Kiera Brennan: Die Herren der Grünen Insel

Was ist grausamer? Zu töten, was man liebt, oder zu töten, weil man liebt?
(Kiera Brennan: Die Herren der Grünen Insel)

Kiera Brennan: Die Herren der Grünen Insel
Taschenbuchausgabe
Blanvalet Verlag, 2016

Inhalt

Irland im 12. Jahrhundert. Die grüne Insel ist in viele kleine Reiche zersplittert, deren Könige sich seit Jahrzehnten immer wieder bekriegen. Leidtragende in den ständigen Auseinandersetzungen um Land und Macht nicht selten die einfachen Bürger, Bauern und Sklaven, die auf den Höfen und in den Städten unter harten Bedingungen für ihr Auskommen sorgen müssen. Doch nicht nur die Streitereien ihrer Könige macht den einfachen Iren zu schaffen. Auch Henry Plantagenet, der normannische König von England. hat ein Auge auf die Grüne Insel geworfen und droht mit einem großen Heer Irland zu besetzen. Nur ein vereintes Irland unter einem allseits akzeptierten irischen Hochkönig hätte überhaupt eine Chance den gut bewaffneten Normannen Widerstand zu leisten. Doch der Frieden liegt in weiter Ferne, solange sich die Iren selbst nicht einig sind, wer die Grüne Insel beherrschen soll.
Caitlín lebt mit ihrer Familie im Königreich Leinster. Als sie von dem gefürchteten Krieger Ascall entführt und zur Frau genommen wird, nimmt auch ihr Schicksal Einfluss auf die Geschichte ihres Volkes.

Infos zum Buch

Titel: Die Herren der Grünen Insel Autorin: Kiera Brennan (Julia Kröhn) Verlag: Blanvalet
Reihe: Die Irland-Saga 1 Seitenzahl: 946 (Handlung) Erste Auflage: 15. Februar 2016 (Hardcover)
ISBN: 978-3764505592 (HC), 978-3734101403 (TB) Ausgaben (D): HC, TB, E-Book, Hörbuch
Besonderheiten: Namensregister, Irlandkarte, Zeittafel und historische Anmerkungen

Infos zur Autorin

Kiera Brennan eines von mehreren Pseudonymen der erfolgreichen Autorin Julia Kröhn, die sich schon immer für die irische Geschichte des Mittelalters begeistern konnte. Sie wurde 1975 in Linz in Österreich geboren und studierte von 1994 bis 2000 in Salzburg Theologie, Philosophie und Geschichte. Ihr erster Roman Engelsblut erschien 2005. Julia Kröhn ist Mutter einer Tochter.

Meine Meinung

Mir ist das Cover von Die Herren der Grünen Insel schon öfter ins Auge gefallen, da ich selbst eine große Leidenschaft für die unberührte Natur hege und mich Bilder weiter, verlassener Landschaften immer auch an meine Zeit in der Pfadfinderei erinnern. Ich mag jedoch nicht nur die Bilder, sondern auch die Landschaften. Irland, Schottland, Island, Finnland, Norwegen und Schweden bleiben für mich immer tolle Reiseziele. Am liebsten fernab von den großen Touristenfallen, mit einem Rucksack und viel unberührte Natur. Irland hat mich schon immer gereizt, weshalb ich nicht lange überlegen musste, als mir der erste Roman der Irland-Saga von Kiera Brennan beim Stöbern im Internet angeboten wurde. Ich hatte nicht auf die Seitenzahl geachtet und war dann schon überrascht, als wenige Tage später der Wälzer mit fast 950 Seiten vor der Tür lag, aber bei historischen Romanen mit epischem Anspruch ist so ein Umfang eigentlich keine Seltenheit. Es war übrigens mein erster Roman von der Autorin.
Bereits einen Tag später machte ich mich an die Lektüre und war sofort gefangen. Kiera Brennan schreibt wirklich sehr gut und konnte die mittelalterliche Atmosphäre und den Lebensalltag der Menschen zu jener Zeit ganz wunderbar einfangen. Ihre Handlung bereicherte sie mit vielen interessanten Fakten über die Gepflogenheiten zur damaligen Zeit und man bekommt einen ziemlich guten Einblick in die Geschichte Irlands des 12. Jahrhunderts. Positiv vermerken will ich auch die relativ überschaubare Zahl von Charakteren. Manche historischen Romane tendieren zu einer unüberschaubaren Zahl von Namen, sodass man ohne umfassendes Namensregister eigentlich gar nicht auskommt. Zwar gibt es in Die Herren der Grünen Insel auch einige Charaktere und ein Register, allerdings gab es bei mir nie große Verwirrung, da die Personen sukzessive eingeführt werden. Nichts finde ich nerviger, als wenn dauernd der Lesefluss gestört wird, weil man irgendwelche Namen nachschlagen muss.
Die Perspektive auf die Ereignisse ändert sich mit jedem neuen Kapitel. Diese werden immer aus der Sicht einer anderen Hauptperson beschrieben, wie man es schon aus anderen Romanen kennt. Dabei führt die Autorin eine Reihe echt interessant Persönlichkeiten ein, denen sie im Laufe der Handlung immer mehr Tiefgang verleiht. Da ist zum einen Caitlín, die junge Schwester eines Landbesitzers bei Dublin, die schon zu Beginn der Geschichte vom grausamen Krieger Ascall von Toora gewaltsam entführt wird, um sie zu seiner Frau zu nehmen. Caitlíns Zeit in Ascalls Burg Dún Fionn nimmt vor allem im ersten Teil des Buches großen Raum ein. Man lernt Ascall näher kennen, ein junger Mann mit einer schweren Vergangenheit, aber auch seinen jüngeren Bruder Ailillán, der im Schatten von Ascall groß wurde und der ebenfalls so manches Geheimnis mit sich herumträgt. Andere Protagonisten sind Diarmait, der gestürzte König von Leinster, und seine anfangs noch naive Tochter Aoife, hinter deren Persönlichkeit weitaus mehr steckt, als man es zu Beginn der Handlung vermuten mag.

