6. April 2020

900 Meilen von S. Johnathan Davis

Buchcover von 900 Meilen von Johnathan S. Davis

John ist ein Killer. Das war er nicht immer. Er war ein Geschäftsmann – vor der Apokalypse. Als sich die Toten plötzlich erheben, ist er in New York gefangen und es beginnt ein grauenvoller 900-Meilen-Wettlauf gegen die Zeit, als John versucht, zu seiner Frau zu gelangen. Schnell muss er feststellen, dass die Zombies das Geringste seiner Probleme sind. Hautnah erlebt er die Schrecken, die Menschen verbreiten, wenn es plötzlich keine Regeln mehr gibt; wenn abscheuliches Handeln keine Konsequenzen birgt und der Tod allgegenwärtig ist. John verbündet sich mit Kyle, einem ehemaligen Armeepiloten. Gemeinsam fliehen sie aus New York. Auf ihrer Flucht treffen sie einen Mann, der behauptet, die Schlüssel zu einer Untergrundfestung namens Avalon zu besitzen … (Klappentext)

Titel: 900 Meilen Autor: S. Johnathan Davis Genre: Endzeit Verlag: Luzifer Seitenzahl: 280 Alter: 18+ Erste Aufl.: 24. April 2014 Ausgaben: Broschiert, E-Book ISBN: 978-3943408249 (Dt. TB) Folgeband: 900 Minuten

Über das Buch und den Autor von 900 Meilen

Das Buch 900 Miles wurde im Januar 2013 veröffentlicht und war einige Wochen auf Platz 1 der Liste der besten neuen Bücher bei Amazon. Acht Monate lang war es zudem in den TOP 100 in der Sparte Occult Horror bei Amazon. Die Fortsetzung des Romans erschien am 16. Oktober 2014 unter dem Titel 900 Minutes. S. Johnathan Davis lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Atlanta, Georgia (USA).

Meine Meinung zu 900 Meilen

Von über 250 Bewertungen auf Amazon geben 53 % der Leserinnen und Leser diesem Buch fünf Sterne. Da sieht man mal, wie weit Meinungen auseinander gehen, wenn es um Bücher geht. Ich habe keine Ahnung, was diese Leser an dem Buch finden, um ihm die Höchstzahl an Sternen zu geben. Ich fand es bestenfalls durchschnittlich und ich will hier erklären, warum ich das so sehe.

Interessant ist zunächst die Erzählperspektive, denn der Autor schreibt in der Ich-Perspektive und lässt uns die Handlung direkt durch die Augen der Hauptperson sehen, dem Geschäftsmann John der zum Zeitpunkt der Zombie-Apokalypse geschäftlich in Manhattan ist, 900 Meilen getrennt von seiner schwangeren Frau in Atlanta. Klar, dass er unbedingt zu ihr zurück möchte und dafür alles auf sich nimmt. Die Frau ist natürlich hochschwanger, um die Dramatik zu erhöhen. Er freundet sich mit Kyle an, einem Ex-Soldaten, der zufälligerweise auch noch Hubschrauberpilot ist und macht sich auf den Weg. Während ihrer Reise nach Süden retten sie (ebenfalls rein zufällig) den geheimnisvollen Michael, der ihnen von einer verborgenen Untergrundfestung mit dem Namen Avalon berichtet, in der man wohl sicher wäre… Ganz ehrlich, die ganze Handlung wirkt völlig aufgesetzt und bringt absolut nichts Neues daher. Natürlich dürfen auch böse Menschen, nicht fehlen, die sich bereits am vierten Tag nach Ausbruch der Apokalypse gegenseitig foltern und umbringen. Ok, die Handlung ist vollgestopft mit uralten Zombie-Ideen und jeder Menge Klischees. Wäre alles nicht so wild, wenn sie wenigstens gut geschrieben wäre. Ich gebe zu, die Ich-Perspektive eröffnet einige Möglichkeiten, doch leider hat man beim Lesen den Eindruck, das Buch wurde von einem pubertierenden Jugendlichen geschrieben, was jedoch nicht der Fall ist. Schon nach den ersten Seiten war ich versucht das Buch abzubrechen, denn der Schreibstil ist gerade zu Beginn einfach nur holprig und schlecht, später wird es etwas besser, bleibt aber unausgegoren und oberflächlich. Insgesamt kling der ganze Stil eher nach dem nicht überarbeiteten Erstlingswerk eines Amateurs. Die letzten 80 Seiten habe ich dann nur noch überflogen.

