Jussi Adler-Olsen: Selfies (Siebter Fall für Carl Mørck, Sonderdezernat Q)

Jussi Adler-Olsen: Selfies
E-Book-Ausgabe
dtv Verlag, 2017

Inhalt

Ein brutaler Mord an einer alten Dame beschäftigt die Mordkommission der Kopenhagener Polizei. Alles deutet auf einen Raubmord hin, doch es gibt Parallelen zu einem ähnlichen Fall in der Vergangenheit, der schon einige Jahre zurückliegt und nicht gelöst werden konnte. Hat der gleiche Täter erneut zugeschlagen? Wieder ist es Carl Mørck, Vizekommissar und eigensinniger Leiter des Sonderdezernats Q, der sich dem Fall, mehr oder weniger auf Drängen von Kollegen annimmt. Schon bald ereignen sich weitere tödliche Unglücksfälle in Dänemarks Hauptstadt, welche die Polizei auf Trapp und die Bevölkerung in Atem halten. Ein unbekannter Autofahrer versucht junge Mädchen zu überfahren und auch ein Raub in einer Diskothek hinterlässt viele offene Fragen. Die drei selbstbezogenen Mädchen Jazmine, Denise und Michelle haben sich auf dem Sozialamt gefunden und scheinen ebenfalls eine wichtige Rolle bei den Ereignissen zu spielen. Je tiefer Carl Mørck und seine Assistenten Assad und Gordon in die Fälle eintauchen, umso deutlicher zeigt sich, dass es zwischen den Ereignissen wohl eine Verbindung geben muss. Gerade jetzt, wo sie am meisten gebraucht wird, kann Carls resolute Assistentin Rose das Sonderdezernat Q nicht unterstützen. Erlebnisse aus ihrer Kindheit holen sie ein und drohen sie immer tiefer in einen psychischen Abgrund zu ziehen, dem sie selbst nicht mehr entkommen kann…

Über das Buch und den Autor

Jussi Adler-Olsen wurde am 2. August 1950 in Kopenhagen geboren. Neben Filmwirtschaft studierte er Medizin, Soziologie und Politische Geschichte und war in verschiedenen Berufen tätig, bevor er 1997 seinen Debütroman Alfabethuset (dt.: Das Alphabet-Haus) veröffentlichte. Mit Kvinden i buret (Dt. Titel: Erbarmen) gelang ihm schließlich 10 Jahre später der Durchbruch als Autor. Die fesselnden Thriller um den exzentrischen Kommissar Carl Mørck und seinem Sonderdezernat Q fanden international große Anerkennung. Seit 2007 wurden inzwischen sieben Titel der Reihe veröffentlicht und Erbarmen inzwischen auch verfilmt. Jussi Adler-Olsen ist verheiratet, hat einen erwachsenen Sohn und lebt in der Nähe von Kopenhagen.

Jussi Adler-Olsen auf der Leipziger Buchmesse 2015

Der neueste Titel der Carl-Mørck-Reihe, Selfies erschien am 10. März 2017 auf dem deutschen Markt. Die Hardcoverausgabe umfasst 576 Seiten und ist in mehrere Kapitel, einem Prolog und einem Epilog unterteilt. Die Handlung wird aus verschiedenen Blickwinkeln der Hauptpersonen erzählt. Im Gegensatz zum Vorgängerband Verheißung spielen die Ereignisse hauptsächlich in der Gegenwart. Einen separaten Handlungsstrang in der Vergangenheit gibt es nicht, höchstens kurze Rückblicke. Wie immer laufen die einzelnen Erzählstränge gegen Ende des Buches zu einem runden Ganzen zusammen, wie man es bei Adler-Olsens Büchern gewohnt ist. Übersetzt wurde Selfies, wie die anderen Romane des Autors, von Hannes Thiess.

