John Boyne: Der Schiffsjunge

John Boyne Der Schiffsjunge Deutscher Hardcover

John Boyne: Der Schiffsjunge
Deutscher Hardcover

Inhalt

Portsmouth im Jahr 1787: John Jacob Turnstile ist gerade mal 14, ein Meister in Taschendiebstahl und so einigen anderen Gaunereien. Sein Leben ändert sich jedoch schlagartig, als er eines schönen Tages erneut beim Diebstahl einer Taschenuhr erwischt wird und ihn der der Richter vor die Wahl stellt: ein Jahr im Gefängnis oder als Schiffsjunge und Diener des Kapitäns auf der Bounty zu arbeiten. Klar, dass John die Schiffsreise in die Südsee dem stinkenden englischen Gefängnis vorzieht, och ahnt er nicht, auf welches Abenteuer er sich dabei einlässt. Unter dem Kommando von Kapitän William Blight segelt die Bounty mit einer Besatzung von 40 Mann nach Tahiti, um dort Setzlinge des Brotfruchtbaumes einzusammeln und sie zu den Westindischen Inseln zu verschiffen. Das Klima an Bord ist rauh und John Turnstile, von den anderen Besatzungsmitgliedern abfällig Turnip (Steckrübe) genannt, hat es oft sehr schwer sich an Bord zu behaupten. Immer wieder plant er seine Flucht. Kapitän Blight, obgleich manchmal launisch und streng, scheint John jedoch in sein Herz zu schließen und wird zu seiner wichtigsten Bezugsperson auf der langen Reise. Als in einer verhängnisvollen Nacht die Mannschaft der Bounty meutert, steht John vor der Wahl, endlich ein Leben in Freiheit ohne Zwänge leben zu können oder seinem Kapitän gegenüber loyal zu bleiben…

Über das Buch

Ich konnte das Buch als Mängelexemplar für 1,99 EUR erstehen. Es hat 638 Seiten und ist in fünf Teile und diese wiederum in mehrere Kapitel gegliedert. Am Anfang des Buches befinden sich außerdem zwei jeweils doppelseitige Karten auf denen die Reise der Bounty und die des Beiboots nach der Meuterei verzeichnet ist. Zu jedem Teil gibt es außerdem eine Monats und Jahresangabe, um die Handlung zeitlich einordnen zu können.
Geschrieben ist der Roman aus der Ich-Perspektive der Hauptperson, dem Jungen John Jacob Turnstile.

Der Autor John Boyne wurde 1971 in Dublin, Irland, geboren, wo er auch heute lebt. Bekannt wurde er unter anderem durch seinen Roman Der Junge im gestreiften Pyjama, der viele Buchpreise gewann. Seine Bücher wurden in über 45 Sprachen übersetzt.

Meine Meinung

Mutiny on the Bounty Englische Taschenbuchausgabe

John Boyne: Mutiny on the Bounty
Englische Taschenbuchausgabe

Viele Menschen kennen die Geschichte von der Meuterei auf der Bounty und dem brutalen Kapitän Blight, der die Mannschaft tyrannisierte und misshandelte und letztendlich zur Meuterei trieb. Der Ausgang des Abenteuers ist bekannt. Eine Vielzahl von Autoren schrieb Bücher über diese Schiffsreise, die auch verfilmt wurde, doch John Boyne wagte sich daran das Abenteuer aus einer ganz anderen Sicht zu schildern, nämlich aus der des mehr oder weniger unfreiwilligen Schiffsjungen John Jacob Turnstile, genannt „Turnip“. John, der während seiner Kindheit in Portsmouth viel körperliches und seelisches Leid erfahren musste, ist wohl das schwächste Mitglied der Besatzung, aber als Diener von Kapitän Blight diesem besonders nahe. Er schildert den Kapitän ganz anders, als man es aufgrund der vielen Geschichten um die Bounty vermuten mag, nämlich als Kapitän, dem das Wohl seiner Mannschaft durchhaus am Herzen liegt und dafür von ihr verraten wird. John Boyne hat für diese spannende Erzählung die Ich-Perspektive gewählt und beschreibt die Ereignisse mit den Worten des 14-jährigen Turnstile, was ihm vortrefflich gelingt. Insbesondere die sehr passende und bisweilen überaus amüsante Jugendsprache machen John Turnstile als Hauptperson ungemein glaubwürdig und ebenso liebenswert. v. a. weil sie direkt auf den Punkt kommt:

