28. September 2020

Der Stern von Erui (Schattenkriege) von Sylvia Rieß

‚Schatten wird aus Licht geboren,
Schwarz und bedrohlich.
Wer sich ihm verweigert, wird davon erstickt.
Wer sich ihm hingibt, ertrinkt darin.
Es gibt kein Entkommen.‘

Sylvia Rieß: Der Stern von Erui – Schattenkriege
Sylvia Rieß: Schattenkriege (Der Stern von Erui 2), E-Book (2015)

Das magische Reich Erui steht vor seinem Untergang, denn der Fürst der Schatten hat die Lichtprinzessin Aljana entführt. So zumindest glauben es der Hohe König und der Ewige Rat. Dabei wissen sie noch gar nicht, dass der Stern von Erui wieder in seinem Reich weilt, befreit durch den Mann, der vom Rat berufen war, sie zu töten.
Warum aber will Aljana nicht auf ihren Thron und in ihr Schloss zurückkehren?
Die Antwort darauf ist nur in der Vergangenheit zu finden, in jenen Sommern, die aus einem Mädchen einen Stern werden ließen. Dabei ist es an Prinz Daven, diese Antwort zu finden. Einst einen gefallenen Stern nachhause zu führen, wurde ihm als Jungen im Mondtempel prophezeit. So nutzt er die Gabe seines Volkes, um tief in Aljanas Erinnerungen zu gelangen. Was Daven dort allerdings findet ist nicht strahlend hell, sondern düsterer als alles, was er sich bisher vorstellen konnte. Damit muss er sich fragen, ob ein Herz, das diese Hölle durchlitt, wirklich in der Lage sein kann, der Dunkelheit zu trotzen. Oder verbirgt sich hinter der Maske des Sterns schon längst die Königin der Schatten? (Quelle: Amazon)

Titel: Der Stern von Erui (Schattenkriege) Autor: Sylvia Rieß Verlag: CreateSpace Reihe: Der Stern von Erui, #2 Seitenzahl: 528 Genre: Fantasy Alter: 16+ Erste Aufl.: 12. August 2016 (TB) Ausgaben: Taschenbuch, E-Book ISBN: 978-1536828535 (TB) Vorgängerband: Der Stern von Erui (Heimkehr) Folgeband: Der Stern von Erui (Sternenstaub)

Über das Buch und die Autorin

Der Stern von Erui (Schattenkriege) ist der zweite Band der Sternenlied-Saga, einer Fantasyreihe, die mit Der Stern von Erui (Heimkehr) begann. Die Bücher stemmen aus der Feder der deutschen Autorin Sylvia Rieß, die am 04. Oktober 1985 in Wetzlar (Hessen) geboren wurde. Der erste Roman der Reihe ist seit dem 20. Oktober 2015 auch als Printausgabe erhältlich. Der zweite ist aktuell (Nov. 2015) nur als E-Book erhältlich. Das Buch hat 594 Seiten (epub) und ist in mehrere größere Abschnitte und Kapitel untergliedert.

Meine Meinung zu Der Stern von Erui (Schattenkriege)

Der zweite Teil der Sternenlied-Saga von Sylvia Rieß hinterlässt bei mir recht unterschiedliche Eindrücke. Meine Meinung zu Der Stern von Erui (Schattenkriege) ist, auf Deutsch gesagt, sehr gespalten. Ich denke, ich fang einfach mal an und versuche es so gut es geht in Worte zu fassen…

Das Buch setzt natürlich die Handlung des ersten Bandes fort und es hat so etwa 60 Seiten gedauert, bis ich wieder drin war. Die ersten Seiten empfand ich etwas verwirrend und irgendwie konnte ich nicht allen Handlungsfäden bis ins Detail folgen. Das lag vermutlich auch daran, dass seit dem ersten Teil vier Monate vergangen sind. Das Namensregister im Buch half mir jedoch irgendwann den Anschluss zu finden. Was war für mich so verwirrend?
Zum einen die verschiedenen verwandtschaftlichen Verhältnisse der Protagonisten. Onkel, Cousinen, Väter, Töchter, Brüder, Schwestern,…, dieser König, jener König, Prinzen und Prinzessinnen, irgendwann hab ich da wohl etwas den Faden verloren.
Hinzu kamen immer wieder Rückblicke auf vergangene Ereignisse in der Handlung, wodurch es mir manchmal schwerfiel die Informationen einzuordnen. War das jetzt wichtig oder nicht?
Ich glaube, dass man die Bücher der Reihe am besten gleich hintereinander lesen sollte, um den Faden nicht zu verlieren. Ich habe leider nicht immer jedem dieser Fäden bis ins Detail folgen können und musste nicht selten über die Zusammenhänge nachdenken. Was ich jedoch verstanden habe, war gut. Sylvia Rieß hat einen sehr schönen und bildlichen Schreibstil und kann sich mit Worten wirklich klasse ausdrücken. Das hat mir gut gefallen.

Einen großen Teil der Handlung machen die Schattenkriege gegen die dunklen Heerscharen des Fürsten der Schatten aus. Armeen reisen, angeführt von den ruhmreichen Protagonisten, von einem Schlachtfeld zum nächsten und verlieren sich in blutigen Kämpfen, die nicht zu detailliert geschildert werden. Der Leser blickt auf diese Ereignisse oft nur aus der Distanz.
Ein weiterer großer Teil sind die Beziehungskisten, die dazwischen immer wieder einfließen und manchmal den Spannungsbogen leider etwas abflachen ließen. Vielleicht bin ich auch einfach zu wenig romantisch, um das zu verstehen, denn hin und wieder sind mir beim Lesen die Augen zugefallen. Vermutlich ist das aber einfach nichts für mich, denn mancher Abschnitt hätte ruhig etwas kürzer sein können. Vor allem Fenias ständige Selbstzweifel und Träume fand ich etwas ermüdend.
Vielleicht war ich auch einfach nur etwas zu erschöpft vom Arbeitsalltag und konnte deswegen nicht mehr ganz folgen. Fakt ist, dass man diese Saga schon mit einer gewissen Konzentration lesen muss, denn es passiert schon so einiges und die Dinge sind ziemlich stark miteinander verwoben.

Was mir in Der Stern von Erui (Schattenkriege) leider am meisten fehlte, das war das große Ziel der Geschichte. Eine Perspektive mit einem roten Faden, denn ich wusste nie so recht, wo die ganze Reise eigentlich hingehen soll. So etwas wie: „Wirf den Ring in den feurigen Berg, Frodo!“ – „OK. Auf geht’s.“ Die Handlung machte auf mich zeitweise den Eindruck wie eine dieser Fernseh-Soaps, die zwar immer wieder mit kleinen Höhepunkten in den Kapiteln aufwartet, aber was kommt weiß man nie so recht, bis mal wieder etwas passiert. Schade eigentlich, den die Autorin kann wirklich gut schreiben und sie hat auch viele Ideen in das Buch einfließen lassen, die auch noch ausbaufähig sind. Wohlgemerkt: Ich will das Buch hier keinesfalls schlecht machen, ich bin nur nicht so richtig mit diesem Stil klargekommen.
Leider konnte ich auch kaum eine Beziehung zu den meisten Charakteren aufbauen, weshalb mir deren Schicksal oft ziemlich egal war. Dadurch bleibt natürlich auch viel Spannung auf der Strecke, weil man eben nicht so sehr mit fiebert. Am besten gefallen hat mir noch der junge König Dûrowinn mit seiner freundlichen Art, aber auch Joe, der Lord Marschall von Erui konnte überzeugen und natürlich Yvonne, mit ihrer Liebe zu den Pferden.

Mein Fazit zu Der Stern von Erui (Schattenkriege)

3 von 5 Sternen "Ein wenig zu weichgespült für mich."
3 von 5 Sternen
„Viel Potential.“

Wie gesagt, bin ich mit meiner Meinung diesmal sehr gespalten. Zum einen gefällt mir die Art, wie Sylvia Rieß mit Worten eine fantastische Geschichte formen kann und auch die vielen guten Ideen, die sie in die Handlung einfließen ließ. Zum anderen fehlte mir die große Perspektive auf das Ende des Buches und ein durchgängiger Spannungsbogen, der mich dauerhaft an das Buch fesseln konnte. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich etwas verpasse, wenn ich nicht sofort und auf der Stelle weiterlese.
Ich glaube, dass die Autorin sehr viel Potenzial hat und ich bin überzeugt, dass vor allem den Leserinnen und Lesern die Sternenlied-Saga gefallen wird, denen zwischenmenschliche Beziehungen und Romanzen im Roman wichtig sind. Liebe und Freundschaft spielen in dieser Fantasy-Reihe eine große Rolle und damit kann Sylvia Rieß die Leser einfangen. Das Buch ist daher durchaus lesenswert.

Update 2020: Inzwischen gibt es Der Stern von Erui auch als E-Book-Gesamtausgabe.

Jay

7 Gedanken zu “Der Stern von Erui (Schattenkriege) von Sylvia Rieß

  1. Hi Jay,

    na das ging ja diesmal schnell:)
    Erstmal vielen Dank für deine Rezension, auch wenn es ’nur‘ drei Sterne wurden. Aber genau dafür schätze ich deine Seite ja so, weil du sehr ehrlich mit deinen Kritiken bist. Ein wenig schade, dass dich die ‚Beziehungskisten‘ so gestört haben. Denn eigentlich, wenn man es durchrechnet gibt es eine Romanze, ein Liebespaar und nur einen unglücklich verliebten Ritter. Da könnte JRR Martin vermutlich nur trocken lachen *g*.
    Von anderer Seite musste ich mir übrigens schon sagen lassen, dass ich die ‚Beziehungskisten doch bei weitem mehr und ausführlicher hätte ausbauen sollen. Wo fängt man da also an, als Autor. Doch ich denke letztendlich ist es wirklich Geschmackssache.
    Über dein Lob an meinem Schreibstil freue ich mich wirklich sehr. Aber ich habe hier auch noch ne Kleinigkeit für dich, denn entweder habe ich ihn zu gut versteckt, oder du hast ihn zwischen den Onkeln, Tanten, Coousinen, Cousins und den vielen Königen und Rittern echt einfach nicht gefunden. *roten Faden in die Hand drück*. Er besag so ziemlich eindeutig: Die Prinzessin muss nach Hause zurück, einen Weg finden, den Schatten zu bezwingen und die Welt vor dem Untergang retten. 😉 Ist zwar kein Ring und kein Schicksalsberg, aber das wäre ja auch in Neuauflage einfach langweilig.

    Noch einmal vielen Dank

    und ganz liebe Grüße,

    Sylvia

    1. Hallo Sylvia,

      danke für deine Rückmeldung auf die Rezension. Ich habe mir bei dem Buch wirklich etwas schwer getan es einzuordnen. Ich weiß nicht. Irgendwie hatte ich immer ein bisschen das Gefühl, als hätte die Handlung etwas straffer sein können und etwas mitreißender. Mein Hauptproblem waren wirklich die vielen Namen und dazu die verschiedenen Ereignisse (aus dem ersten Buch), auf die immer mal wieder Bezug genommen wurde. Vielleicht hätte es geholfen, wenn es zu Beginn von „Schattenkriege“ eine 1-2 seitige Zusammenfassung der Ereignisse aus Band 1 gegeben hätte, damit der Leser den Faden wieder aufnehmen kann.
      Ich muss gestehen, dass ich irgendwann einfach etwas den Überblick über die gesamte Geschichte verloren habe. Ich war dann froh, wenn es mal einen längeren Handlungsabschnitt gab, bei dem wirklich nur das Jetzt im Fokus stand (z. B. Joes Marsch durch den Sumpf im Nebel oder Fenias Erlebnisse bei der Entführung) ohne irgendwelche Träume und Rückblicke und geschichtliche Verknüpfungen.
      Du hast viele gute Ideen und auch versucht sie irgendwo alle mit einfließen zu lassen. Man muss dann aber aufpassen, dass man den Leser nicht irgendwann verwirrt, denn Du hast schon den Überblick aber der Leser muss die Dinge irgendwie einordnen können und sie sich eventuell für später merken, wenn vielleicht wieder drauf Bezug genommen wird. Ich musste dann oft überlegen, wie das nochmal genau war.
      Vielleicht muss ich mich irgendwann einfach nochmal hinsetzen und die Bücher in einem Stück hintereinander lesen. Eventuell mit Notizen.
      Natürlich kann man die Beziehungskisten noch weiter ausbauen, keine Frage. 🙂

      Liebe Grüße
      Jay

      1. Ja, ich sehe schon, dich verwirren die Namen immer noch 😉 Das im Sumpf war nicht Joe *g* Das war Dûrowinn.
        Und was ich auf jeden Fall gemerkt habe ist, dass ich die Bücher schneller am Stück hätte rausbringen müssen. Und ich versteh mittlerweile jeden, der eine Reihe erst anfängt, wenn er sie von vorne nach hinten durchlesen kann. Mir war ja beim Schreiben ja bewusst, dass es nicht einfach und mal so ‚für zwischendurch‘ ist. Weswegen ich ja bewusst nicht die chronologische Erzählweise gewählt habe.
        Doch da muss man sich dann glaube ich wirklich komplett auf das Gesamtwerk einlassen können (was ja noch nicht gesamtwerktechnisch erschienen ist = my bad 🙁 )
        Sollte es dich so sehr interessieren, dass du es irgendwann wieder in die Hand nehmen wirst, wäre das eine Freude.
        Auf jeden Fall ermutigt mich deine Kritik nach der Sternenreihe vielleicht mal was ganz neues auszuprobieren. (Obwohl da noch zwei Prequels grade in mir lauern, aber die sind mit so viel rotem Faden gesegnet, wie ihrer Zeit ‚Die Nebel von Avalon‘) aber ich hätte Lust mal einfach gute Sword and Sorcery-Fantasy zu schreiben, ganz ohne Epos und so 😉

        1. Dûrowinn? Ups. :/
          Ja, für so eben mal zwischendurch ist die Saga nichts. Man muss sich schon konzentrieren. Ideal wäre es, wenn man auch nach mehreren Monaten in die Fortsetzung einsteigen kann, ohne lange überlegen zu müssen, wie das noch im Buch davor war. Hier liegt in meinen Augen das Problem. Die Zusammenhänge waren vielleicht ein bisschen zu verworren, als dass man sie hätte sich alle merken können. Um das zu beurteilen müsste ich jetzt aber den ersten Band nochmal lesen und sehen, wie ich damit zurecht komme.
          Ich glaube aber schon, dass ich die Sage irgendwann nochmal lesen werde. Dein Stil gefällt mir ja recht gut und du schreibst wirklich sehr anschaulich. 🙂

          Liebe Grüße
          Jay

  2. Huhu Jay,
    schade, dass dir der zweite Band etwas weniger zugesagt hat als der erste. Ich habe gerade mal geschaut, wie du den ersten Band bewertet hast: 4 Sterne, bei mir war es genauso. Ich habe Band 2 noch vor mir, aber immer noch große Hoffnungen, dass es mir gefallen wird. Die Beziehungskisten sollten mich nicht so stören (außer es wird so ein Hickhack oder Drama draus). Hach, jetzt bin ich gespannt! Wahrscheinlich komme ich aber erst im Dezember dazu es zu lesen.

    Liebe Grüße und danke für die schöne Rezension,
    Cindy

    1. Huhu Cindy,
      das Buch ist wirklich lesenswert und ich kann es auch empfehlen. Sylvia Rieß schreibt wirklich überzeugend, hat eine sehr gute Wortwahl und kann die Geschichte gut erzählen. Es war nur leider nicht so ganz mein…, wie sagt man noch? Mein bevorzugter Schreibstil oder meine bevorzugte Gewichtung in der Handlung. Beziehungskisten gehören schon dazu, jedoch sollten sie für mich nicht zu viel Anteil am Geschehen haben.

      Liebe Grüße
      Jay

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