David Levithan: Letztendlich sind wir dem Universum egal (engl.: Every Day)

Wenn man ins Universum starrt, ist sein Mittelpunkt nur Kälte. Und Leere. Letztendlich sind wir dem Universum egal. Dem Universum und der Zeit. Deswegen dürfen wir einander nicht egal sein.
(David Levithan: Letztendlich sind wir dem Universum egal / Every Day)

David Levithan:  Letztendlich sind wir dem Universum egal Verlag Fischer FJB (2014)

David Levithan:
Letztendlich sind wir dem Universum egal
Verlag Fischer FJB

Inhalt

Wohl kein Leben ist so außergewöhnlich, wie das von A. Jeden Tag erwacht er im Körper eines anderen Menschen und das schon seit seiner Geburt vor 16 Jahren. Es ist niemals der gleiche Körper zweimal und auch niemals länger als für einen ganzen Tag. Auch die Orte sind verschieden. Es sind dir Körper von Mädchen und Jungen in seinem Alter, nicht älter und auch nicht jünger. So war es, seit er denken kann und er hat sich damit abgefunden. Seine Regeln lauten: Halte dich zurück und bleibe unauffällig. Du bist nur ein Gast, also versuche nicht das Leben des anderen zu verändern, denn du kannst es eh nicht. 16 Jahre lang ging alles gut, bis er eines Tages im Körper von Justin erwacht und sich unsterblich in seine Freundin Rhiannon verliebt. Doch wie kann man jemanden lieben, wenn man täglich jemand anderes ist?

Über das Buch

David Levithan wurde am 7. September 1972 in New Jersey (USA) geboren. Sein Buch mit dem englischen Titel Every Day wurde bereits in den Vereinigten Staaten ein Bestseller und erschien im August 2012. Inzwischen ist sein Buch als Übersetzung auch in Deutschland angekommen und seit dem 27. März 2014 unter dem langen Titel Letztendlich sind wir dem Universum egal als Hardcover in den Buchläden. Der deutsche Buchtitel ist Teil eines Zitats aus dem Buch. Die deutsche Ausgabe ist mit 400 Seiten etwas länger, als das englische Original mit 336 Seiten, was der Übersetzung geschultet ist und ist bei Fischer FJB erschienen.
Der Text ist in 41 Kapitel unterteilt. Jedes Kapitel trägt als Überschrift die Zahl des aktuellen Lebenstages der Hauptperson (5994-6034), somit ist jedes Kapitel ein Tag in seinem Leben.

Meine Meinung

Wenn man die ersten Kapitel des Buches liest, dann wird man ein wenig an die Kömödie Und ewig grüßt das Murmeltier mit Bill Murray aus dem Jahr 1993 erinnert. In diesem Film befindet sich die Hauptperson in einer Zeitschleife und erlebt über lange Zeit hinweg immer wieder den gleichen Tag, der jeden Morgen von neuem beginnt. Sein Problem ist, dass sich damit auch das erste Date mit seiner neuen Bekanntschaft täglich wiederholt, er täglich die gleichen Dinge erlebt und nicht weiß, wie er dieser ständigen Wiederholung seines Tagesablaufs entkommen kann. Es wird mit der Zeit ein ziemlich langweiliges Leben, dass die Hauptperson abwechslungsreicher zu gestalten versucht. :)

David Levithan: Every Day US-Hardcover und TB (2012)

David Levithan: Every Day
US-Hardcover und TB (2012)

