6. Juli 2022

Roxy von Neal Shusterman

„Du wirst leiden, und ich werde nicht da sein, um dich zu trösten. Du wirst nach mir rufen und als Antwort nur Schweigen vernehmen. Du wirst im allerschlimmsten Augenblick deines Lebens allein sein, und du wirst die wahre Bedeutung des Wortes Einsamkeit begreifen.“

Neal & Jarrod Shusterman: Roxy, Seite 284

Als Isaac der überirdisch schönen Roxy begegnet, zieht sie ihn sofort in ihren Bann. Er fühlt sich lebendig wie nie, alles ist leicht und nichts scheint unmöglich. Was Isaac nicht ahnt: Roxy ist kein normales Mädchen …

… sondern eine Droge – hergestellt in einem Labor, machthungrig und auf der Suche nach ihrem ersten echten Opfer. Sie will endlich beweisen, wie tödlich sie ist. (Covertext)

Titel: Roxy Autoren: Neal & Jarrod Shusterman Verlag: Fischer/Sauerländer Seitenzahl: 448 Genre: Jugendbuch Alter: 14+ Erste Aufl.: 23. Februar 2022 (11. November 2021) Ausgaben: Broschiert, E-Book ISBN: ‎ 978-3737361200 (BR) Sonstiges: Familienclans der Drogen

Über die Autoren Neal & Jarrod Shusterman

Neal Shusterman wurde am 12. November 1962 in Brooklyn (New York) geboren und ist dort aufgewachsen. Schon in jungen Jahren war er ein begeisterter Leser. Mit 16 zog Neal Shusterman mit seiner Familie nach Mexico City. Später studierte er an der Universität von Kalifornien Psychologie und Theaterwissenschaften. Inzwischen gehört er zu den bekanntesten Jugendbuchautoren der USA, der mit seinen Büchern bereits viele Preise gewonnen und internationale Anerkennung gewonnen hat. Zu seinen erfolgreichsten Büchern gehören unter anderem die Vollendet-Reihe und das Jugendthriller Dry, der auch in Deutschland für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2020 nominiert wurde. Neal Shusterman lebt und schreibt derzeit in Florida.

Jarrod Shusteran ist Neal Shustermans Sohn und ebenfalls Autor. Er war bereits Co-Autor von Dry und nun auch am internationalen Bestseller Roxy beteiligt. Zusammen mit seiner Partnerin Sofía reist er gerne um die Welt, lernt neue Sprachen und wohnt zwischen Los Angeles in den USA und Spanien.

Roxy von Neal Shusterman und Jarrod Shusterman

Meine Meinung zu Roxy von Neal Shusterman

Neal Shusterman ist für mich schon lange kein völlig unbekannter Autor mehr. Bereits seine dystopische Jugendbuchreihe Vollendet konnte mich vor Jahren begeistern. Spätestens seit Dry ist er auch in Deutschland richtig bekannt geworden. Mit Roxy hat er zusammen mit seinem Sohn Jarrod nun erneut ein Buch abgeliefert, das mich von der ersten bis zur letzten Seite fesseln konnte.

Was mir an dem Buch gefällt ist einmal wieder seine Aktualität und das es inhaltlich über einen Unterhaltungsroman weit hinaus geht. Neal & Jarrod Shusterman wollen ihre Leser aufrütteln und für ein heikles Thema sensibilisieren: der Suchtgefahr beim Missbrauch von Medikamenten.

Es ist unsere Hoffnung, dass alle, die Roxy lesen, die Geschichte mit einem klaren Verständnis darüber verlassen, wie heimtückisch, verführerisch und gefährlich diese Medikamente sein können.

Neal & Jarrod Shusterman: Roxy, Seite 6

Viele kennen sicherlich die gängigen Drogen aus verschiedensten Filmen. Heroin, Kokain, LSD, Marihuana, Crystal Meth u. a. gelten als gefährlich und sind zu Recht geächtet. Oftmals stark unterschätzt wird hingegen die Suchtgefahr bei Medikamenten. Sie sind über die Apotheken relativ leicht zu bekommen (verschreibungspflichtig) und sollen eigentlich den Menschen bei Beschwerden helfen. Dennoch kann übermäßiger Gebrauch zur Abhängigkeit führen und sie sind oft der Einstieg für härtere Drogen. Und auch mit einer Überdosis Schmerztabletten kann es lebensbedrohlich werden, wie Shusterman eindrucksvoll in Roxy schreibt. Passender hätten die beiden Autoren in meinen Augen das Thema nicht aufarbeiten können. Als Jugendbuch spricht es insbesondere jüngere Leserinnen und Leser an, ist jedoch auch für Erwachsene eine spannende Lektüre.

Drogen vermenschlicht

Was mich am Anfang des Buches ein wenig verwirrte, war die Vermenschlichung der Drogen. Das ist für mich auch ein wesentlicher Grund des Erfolgs von Roxy. Die Shustermans hätten das Buch auch ausschließlich aus der Sicht der Opfer und Süchtigen schreiben können. Dass sie jedoch den Drogen eine Stimme, Gedanken und Gefühle geben, macht die Geschichte nur umso bedrohlicher. Sie unterteilen sie in unterschiedliche “Familienclans“: Halluzinogene (MDMA, LSD, Marihuana,…), Schmerzmittel (Oxycocon, Morphium, Naloxon, Heroin,…) und Aufputschmittel (Adderall, Ritalin, Kokain, Crystal Meth,…).

