23. Mai 2022

Großvaters Haus von Jon Athan

Jon Athan: Großvaters Haus, Festa Verlag, 2020

Ein Streich bringt den 16-jährigen Malcolm in ernste Schwierigkeiten. Während seine Mutter versucht, ihn vor strafrechtlicher Verfolgung zu bewahren, wird er zu seinen Großeltern aufs Land geschickt.
Malcolm rechnet mit ruhigen Tagen, mit Milch, Keksen und Geschichten aus der Vergangenheit. Doch als er mit seinem Großvater aneinandergerät – einem strengen, gewalttätigen Mann mit einer finsteren Vergangenheit – erwartet ihn das Grauen. Der Alte will seinen Enkel disziplinieren, um ihn »vor sich selbst zu retten«. Er will ihn physisch und mental brechen.

Jon Athan lädt zu einem Besuch im Haus des Großvaters ein. Ein gnadenloser Extreme-Horror-Thriller. (Quelle: Festa Verlag)

Titel: Großvaters Haus Autor: Jon Athan Verlag: Festa Seitenzahl: 288 Genre: Horror Alter: 18+ Erste Aufl.: 21. Juli 2020 Ausgaben: Taschenbuch, E-Book ISBN: Ohne ISBN Reihe: Festa Extrem

Über das Buch und den Autor von Großvaters Haus

Großvaters Haus ist ein Buch des amerikanischen Autors Jon Athan (vermutlich ein Pseudonym). Er lebt mit seiner Frau in Kalifornien und schreibt bevorzugt Horrorromane, die einen immer größeren Kreis von Fans begeistern. Dabei überschreitet der Autor gerne auch mal die Grenzen des Erträglichen und spricht damit Leserinnen und Leser an, die es lieber etwas brutaler und blutiger wollen.

Der Festa Verlag in Borsdorf bei Leipzig hat sich unter anderem auf Bücher dieses Genres spezialisiert und wirbt nicht umsonst mit dem Slogan „Wenn Lesen zur Mutprobe wird“. Wer also Bücher von Festa liest, kann sich sicher auf ein spannendes Lesevergnügen einstellen und sollte dabei nicht zu schwache Nerven haben. Die Titel der Reihe Festa Extrem (für die nicht nur der Autor Jon Athan schreibt) sind ausschließlich über den Verlag erhältlich und nicht im freien Buchhandel. Selbstverständlich werden sie auch nur an Erwachsene verkauft.

Meine Meinung zu Großvaters Haus von Jon Athan

Ich bin ja immer auf der Suche nach Büchern, die mich von der ersten bis zur letzten Seite fesseln können. Insbesondere gut geschriebene Horrorromane konnte ich in den letzten Jahren nur noch äußerst selten finden. Nichts besseres, als wenn man so fasziniert an den Zeilen klebt, dass man alles um sich herum vergisst. So wie damals, als ich in jungen Jahren Friedhof der Kuscheltiere von Stephen King gelesen habe und ich das Buch einfach nicht zur Seite legen konnte. Die ganze düstere Atmosphäre hat mich völlig vereinnahmt. Kopfkino in seiner schönsten Form. Leider ist Stephen King für mich inzwischen auch nicht mehr so gut, wie er früher einmal war, aber das steht auf einem anderen Papier.

Beim Festa Verlag sollte man schon eine gute Portion Mut mitbringen, wenn man die Bücher aus dem Verlagsprogramm lesen möchte. Zumindest wirbt der Verlag damit. So, wie wenn man im Kino schon vermutet, was kommt und sich dann zwingt bei der spannendsten Stelle nicht fest die Augen zuzukneifen. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen bei Großvaters Haus aus der Reihe Festa Extrem, denn mutig bin ich schon und es darf auch manchmal ein bisschen härter werden und die Grenzen überschreiten.

Die Handlung ist spannend, aber leider auch oftmals nicht glaubwürdig

Jon Athan bemüht sich in seinem Buch durchaus um Spannung, jedoch sind die Handlungsweisen der Personen nicht immer stimmig und nachvollziehbar. Der junge Protagonist Malcolm schlägt in der Schule gewaltig über die Stränge und schon hier hakt es erstmals. Ich nehme Malcolm nämlich nicht ab, dass man sich als Schüler von 16 Jahren so verhalten könnte (und ich kenne Schüler, weil ich bin selbst Lehrer). Der Streich wirkte auf mich eher kindisch und entspricht mehr dem Niveau, was sich ein 12-jähriger vielleicht ausdenken (aber sicher niemals umsetzen) würde. Der „Streich“ zeigt einen völlig anderen Charakter von Malcolm auf, denn im späteren Verlauf der Handlung zeigt er sich durchaus vernünftig und einsichtig. Der Tiger der ersten Seiten wird zu schnell zum Kätzchen. Das war für mich einfach nicht stimmig. Ok, sei es drum. Der Grund für Malcolms Suspendierung war geschaffen und er darf für einige Zeit nicht an die Schule zurück. Der nächste logische Bruch kommt, als sich Malcolms Mutter entscheidet ihren Sohn für ein paar Tage zu den Großeltern zu schicken, von deren Gewalttätigkeit sie weiß. Sie liebt ihren Sohn sehr und will ihm helfen, aber welche liebende Mutter würde ihrem Kind so etwas wirklich antun? Zu glauben, die Großeltern würden Malcolm mit ihren harten Methoden erziehen und ihm Vernunft beibringen, ist schon ziemlich blauäugig.

