20. September 2020

Graham Austin-King: Fae – The Wild Hunt (Rezension)

Fae – The Wild Hunt ist ein Buch, auf das ich mehr oder weniger zufällig am diesjährigen LONCON in London aufmerksam wurde. Es ist zum einen ein gutes Beispiel, wie sehr man sich doch beim Buchkauf vom Design des Covers leiten lässt (ich finde es wirklich gelungen) und zum anderen, wie schwierig es für einen realtiv unbekannten Jungautor ist, seine Werke am Buchmarkt bekannt zu machen. Da saß nun Graham Austin-King an einem Tisch mit einem Stapel wunderschöner Fantasybücher und versuchte sie unters Volk zu bringen. So what, dachte ich mir. Dann kaufst es halt für ein paar Pfund. Ich hab’s nicht bereut…

Graham Austin-King: Fae - The Wild Hunt Fallen Leaf Press (2014)
Graham Austin-King:
Fae – The Wild Hunt
Fallen Leaf Press (2014)

Feen und die Fae… der Stoff, aus dem Gutenachtgeschichten gesponnen werden. Manchmal aber sind die Geschichten über die Fae wahr. Manchmal sind sie auch eine Warnung… Seit hunderten Generationen wurden die Fae verbannt, weggeschlossen hinter einer magischen Barriere und in die Kälte außerhalb der menschlichen Welt. Mit der Zeit schwanden die Erinnerungen an ihre Existenz und sie lebten nur noch in den Mythen und Legenden der Menschen fort. Nun wird die Barriere jedoch schwächer und die Fae drücken gegen ihre zerbrochenen Überreste und suchen nach einem Weg, um endlich in die Welt der Menschen zurückzukehren.
Während sich in den Ländern eine neue Religion ausbreitet und zielstrebig die alten Sitten und Vorstellungen hinwegfegt, richtet ein kriegerisches Volk, begierig nach neuen Ländereien, seinen Blick über den gefrorenen Ozean auf die Küsten von Anlan. Ein Krieg droht, gerade als die Barriere zu verschwinden droht und die Fae mit aller Kraft versuchen ihre Überreste zu durchbrechen. Werden es die Menschen rechtzeitig schaffen die verborgenen Wahrheiten in den Kindergeschichten zu erkennen und sich auf den drohenden Ansturm vorzubereiten? (Klappentext-Übersetzung)

Titel: Fae – The Wild Hunt Autor: Graham Austin-King Verlag: Fallen Leaf Reihe: Wyrde, #2 Seitenzahl: 326 Genre: Fantasy Alter: 16+ Erste Aufl.: 14. August 2014 Ausgaben: Taschenbuch, E-Book, Hörbuch ISBN: 978-0993003707 (HC)

Über den Autor und das Buch

Fae – The Wild Hunt erschien als Taschenbuch im August 2014 bei Fallen Leaf Press und hat 327 Seiten. Die Schrift ist relativ klein, aber gut lesbar. Das wunderschöne und recht mystisch gestaltete Cover stammt von Vin Hill. Der zweite Band des Dreiteilers ist inzwischen auch erschienen und trägt den Titel  Fae – The Realm of Twilight.

Meine Meinung

Ich habe das Buch v. a. aufgrund des Covers und des Klappentextes gekauft, weil ich bis dahin nichts von dem Autor gehört hatte und ich einfach neugierig war. Ich muss sagen, dass ich den Kauf bis zur letzten Seite nicht bereut habe. Graham Austin-King erschafft in seinem Buch eine mittelalterlich geprägte Welt und nicht die typische Fantasywelt, in der Monster, Dämonen und böse Zauberer die Ländereien unsicher machen. Magie spielt eigentlich keine Rolle, weil die Menschen sie längst vergessen haben. Ähnlich wie in unserer realen Welt leben fantastische Wesen daher nur in der Mythen und Legenden der Menschen fort, sowie in Kinderreimen und -spielen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden.