Was mich vor allem gestört hat ist die flapsige Sprache, mit der Dinge beschrieben werden, und die häufigen pubertären, der Fäkalsprache entlehnten Ausdrücke:  Hier ein paar wenige Beispiele: der „einstige fette Bastard“, „Hurensohn“, die „Huren von Fernsehsendern“, ein „riesengroßer Haufen Scheiße“, „Mein Apartment ist mittlerweile unter einigen Metern Zombischeiße begraben“, „Das Gebäude war zerstört und sah aus wie ein Haufen Scheiße“, „Meine Haare (…) klebten wie vollgewichst am Schädel“,… Ich weiß zwar nicht, wie ein Gebäude wie ein „Haufen Scheiße“ aussehen kann, aber lassen wir das. Mir scheint, es wurden Fäkalausdrücke nur verwendet, weil es irgendwie cool klingen soll. Das wäre noch verständlich, wäre die Hauptperson ein Teenager, aber John ist ein gut bezahlter Geschäftsmann der die Karriereleiter nach oben steigen wollte. Unglaubwürdig. Auf jeder dritten Seite wird geflucht, was nicht schlimm wäre, würde es zur Situation passen. Tut es aber in den seltensten Fällen. Fluchen um des Fluchens Willen ist ebenfalls unglaubwürdig. So wie im Buch manchmal gesprochen wird, spricht kein normaler Mensch. Bei der Übersetzung des Buchs ins Deutsche wurden ebenfalls Fehler gemacht. „To hear something through the grapevine“ kann man eben nicht mit „etwas durch die Weinrebe hören“ übersetzen. Ein guter Übersetzer sollte solche Fehler nicht machen.

Die Handlung des geht nicht in die Tiefe, sondern hangelt sich von einem Ereignis zum anderen. Der Schreibstil ist flüssig und abwechslungsreich. Dadurch kommt man zwar schnell voran und man liest das Buch wirklich zügig, weil viel Action vorhanden ist, allerdings bleibt dadurch auch sehr viel Atmosphäre auf der Strecke. Sie wird quasi gar nicht erst aufgebaut. Die Kämpfe sind detailliert, voller Gewalt und blutig beschrieben. Es genügt aber für mich nicht, wenn Leichenteile fliegen und literweise Blut spritzt, denn dadurch wird der Schreibstil auch nicht besser. Hinzu kommt, dass im Text Dinge vorkommen, die so nicht funktionieren. Auch ein starker Zombie kann sich nicht einfach mal schnell selbst ein Bein oder gar einem anderen den Kopf abreißen. Ebenso wenig kann man mal eben einen Haufen menschlicher Körper in einem großen Lagerfeuer verbrennen. Das funktioniert so nicht und sollte man inzwischen wissen, wenn man das als Autor so schreibt.
Kommen wir zu den Charakteren. Die Protagonisten, deren Gefühle und Gedanken werden kaum beschrieben und damit bleiben sie durchweg eindimensional, blass und austauschbar. Zudem gibt es viele Klischees, aber das sagte ich ja bereits. Würden die Protagonisten alle sterben, ich würde ihnen keine einzige müde Träne nachweinen, nicht einmal Johns schwangerer Frau in Atlanta, von der man nur Sprachnachrichten auf dem Anrufbeantworter hört. Sie ist mir völlig egal und ihr Baby erst recht. Last but not least finden sich im Text immer wieder Rechtschreibfehler, aber auf die kommt es inzwischen auch nicht mehr an.

Es könnte natürlich sein, dass es sich bei diesem Buch um eine Parodie auf das gesamte Zombie-Genre handelt, das man mit schlechtem Stil gekonnt durch den Dreck ziehen möchte. Dann, ja dann, hat es wenigstens 4 Sterne von mir schon verdient (allerdings denke ich nicht, dass es eine Parodie ist).
Es gibt zu dem Buch auch eine Fortsetzung mit dem Titel 900 Minuten. Ich werde sie wohl mal anlesen (vielleicht auch nicht), gehe aber nicht davon aus, dass wesentlich mehr dabei rüber kommt.

Mein Fazit

Sternebewertung
1.5 von 5 Sternen
„Völlig überbewertet.“

Wenn jemand wenig Ansprüche an einen guten Endzeitthriller mit Zombie-Apokalypse stellt und wenn derjenige es gerne blutig, schnell und aktionsreich mag ohne das ihm/ihr Charakterentwicklung und eine tiefere Handlung wichtig sind, dann würde ich dieses Buch empfehlen. Allen anderen rate ich die Finger davonzulassen. Es gibt für das Geld wesentlich bessere Bücher auf dem Markt und für die Lesezeit auch wesentlich bessere Unterhaltung. Die Sterne gibt es für das bisschen Spannung, das beim Lesen aufkommt.

Freunden von Endzeit-Romanen empfehle ich an dieser Stelle Die Straße von Cormac McCarthy und einen Klick in die Kategorie „Dystopien“.

Jay

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