20. September 2020

Marie Brunntaler: Wolf (Heimatroman)

Buchcover von Wolf von Marie Brunntaler

Schrötten im Südschwarzwald, 1820: Ein verwilderter Knabe wird aufgefunden, niemand weiß, woher er kommt. Man gibt den Halbwüchsigen der Bauernfamilie Steinhauer in Obhut, wo er seine Umgebung durch seine Schönheit und Anmut sogleich fasziniert. Auch besitzt er erstaunliche Kenntnisse in der Naturheilkunde und rettet damit der jungen Maria Steinhauer das Leben.

Mehr und mehr Dorfbewohner scheinen dem wundersamen Charme Gabriels zu erliegen. Als sich dann auch die Bäuerin Steinhauer heimlich in Gabriel verliebt, spitzen sich die Ereignisse zu und bringen so manchem Schröttener den Tod. Und die Fragen, die alle Schwarzwälder umtreibt, werden immer drängender: Wer ist dieser Fremde, wo kommt er her, und was führt er im Schilde?
(Quelle: Buecher.de)

Titel: Wolf Autor: Marie Brunntaler Genre: Roman Verlag: Eisele Verlag
Seitenzahl: 260 Erscheinungstermin: 13. September 2019 Ausgaben: Hardcover, E-Book, Hörbuch ISBN: 978-3961610679 (HC)

Meine Meinung zu Wolf von Marie Brunntaler

Als ich mich jüngst einmal wieder auf Netgalley umgesehen habe, fiel mir dieser Roman in die Augen. Den Klappentext fand ich recht ansprechend und vor allem die Zeit um 1820. Ich mag Geschichten, deren Handlung weiter in der Vergangenheit spielt, weil ich mich für die Lebensweise der Menschen damals interessiere. Also habe ich das Buch zur Rezension angefordert und mich einfach überraschen lassen, da ich von der Autorin zuvor noch nichts gelesen hatte. Ich wurde nicht gänzlich enttäuscht.

Mit Marie Brunntalers Buch Wolf taucht man ein in die Vergangenheit und in die Lebensverhältnisse in einem Bauerndorf im Schwarzwald. Die Winter auf den Höhen sind lang und hart, die Sommer leider nur kurz und das Leben der Menschen ist hart und entbehrungsreich. Die Lehren der Kirche haben zudem großen Einfluss auf den Alltag der gottesfürchtigen Menschen, die tagtäglich versuchen dem kargen Boden etwas Nahrung abzugewinnen. Auch wenn der Fokus der Geschichte auf den zwischenmenschlichen Beziehungen der Dorfbewohner und dem gutaussehenden Gabriel liegt, bekommt man als Leser dennoch einen Eindruck vom Dorfleben in der damaligen Zeit, was mir gut gefallen hat. Nicht weit vom Dorf befindet sich auf einem Berg zudem ein Benediktinerkloster, das in der Geschichte ebenfalls eine relativ große Rolle spielt.

Hauptperson der Handlung ist Gabriel, ein etwa 15-jähriger Junge, der eines Nachts vor dem Kloster gefunden wird und der später als Holzknecht beim Bauer Steinhauer im Dorf arbeitet. Gabriel verdreht so ziemlich jeder weiteren Hauptperson im Buch den Kopf (einschließlich dem Abt des Kosters). Es kommt dadurch zu Rivalitäten und Streit im Haus des Bauern, denn nicht nur Gabriel hat ein Auge auf die hübsche Tochter des Bauern geworfen. Der ganze Roman dreht sich eigentlich fast nur um die Beziehungen der Menschen untereinander, wodurch er mehr in Richtung Liebes- und Heimatroman tendiert und eher Frauen anspricht als männliche Leser (aber woher hätte ich das vorher wissen sollen). Ich habe das Buch dennoch an einem Tag gelesen. Die Gefühle der Menschen für den hübschen Gabriel schwanken von Liebe über Bewunderung, Eifersucht und Verachtung bis hin zum Hass, wobei ich mir manchmal selbst nicht mehr so sicher war, was denn nun eigentlich überwog, denn die Gefühle der Menschen gegenüber Gabriel (und untereinander) ändern sich bisweilen. Das fand ich einerseits recht gut gelöst, weil sich Marie Brunntaler nicht auf reine Schwarz-Weiß-Malerei beschränkt. Andererseits fand ich manche Passagen wiederum ein wenig schmalzig, aber das muss wohl so sein. Wo ein Kloster im Spiel ist, darf natürlich auch die Sünde nicht fehlen. Manche Dorfbewohner glauben, dass es Gabriel ist, von dem die Sünde ausgeht. Dass er rechtschaffenen Menschen den Kopf verdreht mit seinen blonden Locken oder zumindest „Wünsche und Sehnsüchte hervorlockt“. Zum Ende des Buches ereilt die wahrlich Sündigen schließlich eine gerechte Strafe, wobei es auch mal einen Unschuldigen trifft, aber so war das eben zu jener Zeit, wenn religiöse Verblendung und Aberglaube das Handeln bestimmen.

Insgesamt fand ich den Roman ganz nett geschrieben, lediglich die Spannungskurven fehlten mir. Der Schreibstil ist flüssig und es gibt auch kaum Längen, allerdings hätte ich mir gerade auf den Schluss zu noch etwas mehr Dramatik und Nervenkitzel gewünscht. So bleibt das Buch für mich leichte Unterhaltung, ohne großen Anspruch die Leser mitzureißen und in den Bann der Handlung zu ziehen. Ich weiß nicht, wie ich es anders ausdrücken soll. Zwar klärt die Autorin am Ende alle Fragen über die Herkunft Gabriels und die Hintergründe seines Tuns, allerdings fehlt mir die ansteigende Spannungskurve, die auf das Ende des Buches ausgerichtet ist und der Paukenschlag, den man irgendwie erwartet, aber der sich dann doch nur als Schlägchen darstellt.
Das Cover des Buches ist ganz hübsch, sagt aber leider nur wenig aus.

Mein Fazit

Sterne-Bewertung
3.5 von 5 Sternen
„Etwas wenig Spannung für mich.“

Wolf von Marie Brunntaler ist ein solider Roman, der meine Erwartungen nicht gänzlich erfüllen konnte. Das ist jedoch nur meine Meinung und muss nichts heißen, da ich als männlicher Leser das Buch sicherlich anders empfinde als die weibliche Leserschaft, die wohl eher damit angesprochen werden soll. Insgesamt hat mich das Buch gut unterhalten, wenn mir persönlich auch die Spannung in weiten Teilen fehlte. Interessant waren die Einblicke in den harten Alltag der Schwarzwälder Bauern im 19. Jahrhundert. Insgesamt kann ich das Buch mit Einschränkungen empfehlen.
Wem Wolf gefallen hat, kann ich auch diesen Roman von Luca di Vulvio empfehlen.

Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle beim Eisele Verlag und bei Netgalley für das zur Verfügung gestellt Rezensionsexemplar (E-Book).

Jay

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