Matt Haig: Ich und die Menschen (The Humans)

Im Grunde waren soziale Netzwerke die Nachrichtenshow, auf die die Menschen gewartet hatten. Die Nachrichtenshow, in der es nur um sie ging.
(Matt Haig – Ich und die Menschen)

Matt Haig: Ich und die Menschen Dt. TB-Ausgabe (2014)

Matt Haig: Ich und die Menschen
Dt. TB-Ausgabe (2014)

Inhalt

Andrew Martin, renommierter Professor für Mathematik an der Universität in Cambridge, wandert in einer regnerischen Nacht nackt die Autobahn entlang. Der Professor ist seit kurzem tot, denn sein Körper wurde von einen außeridischen Wesen übernommen, das den Menschen mental weit überlegen ist. Es kommt von einem Millionen Lichtjahre entfernten Stern und es hat für die Menschen nur sehr wenig übrig. Sie sind für den fremden Besucher nur eine unterentwickelte Spezies deren Individuen sich gegenseitig bekriegen, ansonsten ausschließlich ans Geld und vor allem anderen nur an sich selbst denken. Die Menschheit hat es daher auch nicht verdient, dass Professor Martin eines der größten mathematischen Rätsel überhaupt lösen konnte, um damit die Erdbevölkerung in ein neues technologisches Zeitalter zu führen. Nein, wahrhaftig nicht. Die menschliche Zivilisation ist mit ihren aktuellen technischen Errungenschaften, wie zum Beispiel die Atombombe, und ihrer Selbstsucht schon gefährlich genug, als dass man ihr in den kommenden tausend Jahren einen weiteren technischen Quantensprung zugestehen könnte.
Doch andererseits: Wie kann eine Lebensform grundschlecht und böse sein, wenn sie doch Erdnussbutter und Weißwein erfunden hat? Und woher kommen diese seltsamen Gefühle, die dem außerirdischen Besucher überkommen, wenn er Musik hört oder Andrew Martins Frau in die Augen blickt?

Über das Buch und den Autor

Matt Haig Quelle: Freewordcentre.com

Matt Haig
Quelle: Freewordcentre.com

Matt Haig, 1975 in Sheffield (England) geboren, ist kein absoluter Neuling in der Welt der Literatur. Verschiedene seiner Romane und Kinderbücher wurden bereits in über 20 Sprachen übersetzt. Ebenso  wurden sie mit verschiedenen literarischen Preisen ausgezeichnet. Unter anderem wurde sein neuer Roman The Humans (Ich und die Menschen) in den USA für den bedeutenden Edgar-Allan-Poe-Award nominiert. Matt Haig lebt und schreibt in New York und London.
Der Originaltitel The Humans erschien am 24. März 2013 in England. Ein die deutschen Regale kam er dann ziemlich genau ein Jahr später, im April 2014. Erschienen ist es beim Deutschen Taschenbuchverlag (dtv) in einer Übersetzung von Sophie Zeitz.
Ich und die Menschen hat 348 Seiten plus eine zweiseitige Danksagung mit Anmerkungen zum Text. Das Buch ist in drei große Abschnitte unterteilt, diese wiederum in viele, zum Teil recht kurze Kapitel. Ansprechend fand ich auch das Cover: Eine Person, die auf dem Mond steht und zur Erde blickt. Der Regenschirm impliziert einen englischen Betrachter (obwohl man auf dem Mond sicherlich keinen Regenschirm braucht). :)

Meine Meinung

Ich und die Menschen ist kein Roman, den man direkt dem Science Fiction Genre zuordnen könnte. Zwar ist die Hauptperson ein Außerirdischer, allerdings wählte der Autor Matt Haig diese Figur geschickt, um eine möglichst distanzierte Perspektive auf die menschliche Spezies einnehmen zu können. Dadurch wird der Roman wirklich interessant, denn der Besucher im Körper von Professor Andrew Martin beschreibt die Menschen so, wie er sie sieht (oder wie er vermutet, dass sie sind). Er tut das zunächst mit der nüchternen Betrachtungsweise eines Wissenschaftlers, der eine unbekannte, primitive Spezies studiert. Die Menschen sind für ihn, das überlegene Wesen, bestenfalls nicht viel mehr als unterentwickelte Emporkömmlinge, die nicht einmal fähig sind die Technologien ihres eigenen Fortschritts zu kontrollieren.