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Der Autor schreibt als allwissender Erzähler, der seinen Fokus auf verschiedene Hauptfiguren richtet und die Perspektive immer wieder wechselt. Da ist zum Beispiel der Junge Devin, der mit seiner Mutter aus dem Haus des drunksüchtigen Vaters flieht und der während dieser Flucht schlimme Dinge miterleben muss. Dann der 14-jährige Klöss, der sich nichts sehnlicher wünscht, als dem viel zu engen Haus des Vaters zu entkommen, um auf See und an feindlichen Küsten Abenteuer zu erleben. Und ein geheimnisvoller alter Einsiedler, der mit uralten Ritualen versucht, die Welt vor großem Leid zu bewahren. Während in der ersten Hälfte des Buches diese Handlungsstränge noch unabhängig voneinander sind, verknüpfen sie sich schließlich zu einer mitreißenden Geschichte, die bis zur letzten Seite spannend bleibt. Der Autor versteht es sehr gut die Welt im Kopf des Lesers lebendig werden zu lassen und mit seinen detaillierten und bildhaften Beschreibungen Stimmung aufzubauen. Stimmung, wie sie auch schon im Cover deutlich wird. Einziges kleines Manko: Ich hätte mir noch tiefere Einblicke in die Gefühlswelt der Charaktere gewünscht. Sie blieben v. a. in manchen emotionalen Passagen etwas zu unnahbar und farblos für meinen Geschmack. Auch gibt es die eine oder andere Liebesbeziehung, die aber nur eine untergeordnete Rolle spielt. Das fand ich sehr schade, weil man hier noch viel mehr hätte draus machen können. Es ist aber nicht so, dass mir die Hauptcharaktere egal waren, ganz im Gegenteil.
Der Geschichte selbst tat das alles jedoch gar keinen Abbruch. Graham Austin-King hat einige sehr gute Ideen und konnte die auch glaubhaft umsetzen und miteinander verknüpfen. Positiv ist auch zu erwähnen, dass es mehrere kleinere Zeitsprünge gibt, welche die Handlung immer wieder in größeren Schritten voran bringen. Insgesamt deckt das Buch somit einen Zeitraum von fünf bis sechs Jahren ab und in dieser Zeit wachsen die anfangs kindlichen Hauptcharaktere zu jungen Männern und Frauen heran, welche die Geschichte aktiv bestimmen können. Nebenhandlungen werden zwar erwähnt und beschrieben, aber nicht groß breit getreten, wodurch alles etwas zügiger voran geht. Besonders gut hat mir auch die Sache mit den Kindergeschichten und Mythen gefallen, die mit der Zeit einen wahren Kern offenbarten und vermuten ließen, dass es Magie und mächtige Fabelwesen tatsächlich gibt und die den Menschen nicht immer nur Gutes wollen.
Was ich dem Autor außerdem zugutehalte, ist seine Bereitschaft auch wichtigere Charaktere im Buch zu opfern, und nicht nur belanglose Nebenpersonen, die eigens dafür eingeführt werden, damit sie irgendwann über die Klinge springen. Das Buch gewinnt dadurch erheblich an Spannung, die Handlung ist weitaus schwieriger verhersehbar (nichts schlimmeres als ein Buch, in dem man schon vorher absehen kann, was später alles passieren wird)  und ich freue mich schon jetzt auf die weitere Entwicklung.
Insgesamt gelang Graham Austin-King mit Fae – The Wild Hunt ein überzeugendes Debüt in dem Genre, das er, wie er selbst sagt, schon seit seiner Kindheit am liebsten liest.

4 von 5 Sternen "Ein spannender Fantasyroman mit vielen guten Idee."
4 von 5 Sternen
„Ein spannender Fantasyroman mit vielen guten Ideen.“

Mein Fazit

Fae – The Wild Hunt konnte mich in vielen Punkten überzeugen. Schon von der ersten Seite an konnte ich in die Geschichte eintauchen und es machte mir Spaß der Handlung bis zur letzten Seite zu folgen. Graham Austin-King hat in meinen Augen einen durchaus lesenswerten Fantasyroman abgeliefert, der sich nicht zu verstecken braucht. Von mir gibt es eine Lesempfehlung und natürlich würde ich mich über Kommentare zum Buch und zur Rezension freuen.

