Stephen King: Der Outsider (The Outsider)

Stephen King: Der Outsider
Hardcoverausgabe
Heyne Verlag, 2018

Inhalt

Im Stadtpark von Flint City wird die geschändete Leiche eines elfjährigen Jungen gefunden. Augenzeugenberichte und Tatortspuren deuten unmissverständlich auf einen unbescholtenen Bürger: Terry Maitland, ein allseits beliebter Englischlehrer, zudem Coach der Jugendbaseballmannschaft, verheiratet, zwei kleine Töchter. Detective Ralph Anderson, dessen Sohn von Maitland trainiert wurde, ordnet eine sofortige Festnahme an, die in aller Öffentlichkeit stattfindet. Der Verdächtige kann zwar ein Alibi vorweisen, aber Anderson und der Staatsanwalt verfügen nach der Obduktion über eindeutige DNA-Beweise für das Verbrechen – ein wasserdichter Fall also?

Bei den andauernden Ermittlungen kommen weitere schreckliche Einzelheiten zutage, aber auch immer mehr Ungereimtheiten. Hat der sympathische Coach wirklich zwei Gesichter und ist zu solch unmenschlichen Schandtaten fähig? Wie erklärt es sich, dass er an zwei Orten zugleich war? Mit der wahren, schrecklichen Antwort rechnet schließlich niemand. (Quelle: Buch.de)

Titel: Der Outsider (eng.: The Outsider) Autor: Stephen King Verlag: Heyne (eng.: Hodder & Stoughton) Seitenzahl: 752 (496) Genre: Roman, Mystery Alter: 18+ Erste Aufl.: 27.08.2018 (eng.: 22.05.2018) Ausgaben: Hardcover, Taschenbuch, E-Book, Hörbuch (eng.: HC, TB, E-Book, Audiobook)
ISBN: 978-3453271845 (Dt. HC)

Über den Autor

Stephen King
Artist: Mark Rain (www.azrainman.com)

Stephen Edwin King wurde am 22. September 1947 in Portland im US-Bundesstaat Maine geboren. Seinen Durchbruch als Autor hatte er 1973 mit seinem Buch Carrie, das zu einem großen Erfolg wurde und ihn schließlich dazu bewog, sich ganz dem Schreiben zu widmen. King begann schon mit 7 Jahren Kurzgeschichten zu schreiben. Er arbeitete auch als Englischlehrer, nachdem er von 1966 bis 1970 Englisch an der Universität in Maine Englisch studierte. King schrieb später auch unter den beiden Pseudonymen Richard Bachman und John Swithen.
Inzwischen hat Stephen King über 50 Romane und über 100 Kurzgeschichten veröffentlicht, die bis 2017 weltweit über 400 Millionen Mal verkauft und in 50 Sprachen übersetzt wurden. Einfluss auf sein Schreiben nahmen verschiedenen Ereignisse in seinem Leben, unter anderem der tödliche Unfall eines engen Freundes in seiner Kindheit, seine (inzwischen überwundene) Alkohol- und Drogensucht und ein Autounfall, den er im Juni 1999 als Fußgänger schwer verletzt überlebte.