… ich stieß einen Jubelschrei aus, wie ein Christ es getan haben mag, wenn Caligula – der dreckige Wilde – im Kolosseum den Daumen nach oben hielt und ihn leben ließ, damit er erneut zum Kampf antreten konnte. (S. 30)

Caligula, der dreckige Wilde…. :lol:
Ebenso überzeugend vermittelt wird John Turnstiles Abneigung gegen einen jungen 15-jährigen Offizier mit vielen Pickeln, der ihn, den niederen Schiffsjungen, mit Vorliebe drangsaliert. Nicht nur, dass John den anderen im Buch regelmäßig schlicht einen „Mistkerl“ nennt, auch dessen Akneproblem macht er sich immer wieder zunutze, um sich heimlich Genugtuung zu verschaffen. Natürlich darf er es nicht aussprechen, aber seine Gedanken sprechen Bände:

Ich sah mich um, und ganz am Rand stand er, der Mistkerl, mit dräuender Miene, und die Pickel in seinem Gesicht leuchteten in gerechtem Zorn… (S. 153)

Er errötete noch schlimmer als sonst, und ich fürchtete, seine Pickel könnten explodieren und ihn töten, was nicht schade gewesen wäre. (S. 212)

Im Laufe der Handlung macht nicht nur John Turnstile eine Entwicklung durch. Ist er zu Beginn der Geschichte noch der typische, aufsässige Jugendliche, reift er im Laufe der Handlung zu einem zuverlässigen und verantwortungsbewussten jungen Mann heran, der seinem Kapitän gegenüber schließlich loyal und ergeben ist. Für diesen wird er so eine Art zweiter Sohn, den er bschützt. Die Geschichte wird dadurch abgerundet, dass man als Leser erfährt, wie sich die Lebensgeschichte der Hauptpersonen nach der Meuterei weiter entwickelt und keine Fragen offen bleiben.
Das Abenteuer um die Bounty wird abwechslungsreich und spannend erzählt. Es gibt kaum überraschende Wendungen und vieles ist letztendlich auch vorhersehbar. Trotzdem ist sie schön zu lesen und es gibt auch kaum Längen. Die Gewaltdarstellungen halten sich ebenfalls in Grenzen, dafür werden immer mal wieder sexuelle Andeutungen gemacht, die jedoch den Hormonschüben eines pubertierenden Jugendlichen zugerechnet werden können. Nichts, was ein jugendlicher Leser nicht verkraften könnte.

Fazit

4,5 von 5 Sternen "Sehr gut!"

4,5 von 5 Sternen
„Sehr gut!“

John Boyne hat es vortrefflich verstanden die Geschichte der Meuterei auf der Bounty aus einem neuen Blickwinkel zu schreiben. Werte wie Liebe und Loyalität spielen in ihr ebenso eine Rolle, wie Verachtung und Verrat. Sie ist bisweilen witzig geschrieben, lässt aber auch Ernsthaftigkeit nicht vermissen, wo sie angebracht ist. Als Jugendbuch besticht Der Schiffsjunge insbesondere durch seine jugendnahe und klare Sprache, welche die schwierigen Lebensumstände der Besatzungen großer Segelschiffe der damaligen Zeit im Kopf des Lesers lebendig werden lässt. Das ist mir durchaus eine Empfehlung wert. :thumbup:

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