Meine Meinung

Zwei Jahre hat es gedauert, bis Jussi Adler-Olsen seine Carl-Mørck-Reihe endlich fortsetzt, und man kann mit recht sagen, dass viele Fans auf die Weiterführung der Reihe gewartet haben. Einige haben das Buch inzwischen gelesen und die Kritiken sind, wie es scheint, durchwachsen. Manche sprechen sogar vom schlechtesten Band der Reihe. Manche quälen sich „seit Wochen“ durch die Handlung, andere vermissen weitere Hintergründe zu den Hauptcharakteren. Ich für meinen Teil kann die Kritik nicht in allen Punkten nachvollziehen, denn mir hat Selfies mal wieder gut gefallen. Nach dem eher schwachen Vorgängerband Verheißung, der in manchen Teilen auch etwas gekünstelt rüberkam, war Selfies für mich wieder ein Thriller, der von Anfang bis Ende Spaß machte und den ich in nur zwei Tagen gelesen habe. Danke an dieser Stelle an den dtv Verlag für die freundliche Überlassung eines E-Books zur Rezension.
Carl Mørck ist zurück und wie immer überschlagen sich in Kopenhagen die Ereignisse. Diesmal verknüpft Jussi Adler-Olsen wieder unterschiedliche Handlungsstränge zu einem Gesamtbild und führt eine ganze Reihe von Charakteren (und Opfern) ein, die den Leser durch das Buch begleiten. Neben Carls Team spielen vor allem die drei egozentrischen Gören Jazmine, Denise und Michelle, denen so ziemlich alles egal ist, außer sie selbst, ihr Aussehen und wo sie das Geld für ein weitestgehend sorgenfreies Leben herbekommen können. Natürlich arbeiten sie nicht und liegen dem Sozialamt auf der Tasche, worin sich vielleicht auch eine versteckte Kritik des Autors am dänischen Sozialsystem erkennen lässt. Jedenfalls kreist ein Großteil der Handlung um die drei Mädchen, die auch gleich den Titel des Buches rechtfertigen. Mit Selfies sind wohl eher nicht unbedingt Bilder von sich selbst gemeint (die aber auch vorkommen), sondern die Selbstverliebtheit bestimmter Protagonisten, die Adler-Olsen so glaubwürdig in den Mittelpunkt stellt. Ich finde, dass ihm das gut gelungen ist.
Wer die anderen Bücher der Reihe kennt weiß, dass sie vor allem auch von den Hintergrundgeschichten der Protagonisten leben, die dem Leser unbekannt sind. Allen voran die Geschichte um Carl und seinen gelähmten Freund Hardy, die Geheinisse um Assad oder auch um die resolute und schillernde Rose, die mit ihren drei Schwestern immer wieder für Aufregung im Team sorgt. Insbesondere Rose und ihre Vergangenheit ist in diesem Band ein großes Thema. Man erfährt als Leser sehr viel über ihre Kindheit und warum sie immer wieder auch mit psychischen Problemen zu kämpfen hat. Manche Kritiker fanden diesen Teil zu ausladend und überbetont, aber mir hat er gut gefallen, weil sich Adler-Olsen eben nicht mit Halbheiten begnügt, sondern sich wirklich Zeit lässt Roses Geschichte aufzudecken und in die Handlung zu verflechten. Allein schon deshalb freue ich mich auf den kommenden Band, weil ich wissen will, wie und ob sich Roses Charakterzüge im Folgenden ändern werden, nachdem jetzt vieles geklärt und bekannt ist. Ich denke es ist nicht leicht für einen Autor, die vielen Dinge in einem Buch sinnvoll unterzubringen und dabei eine gute Balance zu halten zwischen Charakterentwicklung und Thriller-Elementen, ohne dass es dem Leser langweilig wird. Für mich hat es genau gepasst. Der Spannungsbogen war von Anfang bis Schluss vorhanden. Der Erzählstil ist flüssig und man findet auch immer wieder eine Portion Humor, auch wenn manche (Kamel-)Witze bzw. Ausdrucksweisen von Assad inzwischen etwas überholt und abgedroschen wirken dürften. Das Ende des Thrillers war OK und angemessen und ich freue mich schon jetzt auf den kommenden Fall von Mørck und seinem Team.

4 von 5 Sternen
„Eine gut gelungene Fortsetzung der Reihe.“

Mein Fazit

Eine gut zu lesender Folgeroman nach dem eher schwachen Vorgänger Verheißung. Mir hat Selfies gefallen und ich habe in innerhalb von zwei Tagen gelesen. Hoffen wir, dass der nächste Roman schon im kommenden Jahr in die Regale kommt.

Jay

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