Autobahnen waren die fortschrittlichsten Straßen auf der Erde, was, wie bei den meisten fortschrittlichen Errungenschaften der Menschen, mehr oder weniger bedeutete, dass die Lebensgefahr hier größer war als anderswo. (S. 21)

Was dann im Laufe des Handlung folgt, ist ein eine überaus amüsante und oft selbstironische Betrachtung des menschlichen Lebensart, Kultur und „Philosophie“. Die Geschichte aus der Perspektive eines Alien zu schreiben war in diesem Zusammenhang der beste Einfall, denn Matt Haig für den Roman haben konnte. Nur so kann er den Menschen den Spiegel vorhalten, ohne dass der Roman dabei groß an Glaubwürdigkeit verliert. Der außerirdische Besucher nimmt kein Blatt vor den Mund wenn er beschreibt, wie er die Menschen sieht und einschätzt. Selbstverständlich ist er sehr von sich und der Überlegenheit seiner Rasse überzeugt.

Kein Wunder, dass die Menschen eine primitive Spezies waren. Kaum hatten sie annähernd genug Bücher gelesen, um mit dem erworbenen Wissen etwas anfangen zu können, waren sie schon tot. (S. 33)

Matt Haig: The Humans UK-Hardcover und Taschenbuch

Matt Haig: The Humans
UK-Hardcover und Taschenbuch

Das Buch ist für mich eine Homage an die menschliche Gesellschaft, an die Liebe und an die Freundschaft. Sehr oft hat mich Matt Haigs Schreibstil und seine Art die Dinge unkompliziert auf den Punkt zu bringen tief berührt. Er zeigt uns in diesem Buch unumwunden viele unserer großen und kleinen Fehlern und Schwächen auf, die wir selbst kaum mehr wahrnehmen, und brachte mich dabei immer wieder zum Nachdenken. Ich und die Menschen ist jedoch keine Anklageschrift, in welcher der Autor mit erhobenen Zeigefinger auf die Misstände hinweist. Matt Haig bringt seine Kritik zwar unumwunden auf den Punkt, verpackt sie jedoch überaus amüsant, sodass man sich ein Lächeln oft nicht verkneifen kann. der Sprachstil ist erfrischend, amüsant und dabei sehr tiefgründig. Er ist leicht verständlich und konnte mich durchgehend über alle Seiten fesseln. Ganz am Ende kam ich dann zu der Feststellung: Wir sind tatsächlich ein ganzes Stück besser, als man zunächst glauben mag. :lol:

Was den Roman auch auseichnet ist die Weiterentwicklung des so hoch entwickelten Besuchers, der feststellt, dass die Menschheit (außer Weißwein und Erdnussbutter) mehr zu bieten hat, als Gewalt gegen sich selbst, Gier nach Geld und Egoismus. :)

(…) ich hatte auf einmal das Gefühl, so menschlich zu sein, wie es überhaupt möglich war. Fast hätte ich ein Gedicht schreiben können. (S. 158)

Fazit

4,5 von 5 Sternen "Humorvoll und tiefgründig. Ein tolles Buch."

4,5 von 5 Sternen
„Humorvoll und tiefgründig. Ein tolles Buch.“

Ein fantastisches Buch, erfrischend und dennoch mit Tiefgang. Matt Haig hat meiner Meinung nach das Beste aus seiner Idee für dieses Buch gemacht und eine abwechslungsreiche Geschichte geschrieben, die uns Erdenbewohner aus vielen Interessanten Blickwinkeln zeigt. Das Buch ist sehr lesenswert. Ich kann es insbesondere allen Menschen empfehlen, die sich mit Freuden der Mathematik widmen, aber auch alle anderen kommen bei dieser Lektüre bestimmt nicht zu kurz. :)

 

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