mehr machen die Welt lebendig. Die Hauptperson erzählt in der Ich-Perspektive, wie sie nach Wegen sucht dem Schloss zu entkommen. Doch in dem zugefrorenen See neben dem Schloss haust ein schreckliches, körperloses Ungeheuer, das jede Flucht unmöglich erscheinen lässt. Die Hauptperson muss dabei verschiedene Rätsel lösen, sich gegen bösartige Gegner zur Wehr setzen und mitunter auch zaubern, um ans Ziel zu kommen. Zimmermann beschreibt die Welt recht detailliert und gibt seinen Lesern tiefe Einblicke in die Gefühlswelt der Hauptperson. Als sich im zweiten Teil von Kryonium die Fantasiewelt schließlich wandelt und sich der Protagonist überraschenderweise und unverhofft in einer modernen Welt ohne Zauberei und magischen Wesen wiederfindet, meint man die Handlung des Buches einigermaßen durchschaut zu haben. Doch tatsächlich wird es ab diesem Zeitpunkt immer schwerer für den Leser, Realität und Fiktion auseinander zu halten. Im dritten Teil des Buches scheint ein klarer Weg vorgegeben, dennoch bleibt man lange ziemlich ratlos bis der Autor schließlich zum Ende eine Lösung aufzeigt.

Was mir gut an Kryonium gefallen hat, waren die vielen Verknüpfungen zwischen den Geschichten. Kleine Dinge, Hinweise und Ereignisse, die erst im Laufe der Handlung plötzlich rückwirkend an Bedeutung gewinnen. Was im ersten Teil des Buches noch Rätsel aufgibt, erscheint im zweiten Teil nur allzu logisch und in keinster Weise mehr magisch. Doch auch die vermeintliche Realität hat im Buch ihre Tücken, denn die Hauptperson versucht verzweifelt auch ihr zu entkommen. Handelt es sich dabei tatsächlich um die Wirklichkeit?
Kryonium bedient viele philosophischen Fragen unserer Zeit, die sich auch der Protagonist immer wieder stellt: Wo bin ich eigentlich hier? Ist es ein Schloss in meiner Fantasie oder ist es tatsächlich real? Wer bin ich eigentlich? Selbst die Leser erfahren erst sehr spät, ob die Hauptperson eigentlich ein Mann oder eine Frau ist und was die eigentlichen Hintergründe der Geschichte sind. Wie bin ich hierhergekommen und warum? Die Antworten zu diesen Fragen eröffnen sich den Lesern von Kryonium erst mit der Zeit, und selbst dann werden sie nicht immer gleich allumfassend beantwortet. Das Buch gibt daher viel Raum zum Nachdenken, nachdem man es beendet hat.

Gut gefallen hat mir auch, dass es keine seitenlangen Monologe über den Sinn des Seins und andere philosophische Gedankenspiele in Kryonium gibt, wie in manch anderen Büchern mit einem „philosophischem Anspruch“. Bei solchen längeren Ausschweifungen fallen mir nach wenigen Zeilen in der Regel die Augen zu. Matthias A. K. Zimmermann schafft es aber philosophische Fragestellungen in einen Roman zu verpacken und sie seine Leser selbst entdecken zu lassen, indem er virtuelle Realitäten, Fantasie und Träume einer vermeintlichen Realität gegenüberstellt. Das Buch liest sich leicht und spannend, schließlich möchte man irgendwann wissen, wie alle Handlungsfäden und Hinweise am Schluss zusammenlaufen und welches die Hintergründe sind. Gleichzeitig gibt Kryonium genügend Denkanstöße, ohne zwanghaft philosophisch sein zu wollen, und übt ganz nebenbei auch Kritik an der digitalen Gesellschaft, die heutzutage ohne Bits und Bytes nicht mehr auskommen kann und will. Der Protagonist versucht spielerisch durch das Lösen von Rätseln seiner ebenso rätselhaften Gefangenschaft zu entrinnen und frei von alltäglichen Zwängen zu werden. Im dritten Teil des Buches scheint die erstrebte Freiheit zum Greifen nahe, doch der Weg gestaltet sich schwierig und die Freiheit eigentlich nicht ganz so erstrebenswert, wie man es zuvor eigentlich vermutet hätte.

Mein Fazit

4.5 von 5 Sternen „Gut und ansprechend geschrieben.“

Kryonium nimmt seine Leserinnen und Leser auf eine Reise durch fantastische Welten und vermutete Realitäten und baut dadurch seine Spannung auf. Es überzeugt durch geniale Verknüpfungen und Rätsel, bedient philosophische Ansätze und übt gleichermaßen Kritik an unserer digitalen Gesellschaft, der man manchmal gerne entfliehen möchte. Es ist ein gutes und lesenswertes Buch, das ich an dieser Stelle gerne weiterempfehle.

An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich beim Kulturverlag Kadmos in Berlin für das Rezensionsexemplar bedanken.

Jay

3 Gedanken zu “Kryonium von Matthias A. K. Zimmermann

  1. Hallo Jay!
    Mein Mann liest das Buch aktuell und erzählt mir immer wieder, dass ich es auch unbedingt lesen müsse, nachdem er es beendet hat. 🙂
    Ich bin schon sehr gespannt auf seine Rezension zu dem Buch und wie ich es dann im Endeffekt finden werde. Er klingt momentan ähnlich begeistert wie du. 🙂

    Viele Grüße
    Miri (von tthinkttwice)

    1. Hallo Miri,

      das Buch ist wirklich nicht schlecht, wenn auch zeitweise etwas verworren. Ich denke aber, dass ist der Sinn dahinter, dass man manchmal nicht weiß, was denn nun eigentlich Realität ist und was nicht. Viel Spaß beim Lesen. Bin gespannt auf deine Rezension.

      Liebe Grüße
      Jay

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: