14. Juni 2021

Dorn von Thilo Corzilius (Fantasy)

Thilo Corzilius: Dorn Deutsche Taschenbuchausgabe

Drei unerwartete Besuche verändern das beschauliche Leben des jungen Markgrafen Deckard für immer: Ein trauernder Bote, der den Tod des alten Königs verkündet. Eine geheimnisvolle junge Elbin, die um Zuflucht bittet. Und ein finsterer Attentäter, der auf der Suche nach etwas ist, das die Welt Dorn für immer aus dem Gleichgewicht bringen könnte. Deckard begibt sich auf eine Reise, die zunächst nach der lästigen Erfüllung seiner Pflicht aussieht, doch schon bald findet er sich in einem Netz aus Intrigen, Machtgier und Verrat wieder. Und ein großer Krieg beginnt an allen Ecken und Enden des Reiches zu nagen – wie ein hungriges und nimmersattes Tier… (Dorn von Thilo Corzilius)

Titel: Dorn Autor: Thilo Corzilius Verlag: Piper Seitenzahl: 416 Genre: Fantasy Alter: 14+ Erste Aufl.: 10. Dezember 2013 Ausgaben: Taschenbuch, E-Book ISBN: 978-3492269421 (TB) (zeitweise nur antiquarisch erhältlich)

Zum Buch und zum Autor von Dorn

Dorn ist ein eigenständiger, abgeschlossener Roman mit 410 Seiten in 17 Kapiteln. Es gibt ein Proludium (Prolog) und ein Postludium (Epilog). Erzählt wird eine Geschichte (die abenteuerlichen Erlebnisse des Markgrafen Deckard von Falkenberg), die der Markgraf dem Wirtsjungen Hinck erzählt. Also eine Geschichte in der Geschichte. Die gesamte Handlung wird aus der Ich-Perspektive des Markgrafen erzählt und ist nochmals in drei größere Abschnitte unterteilt. Jeder der Abschnitte endet daher auch mit einem Interludium, in dem der Leser in die Erzählzeit von Hinck und Deckard zurückversetzt wird. Auf den ersten Seiten des Romans befindet sich zudem eine recht schön gezeichnete doppelseitige Karte des Kontinents Dorn mit allen wichtigen Orten. Dorn ist 2014 als Taschenbuch beim Piper Verlag erschienen.

Thilo Corzilius wurde 1986 in Dortmund geboren. Er schrieb vor Dorn bereits andere Bücher, bezeichnet es aber als „jenes Buch, das ich zuerst und immer schon schreiben wollte.“ Inspirieren ließ er sich dabei u. a. von J. R. R. Tolkien und dem deutschen Autor Ralf Isau (Neschan-Trilogie, Der Kreis der Dämmerung). Nach vielen Jahren der Ideen- und Materialsammlung wurde Dorn dann endlich fertig.

Meine Meinung zu Dorn von Thilo Corzilius

Tja, meine Meinung ist sehr gespalten. Zum einen fand ich die Ideen zur Handlung des Buches recht gut, allerdings scheitert das Buch in meinen Augen an einigen Dingen, die mir sehr wichtig sind. Lasst es mich kurz zusammentragen:

Was dem Buch auf Dauer den Reiz nahm und für mich ein absoluter Stimmungstöter war, ist definitiv der Schreibstil, der für mich gar nicht so recht zum Genre passen wollte. Über die Ich-Perspektive kann man sich bestimmt streiten, ich denke jedoch, dass sich der Autor durch die eingeschränkte Sicht des Hauptcharakters selbst um sehr viele Möglichkeiten zum Spannungsaufbau gebracht hat. Ein allwissender Erzähler wäre hier wohl besser gewesen. Aber gut, letztendlich kommt es ja immer darauf an, was man daraus macht.

Der Sprachstil des Grauens

Was jedoch gar nicht passte und mich immer wieder störte, war der Sprachstil. Der Hauptcharakter ist ein Adliger, Markgraf Deckard (32 Jahre), und dennoch pflegt er eine Ausdrucksweise, die eher zu einem pubertierenden Teenie passt. Aber auch andere ehrwürdige Charaktere (Elben, Grafen, Könige,…) reden wie übermütige Halbwüchsige beim Kneipenbesuch. Ich habe hier ein paar Beispiele zusammengetragen, um meinen Eindruck zu verdeutlichen.

Flankiert wurde der brachiale Zentralbau…

Thilo Corzilius: Dorn, Seite 86

Das Wort „brachial“ kommt im Buch noch häufiger vor und passt für mich nicht in eine Fantasywelt (zumindest sehe ich das so). Aber ich bin auch kein Lektor.

„Und aus dem Norden Gamars wegzukommen, wäre ein sehr positiver Nebeneffekt. Es ist saukalt da oben“, grinste sie.

Thilo Corzilius: Dorn, Seite 122

Die grinsende Grafentochter, die sich zudem für den Königsthron bewirbt, hat schon ein paar saugute Ausdrücke parat. Gut, vielleicht ist sie ja recht jung und hip, da gehen solche Ausdrücke vielleicht schon.

„Wäre also heute Abend bereits ein möglicher Termin?“

Thilo Corzilius: Dorn, Seite 93

Amando, der Großmeister eines Ritterordens, fragt Deckard nach einem ihm passenden „Termin“ für die Beerdigung des Königs. Fehlt nur noch, dass Deckard schnell noch seinen Terminkalender (oder das Smartphone) zückt. Zudem ist es unglaubwürdig, dass sich der Markgraf der ausdrücklich kleinsten Grafschaft des Reiches mit einem gemeinen Ritter über einen Beerdigungszeitpunkt für den König einig werden muss. Die Beerdigung ist, wann sie eben ist. Punkt und keine Diskussion. Wo kämen wir denn da hin?

„Warum passiert hier nur so eine riesige Scheiße an jeder Ecke?“

Thilo Corzilius: Dorn, Seite 175

Ach, ja. Das Leben ist kein Ponyschlecken, Graf Deckard. Nochmal: Die Sprache passt nicht in die Zeit und ich bezweifle auch, dass ein Graf in heutiger Zeit so reden würde. Naja, vielleicht doch.

„Es ist nur richtig, das (sic!) nach uns niemand jemals wieder diese Dämonendinger in Gebrauch nehmen kann,“

Thilo Corzilius: Dorn, Seite 248

Dämonendinger? So spricht doch kein König.
Das „das“ hinterm Komma ist zudem falsch (und das passierte nicht nur einmal, liebes Lektorat). Vielleicht sollten die Lektoren diese Buchdinger mal genauer lesen bevor sie gedruckt werden.

Hinzu kommt, dass jeder mit jedem schlichtweg per du ist. Ganz gleich wie groß der Standesunterschied auch sein mag. Ok, vielleicht ist es in solch saukalten Landen mit Scheiße an jeder Ecke der brachialen Bauten einfach so. Für mich ist das leider ein Stimmungstöter erster Güte.

„Oder bist du bereit, deinen Kandidaten zurückzuziehen, Gräfin?“ (Amondo zur Gräfin von Dinster)

„Ist das dein Ernst?“ (Prinz der Nordleute zu Deckard)

„Dann muss ich dich fragen, warum es dich schert, was wir Elben tun, Herr?
(Frage eines Elben an Deckard)

Thilo Corzilius: Dorn

Hinzu kommen einfach unglaubwürdige Handlungsweisen, die nicht so ganz zum Charakter passen. Nachdem er vor der Schlacht eine feurige Rede an sein Volk gehalten hatte, fragt König Fjelding leise:

Wie bekämpft man am besten einen Riesen?

Thilo Corzilius: Dorn

Genauso gut hätte er fragen können, wie er am besten ein Schwert hält. Ok, solange das Volk davon nichts mitbekommt.

Im Blick der Köchin sah ich den Tadel

Thilo Corzilius: Dorn, Seite 40

Der Markgraf von Falkenstein lässt sich von seiner Köchin tadeln. Wäre er ein starker Charakter, dann würde er sie oder ihn (wenn es ein Koch gewesen wäre) zurück in die Küche schicken und sie wüsste, wo in der Burg ihr Platz ist. In anderen Gestaden haben Bedienstete für weitaus weniger ihren Kopf verloren. Ich meine ja nur.

Dilettanten sollten keinen Angriff führen

Hinzu kommen logische Fehler, die sogar mir auffallen (und ich bin jetzt nicht dafür berühmt, dass mir alles auffällt). Zum Beispiel wurden die Schutzwälle um eine Festung der Nordleute aus Holz gebaut. Klar, dass man da zur Verteidigung kein kochendes Pech hinunterschütten kann, weil Pech, Holz und Feuer… verstehen sich bestens.
Soweit schon in Ordnung, nur: Warum nutzen dann die Angreifer kein Feuer, um die Befestigungen niederzubrennen, während sie entspannt aus der Ferne zuschauen? Nein, sie rennen wie verrückt dagegen an… Vielleicht war es ja einfach auch nur saukalt und sie brauchten etwas Bewegung, doch selbst dann wäre ein Feuerchen nicht zu verachten.
So manche Handlungen konnten von mir wirklich nicht nachvollzogen werden. Es wunderte mich manchmal schon fast, wie die Helden die ganze Geschichte über nahezu unbeschadet überleben konnten.

Charakterentwicklung ausbaufähig

Die Charaktere bleiben leider nur sehr blass und farblos. Man erfährt nicht sonderlich viel über sie und mir ist es schwergefallen eine stabile emotionale Beziehung zu ihnen aufzubauen. Gefährliche Situationen hatten auf meinen Puls eine Wirkung wie ein Entspannungsbad. Einige Emotionen mehr hätten den Beziehungen der Charaktere untereinander sicherlich auch gutgetan. Letztendlich habe ich das Buch nur immer weiter gelesen, weil ich wissen wollte, wie es ausgeht. Vielleicht auch, weil ich ihm bis zur letzten Seite eine Chance geben wollte.

Mein Fazit zu Dorn von Thilo Corzilius

2 von 5 Sternen "Leider in einigen Punkten nicht überzeugend."
2.5 von 5 Sternen
„Leider in einigen Punkten nicht überzeugend.“

So gut der Einstieg auf den ersten Seiten auch war, letztendlich konnte mich Dorn nicht überzeugen. Vor allem der unpassende Stil störte mich massiv und machte viel von den eigentlich guten Ideen kaputt, was sehr schade ist. Dorn liest sich wie ein Debütroman eines noch unerfahrenen Autors, dem noch die sprachlichen Mittel fehlen eine fesselnde und genretypische Atmosphäre zu erzeugen. Dialoge zwischen den Charakteren, die vielleicht locker und ungezwungen sein sollten, wirken nicht selten aufgesetzt und den Personen/der Situation nicht angemessen. Ich denke das Buch ist ganz OK für Leser, die leichtere Unterhaltung suchen und die sonst wenig Fantasy lesen und damit wenig Vergleichsmöglichkeiten haben. Für anspruchsvollere Leserinnen und Leser des Genres könnte es enttäuschend sein.
Trotz aller Kritik an Dorn hat Thilo Corzilius definitiv noch einiges an Potenzial und ich habe die große Hoffnung, dass er dies in weiteren Romanen zu nutzen und auszubauen weiß. Ich werde weitere Bücher von ihm lesen.

 Jay

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