Daniela Rohr: Im Turm des Panopticons (Novelle)

Eingesperrt auf kleinstem Raum … Du glaubst, du wärst diejenige, die die Oberhand hat … Du glaubst, du wärst diejenige, die andere beobachtet…
(Daniela Rohr: Im Turm des Panopticons)

Daniela Rohr: Im Turm des Panopticons Taschenbuchausgabe Create Space (2013)

Daniela Rohr:
Im Turm des Panopticons
Taschenbuchausgabe (2013)

Inhalt

Das Panopticon: Raumschiff, gläsernes Gefängnis und Arbeitsplatz von Linea Wermut. Im Turm – einer beengten Kapsel, in der sie lebt, alles steuert und überwacht – ist die sanfte Stimme des Computers ihre einzige Gesellschaft. Knapp eintausend Gefangene stehen unter Lineas Aufsicht. Keiner von ihnen kann sie sehen – keiner weiß, wann sie zusieht. Nur warum scheint es plötzlich so, als wüssten die Insassen genau, wann sie von ihr beobachtet werden? Linea glaubt nicht an Zufälle. Entgegen aller Widerstände versucht sie das seltsame Verhalten der Häftlinge zu ergründen. Ein großer Fehler, wie sie bald feststellen wird …
(Quelle: Buch.de)

 Über das Buch und die Autorin

Daniela Rohr wurde 1982 in der kleinen Stadt Kirchheimbolanden (Rheinland-Pfalz) geboren und schrieb schon als Kind fantastische Geschichten. Während ihres Studiums an der SAE in Köln spezialisierte sie sich auf das Schreiben von Drehbüchern und konnte mit ihrem Kurzfilm „Briefverkehr(t)“ auch Preise gewinnen. Doch auch ihren fantastischen Geschichten blieb sie treu und veröffentlichte 2013 die Novelle Im Turm des Panopticons, die sowohl als Taschenbuch, als auch als E-Book erhältlich ist.
Das Buch hat nur gut 100 Seiten und ist in 8 Kapitel unterteilt. Das wunderschön gestaltete Buchcover stammt von der Autorin selbst, die auch gerne künstlerisch tätig ist. :thumbup:

Meine Meinung

Daniela Rohr (2013)

Daniela Rohr (2013)

Ich liebe Science Fiction. Umso mehr freute ich mich, als mir Daniela Rohr ihre Novelle Im Turm des Panopticons zur Rezension anbot. Schon den Klappentext fand ich sehr spannend, aber keinesfalls konnte ich vorhersehen, welche Entwicklung die Geschichte innerhalb kürzester Zeit nehmen würde. Jedoch der Reihe nach. Linea Wermut ist die einzige Wärterin in einem gläsernen Gefängnis, das die Erde umkreist: dem Panopticon. Ihre Aufgabe ist es, die fast 1.000 Gefangenen zu überwachen, die sich kritisch gegenüber einem totalitären Regime äußerten. Das ganze Gefängnis ist ein Paradebeispiel einer perfekten, von einem Zentralcomputer gesteuerten Überwachung. Nichts bleibt den Kameras oder gar den Mithäftlingen verborgen, da selbst die Wände der Zellen aus Glas sind.
Doch mit der Zeit beginnen sich die Insassen eigenartig zu verhalten und Linea Wermut zweifelt immer mehr an ihrer eigenen Sicherheit. Quasi im Stundentakt überschlagen sich dann die Ereignisse und selbst als Leser weiß man irgendwann nicht mehr, was nun eigentlich Traum ist oder Wirklichkeit. Verliert Linea langsam aber sicher den Bezug zur Realität? Geschehen die Dinge, die sie auf den Monitoren ihrer winzigen Überwachungszentrale sieht, tatsächlich oder sind sie die nur die Folge einer Übermüdung oder gar der schleichende Beginn von ernsthaften Wahnvorstellungen? Wie kann sie ihre Sicherheit und die der ihr anvertrauten Gefangenen garantieren, wenn sie selbst nicht weiß, was da um sie herum passiert?
Mir hat das Szenario sehr gut gefallen. Seite für Seite schaukeln sich die seltsamen Ereignisse in die Höhe und die Handlung entwickelt sich nach und nach zu einem echten Psychospiel, dessen Hintergründe immer verschwommen bleiben. Linea ist der Hauptcharakter, um den sich die ganze Handlung dreht. Alleine schon ihre beklemmende Situation, dass sie nämlich seit Monaten einsam im Weltraum lebt, ohne menschliche Ansprache und mit einem Computer als wichtigsten Gesprächspartner, eröffnet genügend Erklärungsmöglichkeiten für den langsamen Verfall ihrer Psyche. Daniela Rohr versteht es ganz wunderbar den Leser lange Zeit über die wahren Verhältnisse im Panopticon im Unklaren zu lassen. Wer tatsächlich glaubt, die Geschichte durchschaut zu haben und die Ereignisse erklären zu können, der wird schließlich im letzten Viertel des Romans eines Besseren belehrt werden, denn absolut nichts kann einen auf das unerwartete Ende vorbereiten, welches die Autorin für ihre Leser parat hält. :lesen:
Manche Szene des Buches erinnerte mich auch ein klein wenig an Stanley Kubricks Film 2001: Odyssee im Weltraum, der ja auf einer Kurzgeschichte (The Sentinel) von Arthur C. Clarke basiert. Linea ist in ihrer Überwachungskapsel sehr stark auf die künstliche Intelligenz ALEXA angewiesen, die mich ein bisschen an HAL erinnerte, dem intelligenten Computer in Kubricks Film, der das Schiff steuert. ALEXA ist, abgesehen von ihrem Freund auf der Erde, Lineas einzige Ansprache in der Einsamkeit des Weltalls. Der Computer sieht alles und er weiß alles, und während Linea ALEXA anfangs noch vertraut, wandelt sich das nach und nach immer mehr in Misstrauen, später sogar in offene Abneigung, je weniger sie selbst die Vorgänge im Panopticon erklären kann.

Alexas Stimme klang so ruhig wie eh und je. Heute Morgen noch hatte sie diese hypnotische Wirkung als äußerst angenehm empfunden. Jetzt jagte es ihr einen kalten Schauer über den Rücken. (Daniela Rohr: Im Turm des Panopticons)

Der Schreibstil von Daniela Rohr ist klar und gut zu lesen. Sie schafft es geschickt eine spannende Atmosphäre aufzubauen und bis zum Schluss zu halten, wo dann die Ereignisse schlüssig erklärt werden. Das Ende selbst ließ mich dann nachdenklich zurück, da ich diese Auflösung absolut nicht erwartet hatte. Aber lest es selbst. Es lohnt sich. :)

5 von 5 Sternen "Fesselnd, beklemmend, überraschend, genial."

5 von 5 Sternen
„Fesselnd, beklemmend, überraschend, genial.“

Mein Fazit

Eine tolle Novelle ohne Längen, in der sich die Ereignisse überschlagen und die den Leser nachdenklich zurücklässt. Die Umsetzung ist atmosphärisch dicht, beklemmend und überaus spannend. Man spürt richtig das Gefühlsleben der Protagonistin, die immer wieder verzweifelt versucht die Dinge zu erklären, die um sie herum geschehen. Ein Buch, das mir sehr gut gefallen hat und das Lust auf mehr macht. Fans von guter Science Fiction Literatur kann ich Im Turm des Panopticons nur wärmstens empfehlen. :thumbup:

Jay

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