Jeff VanderMeer: Auslöschung (Annihilation)

Jeff VanderMeer: Auslöschung
Dt. Taschenbuchausgabe
Knaur Verlag, 2017

Inhalt

Eine geheimnisvolle Flora und Fauna, ebenso makellos wie verstörend, hat ein Gebiet irgendwo an der amerikanischen Küste übernommen, seit vor 30 Jahren ein mysteriöses Ereignis stattgefunden hat. Und die entfesselte Natur dehnt sich unaufhaltsam aus. Doch was geschieht dort, in der sogenannten Area X? Elf Expeditionen haben bereits vergeblich versucht, Antworten zu finden, Karten zu zeichnen, das Fremde zu verstehen. Ihre Teilnehmer kehrten entweder gar nicht zurück oder auf eine unheimliche Weise verändert. Jetzt wird eine zwölfte Expedition entsandt. Eine Psychologin, eine Vermesserin, eine Anthropologin und eine Biologin versuchen den Geheimnissen auf den Grund zu gehen. An ihrer Seite betritt der Leser Area X. Und kann sich weder der Faszination noch dem Grauen entziehen, das die Frauen dort erwartet.

 

Infos zum Buch

Titel: Auslöschung (engl.: Annihilation) Autor: Jeff VanderMeer Verlag: Knaur
Reihe: Southern-Reach-Trilogie #1 Seitenzahl: 240 Erste Auflage: 01.03.2017 (TB), 27.02.2014 (ENG)
ISBN: 978-3426518045 (TB), 978-0008263348 (ENG, TB) Ausgaben (D): Taschenbuch, E-Book
Sonstiges: Auslöschung wurde auch verfilmt und kam am 22. Februar 2018 in die deutschen Kinos.

Infos zum Autor

Jeff VanderMeer wurde am 07. Juli 1968 in Pennsylvania (USA) geboren und ist der Autor einer ganzen Reihe phantastischer Geschichten. Er hat zudem eine ganze Reihe von Kurzgeschichtensammlungen veröffentlicht. Heute lebt er in Tallahassee, Florida.

Meine Meinung

Auslöschung (Annihilation) von Jeff VanderMeer gehört eindeutig zu den Büchern, die allein durch die ansprechende Covergestaltung und den Klappentext bei jedem Fan phantastischer Literatur Interesse wecken kann. Mit einem Umfang von nur 240 Seiten ist es zudem relativ zügig gelesen (ich war etwa 7-8 Stunden drüber) und verspricht eine gute Mischung aus Mystik, Science-Fiction und Horror zu sein. Ich habe mir das Buch umgehend besorgt und, ganz ehrlich, war dennoch nach der Lektüre etwas enttäuscht von der Umsetzung und was letztendlich in der Geschichte enthalten war. Nicht eine Stelle des Buches konnte mir auch nur den leisesten Schauer über den Rücken jagen, obwohl ich es nachts im dunklen Wohnzimmer gelesen habe. Ja, das Buch war spannend an einigen Stellen und ja, die Ideen für die Handlung waren irgendwo gut, allerdings waren sie zum Teil auch ziemlich abgehoben, zu phantastisch und oft einfach zu viel, als dass man die Hintergründe am Ende der Geschichte ansatzweise umfassen konnte. Oder kurz gesagt: Das Buch gehört zu jenen Werken, die nach der Lektüre beim Leser weitaus mehr Fragen aufwerfen, als zuvor.

