Christian Gailus: Glashaus

Christian Gailus: Glashaus
E-Book, beThrilled (Bastei Entertainment), 2017

Inhalt

Wer das Netz beherrscht, regiert die Welt.
Im Netz tobt, von den meisten unbemerkt, ein Krieg. Und der mysteriöse Hacker Godspeed ist fest entschlossen, die Macht über den Cyberspace – und damit über ganz Deutschland – an sich zu reißen. Als es ihm sogar gelingt, eine Aufklärungsdrohne der Bundeswehr abstürzen zu lassen, sieht sich die deutsche Regierung zum Handeln gezwungen. Ihre Antwort: die geheime Sondereinheit „Glashaus“. Mit an Bord sind unter anderen der ehemalige Polizist und Afghanistan-Veteran Mark West und die junge Staatsanwältin Julia Murnau. Für das Team beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, um Deutschland vor den Bedrohungen durch Godspeed und anderen virtuellen sowie realen Verbrechern zu beschützen. Doch nicht alle im „Glashaus“ spielen mit offenen Karten…

Meine Meinung

An das E-Book von Christian Gailus‘ Thriller Glashaus kam ich über das Verlagsportal Netgalley und der Titel hat mich sofort angesprochen. Das lag zum einen wohl am recht mystisch gestalteten Cover und zum anderen am recht interessanten Beschreibungstext. Ich mag Thriller, die Cyberkriminalität zum Thema haben und habe mich daher schnell für eine Rezension entschieden. Aus beruflichen Gründen hat sich das Lesen etwas gezogen, doch jetzt bin ich durch und hier ist mein Eindruck.
Glashaus wartet mit interessanten Charakteren auf, allen voran der ehemalige Polizist und Afghanistan-Kämpfer Mark West. Er hat im Kriegsgebiet eine böse Kopfverletzung davongetragen und er hat immer noch mit den Folgen dieses Unglücks zu kämpfen. Ihm zur Seite steht die attraktive Staatsanwältin Julia Murnau. Beide sind Mitglieder einer neuen, geheimen Sondereinheit der Regierung mit dem Auftrag gefährliche Cyberkriminelle zu jagen und unschädlich zu mache, die den deutschen Rechtsstaat bedrohen. Ihr großer Gegenspieler ist der Hacker Godspeed, dessen Ziel es zu sein schein, Deutschland zu destabilisieren und ins Chaos zu stürzen. Die Rahmenhandlung an sich ist jetzt nicht wirklich weltbewegend neu. Was Glashaus jedoch interessant macht, ist der konsequent durchgehaltene Spannungsbogen von Anfang bis zum Schluss. Es geschieht eigentlich immer irgendetwas und oft sind die Ereignisse nicht vorhersehbar. Leider sind Murnau und West die einzigen Charaktere mit ausreichend Tiefgang. Viele ihrer Mitstreiter im Glashaus spielen lediglich Nebenrollen und bleiben weitgehend flach und farblos. Der Autor legte seinen Schwerpunkt weniger auf die Charakterentwicklung, als auf die Abwechslung und Spannungskurve der Handlung. Bisweilen wird die Handlung sogar etwas gehetzt, wie man es klassisch von manchen Jugendthrillern kennt. Nur keine Langeweile aufkommen lassen und dem Leser immer etwas bieten, das ihn ans Buch fesselt. Grundsätzlich ist das natürlich nicht verwerflich, nur mit dem Unterschied, dass es sich um keinen Jugendroman handelt, denn zu dem wollen die gelegentlichen Sexszenen nicht so recht passen. Also doch ein Thriller eher für erwachsene Leser? Naja, dafür hat mir persönlich die Handlung zu wenig Tiefgang, ist zu gehetzt und auch manche Verhaltensweisen der Protagonisten erschienen mir nicht immer logisch und durchdacht. Hin und wieder verhalten sich die Nebencharaktere, sogenannte Profis, geradezu stümperhaft, was dann auch ihr zeitiges Ableben zur Folge hat. Das steigert zwar die Dramatik, wirkt jedoch manchmal künstlich herbeigeführt und unglaubwürdig.
Ich will kurz auch noch etwas zum Antagonisten Godspeed sagen. Seine genauen Ziele und Beweggründe sind quasi bis zum Schluss des Buches weitgehend unklar. Man wartet man auf den großen Paukenschlag, den Showdown, das krasse Ende der Jagd und… ich will es mal so sagen: Ich war vom Schluss etwas enttäuscht. Da hätte man weitaus mehr daraus machen können. Mir war das Ende, was Godspeed betrifft, zu unspektakulär, zu einfach und schnell. Nichts, was mich jetzt nach zwölf Stunden Lektüre vom Hocker gehauen hat. In anderen Handlungssträngen wiederum fand ich das Ende zu übertrieben und eigentlich wieder zu unglaubwürdig. Ich denke, dass dies ganz allgemein mein Hauptproblem mit Glashaus war. Einiges kam mir recht überzogen vor, insbesondere die technischen Möglichkeiten, mit denen Godspeed agierte. Ich glaube, dass vieles um der Spannung willen einfacher dargestellt wurde, als es in der Realität tatsächlich der Fall sein kann. Zumindest hatte ich als Leser immer wieder das Gefühl, es wäre in dieser Form nicht möglich. Ich möchte hier jetzt keine konkreten Beispiele nennen, um nicht unnötig zu spoilern. Mir selbst ist es sehr wichtig, dass die Handlung eines Buches ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit behält. Leider ist das dem Autor nicht in allen Bereichen gelungen.

3 von 5 Sternen
„Blieb leider hinter den Erwartungen zurück.“

Mein Fazit

Glashaus ist ein spannender und abwechslungsreicher Cyber-Thriller, denn man gut am Stück lesen kann. Man sollte jedoch in Sachen Glaubwürdigkeit nicht allzu viel erwarten. Es ist leichte Unterhaltung mit nicht allzu viel Tiefgang, mit einer überschaubaren Anzahl von Charakteren. Ich persönlich hatte mir mehr erwartet.

Jay

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This Blog will give regular Commentators DoFollow Status. Implemented from IT Blögg

Facebook IconTwitter IconFolgt uns mit Bloglovin'Folgt uns mit Bloglovin'Folgt uns mit Bloglovin'