David Levithan geht einen etwas anderen Weg, der nicht weniger interessant ist. Sein Hauptcharakter „A“ lebt seit 16 Jahren immer nur für einen Tag im Körper eines gleichaltrigen Teenagers. Er schläft nachts ein und erwacht am nächsten Morgen im Körper einer anderen Person, ohne dass er etwas dagegen tun könnte. Dadurch wird sein Leben nicht sonderlich langweilig (abgesehen von sich wiederholenden Schulstunden an verschiedenen Schulen), sondern das Leben ist tagtäglich eine neue Herausforderung. Täglich neue (fremde) Eltern, neue (fremde) Freunde und neue Probleme, die er (oder sie) nicht lösen kann. Es kann in so einem Leben keine festen Bindungen geben, die länger als einen Tag Bestand haben. Obwohl er ein eigenständig denkendes Wesen ist, ist er doch ohne feste Wurzeln und Beziehungen. Vor diesem Hintergrund konnte David Levithan eine überaus eindrucksvolle Geschichte entwickeln. Nicht nur, dass man A’s tragisches Dasein verfolgt, man bekommt als Leser auch Einblicke in viele verschiedene Lebenssituationen und Probleme von Heranwachsenden, die von A durchlebt werden, und nicht jede dieser Lebenssituationen wird als glücklich und unbeschwert beschrieben. Jedes einzelne Kapitel des Buches könnte wohl das erste Kapitel eines Romans sein, denn jeder neue Charakter ist interessant. Die Probleme beginnen für A schon im ersten Kapitel, als er sich unsterblich in die Freundin eines Jungen verliebt, in dessen Körper er sich befindet. Doch wie kann er eine solche Beziehung fortführen?
Ich denke die schwierige Liebesbeziehung der beiden Hauptcharaktere macht einen wichtigen Teil des Buches aus und sie wird durchaus interessant beschrieben. Allerdings waren es für mich die vielen verschiedenen Aspekte des Lebens, welche das Buch so „gehaltvoll“ machten. Die Tragik ist nämlich, dass A zwar all diese Probleme erlebt, er selbst aber innerhalb eines Tages kaum die Möglichkeit hat daran etwas zu ändern. Oft will er das auch nicht, denn er fühlt sich als Eindringling, dem es nicht zusteht nachhaltig in ein fremdes Leben einzugreifen. Vielmehr versucht er die schönen Tage zu genießen, die sein Leben bereichern und die schlechten zu durchleben.

You learn how much a day is truely worth, because they are all so different.
(David Levithan: Every Day)

Genieße den Augenblick. Was das Buch dem Leser zudem lehrt ist Empathie für die Situation anderer Menschen und die Erkenntnis, dass jeder selbst für sein Leben verantwortlich ist, um das Beste daraus zu machen. Immer braucht es Menschen in unserem Leben, die einen stützen und helfen es gut zu meistern. Dies kommt auch in dem Anfangszitat ganz oben zum Ausdruck. Letztendlich sind es wir selbst, die unser Leben (und das der anderen) lebenswert und erträglich machen, indem wir füreinander da sind. :)
A kann in seiner Situation jedoch nur begrenzt Einfluss nehmen. Er ist zwar ein eigenständiges Wesen mit einer eigenen Seele, jedoch gefangen in fremden Körpern. Sein größtes Problem ist, dass sein Ich leider diesen Halt durch andere Menschen nicht haben kann. Dauerhafte Beziehungen über einen ganzen Tag hinaus, wie sie „normale“ Menschen haben, nicht ihm möglich. Letztendlich sind wir dem Universum egal ist daher ein Buch voller Tragik und gleichzeitig auch voller Botschaften an den Leser, was sich in vielen guten Zitaten widerspiegelt.

If there’s one thing I’ve learned, it’s this: We all want everything to be okay. We don’t even wish so much for fantastic or marvelous or outstanding. We will happily settle for okay, because most of the time, okay is enough. (David Levithan: Every Day)

Das Ende des Buches ist passend und wird ihm definitiv gerecht. Der Autor schließt es so ab, dass eine Fortsetzung zwar möglich wäre, jedoch nicht zwingend notwendig ist. Mir persönlich würde es besser gefallen, würde es ein eigenständiges Werk bleiben. :thumbup:

4,5 von 5 Sternen "Abwechslungsreich und tiefgründig."

4,5 von 5 Sternen
„Abwechslungsreich und tiefgründig.“

Fazit

Ganz oberflächlich betrachtet handelt sich um ein Jugendbuch, das eine interessante Liebesgeschichte und eine abwechslungsreiche Handlung beinhaltet.  In meinen Augen jedoch sind die Inhalte sehr tiefgehend und das Buch bietet dem aufmerksamen Leser mehr, als es zunächst den Anschein hat. Es kann Lebensweisheiten vermitteln, ohne dass es sie immer direkt aussprechen muss, verpackt in einer abwechslungsreichen Liebesgeschichte, die fesselt. Leseempfehlung! :clap:

Ich habe die englische Originalversion des Buches mit dem Titel Every Day gelesen. Das Englisch ist sehr gut verständlich.

 

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