Jeff VanderMeer: Annihilation
US-Ausgabe, 2014

Irgendwie ging nichts so recht voran und man steht nach 240 Seiten einfach nur ratlos da und fragt sich, ob es zu all den Hinweisen und Gedanken der Handlung irgendwann auch eine halbwegs erklärbare Auflösung geben wird. Die Geschichte machte auf mich den Eindruck, als hätte der Autor zu Beginn noch nicht so recht gewusst, wo die Reise eigentlich hin gehen soll und hat sich dann während des Schreibens von einer spontanen phantastischen Idee zur anderen gehangelt. Nicht, dass das immer schlecht wäre, doch als Leser habe ich schließlich irgendwann das Ziel vor Augen verloren, was denn nun eigentlich Sache ist. Vielleicht lag das auch an der deutschen Übersetzung, denn normalerweise lese ich alle englischen Titel im Original. Bei Annihilation bin ich mir jedoch gerade nicht so ganz sicher, ob ich den Text von Annihilation in seiner Gänze auch verstanden hätte. Ellenlange Schachtelsätze mit, zum Teil über 80 Wörtern in einem Satz, machen die Lektüre nicht immer leicht verständlich. Da kommt es schon mal vor, dass man den Satz ein zweites oder gar ein drittes Mal liest, um den Faden zu behalten. Hinzu kamen eine ganze Reihe von Fehlern in der Rechtsschreibung und Grammatik… ok, geschenkt.
Die Protagonisten des Buches sind überschaubar. Vier Frauen, die zusammen das Expeditionsteam in die geheimnisvolle Area X bilden. Ihre Namen erfährt man als Leser nicht. Sie nennen und rufen sich einfach nur nach ihrer Profession.

Darüber hinaus war uns dringend davon abgeraten worden Namen zu benutzen. (…) Namen gehörten in die Welt, aus der wir gekommen waren; in Area X hatten wir alle nur eine Funktion. (Jeff VanderMeer: Auslöschung)

Geschrieben ist die Geschichte aus der Ich-Perspektive der Biologin, die ihre Erlebnisse in de Area X in Form eines Tagebuchs niederschreibt und dabei auch immer wieder Rückblicke in ihre Vergangenheit gewährt, welche die Handlung abwechslungsreicher gestalten. Die Ich-Perspektive ermöglicht es dem Leser tief in die Gedankenwelt der Biologin abzutauchen, ihre Gefühle nachzuvollziehen und in mancher heiklen Situation mitzufiebern. Nicht, dass es diese Situationen allzu oft gab. Nachteil der Perspektive: Unendliche Gedankenmonologe. Mit wem sollte sich die Biologin auch unterhalten, als nicht ständig mit sich selbst. Im Gegenzug blieben die anderen Charaktere ziemlich blass, da die Perspektive auch nicht gewechselt wird. Dazu das ständige „vielleicht“. Vielleicht geschah dieses, vielleicht geschah jenes, vielleicht ist es so, aber vielleicht auch so. Etwas Genaues weiß man nicht und der Autor liefert, wie schon erwähnt, auch kaum Antworten auf die Fragen, die er aufwirft. Ich fand das ermüdend. Wenn man dem Leser schon Brocken zum Nachdenken hinwirft, dann sollte man auch irgendwo auf eine Lösung hinarbeiten. Im Prinzip wusste ich am Ende des Buches nicht allzu viel mehr, als am Anfang. Manchem mag das genügen, mir war es bei Weitem zu wenig. Bleibt abzuwarten, ob sich in den beiden Folgebänden noch etwas mehr tun wird. Ich bin gerne bereit, mich positiv überraschen zu lassen.

3 von 5 Sternen
„Blieb leider hinter meinen Erwartungen zurück.“

Mein Fazit

Gute Ansätze und ein interessanter Klappentext, der viel verspricht, was der Roman (zumindest der erste Teil) in meinen Augen nicht halten kann. Zu viele Fragen werden aufgeworfen, zu wenig bekommt der Leser Antworten auf sie. Der Autor hat gute Ideen, verrennt sich jedoch in meinen Augen unweigerlich in seiner Geschichte und machte auf mich den Eindruck, als ob er am Schluss selbst nicht weiß, was eigentlich das Ergebnis sein soll und wo die Handlung hinführt. Damit kann ich leider nicht sonderlich viel anfangen. Die eingeschränkte Ich-Perspektive nimmt zudem recht viel Dynamik aus der Handlung. Auslöschung ist wohl eines der Bücher, wo die Verfilmung in meinen Augen besser sein könnte, als das Buch selbst. Dort lassen sich die Ereignisse wenigstens mit tollen Effekten ansprechend in Szene setzen. Mal sehen, was die Fortsetzung der Trilogie zu retten vermag.

Jay

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