Jede einzelne Droge, jedes Medikament wird als handelnde Person im Buch dargestellt und unterscheiden sich auch in ihrem Auftreten und dem Charakter. Anfangs musste ich mich erst daran gewöhnen, doch nach ein paar Kapiteln fand ich diese Herangehensweise an das Thema einfach nur genial. Drogen sind in Roxy nicht einfach nur eine Substanz, die man zu sich nimmt, sondern sie denken, umgarnen, verführen ihre Opfer regelrecht. Und wem sie erst einmal für sich vereinnahmt haben, den versuchen sie mit allen nur erdenklichen Tricks festzuhalten – bis in den Tod. Sie flüstern den Menschen ins Ohr (gedanklich), sie verleiten und täuschen, sie lügen und manipulieren. In dem Buch der Shustermans bekommen die Drogen ein Gesicht, wird ihre hinterhältige Intention greifbar und verständlich. Super gemacht!

Von Drogen und Opfern

Roxy (Oxycodon) ist eines dieser Medikamente. Sie ist ein Mädchen und ein Schmerzmittel und hat mit Addison (Adderall), einem Jungen und Aufputschmittel, eine Wette laufen, wer von ihnen ein Opfer am schnellsten in den tödlichen Abgrund reißen wird. Doch auch weitere Antagonisten der Familienclans kommen immer wieder zum Zuge und geben ihr bestes, ihre menschlichen Opfer in die Sucht zu locken. Die Shustermans haben es perfekt verstanden, dieses Ringen um Aufmerksamkeit und die unterschwellige Gefahr in Worte zu fassen. Man möchte den (potentiellen) Opfern manchmal laut zurufen “Höre nicht auf sie! Lass die Finger davon! Bleib stark!“ und dennoch ist man als Leser hilflos gegenüber den Dingen die passieren. Ziemlich gemein.

Roxy von Neal Shusterman und Jarrod Shusterman, US-Ausgabe

Isaac ist ein beliebter und strebsamer Junge mit guten Schulnoten und Talent im Fußball. Als er sich in einer Rauferei am Knöchel verletzt, hilft ihm Roxy seine Schmerzen zu ertragen. Doch seine Einschränkung ist zu groß und er kann Schmerzen im Sport gerade jetzt überhaupt nicht gebrauchen, was ihn immer schneller in die Abhängigkeit von Roxy führt.
Isaacs Schwester Ivy ist ein Mädchen, das schnell mal über die Stränge schlägt und sich nur schwer auf die Schule konzentrieren kann. Um den Schulabschluss zu schaffen braucht sie Addison und das immer öfter. Ihr neu erwachter Ehrgeiz bringt Ivy schon in Addisons trügerische Sicherheit.

Wie das alles endet, weiß der Leser schon nach den ersten Seiten im Buch. Einer von beiden, Isaac oder Ivy, werden den Kampf gegen die Sucht verlieren. Wer? Das verrate ich natürlich nicht.

Emotional und eingehend

Neal und Jarrod Shusterman nähern sich dem Thema behutsam, aber bestimmt. Sie ziehen als Autoren alle Register, um ihren jungen Leserinnen und Lesern die großen Gefahren verschiedener Medikamente aufzuzeigen. Zumindest, wenn man sie zu unbekümmert verwendet. Mir hat der Schreibstil sehr gut gefallen und auch die Charaktere sind durchweg gut beschrieben. Es fiel mir leicht in die Handlung zu finden und bis zum Schluss dabei zu bleiben. Der Schluss jedoch ist ergreifend und sehr emotional. Er wirkt auch nach Beendigung des Buches noch nach und lies mich nachdenklich zurück. Das ist es auch, was Neal Shusterman und sein Sohn Jarrod erreichen wollten. Man kann nur hoffen, das viele ihr neues Buch lesen werden. Es hat genug Potenzial Einfluss auf die Problematik zu nehmen.

Mein Fazit zu Roxy von Neal Shusterman und Jarrod Shusterman

5 von 5 Sterne „Für mich schon jetzt ein Highlight des Jahres!“

Ich bereue nicht die Zeit, die ich für Roxy investiert habe. Das Buch ist nicht nur spannend, emotional und auch tiefgründig, es gibt den Lesern auch einiges mit auf den Weg. Tablettensucht und auch „härtere“ Drogen sind in unserer Gesellschaft durchaus ein Problem. Kinder und Jugendliche müssen davor geschützt werden. Dazu leisten die Shustermans mit Roxy einen wertvollen Beitrag. Ich würde mir wünschen, dass möglichst viele es lesen, obwohl 448 Seiten schon recht viel ist. Man hätte den Weg in die Sucht und die Probleme aber kaum mit weniger Worten beschreiben können. Insbesondere die Darstellung der Drogen als handelnde Wesen, gibt dem Buch die nötige Spannung mit auf den Weg. Doch auch die anderen Charaktere sind gut gezeichnet und glaubwürdig. Liebe und Freundschaft spielen ebenfalls eine große Rolle. Was mehr kann man von einem guten Jugendbuch erwarten?

Mein herzlicher Dank geht an den Fischer/Sauerländer Verlag für das freundlicherweise zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

Jay

Ein Gedanke zu “Roxy von Neal Shusterman

  1. Huhu!

    Ich hab das Buch ja auch gelesen, allerdings finde ich nicht, dass sie sich dem Thema „behutsam“ nähern.
    Die Idee und die Umsetzung finde ich wirklich super gemacht – aber für mich, die ich auf mehreren Ebenen Erfahrung mit dem Thema habe, war das nicht einfach und triggert sehr stark. Die einführenden Worte im Buch, dass es „hilft“ finde ich deshalb jetzt nicht unbedingt richtig. Denn für manch einen kann das auch nach hinten losgehen…
    Dennoch auf jeden Fall super geschrieben und sehr klar auf die Risiken hingewiesen, die ja nicht immer so sichtbar sind.

    Liebste Grüße, Aleshanee

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