Meine Meinung

Wieder einmal ein Stephen King Roman in meiner Leseliste. Der Outsider ist erst im vergangenen Jahr erschienen und mir hat das Cover schon sehr gut gefallen. Nach der Lektüre des Klappentexts war der „neue King“ auch schon gekauft. Ihn zu lesen hat auch nur wenige Tage gedauert, denn man ist von der ersten Seite an bereits gefesselt von der Geschichte. Dass die Handlung schließlich ins übernatürliche abdriftet, war eigentlich auch zu erwarten, klar, schließlich hat King einen ganz eigenen Stil und seine Romane sind oft nach einem bestimmten Muster aufgebaut. In einer idyllischen Kleinstadt, in der jeder jeden kennt und in der man Gräueltaten nicht erwartet, geschieht ein grauenvolles Verbrechen, das von einem auf den anderen Tag die traute Beschaulichkeit ruiniert und die Gemüter der Menschen hochkochen lässt. Ein elfjähriger Junge wird grausam ermordet und der blutüberströmte Täter von mehreren Augenzeugen gesehen. Es scheint für die Polizei ein klarer Fall zu sein, aber nichts ist, wie es scheint, denn das Böse hat in Flint City Einzug gehalten und stellt den Ort auf den Kopf. Einen ähnlichen Rahmen verwendet King öfter in seinen Romanen (bisweilen heißt der Ort dann „Little Rock“) und es funktioniert auch in Der Outsider. King mag es heile Welten zu zerstören, oft  durch namenlose Unbekannte, die nicht selten etwas Übernatürliches mit sich bringen. Die Opfer dieses Buches sind dabei nicht nur der arme getötete Junge im Stadtpark von Flint City, sondern die Geschehnisse ziehen weitere Kreise und reißen auch andere Kleinstadtbürger, ja ganze Familien, mit ins Verderben. King ist es gut gelungen die Spannung aufzubauen und bis zum Schluss zu halten. Dabei spielt er oft auch mit der Psyche seiner Protagonisten und natürlich seiner Leserinnen und Leser.
Was mir sehr gut gefallen hat, waren auch die verschiedenen Charaktere, die King in die Handlung einbaut. Nicht nur der sympathische Baseball-Trainer Terry Maitland spielt eine wesentliche Rolle. Im Laufe der Handlung liegt der Fokus der Erzählung immer mehr auf den Ermittlern, vor allem dem Detective Ralph Anderson, dem schließlich immer wieder Zweifel an Terrys Schuld kommen, und der etwas exzentrischen Privatdetektivin Holly, die mehr Wissen in dem Fall mitbringt, als man zunächst vermuten mag. Insbesondere Holly hat mir sehr gut gefallen und ist eine echte Bereicherung für die Geschichte. Leider wird im Buch nicht so recht klar, woher sie ihr Wissen um die Hintergründe hat. King bleibt diese Informationen leider schuldig. Die Jagd nach  der Wahrheit endet schließlich, fast schon King-typisch, an irgendeinem gottverlassenen Ort, weitab von jeglicher Zivilisation und nicht ohne ein gehöriges Maß an Spannung. Der Schauplatz für den Schluss war für mich schon einige Kapitel vorher zu erahnen und passt völlig zu Stephen Kings Stil.

Der Schreibstil ist durchweg spannend und flüssig, wobei manche Dinge schon etwas vorhersehbar sind. Das richtige Grauen hat sich bei mir, auch in tiefster Nacht, nicht so wirklich eingestellt. Ich bin immer noch auf der Suche nach Büchern, die mich die ganze Nacht nicht schlafen lassen. Dennoch ist Der Outsider ein Pageturner, der einen Kapitel um Kapitel lesen lässt und mich überzeugt. Im Herbst 2019 soll Kings Roman Das Institut erscheinen, ich freue mich schon darauf.

4 von 5 Sternen
„Spannend, aber leider nicht atemberaubend.“

Mein Fazit

Der Outsider ist ein typischer King Roman, wie man ihn erwarten kann. Für King-Fans zum Teil etwas vorhersehbar, aber trotzdem unterhaltsam von Anfang bis Ende. Kritiker sprechen sogar davon, Der Outsider wäre besser als ES, was ich hier jedoch nicht unterschreibe. Natürlich will man wissen, wie das Buch ausgeht, aber das grauenhafteste Grauen aller Grausamkeiten, wie manche schreiben, stellte sich bei mir nicht so recht ein. Es fehlte mir der subtile Schrecken, die Angst vor dem Unbekannten/dem Alltäglichen, die sich beim Lesen im Gehirn der Leser aufbauen kann und für atemberaubende Spannung sorgt. Das hätte ich mir von diesem Buch erwartet. Das bedeutet jedoch nicht, dass man an diesem „King“ keine Freude haben kann. Lesenswert ist Der Outsider allemal.

Jay

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