Ich habe den Roman auf Englisch gelesen. Das Sprachniveau ist für Fortgeschrittene Lerner mit einem umfassenden Wortschatz durchaus machbar. Leider gibt es das Buch noch nicht auf Deutsch.

Jay

[austinking]

6 Gedanken zu “Graham Austin-King: Fae – The Wild Hunt (Rezension)

    1. Thanks for the comment. I surely will and I’m already looking forward to the sequel. There are some great characters involved in the story and I definitely want to read more about them. 🙂

  1. 0,89 € für die Kindle-Version? Also ich habe nicht einmal einen Kindle und wenn ich einen hätte, würde sich bei mir ganz stark das Gewissen regen nur 89 Cent für ein Buch zu bezahlen.

    Aber vielleicht gehör ich mit meinen 29 Jahren ja auch schon zur alten Generation und habe merkwürdige Ansichten…

    Ich finde Coming-of-Age Geschichten immer spannend, da es immer interessant ist zu sehen wie der Autor, der im Normalfall schon längere Zeit aus dem Altersbereich seines Protagonisten heraus sein dürfte, das Weltbild, die Ansichten und die Handlungsweise seiner Hauptfigur darstellt. Ich persönlich finde es durchaus schwierig, da recht viele Menschen im Laufe ihres Lebens zu vergessen scheinen wie es denn so war als Kind/Jugendlicher…
    Einige Autoren versuchen es, aber scheitern oft daran, da sie einfach Dinge beschreiben die ein Mensch in dem Alter oftmals gar nicht so denken kann.

    Promise of Blood kannst du dir bei Gelegenheit mal schnappen, sehr schönes Buch, auch wenn man an einigen wenigen Stellen merkt das es der Debütroman des Autors war. Das Englisch war auch recht leicht zu verstehen. Musste nur das Wort „teetotaler“ nachschlagen…

    1. Ja, ich gebe Dir recht. Mir gefällt es darüber zu lesen, wie sich ein junger Charakter mit der Zeit entwickelt, v. a. weil er die Welt noch aus seiner jugendlichen Perspektive sieht. Ich glaube auch, dass es für einen älteren Autor schwer ist, dies schriftstellerisch glaubwürdig umzusetzen.

  2. Schönes Review, habe das Buch gleich mal auf die „To read“-Liste gesetzt. Das klingt äußerst lesenswert… 🙂

    Ich lasse mich manchmal auch von der Gestaltung des Covers leiten, aktuellstes Beispiel „Promise of Blood“ von Brian McClellan was ich just in dieser Nacht beendet habe.

    Und ich muss mir ernsthaft überlegen mal auch solch eine Bücher-Con zu besuchen.

    1. Ich fand es wirklich sehr gut. Manche sagen, dass dieses Schema für eine Handlung inzwischen sehr abgedroschen ist: Junge oder Mädchen wächst in armen Verhältnissen auf, es passiert etwas Schlimmes, er/sie entdeckt eine große Gabe und rettet daraufhin mehr oder weniger freiwillig die Welt. Ich find’s trotzdem immer wieder gut, da es Fantasy mit Coming-of-Age-Elementen verknüpft. In Fae-The Wild Hunt bringt der Autor jedoch eine ganze Menge guter Ideen zusätzlich mit ein und es ist keine typische Fantasy-Coming-of-Age-Geschichte. Mir hat es sehr gut gefallen. Für 8,90 kann man nicht viel falsch machen und die Kindle-Edition liegt bei nur 0,89 Euro. „Promise of Blood“ werde ich mir gerne einmal ansehen. 🙂

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