5. Dezember 2020

Offline (Psychothriller) von Arno Strobel

Offline von Arno Strobel

Als Jenny König mit einer Gruppe zu einem organisierten Digital-Detox-Trip auf den Watzmann aufbricht, ist sie gespannt, wie sich fünf Tage offline für sie anfühlen werden. Die Vorstellung, eine Zeitlang völlig raus zu sein aus der digitalen Welt, erscheint ihr verlockend. Doch kaum ist sie mit den anderen in dem Bergsteigerhotel auf 2.000 Metern Höhe angekommen, verschwindet einer der Teilnehmer spurlos. Da mittlerweile starker Schneefall herrscht, kann er das Hotel nicht verlassen haben.

Nach einer hektischen Suche wird er schließlich gefunden. Schwer misshandelt und seiner Sinne beraubt, mehr tot als lebendig. Jetzt beginnt für alle ein Horrortrip ohne Ausweg. Vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten und ohne die Möglichkeit einen Notruf abzusetzen, sind sie auf sich allein gestellt. Und der Killer ist mitten unter ihnen… (Klappentext)

Titel: Offline Autor: Arno Strobel Verlag: Fischer Verlag Seitenzahl: 368 Genre: Psychothriller Alter: 16+ Erste Aufl.: 25. September 2019 Ausgaben: Taschenbuch, E-Book, Hörbuch ISBN: 978-3596703944 (TB)

Über den Autor von Offline

Arno Strobel wurde am 18. August 1962 in Saarlouis geboren und war bis 2014 als Unternehmensberater in der IT-Branche selbstständig, bevor er sich freiberuflich vollständig dem Schreiben zuwandte. Bereits 2007 erschien sein Thriller über den Vatikan unter dem Titel Magus – Die Bruderschaft. Seither veröffentlichte er eine ganze Reihe von Thrillern für Erwachsene und auch Jugendbücher. Einige Bücher schrieb er zudem zusammen mit der Wiener Autorin Ursula Poznanski. Arno Strobel lebt heute in der Nähe von Trier.

Meine Meinung zu Offline

„Du wolltest nicht erreichbar sein. Jetzt sitzt du in der Falle“, lautet Untertitel von Arno Strobels Psychothriller Offline. Eine Gruppe Erwachsener, die sich auf einen Digital-Detox-Trip begibt, gerät darin in eine ausweglos erscheinende Situation. Erwachsene, die ohne ihr Handy nicht leben können. Das für sich allein ist schon bedauernswert genug.

Ohne Handy und fernab der Zivilisation — hätten sie nur mal ihr Handy mit dabei gehabt, dann wäre es sicherlich nicht passiert. Zumindest wird das vom Untertitel impliziert. Der Witz dabei ist, selbst mit einem Handy wären sie in diese gefährliche Situation geraten, denn in dem einsamen, verlassenen Berghotel, das der Schauplatz der Handlung ist, gibt es kein Handynetz. Schon gar nicht in dem Schneesturm, der Tag und Nacht dafür sorgt, dass niemand aus der Gruppe den Ort verlassen kann. Kein Kontakt zur Außenwelt, keine Flucht möglich und ein Killer, der scheinbar wahllos auf grausamste Weise mordet. Das ist der Stoff, aus dem bedrückende, atmosphärisch dichte Psychothriller gemacht sind. Ein bisschen musste ich in diesem Zusammenhang an Stephen Kings The Shining und sein berühmtes Overlook-Hotel denken, nur, dass die Personenzahl in Strobels Thriller größer ist und man bis zum Ende nicht weiß, wer eigentlich der Gegner ist.

Die Spannung im Buch ist auf hohem Niveau. Ich denke jedoch, dass aus dem Setting noch Einiges mehr herauszuholen gewesen wäre. Dunkle Gänge in einem verwinkelten, nur teilweise renovierten Hotel, flackernde Neonlampen, Geräusche im Bauwerk, Mäuse, Ratten und dazu die unwirtliche Gegend, die einem aufs Gemüt drückt und einfach nur depressiv werden lässt. Mir hätte es gefallen, wenn der Autor in seinen Ortsbeschreibungen noch mehr die düstere Atmosphäre des Ortes eingefangen hätte. Es hätte der Spannungskurve gutgetan. Davon abgesehen brauche ich mich allerdings nicht zu beschweren. Mit dem ersten Toten steigt die Spannung langsam aber beständig an und ebenso das Misstrauen, das sich die Mitglieder der Reisegruppe gegenseitig entgegenbringen. Man stellt immer wieder neue Vermutungen über den Täter (oder die Täterin) an, Hintergrundgeschichten der Charaktere verwirren zusätzlich an entscheidenden Stellen, sodass man am Ende wirklich nicht mehr weiß, wem man denn nun noch trauen kann und wer eine potenzielle Gefahr für die Gruppe darstellt. Arno Strobel fokusiert seinen Thriller vor allen Dingen auf die zwischenmenschlichen Beziehungen. Kleine Geheimnisse, gegenseitige Verdächtigungen und die Gruppendynamik machen einen gehörigen Teil der Handlung aus. In der Gruppe sind einige interessante Charaktere, die alle ihre Gründe hätten als Täterinnen und Täter verdächtigt zu werden. Arno Strobel ist das Verwirrspiel recht gut gelungen, wie ich finde und bis zum Schluss hätte ich nicht mit diesem Ausgang gerechnet.

Mich hat ein wenig gestört, dass eine der Protagonistinnen ewig gebraucht hat, die verzweifelten Signale eines noch lebenden, aber gelähmten Opfers zu entschlüsseln. Strobels Idee war sehr durchdacht, jedoch stand die gute Jenny für meine Begriffe ziemlich lange auf dem Schlauch, obwohl sie beruflich eigentlich mit dieser Art von Verschlüsselung zu tun hat. Selbst ich als Laie habe schnell begriffen, auf welche geniale Weise das Opfer sich mitteilen wollte. Unabhängig davon habe ich das Buch jedoch sehr genossen und es innerhalb kürzester Zeit gelesen.

Der Schluss des Thrillers war schnell und knapp, dabei auch ziemlich undramatisch. Auf nicht einmal 20 Seiten bringt Arno Strobel den Roman zu einem zügigen Ende, indem er alles auflöst. Zu schnell für meine Begriffe. Mir ist klar, dass nach Offenlegung der Identität des Täters die Spannung schnell abfällt, trotzdem war es für mich zu überstürzt, um der zuvor so kunstvoll aufgebauten, emotionsgeladenen Handlung gerecht zu werden. Doch auch dieser Kritikpunkt ist wohl Jammern auf hohem Niveau.

Mein Fazit

4.5 von 5 Sternen „Gut und spannend.“

Offline war mein erster Thriller, den ich von Arno Strobel gelesen habe und er hat mir insgesamt recht gut gefallen. Die Handlung ist gut durchdacht, die Charaktere hinreichend glaubwürdig und auch die Atmosphäre passt im Großen und Ganzen, wenn ich mir auch ein wenig mehr atmosphärische Tiefe gewünscht hätte, die dem verlassenen Hotel mehr gerecht wird. Der Schluss war für meine Begriffe zu knapp gehalten. Alles in allem ist es aber ein wirklich lesenswerter Thriller, der nicht mit Spannung spart und den man ungern beiseite legt. TOP!

Jay

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