In einer Welt voller Ungeheuer muss man manchmal eines spielen, man muss es nicht sein. (Kiera Brennan: Die Herren der Grünen Insel)

Wie bei so vielen anderen Büchern zieht man auch bei diesem Buch den Vergleich mit George R. R. Martins Das Lied von Eis und Feuer (A Game of Thrones), um den Verkauf zu fördern. Und wenn auch die Handlung nicht ganz an die Tiefe und Komplexität des großen Meisters heranreicht, so finden sich doch so einige mitreißende Beispiele für Intrigen, Verrat, menschliche Schicksale und Tod. Die Autorin scheut sich nicht, auch mal Hauptpersonen über die Klinge springen zu lassen oder herbe Rückschläge zu verteilen. Doch genau damit erzeugt man Spannung und Abwechslung, sodass dem Leser die 950 Seiten nicht zu lange werden. Ich persönlich war zufrieden. Dass es zwischendurch auch einmal Passagen gab, die ich weniger interessant fand, liegt wohl auch an der Bindung zu den Charakteren, die nicht immer da war. Das wäre dann auch mein Kritikpunkt. Hin und wieder fand ich manche Charaktere zu überzeichnet. Ihre Handlungen wirkten auf mich zu übertrieben, ihre Aussagen allzu sehr überzogen, dass es mir schwer fiel meine Sympathien zu erhalten. Manche Personen kann man einfach nur gegen die Wand klatschen für ihre unsägliche Ignoranz und ihr selbstsüchtiges Verhalten oder weil sie sich einfach nur als Arschlöcher outen. Oft ist das dann schon hart an der Grenze der Glaubwürdigkeit, wenn man sich zum Beispiel als Familie fast kollektiv freut, dass einem anderen Familienmitglied die Augen ausgestochen worden waren. Das lässt dann schon tief blicken. Überhaupt hätten einige Protagonisten oftmals eine psychologische Behandlung bitter nötig. Mir war das zu viel des Guten.
Von allen Charakteren war es dann letztendlich Ascall von Toora, der mir am besten gefiel. Ganz einfach weil seine Persönlichkeit so komplex ist und er immer wieder auch für Überraschungen gut ist. Aber lest es selbst. :)
Nach fast 950 Seiten legt man das Buch dann auf die Seite und freut sich auf den nächsten Band Der Thron der Wölfe, den es seit Oktober 2017 als Hardcover gibt.

Man muss zerstören, was einem wertvoll ist … und töten, was man liebt … dann hat man keine Angst mehr. (Kiera Brennan: Die Herren der Grünen Insel)

4 von 5 Sternen
„Ein gut gelungener Roman über Irlands Geschichte.“

Mein Fazit

Insgesamt hat mir der Roman Die Herren der Grünen Insel recht gut gefallen, weil es einfach Spaß macht in die mittelalterliche Geschichte der Iren einzutauchen. Die Autorin schreibt anschaulich und mitreißend, obwohl das Verhalten bestimmter Charaktere bissweilen hart an der Grenze der Glaubwürdigkeit waren, weshalb es mir schwer fiel eine Beziehungen zu ihnen aufzubauen. Trotzdem kann ich das Buch allen empfehlen, die historische Romane mögen und insbesondere jenen, die Irland mögen. Kiera Brennan lässt das Mittelalter im Kopf ihrer Leser lebendig werden. Ich freue mich bereits auf die Fortsetzung, die bereits auf meiner Leseliste steht.

Mein Dank geht an den Blanvalet Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

Jay

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