Die Handlung der ersten 30 Seiten ist für Hinführung zur Geschichte einfach viel zu konstruiert.

Gewalt gibt es genug, aber leider fehlt die Atmosphäre zur Spannung

Jon Athan spart im weiteren Handlungsverlauf nicht mit körperlicher und psychischer Gewalt gegen Malcolm. Hier überschreitet das Buch tatsächlich, wie versprochen, manchmal die Grenzen des Erträglichen. Das ist auch OK, denn schließlich wollte ich es ja auch so lesen. Doch leider machen extreme Gewalt, Sex und detaillierte Beschreibungen davon allein für mich keinen guten Horrorroman aus. Der Autor schaffte es nicht eine entsprechende, mitreißende Atmosphäre aufzubauen. Kurz gesagt: Das Frontcover des Romans strahlt mehr Stimmung aus, als der Text zwischen den Buchdeckeln. Man liest nicht viel von der Düsternis der Umgebung und der bedrückenden Situation für den jungen Malcolm und es entsteht leider kaum ein subtiles Gefühl der Bedrohung. Das Kopfkino der Leser wird nur selten angeregt und wir wissen alle, dass gerade die Vorstellung der Leser, was gleich alles passieren könnte, immer besser sind, als jede Beschreibung. Die empfundene Bedrohung der Protagonisten macht für einen guten Horrorroman aus. Die brutale Gewalt gegen Malcolm ist hingegen eher direkter Natur und wenig überraschend. Malcolms Gefühle sind zudem ganz oft nicht stimmungsvoll beschrieben und auch sonst wirkt die ganze Handlung eher oberflächlich und es mangelt am atmosphärischen Tiefgang.

Die Personen erfüllen einige Klischees

Das Malcolms Charakter in sich nicht ganz stimmig für mich ist, habe ich oben schon erwähnt. Großmutter und Großvater erfüllen ebenfalls so manches Klischee. Natürlich hat der Großvater eine düstere Vergangenheit, die Malcolm natürlich auch schnell aufdeckt. Opa hat einen so schlechten Charakter, dass vermutlich der Teufel nachts an seinem Bett sitzt und ihm bewundernd beim Schlafen zusieht und des Teufels Großmutter liegt im Bett daneben. Der Typ ist ein Psychopath reinster Güte und die liebe Großmutter steht ihm in nichts nach. Zwar ist ihre Art von Gewalt gegen Malcolm weniger körperlich, aber das genügt auch schon. Es ist zudem schwer vorstellbar, dass ein halbwegs intelligenter Mensch freiwillig in einer solchen Ehe bleiben möchte… naja, beide sind Psychopathen.
Leider werden die Charaktere allgemein zu oberflächlich beschrieben. Es gibt zwar Einblicke in ihre Gefühlswelt (insbesondere in die von Malcolm) aber sonderlich viel Tiefgang ist auch hier nicht zu finden. Das ist schade, denn man hätte hier noch so viel mehr an Spannung herausholen können, was dem Roman gutgetan hätte. So ist Großvaters Haus nach meinem Empfinden „nur“ ein brutaler Splatter-Roman mit geringem schriftstellerischen Anspruch. Für Fans des Genres mag das vielleicht ausreichen, mir selbst war es jedoch zu wenig.

Allerdings: Trotz der Defizite habe ich mich beim Lesen nicht gelangweilt, denn ich wollte ja unbedingt wissen, wie die ganze Geschichte endet. Schade nur, dass der Autor aus seiner Idee nicht mehr gemacht hat.

Mein Fazit zu Großvaters Haus

3 von 5 Sternen „Blieb leider hinter meinen Erwartungen zurück.“

Der Horrorroman Großvaters Haus von Jon Athan überschreitet bisweilen tatsächlich die Grenzen des Erträglichen. Leider bleibt die Handlung aber ziemlich oberflächlich und es wird nur sehr wenig subtile Spannung erzeugt. Der Hauptcharakter Malcolm ist nicht immer stimmig und auch sonst sind die Personen viel zu klischeebehaftet. Das Buch könnte allen gefallen, die auf brutale Gewalt stehen und es gerne etwas blutiger möchten. Sie werden durchaus auf ihre Kosten kommen, denn man will schließlich wissen, wie es am Ende ausgeht. Allerdings gehört für mich zu einem wirklich guten Horrorroman noch so einiges mehr.

Mein herzlicher Dank geht an dieser Stelle an den Festa Verlag für das freundlicherweise zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

Jay

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