29. November 2020

Ausgrenzung und Rassismus in der Literatur?

Die heutige Montagsfrage von Antonia vom Bücherblog Lauter & Leise beschäftigt sich diesmal wieder mit einem überaus aktuellen Thema. Einmal mehr wurde die Welt Zeuge von Rassismus und Ausgrenzung und das in einem Land, das sich allzu gerne immer wieder als Verfechter von Freiheit und Menschenrechten darstellt, jedoch in vielen dieser Dinge noch so rückständig ist, wie schon vor einigen hundert Jahren.

Doch nicht nur in den USA gibt es immer wieder Fälle von Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt gegen Menschen, die nicht dem eigenen Ideal oder den eigenen Vorstellungen entsprechen. Das Problem ist ein weltweites und es wird sicherlich noch lange Zeit dauern, bis die mannigfaltigen Vorbehalte überwunden sind (wenn sie es überhaupt jemals werden).

Ich muss anmerken, dass ich bis dato noch keine Bücher gelesen habe, die sich explizit mit Rassismus befassen. Ich möchte, ehrlich gesagt, im Moment auch nichts davon lesen. Ich weiß, dass Rassismus schlimm ist und ich verurteile ihn auch, ohne dass ich deswegen noch Bücher darüber lesen möchte. Was in den immer wieder in den Medien schreckliches darüber berichtet wird, genügt mir in dieser Hinsicht völlig, um mich davon zu distanzieren, ohne dass ich mir zusätzlich noch diverse Leidensgeschichten in Buchform zu Gemüte führen muss. Andere mögen wie immer eine abweichende Meinung dazu haben.

Ausgrenzung umfasst jedoch nicht nur Rassismus, sondern betrifft generell Menschen, die anders sind als die breite Masse. Was mich in diesem Zusammenhang mehr interessiert, sind Erzählungen von und über Menschen, die aufgrund einer Krankheit oder ihrer Lebensumstände Ausgrenzung erfahren. Insbesondere Kinder und Jugendliche haben darunter zu leiden und ich lese gerne Geschichten, in denen sich die Betroffenen ihren Platz in der Gesellschaft aus eigener Kraft erkämpfen und dann auch Anerkennung dafür erfahren. Diese Bücher kann ich immer wieder lesen und ich habe hierfür auch schon einige Beispiele im Blog rezensiert.

Ein Buch, das wohl sehr viele Menschen kennen dürften ist Wunder von Rachel J. Palacio. Die Hauptperson, Auggie, ist mit einem schwer entstellten Gesicht auf die Welt gekommen und wird aufgrund seiner nicht alltäglichen Erscheinung von anderen gemieden und ausgegrenzt. Doch das Buch hat ein ganz wundervolles Ende und es macht all jenen Mut, die wegen ihres Aussehens mit ähnlichen gesellschaftlichen Problemen zu kämpfen haben.

"Wörter auf Papier" beschäftigt sich mit der Ausgrenzung eines jugendlichen Stotterers.

Etwas weniger bekannt dürfte der Roman Wörter auf Papier von Vince Vawter sein. Sein Buch erzählt von dem Jungen Victor, der ein massives Sprachproblem hat. Er stottert und bekommt gegenüber Fremden keinen geraden Satz heraus. Die Geschichte ist bisweilen sehr amüsant erzählt und ist auch ein Erfahrungsbericht, denn der Autor hat in seiner Jugend selbst unter der Problematik des Stotterns gelitten. Es ist ein Buch, das ich sehr empfehlen kann, weil es wirklich toll geschrieben ist. Der englische Titel lautet Paperboy.

Noch ein Buch, das viele kennen dürften und das auch oft an Schulen gelesen wird, ist der Roman Freak von Rodman Philbrick. Hierbei geht es um die Freundschaft zwischen dem schlauen und wortgewandten Kevin, den alle Freak nennen und der unter einer Gehbehinderung leidet, und dem großen, vielleicht etwas zurückgebliebenen Max. Das ungleiche Duo findet sich zusammen und es ist eine ganz wunderbare Geschichte, die zeigt, dass es bei einer Freundschaft nicht auf Äußerlichkeiten ankommt, sondern immer auf den Menschen, der dahinter steht.

In "Halbe Helden" geht es um die Freundschaft zwischen zwei ungleichen Jugendlichen (Ausgrenzung).

Ebenfalls eine enge Freundschaft entsteht zwischen Billy D., einem Jungen mit Downsyndrom und Dane, einem älteren Jungen, der seine Meinung gerne mit den Fäusten Nachdruck verleiht. Es ist ein Paar, das unterschiedlicher nicht sein könnte und dennoch entwickelt sich zwischen ihnen eine ganz außergewöhnliche Beziehung, in der beide zueinander stehen müssen. Das Buch heißt Halbe Helden und ist von Erin Jade Lange.

Im Buch Das Schweigen in meinem Kopf von Kim Hood geht es um die Freundschaft der 14-jährigen Jo, die mit einer ganzen Reihe von alterstypischen Problemen zu kämpfen hat, und Chris, einem geistig und körperlich behinderten Jugendlichen, der sein Leben im Rollstuhl verbringen muss und dem man nur wenig zutraut. Jo gelingt es zu Chris durchzudringen, setzt sich für ihn ein und akzeptiert ihn, so wie er ist. Es ist ein Jugendroman, den ich sehr empfehlen kann und der zeigt, dass Ausgrenzung anderer Menschen in unserem Alltag oft auch ungewollt stattfinden kann, indem man meint, sie bevormunden und überbehüten zu müssen.

Jay

2 Gedanken zu “Ausgrenzung und Rassismus in der Literatur?

  1. Hallo Jay,

    da war ich offenbar nicht der einzige, der das Thema etwas breiter ausgelegt hat. Für mich ist Rassismus eine Art der Diskriminierung. Erstaunlich, dass das in einem eigentlich fortschrittlichen Land so stark ausgeprägt ist aber den Präsidenten hätte ich vor einigen Jahren auch nicht für möglich gehalten.

    LG

    Torsten

    1. Ja, da muss ich dir Recht geben.
      Gerade was die USA und ihre Probleme betrifft, kann ich das Buch „Halleluja: Die Geschichte der USA“ von Joachim Ferkau empfehlen. Der beschreibt ziemlich deutlich die Doppelmoral, die dort propagiert wird. Auf der einen Seite weltoffen, demokratisch und „jeder ist seines Glückes Schmied“ und auf der anderen Seite selbstgerecht und rückständig in vielen Dingen.

      Jay

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